Das Rätsel der silbernen Spinne: Kriminalroman

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2020
  • |
  • 140 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4398-6 (ISBN)
 
Roy Webster vom Rauschgiftdezernat konnte seinen Triumph nicht unterdrücken. Ihm - ganz allein ihm - war es gelungen, den Killer und Rauschgiftschieber Ernie Grabow aufzuspüren. Clinton Street 168. Neunte Etage. Zwei-Zimmer-Apartment. Roy Webster streifte Dick Ramsey, der ihn begleitete, mit einem Blick: »Fertig, Sergeant?« Ramsey nickte. Roy Webster hatte die rechte Hand an seinem Revolver, als Ramsey klingelte. Wenn er sich wehrt - dachte Webster -, muß ich schießen. Und dabei empfand er sogar so etwas wie Befriedigung. Zu viele Menschen hatte Ernie Grabow auf dem Gewissen. Er, Detective Lieutenant Roy Webster, 48 Jahre alt, behäbig und rundlich wirkend, aber von ungeahnter Schnelligkeit, wenn es sein mußte - er war gekommen, um Ernie Grabow für das büßen zu lassen, was jener unzähligen anderen Menschen zugefügt hatte.
  • Deutsch
  • 0,82 MB
978-3-7389-4398-6 (9783738943986)

Das Rätsel der silbernen Spinne: Kriminalroman


Cedric Balmore


Roy Webster vom Rauschgiftdezernat konnte seinen Triumph nicht unterdrücken. Ihm - ganz allein ihm - war es gelungen, den Killer und Rauschgiftschieber Ernie Grabow aufzuspüren. Clinton Street 168. Neunte Etage. Zwei-Zimmer-Apartment. Roy Webster streifte Dick Ramsey, der ihn begleitete, mit einem Blick: »Fertig, Sergeant?« Ramsey nickte. Roy Webster hatte die rechte Hand an seinem Revolver, als Ramsey klingelte.

Wenn er sich wehrt - dachte Webster -, muß ich schießen. Und dabei empfand er sogar so etwas wie Befriedigung. Zu viele Menschen hatte Ernie Grabow auf dem Gewissen. Er, Detective Lieutenant Roy Webster, 48 Jahre alt, behäbig und rundlich wirkend, aber von ungeahnter Schnelligkeit, wenn es sein mußte - er war gekommen, um Ernie Grabow für das büßen zu lassen, was jener unzähligen anderen Menschen zugefügt hatte.


