Das Gezeiten-Modell

Der Kompass für eine recovery-orientierte, psychiatrische Pflege
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Juli 2020
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  • 296 Seiten
 
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978-3-456-96034-0 (ISBN)
 
Das Gezeitenmodell von Phil Barker und Poppy Buchanan-Barker umschreibt eine recovery-orientierte psychiatrische Dienstleistung, deren Ausgangspunkt die menschliche Erfahrung psychischer Erschütterungen ist. Im Zentrum stehen nicht Diagnosen, sondern die persönlichen Geschichten und Erfahrungen von Menschen mit psychischen Lebensproblemen. Mit diesem Modell können Fachpersonen ihre Angebote personenzentriert umsetzen. Im ersten Teil wird, nach einem Interview mit den Autoren, in das Gezeiten-Modell eingeführt. Es werden die 10 Verpflichtungen, die Überzeugungen für gezeitenorientierte Praktiker sowie die 20 sich daraus ableitenden Befähigungen und die dem Modell zugehörige Live-Dokumentation dargestellt. Die folgenden drei Teile widmen sich den drei Dimensionen: des Selbst, in der der Schwerpunkt im Aufbau einer brückenschlagenden Beziehung und der Erstellung eines persönlichen Sicherheitsplans liegt, der Dimension Welt, in der ein ganzheitliches Assessment erfolgt und der Dimension der Anderen, deren Hauptaugenmerk auf Gruppenarbeit liegt. Die praktische Umsetzung und wissenschaftliche Verordnung des Gezeiten-Modells schließen sich im letzten Teil an. Neu in der 2. Auflage finden sich ergänzende Beiträge zur Anwendung des Modells in der Akutpsychiatrie, der ambulanten psychiatrischen Pflege und der gerontopsychiatrischen Pflege. Das Original recovery-orientierter psychiatrischer Pflege von Barker - Menschen mit psychischen Lebensproblemen als Erfahrungsexperten verstehen, ihren Geschichten zuhören und mit ihnen nach Wegen psychischer Unterstützung suchen.
2., Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Bern
  • |
  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • |
  • Pflegefachpersonen, psychiatrisch Pflegende
  • 8
  • |
  • 6 Abbildungen, 8 Tabellen
  • 3,02 MB
978-3-456-96034-0 (9783456960340)
10.1024/86034-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhaltsverzeichnis, Danksagung, Widmung und Vorwort [Seite 7]
2 - Interview mit Phil Barker und Poppy Buchanan-Barker [Seite 21]
3 - Ru?ckforderung - Die Kunst des Möglichen [Seite 31]
3.1 - 1. Das Gezeiten-Modell - Die ersten 10 Jahre Entwicklung und Wandel [Seite 33]
3.1.1 - Klinik oder Gemeinde - klinische oder häusliche Pflege [Seite 34]
3.1.2 - Normale Sprache [Seite 34]
3.2 - 2. Was ist das Gezeiten-Modell? [Seite 35]
3.3 - 3. Einfu?hrung [Seite 39]
3.3.1 - Was ist das Problem? [Seite 39]
3.3.2 - Probleme menschlichen Lebens [Seite 40]
3.3.3 - Die zentrale Gezeiten-Frage [Seite 41]
3.3.4 - Komplexe Probleme - und einfache Lösungen [Seite 42]
3.3.5 - Von der Person lernen [Seite 43]
3.3.6 - Leben mit dem Chaos - Lernen aus Erfahrung [Seite 44]
3.3.7 - Der fu?rsorgende Lebensretter [Seite 44]
3.3.8 - Der Strom des Wandels [Seite 45]
3.3.9 - Das wechselnde Antlitz des Wassers [Seite 46]
3.3.10 - Die Gezeiten-Metapher [Seite 47]
3.3.11 - Hören Sie auf, so hart zu arbeiten [Seite 49]
3.4 - 4. Die 10 Verpflichtungen [Seite 51]
3.4.1 - Gezeiten-Werte [Seite 51]
