Das Olivenhaus

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2015
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96937-6 (ISBN)
 
Schmale rosafarbene Häuser, umgeben von Olivenbäumen, in der Luft der Duft von Rosmarin, Ginster und Lavendel, der Blick über die Hügel bis hinunter zum strahlend blauen Meer - all das möchte Anna nicht mehr nur im Urlaub genießen. Sie kauft sich ein Haus in einem ligurischen Dorf, dazu einen Olivenbaum - bald einen ganzen Hain. Nachbar Ottavio bietet ihr an, sie in die Kunst des Olivenanbaus einzuweihen. Im Gegenzug hat er eine Bitte: Sie soll eine Kontaktanzeige für ihn aufgeben. Nach einem turbulenten Sommer mit Wildschweinen im Gemüsegarten, wechselnden Damenbesuchen bei Nachbar Ottavio und einer sehr ungeschäftlichen Annäherung mit einem Geschäftsfreund, stellt sich für Anna heraus, dass ein Olivenzweig manchmal nicht nur zu innerem Frieden führt, sondern auch zur Liebe .
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
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  • 2,20 MB
978-3-492-96937-6 (9783492969376)
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KAPITEL 2

Die Suche beginnt

»Ich weiß nicht, was mit dir los ist, aber seitdem du in diesem italienischen Bergnest wohnst, fallen dir einfach keine interessanten Plots mehr ein!«

Gregor Findhammer rutschte unruhig auf seinem Designerstuhl hin und her. Sein Büro am Englischen Garten war edel und gediegen eingerichtet: Viel Plexiglas und Stahl, die Möbel schwarz und grau, minimalistische Kunst an den Wänden. Findhammer verbrachte die meiste Zeit des Tages in seinem Büro und las Drehbücher, von denen die allermeisten eine unablässige Qual für ihn darstellten. Noch mehr als verschrobene Plots und schlecht gezeichnete Hauptdarsteller hasste Findhammer banale Dialoge, die auf billige Effekthascherei angelegt waren. Anna war seine beste Autorin, sie hatte es bislang geschafft, alle hinter alltäglicher Freundlichkeit verborgenen Gemeinheiten der Gesellschaft in unterhaltsame Krimiplots zu fassen, die seiner Produktionsfirma schon seit Jahren ein sicheres Einkommen verschafften. Von dem konnte sich Findhammer teure italienische Möbel und braune Anzüge kaufen. Daneben produzierte er, wie Anna fand, belanglose Komödien, die nicht annähernd an ihre Erfolge heranreichten.

Für das Treffen mit ihrem Produzenten hatte sich Anna sorgfältig geschminkt und ihr schönes, weinrotes Kleid angezogen, weil sie wusste, dass die Farbe ihm an ihr gefiel. Eine Stunde im Bad, dachte sie, als sie ihre Wohnung am späten Vormittag verließ, was für eine Zeitverschwendung! In Albereto wäre ihr das nicht passiert. Aber für Gregor wollte sie sich heute schön machen. Eigentlich war ihr Produzent ein Mann, in den sie sich hätte verlieben können. Aber falls die große Vertrautheit zwischen ihnen manchmal nach einer beginnenden Liebesgeschichte ausgesehen hatte, so war sie jetzt so weit davon entfernt wie nie zuvor. Gregor Findhammer, Mitfünfziger mit randloser Brille und feinen Gesichtszügen, rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Annas letzter Entwurf, die Geschichte der beiden rivalisierenden Schwestern, die aus Eifersucht zu Mörderinnen wurden, gefiel ihm zwar als Idee. Die ziemlich komplizierten Dialoge überzeugten ihn aber nicht im Mindesten. Anna beobachtete ihn, wie er nervös an seinen Ärmeln nestelte.

»Eigentlich möchte ich gar keine Krimis mehr schreiben, sondern eine Liebesgeschichte«, durchbrach sie die angespannte Stille.

Sofort hob Gregor Findhammer abwehrend beide Hände. Warum muss er eigentlich so schreckliche braune Anzüge anhaben?, dachte Anna, war mir früher nie aufgefallen.

»Hör bloß auf damit, Liebesgeschichten sind pathetisch. Und Pathos mag ich nicht.«

Anna warf einen abschätzigen Blick auf die Designermöbel.

»Aber du weißt ja gar nicht, womit ich mich gerade beschäftige!«

Findhammer sah sie an, als wollte er es auch gar nicht hören.