***

Als sich die Tür von Ernie Grabows Apartment öffnete, war Webster für einen Augenblick fassungslos. Vor ihm stand ein Girl - attraktiv und von herausfordernder Weiblichkeit. Sie mochte zwanzig sein. »Sind Sie der Arzt?« fragte sie. »Wo ist Ernie?« entgegnete Roy Webster. Ohne die Antwort zu erwarten, schob er das Girl beiseite und stürmte in die Wohnung. Nichts. Der Wohnraum war leer. Mit einem Ruck öffnete Webster die Tür zum Schlafzimmer. Seine Hand mit dem Revolver senkte sich. Ernie Grabow würde keinen Widerstand leisten. Er lag keuchend, schweißüberdeckt im Bett. Er kämpfte mit dem Tode. Webster kannte das. Er hatte genug Leute sterben sehen. »Messerstiche!« keuchte das Girl. »Er sieht schrecklich aus. Alles voll Blut unter der Decke. Ich bin auch gerade erst gekommen. Hab' einen Arzt angerufen!« Webster merkte, wie Ernie Grabows Blick sich auf ihn konzentrierte. Haß leuchtete in den weit aufgerissenen Augen des Gangsters. Und dann krachte es. Die Bettdecke wurde von einer Kugel zerrissen. Daunenfedern segelten durch die Luit. Websters Atem stockte. Er wußte, daß die Kugel ihn getroffen hatte. Aber er war machtlos dagegen. Er hatte keinen Willen mehr. Polternd fiel sein Revolver auf den Boden. Sergeant Ramsey handelte instinktiv. Blitzartig hatte er seine Waffe gezogen und zweimal gefeuert. Ein letztes Mal bäumte Grabow sich auf. Es klingelte. Wie gehetzt lief das Girl zur Tür, riß sie auf. »Ich bin der Arzt«, sagte der hochgewachsene Mittfünfziger. »Sie haben angeru.« »Kommen Sie, Doc, hier gibt's Arbeit für Sie«, sagte Sergeant Ramsey mit seltsam heiserer Stimme. Der Arzt untersuchte schweigend erst Roy Webster, dann Ernie Grabow. »Keine Arbeit für mich,« wandte er sich an Ramsey, »rufen Sie den Leichenbestatter!« Der Tod des Syndikatsgangsters Ernie Grabow berührte die Zuständigkeit des FBI. Mein Freund und Kollege Milo Tucker traf gemeinsam mit der Mordkommission in der Clinton Street ein. Dick Ramsey berichtete den Männern, was geschehen war. Das Girl hieß Suzanne Gray. Während die Beamten der Mordkommission im Schlafzimmer die Arbeit aufnahmen, verhörte Milo das Mädchen in der kleinen modernen Küche. Er erfuhr von Suzanne Gray, daß sie Grabow seit vier Monaten kannte und seit etwa sechs Wochen intim mit ihm befreundet war. Einen Schlüssel für die Wohnung besaß sie seit vier Wochen. »Sind Sie berufstätig?« fragte Milo das Mädchen. »Nein.« »Grabow hielt Sie aus?« »Erlauben Sie mal!« fuhr das Mädchen hoch. »Wollen Sie mich beleidigen?« »Ich will nur die Wahrheit erfahren, und zwar rasch«, meinte Milo. Er bemühte sich um korrekte Sachlichkeit, aber insgeheim war er stinksauer. Das junge Mädchen war sehr hübsch. Aus der Art, wie es sich kleidete und schminkte, war zu entnehmen, daß es Geschmack hatte. Was konnte Suzanne Gray dazu gebracht haben, sich mit einem Gangster von Grabows Kaliber einzulassen? »Er gab mir einen Zuschuß«, erwiderte das Girl. »Als Überbrückung. Ich bin Fotomodell. Im Moment herrscht in der Branche Sauregurkenzeit.« »Wieviel erhielten Sie von ihm pro Monat?« »Was hat das mit Ernies schrecklichem Ende zu tun? Kommen Sie doch endlich zur Sache!« »Wieviel war es?« wiederholte Milo geduldig. »Dreihundert im Schnitt«, erwiderte Suzanne Gray. »Mehr nicht. Es war ein Kredit«, fügte sie rasch hinzu. »Ich hatte vor, ihm das Geld zurückzuzahlen.« »Natürlich«, nickte Milo. »Grabow konnte den Betrag mühelos für Sie abzweigen. Er hatte genug davon. Wußten Sie, auf welche Weise er sein Geld verdiente?« »Ich verstehe nur, daß er tot ist«, schrie das Girl mit plötzlicher Heftigkeit. »Irgend jemand hat ihn in seiner Wohnung niedergestochen! Und was tun Sie in dieser Situation? Sie interessieren sich für seine Finanzen! Warum fragen Sie mich nicht nach dem Mann, der Ernie so schrecklich zurichtete?« »Kennen Sie ihn denn?