3.4.2 - Die 10 Verpflichtungen und ihre Befähigungen [Seite 51]
3.5 - 5. Das Gezeiten-Modell im Überblick [Seite 55]
3.5.1 - Gezeiten-Überzeugungen [Seite 55]
3.5.2 - Die Gezeiten-Metapher [Seite 56]
3.5.3 - Weitere zentrale Fragen [Seite 57]
3.5.4 - Das Pflegekontinuum [Seite 58]
3.5.4.1 - Die Notwendigkeit unmittelbarer Betreuung [Seite 59]
3.5.4.2 - Die Notwendigkeit fu?r Wachstumsbegleitung [Seite 60]
3.5.4.3 - Übergangspflege [Seite 61]
3.6 - 6. Die drei Dimensionen [Seite 65]
3.6.1 - Die Dimension Selbst [Seite 65]
3.6.2 - Die Dimension Welt [Seite 66]
3.6.3 - Die Dimension Andere [Seite 66]
3.7 - 7. Die Macht der Live-Dokumentation [Seite 69]
3.7.1 - Die Vorteile des «In-situ»-Dokumentierens [Seite 69]
3.7.2 - Vorteile der Live-Dokumentation [Seite 69]
4 - Die Dimension des Selbst - Entwickeln emotionaler Sicherheit [Seite 71]
4.1 - 8. Bru?cken schlagen [Seite 73]
4.1.1 - Das Leben und seine vielen Risiken [Seite 73]
4.1.2 - Bru?cken schlagen - Aufbau emotionaler Sicherheit [Seite 74]
4.1.2.1 - Von Beziehungen zu Partnerschaften [Seite 74]
4.1.2.2 - Beobachtung und Risiko [Seite 75]
4.1.2.3 - Von Begegnung zum Bru?ckenschlagen [Seite 75]
4.1.2.4 - Bru?ckenschlagen - Was Sie sehen, bekommen Sie auch! [Seite 76]
4.1.2.5 - Der Zweck des Bru?ckenschlagens in psychiatrischen Dienstleistungen [Seite 78]
4.1.2.6 - Bru?ckenschlagen - Einige einfache Beispiele [Seite 78]
4.1.3 - Die «Hochrisiko»-Situation [Seite 79]
4.1.4 - Die signifikante Risikosituation [Seite 80]
4.1.5 - Die risikoarme Situation [Seite 81]
4.1.6 - Die «gefahrenfreie» Situation [Seite 82]
4.1.7 - Mensch sein - kreativ sein [Seite 83]
4.2 - 9. Das Monitoring-Assessment [Seite 85]
4.2.1 - Emotionale Bedrohung erkunden [Seite 85]
4.2.2 - Das Assessment im Überblick [Seite 86]
4.2.2.1 - Die Wahl des Zeitpunkts [Seite 89]
4.2.3 - Charakteristische Merkmale [Seite 89]
4.3 - 10. Der persönliche Sicherheitsplan [Seite 91]
4.3.1 - Von der Pflege zur Selbsthilfe [Seite 91]
4.3.1.1 - Sicherheit und Geborgenheit [Seite 92]
4.3.1.2 - Anschauliches Beispiel [Seite 93]
5 - Die Dimension Welt [Seite 97]
5.1 - 11. Das ganzheitliche Assessment [Seite 99]
5.1.1 - Das Erzählen der Geschichte [Seite 99]
5.1.2 - Wie lauten die Zielsetzungen des ganzheitlichen Assessments? [Seite 100]
5.1.3 - Wie lauten die Zielvorgaben des ganzheitlichen Assessments? [Seite 101]
5.1.4 - Wann sollte das Assessment ausgefu?llt werden? [Seite 102]
5.1.5 - Wie sollte das Assessment durchgefu?hrt werden? [Seite 102]
5.1.6 - Wie sollte das Assessment dokumentiert werden? [Seite 103]
5.1.7 - Wer sollte das Assessment ausfu?llen? [Seite 103]
5.1.8 - Sollte noch jemand anderes am Assessment beteiligt sein? [Seite 104]
5.1.9 - Wie oft sollte das Assessment wiederholt werden? [Seite 104]
5.1.10 - Ausfu?llen des ganzheitlichen Assessments [Seite 104]
5.1.10.1 - Einfu?hrung [Seite 105]
5.1.10.2 - Übersicht des Problems oder Bedu?rfnisses [Seite 105]
5.1.10.2.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 105]
5.1.10.3 - Urspru?nge des Problems («So begann alles») [Seite 106]
5.1.10.3.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 106]
5.1.10.4 - Fru?here Problemfunktion («So wirkte es sich auf mich aus») [Seite 106]
5.1.10.4.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 106]