« »Nein! Aber es ist nicht schwer, sich das Motiv zusammenzureimen. Ernies Brieftasche steckte immer voller Scheine. Er trug das Geld bündelweise bei sich. Das muß einen Gangster gereizt haben. Wenn der Polizist Ernie nicht erschossen hätte, brauchten Sie nicht mich zu fragen, dann könnte Ernie Ihnen alles erklären.« »Grabow wäre auch ohne die in Notwehr abgefeuerte Kugel gestorben«, sagte Milo. »Bewahrte er sein Geld in der Wohnung auf?« »Keine Ahnung - aber das, was er in seiner Brieftasche hatte, muß den Messerstecher gereizt haben.« Die Tür öffnete sich. Lieutenant Swift kam herein. Er war ein stämmiger Athletentyp mit kurz geschorenem Haar, platt geschlagener Nase und sehr hellen aufmerksamen Augen. Swift warf eine braune Krokodilledertasche auf den Tisch. »Elfhundert Dollar in Fünfzigernoten«, schnaufte er und zog sich einen Stuhl heran. »Ernie Grabow muß gerade Zahltag gehabt haben.« »Wie ich soeben erfuhr, haßte er leere Brieftaschen«, meinte Milo. Swift ließ sich rittlings auf den Stuhl fallen. Er verschränkte seine Arme auf der Lehne und starrte das Girl mit der penetranten Direktheit eines Mannes an, der weiß, daß die meisten 'vor seinem Blick kapitulieren. »Leere Brieftaschen?« fragte er. »Ich hasse sie auch. Das Dumme ist nur, daß ich niemals die Grabowsche Begabung hatte, sie mit anderer Leute Geld zu füllen.« Dem Girl schoß das Blut ins Gesicht. »Es ist nicht fair, so über einen Toten zu reden!« Swift antwortete nicht. Er fuhr einfach fort, das Mädchen anzustarren. Suzanne Gray senkte plötzlich ihre Lider. »Jedenfalls war es kein Raubmord«, sagte sie leise. »Da haben Sie recht«, antwortete Swift. »Ihr Freund Ernie wurde ein Opfer des Schockers.« *** Milos Kopf zuckte herum. Er blickte den Lieutenant an. »Sind Sie sicher, Ben?« fragte er. Swift nickte schwerfällig. In seinen Augen dämmerte Müdigkeit herauf. Es hatte eine Zeit gegeben, wo die Erwähnung des Schockers ihn elektrisiert hatte. Viel war davon nicht geblieben. Schlaflose Nächte und immer neue Morde des geheimnisvollen Schockers hatten Swift und den gesamten Polizeiapparat an den Rand einer Nervenkrise geführt. »Die Symptome stimmen«, sagte er. »Drei Messerstiche in den Rücken. Und dann dieses hier.« Er holte sein Taschentuch aus dem Anzug. Behutsam schlug er die Zipfel zurück. In dem Taschentuch befand sich die silberne Nachbildung einer Spinne. Das Schmuckstück hatte die Größe eines Daumennagels. Es war das Markenzeichen des unbekannten Mörders. Bei jedem seiner Opfer ließ er es zurück. »Nummer fünf«, sagte Swift grimmig. Das Girl riß die Augen auf. »Der Schocker!« flüsterte sie. »Warum hat er sich Ernie ausgesucht?« Natürlich wußte Suzanne Gray, wer der Schocker war. Jeder in New York wußte es. Die Presse nährte sich seit Monaten von den Schlagzeilen, die der Schocker und seine Morde lieferten. Milo und Lieutenant Swift antworteten dem Mädchen nicht. Es gab keine Antwort auf Suzanne Grays Frage - jedenfalls nicht bis zur Stunde. Der Schocker war kein gewöhnlicher Killer. Es hatte den Anschein, daß er weder aus Rache noch aus Geldgier tötete. Er tötete, um die Stadt zu schocken. Immer neue Varianten ließ er sich einfallen, um seinen beispiellosen Terror steigern zu können. Sein Name kam nicht von ungefähr. Der Mörder verdankte ihn der Eigenart, daß er seine Opfer überall dort auftauchen ließ, wo man sie am allerwenigsten erwartete. Ein Bankdirektor hatte frühmorgens seinen Safe geöffnet. Dabei war ihm seine erstochene Sekretärin entgegengeiallen. Ein Zauberer, der in einer Vergnügungsbude von Coney Island auftrat und von dem uralten Trick lebte, seine Assistentin in einer Kiste zu zersägen, hatte in dieser Kiste die Leiche eines Vorort-Milchmannes gefunden. Während einer Theatervorstellung im Broadhurst an der 44. Straße mußte der Hauptdarsteller im ersten Akt eine Schranktür aufreißen. Dabei kippte ihm vor vollbesetztem Haus die Leiche einer neunundfünfzigjährigen Hausfrau aus Cleveland in die Arme. Die Frau war zwei Tage vorher nach New York gekommen, um eine...

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