5.1.10.5 - Fru?here Emotionen («So fu?hlte ich mich zu Anfang») [Seite 107]
5.1.10.5.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 107]
5.1.10.6 - Entwicklungsverlauf («So haben sich die Dinge mit der Zeit verändert») [Seite 107]
5.1.10.6.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 107]
5.1.10.7 - Beziehungen («So beeinträchtigte dies meine Beziehungen») [Seite 107]
5.1.10.7.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 108]
5.1.10.8 - Aktuelle Emotionen («So fu?hle ich mich jetzt») [Seite 108]
5.1.10.9 - Ganzheitlicher Inhalt («Was bedeutet das meiner Ansicht nach?») [Seite 108]
5.1.10.9.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 108]
5.1.10.10 - Ganzheitlicher Kontext («Was sagt all dies u?ber mich als Person aus?») [Seite 109]
5.1.10.10.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 109]
5.1.10.11 - Erfordernisse, Bedu?rfnisse und Wu?nsche («Was muss jetzt geschehen/was möchte oder wu?nsche ich, das als nächstes geschieht?») [Seite 109]
5.1.10.11.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 109]
5.1.10.12 - Erwartungen [Seite 110]
5.1.10.12.1 - Anschauliche Beispiele [Seite 110]
5.1.10.13 - Evaluieren des Problems [Seite 110]
5.1.10.14 - Persönliche Ressourcen [Seite 111]
5.1.10.14.1 - Wichtige Menschen [Seite 112]
5.1.10.14.2 - Wichtige Gegenstände [Seite 112]
5.1.10.14.3 - Die wichtigen Vorstellungen u?ber das Leben [Seite 112]
5.1.10.15 - Lösung des Problems oder Bedu?rfnisses [Seite 112]
5.1.10.16 - Woran erkenne ich, dass das Problem gelöst oder das Bedu?rfnis befriedigt wurde? [Seite 113]
5.1.10.17 - Was muss sich ändern, damit dies geschieht? [Seite 113]
5.1.10.18 - Abschluss des Assessments [Seite 114]
5.2 - 12. Die Einzelsitzung [Seite 115]
5.2.1 - Zuru?ckfordern der Geschichte [Seite 115]
5.2.2 - «In-Gang-Bringen» der Person [Seite 116]
5.2.3 - Zweck [Seite 116]
5.2.4 - Anschauliches Beispiel [Seite 117]
5.2.5 - Kooperation, Pflege und Kommunikation [Seite 123]
6 - Die Dimension der Anderen - Gruppenarbeit nach dem Gezeiten-Modell [Seite 125]
6.1 - 13. Die Gezeiten-Gruppe [Seite 127]
6.1.1 - Menschsein allgemein [Seite 127]
6.1.2 - Die drei Gezeiten-Gruppen [Seite 128]
6.1.2.1 - Die Entdeckungsgruppe [Seite 129]
6.1.2.1.1 - Die Moderatoren [Seite 130]
6.1.2.1.2 - Die gesprächsorientierte Struktur [Seite 130]
6.1.2.1.3 - Beispielfragen [Seite 131]
6.1.2.1.4 - Timing der Entdeckungsgruppe [Seite 133]
6.1.2.2 - Die Informationsgruppe [Seite 133]
6.1.2.2.1 - Organisieren der Gruppe [Seite 134]
6.1.2.2.2 - Timing der Informationsgruppe [Seite 134]
6.1.2.3 - Die Lösungsgruppe [Seite 135]
6.1.2.3.1 - Organisation der Gruppe [Seite 135]
6.1.2.3.2 - Gruppenstruktur [Seite 135]
6.1.2.3.3 - Menschen «in Gang bringen» [Seite 136]
6.1.2.3.4 - Erlaubnis einholen [Seite 137]
6.1.2.3.5 - Gruppenempathie und -sympathie [Seite 137]
6.1.2.3.6 - Der Beginn einer Lösung? [Seite 138]
6.2 - 14. Noch einige Gedanken [Seite 139]
7 - Gezeiten-Modell - Umsetzung und Diskurs [Seite 141]
7.1 - 15. Die praktische Umsetzung der 10 Verpflichtungen [Seite 143]
7.1.1 - Wie alles begann [Seite 143]
7.1.2 - Erste Schritte [Seite 143]
7.1.3 - Das Projekt [Seite 145]
7.1.3.1 - Die Arbeit mit den Verpflichtungen und Befähigungen [Seite 146]
7.1.3.2 - Die Besprechungen [Seite 146]
7.1.3.3 - Das Arbeitsblatt [Seite 146]
7.1.3.4 - Ablauf der Besprechungen [Seite 148]
7.1.3.4.1 - Ru?ckschau [Seite 148]
7.1.3.4.2 - Vorschau [Seite 148]
7.1.3.4.3 - Abschluss [Seite 149]
7.1.3.4.4 - Dokumentation [Seite 149]
7.1.3.5 - Ergebnisse [Seite 150]
7.1.3.5.1 - Schlussrunde der Tidal-Besprechungen [Seite 150]
7.1.3.5.2 - Projekttagebuch [Seite 151]
7.1.4 - Literatur [Seite 152]
7.2 - 16. Das Gezeiten-Modell im Spiegel der wissenschaftlichen Diskussion [Seite 153]
7.2.1 - Zwei konträre Denkschulen - der Barker-Gournay-Diskurs [Seite 155]
7.2.2 - Das Gezeiten-Modell in der wissenschaftlichen Literatur [Seite 159]
7.2.3 - Das Gezeiten-Modell im Bereich der Pflege in der Jugendpsychiatrie [Seite 163]
7.2.4 - Das Gezeiten-Modell im Bereich der Pflege in der Forensik [Seite 164]
7.2.5 - Das Gezeiten-Modell im Bereich der Pflege von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen [Seite 165]
7.2.6 - Praxisberichte u?ber die Arbeit mit dem Gezeiten-Modell [Seite 166]
7.2.7 - Zusammenfassung [Seite 167]
7.2.8 - Literatur [Seite 168]
7.3 - 17. Erfahrungen mit dem Gezeiten-Modell [Seite 171]
7.3.1 - Zielsetzung [Seite 172]
7.3.2 - Zeitpunkt und Zeitraum [Seite 173]
7.3.3 - Wer fu?llt die Assessmentbögen aus? [Seite 175]
7.3.4 - Rahmenbedingungen und erforderliche Kompetenzen [Seite 176]
7.3.5 - Anpassungen/Limitationen [Seite 177]
7.3.6 - Die einzelnen Bestandteile des Assessments [Seite 178]
7.3.6.1 - Monitoring [Seite 178]
7.3.6.2 - Persönlicher Sicherheitsplan [Seite 181]
7.3.6.3 - Das Aufnahmeassessment [Seite 183]
7.3.6.4 - Entstehung und Auswirkung [Seite 189]
7.3.6.5 - Bedeutung [Seite 190]
7.3.6.6 - Evaluieren des Problems [Seite 192]
7.3.6.7 - Ressourcen [Seite 194]
7.3.6.8 - Zielformulierung [Seite 196]
7.3.6.9 - Protokoll der Einzelsitzung [Seite 197]
7.3.7 - Wirkung [Seite 200]
7.3.8 - Literatur [Seite 201]
7.4 - 18. Das Gezeiten-Modell in der ambulanten Psychiatrischen Pflege (APP) [Seite 203]
7.4.1 - Was motivierte die Entwicklung und Gestaltung des Gezeiten-Modells? [Seite 204]
7.4.2 - Der Aspekt des Verstehens und die doppelte Handlungslogik [Seite 206]
7.4.3 - Der Pflegeprozess und die Evidenz [Seite 208]
7.4.4 - Die Dualität von Theorie und Praxis [Seite 209]
7.4.5 - Psychiatrisch Pflegende und das Profil des Tuns [Seite 212]
7.4.6 - Gute Psychiatrische Pflege [Seite 212]
7.4.7 - Transfer in die Berufspraxis [Seite 226]
7.4.8 - Der Kreis zwischen Praxis und Theorie schließt sich [Seite 229]
7.4.9 - Zusammenfassung [Seite 231]
7.4.10 - Literatur [Seite 232]
7.5 - 19. Das Gezeiten-Modell in der Gerontopsychiatrie [Seite 235]
7.5.1 - Die Gerontopsychiatrie [Seite 237]
7.5.2 - Recovery im Alter [Seite 238]
7.5.3 - Wohlbefinden im Alter [Seite 240]
7.5.4 - Das Gezeiten-Modell bei Menschen mit Demenz [Seite 242]
7.5.5 - Zusammenfassung und Fazit [Seite 243]
7.5.6 - Literatur [Seite 245]
8 - Anhang [Seite 247]
8.1 - Anhang 1 - Das ganzheitliche Assessment [Seite 249]
8.2 - Anhang 2 - Die Einzelsitzung [Seite 257]
8.3 - Anhang 3 - Das Monitoring-Assessment [Seite 259]
8.4 - Anhang 4 - Der persönliche Sicherheitsplan [Seite 261]
8.5 - Anhang 5 - Schnupperkreuzfahrt durch das Gezeiten-Modell [Seite 263]
9 - Weiterfu?hrende Literatur [Seite 277]
10 - Verzeichnis der Autoren und Herausgeber, Sachwortverzeichnis [Seite 287]

Interview mit Phil Barker und Poppy Buchanan-Barker


Das Gespräch mit den beiden Autoren wurde im Vorfeld dieser Publikation geführt. Die Fragen wurden vom Herausgeberteam gestellt.

Lieber Phil, liebe Poppy

Die erste Veröffentlichung des Gezeiten-Modells liegt nun einige Jahre zurück. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Seit Erscheinen der ersten Gezeiten-Publikation im Jahre 1998 sind 15 Jahre vergangen. Seither ist viel geschehen. Die wichtigsten Entwicklungen drehen sich um den philosophischen Kern:

  • Wir haben die Definition von Recovery vereinfacht, die wir nun als «Wieder-in-Gang-Kommen» beschreiben. Damit wird berücksichtigt, dass das zentrale Merkmal, nach dem wir bei dieser Person suchen, eine Art «Vorwärtsbewegung» ist. Wir erkennen jedoch an, dass die Person, wie bei den Gezeiten, «zurückfallen» kann und den Prozess der «Vorwärtsbewegung» wieder ganz von vorn beginnen muss.
  • Mit der Entwicklung der 10-Gezeiten-Verpflichtungen haben wir auch die zentralen philosophischen Merkmale des Gezeiten-Modells klarer definiert. Sie stellen «Überzeugungen» dar, die jeder gezeitenorientierte Praktiker haben müsste. Diese Verpflichtungen könnten jedoch auf beliebig viele Weisen zum Ausdruck gebracht oder in die Praxis umgesetzt werden. Dies hat geholfen, dass sich Menschen stärker bewusst machen, dass das Gezeiten-Modell flexibel ist, was den Praktiker zu Kreativität ermutigt.
  • Auf Bitten eines Pflegedirektors, dessen Dienstleistung sich an dem Gezeiten-Modell orientierte, entwickelten wir 2003 die 20 Gezeiten-Befähigungen. Er wünschte sich einen einfachen Weg, um zu beurteilen oder einzuschätzen, ob die Fachpersonen die 10-Verpflichtungen umsetzten oder nicht. Die 20 Gezeiten-Befähigungen wurden durch die Leitungen von Einrichtungen - zusammen mit den 10-Verpflichtungen - weithin eingesetzt, um auf diese Weise Pflegepolitik oder die Recovery-Philosophie insgesamt innerhalb der Einrichtung zu vertiefen.
  • In den vergangenen 15 Jahren haben wir auch einige Aspekte der Gezeiten-Praxis - vor allem unsere Beschreibung der «Einzelsitzung», des «Sicherheitsplans» und der drei Arten von Gruppenarbeit - verfeinert. Diese unterscheiden sich alle deutlich von den Prozessen, die wir erstmals in den späten 90er Jahren entwickelten. Wir halten sie jetzt für viel einfacher oder eleganter.
  • Das Gezeiten-Modell wurde ins Japanische und ins Dänische übersetzt und erlaubt Fachpersonen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, das Modell in ihrer Praxis zu studieren und anzuwenden.
  • Ursprünglich wurde das Gezeiten-Modell für den Einsatz in akutpsychiatrischen Einrichtungen und kommunalen Settings entwickelt. In den vergangenen 15 Jahren wurde es in Programme der Forensik, der Rehabilitation und des Drogen- bzw. Substanzmissbrauchs eingeführt. Es wurde auch in Einrichtungen für Menschen mit psychiatrischen Diagnosen aller Art, für Menschen mit Lernbehinderungen, mit Erkrankungen des autistischen Spektrums und in Frühstadien der Demenz angewandt.
  • Ursprünglich wurde das Gezeiten-Modell als Pflegemodell entwickelt. In den vergangenen 15 Jahren hat eine Reihe anderer Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung und der Sozialfürsorge das Modell in ihre Praxis übernommen, z. B. Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Berater, Physiotherapeuten und Psychiater. Wir sind uns darüber im Klaren, dass das Gezeiten-Modell zunehmend auch auf nichtstaatliche Settings eingesetzt wird, in denen viele praktisch Tätige keine formale Qualifikation zur Gesundheitsversorgung oder Sozialfürsorge haben, darunter Projekte, in denen die Mitarbeiter unter Umständen zuvor «Patienten» oder «Klienten» der psychiatrischen Versorgung waren.
  • Seit dem Erscheinen von Dr. Nancy Brookes Kapitel über das Gezeiten-Modell in Nursing Theorists and Their Work (Alligood, 2017)1 wird das Gezeiten-Modell weithin auf Postgraduiertenniveau (Master) studiert, vor allem in den USA und in einigen südamerikanischen Ländern, wo Pflegemodelle und -theorien seit langem geschätzt werden.

Wie erklärt Ihr Euch das große Interesse am Gezeiten-Modell?

In der Pflege scheint das zunehmende Interesse am Gezeiten-Modell mit der Art zusammenzuhängen, in der es Pflegenden zu klären hilft, wie sie personenzentrierte Pflege leisten könnten:

  • Viele Pflegende sagen uns, man lehre sie die Theorie der «personenzentrierten Pflege», brächte ihnen aber nur selten bei, «wie» man sie praktiziert. Das Gezeiten-Modell scheint jenen Pflegenden zu helfen, den Zusammenhang zwischen der zentralen Philosophie, der Theorie und der Praxis zu erkennen.
  • Am häufigsten sagen uns Pflegende: «Das Gezeiten-Modell erinnert mich daran, warum ich eigentlich mit Pflege begonnen habe.» Viele Pflegende haben uns erzählt, ihre ursprüngliche Berufung habe darin bestanden, Menschen zu helfen, dass es ihnen besser gehe. Zunehmend stellten sie jedoch fest, dass ihre Arbeit letztlich darin bestand, sich auf Dokumentation, das Verfassen von Berichten und Verwaltungstätigkeiten zu konzentrieren. Die eigentliche pflegerische Tätigkeit hat eher beaufsichtigenden Charakter angenommen, indem Medikamente ausgegeben und Türen verschlossen werden, in dem Versuch, leidende Menschen zu kontrollieren und in Gewahrsam zu halten. Solche Aspekte der Rolle mögen zwar wichtig sein, haben aber jeden Versuch, «therapeutisch» zu sein, überlagert. Auch hier sagen uns Pflegende, man habe sie zwar die «Theorie» von «therapeutischen Beziehungen» gelehrt, jedoch hätten sie nur wenig spezifische Anleitung erhalten, «wie» man sie praktiziere.
  • Das Gezeiten-Modell stützt auch Pflegende und andere Praktiker, die an einer recovery-orientierten Praxis interessiert sind.
  • In den meisten Settings der psychiatrischen Gesundheitsdienstleistungen sind Pflegende zahlenmäßig die größte Berufsgruppe. Oft wurde jedoch die therapeutische Rolle der Pflegenden ausgehöhlt, mit der Folge, dass andere Mitglieder des Teams die «Therapie» leisten, während die Pflegenden nur unspezifische Versorgung oder Unterstützung leisten. Das Gezeiten-Modell bietet einen Weg, auf dem Pflegende ihre therapeutischen Rollen wieder einfordern können, indem sie eine therapeutische Form der Versorgung leisten, welche die von anderen Teammitgliedern geleistete Versorgung oder Behandlung ergänzen kann.
  • Andere Berufsgruppen haben erkannt, dass sie in der Praxis des Gezeiten-Modells eng mit Pflegenden zusammenarbeiten können. Ein Professor für Psychiatrie sagte: «Es sind nicht nur Pflegende, die betreiben - ich bin Arzt und auch ich betreibe 2.» Dieser Psychiater hat geholfen, das gesamte Team - Pflegende, Ärzte und verschiedene Therapeuten - zu ermutigen, in der praktischen Anwendung des Gezeiten-Modells eng zusammenzuarbeiten. Dies hat zu einem stringenteren Teamansatz geführt.
  • Auch die Ansichten der Menschen, die «Patienten» oder «Klienten» der Einrichtung sind, waren extrem wichtig für das zunehmende Interesse am Gezeiten-Modell. Bei allen Projekten, an denen wir beteiligt waren, war die Unterstützung von «Patienten» sehr bedeutsam. In den Settings, in denen formelle Auditierungen oder Forschungsevaluationen durchgeführt wurden, ergab sich eine Menge aussagefähiger Belege, die den Wert verdeutlichen, den Patienten und deren Familien dem Gezeiten-Modell beimessen. Der einzigartige Schwerpunkt des Gezeiten-Modells, die eigenen Worte der Person zu verwenden, wird von Patienten und deren Familien sehr geschätzt und würdigt, dass Menschen geholfen werden kann, ihre eigenen Lösungen für ihre gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden.

Viele Fachpersonen, die das Gezeiten-Modell in ihre tägliche Arbeit integrieren möchten, stehen vor der Frage: «Wie kann ich mit dem Modell zu arbeiten beginnen? Was ist der erste Schritt und wo liegen die Stolpersteine?»

Zuerst einmal müssen Fachpersonen daran interessiert sein, auf personen- und recovery-orientierte Weise zu arbeiten. Wir haben stets gesagt, dass es nicht das Gezeiten-Modell ist, das «arbeitet». Es geht vielmehr darum, wie die Fachpersonen das Gezeiten-Modell einsetzen.

Viele Fachpersonen möchten dem Patienten einen Rat geben oder auf ihre gegenwärtigen Probleme eingehen. All solche Ambitionen müssen Fachkräfte zur Seite legen, da sie jeden Versuch stören, der Person beim Verstehen ihrer eigenen Probleme und beim Entdecken ihrer eigenen Lösungen zu helfen. Fachkräfte müssen von der Person lernen, was «funktioniert» oder «hilfreich ist», statt zu versuchen, zu beraten oder Anweisungen zu geben.

Praktisch gesprochen muss als Erstes das Handbuch des Gezeiten-Modells studiert werden. Als Nächstes müssen Praktiker Aspekte des Gezeiten-Modells aneinander üben, um allmählich zu lernen, wie man auf diese Weise arbeitet, und um allfällige Probleme zu lösen, bevor sie mit vulnerablen Patienten zu arbeiten beginnen. Wenn man Autofahren lernt, beginnt man in einer ruhigen Straße mit Unterstützung eines erfahren Fahrers. Niemand lernt Autofahren als Erstes auf der Autobahn!

In unseren Workshops ermutigen wir Fachpersonen stets dazu, in Übungssitzungen ihre eigenen persönlichen Erfahrungen von Leid oder Alltagsprobleme zu verwenden. Auf diese Weise können sie einen echten Eindruck gewinnen, wie das Gezeiten-Modell «funktioniert». Sie können allmählich einen Eindruck davon gewinnen, wie diese Erfahrung für den Patienten sein könnte....

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