»Anna, ich verstehe dich nicht. Du hast alle wichtigen Preise abgeräumt, Anna Gutroth ist einer der besten Namen in der Branche. Komm mir jetzt nicht mit irgendeiner albernen Liebesgeschichte daher.«

Obwohl sie sich in Findhammers Büro zunehmend unwohl fühlte, sah ihm Anna unbeirrt in die Augen.

»Ich wollte dir ja nur erzählen, dass ich eine Anzeige aufgegeben habe, für jemanden, der auf der Suche nach Liebe ist.« Anna versuchte ein gewinnendes Lächeln. »Und seitdem beschäftigt mich das Thema.«

Gregor Findhammer hielt es nicht mehr auf seinem Stuhl. Wie ein aufgeregtes Rumpelstilzchen tanzte er um Anna herum.

»Anna, begib dich bitte nicht auf Irrwege! Dein letzter Krimi war großartig! Ein Mafiaboss, der sich in die Frau seines Konkurrenten verliebt, im Streit ihren Bruder umbringt und einen Gesinnungswandel erlebt - Liebe, Verbrechen, Katharsis, mit Opfern natürlich. So was wollen die Leute sehen! Eine pechschwarze Geschichte, die alle Laster einer oberflächlichen und geldgierigen Gesellschaftsschicht widerspiegelt.«

Erschöpft setzte sich Findhammer wieder hinter seinen Schreibtisch und stützte mit unglücklicher Miene beide Ellbogen auf. »Und jetzt hast du dich auch noch in diesem ligurischen Nest verkrochen, dessen Namen ich mir noch nicht einmal merken kann!«

»Albereto, genauer gesagt Albereto superiore, 380 Meter über dem Meer. Mit mir sechs Menschen, ebenso viele Katzen, ein paar Wildschweine, was bedeutet, dass die Vierbeiner in unserem Weiler zahlreicher als die Zweibeiner sind.« Anna lachte vergnügt, während Gregor Findhammer irgendwie erschöpft aussah.

»Was macht eine Frau wie du da eigentlich? Das Leben in so einem Dorf muss doch todlangweilig sein.« Erschöpft wischte er sich den Schweiß von der Stirn. »Ich glaube, ich muss dich mal besuchen, um zu sehen, in welchem Winkel der Welt du dich da verkrochen hast.«

»Gerne«, lachte Anna, »mein Rotwein würde dir wahrscheinlich hervorragend schmecken.«

Anna stellte sich ihren Produzenten vor dem Kamin vor, mit Grigetta, die ihm, energisch miauend, den blauen Sessel streitig machte, oder mit Poldo, dem Kampfkater, der um Mitternacht umsorgt werden wollte. Sie gab sich Mühe, nicht loszuprusten, und blickte angestrengt auf seinen Schreibtisch, um ihm nicht ins Gesicht zu lachen. Komisch, dieser Eisenrahmen um den Holztisch, da muss er doch kalte Ellbogen kriegen. Also deshalb ist er oft so schlecht gelaunt! Wenn man genau hinsah, ging die schlechte Stimmung der Menschen manchmal auf ganz einfache Ursachen zurück. Plötzlich wurde Anna von heftigem Heimweh gepackt. Hastig sprang sie auf. Es war zwar erst Anfang Februar und auch in Albereto sehr kalt. Aber trotzdem stand seit ein paar Tagen ihr Koffer gepackt bereit.

»Danke, dass du mich an meine Abreise erinnert hast. Ich fahre in ein paar Tagen und muss noch Geschenke besorgen. Ich dachte an ein zitroniges Parfüm für Angelina, die Ende Februar Geburtstag hat, passend zu ihren Gerichten. Und meiner Nachbarin Domenica habe ich einen gedeckten Apfelkuchen versprochen. Das ist doch typisch deutsch, findest du nicht? Fast genauso wie breite Wohnzimmerschänke und am Sonntag >Tatort< sehen. Oder wie in der prallen Sonne draußen essen. Kein normaler Italiener käme auf eine so absurde Idee.« Lächelnd wandte sich Anna zur Tür. »Außerdem habe ich jetzt eine Kampfkatze, für die ich noch eine Wurmkur und ein Desinfektionsmittel besorgen muss. Hier in München gibt es ja immerhin eine Apotheke für Tiermedizin, in südlichen Ländern ist man von solcher Sorge um Vierbeiner noch weit entfernt. Jedenfalls für die, die nicht im Kochtopf landen. Du erinnerst dich nicht zufällig, in welcher Straße die Apotheke war?«

Gregor Findhammer sah Anna entgeistert an.

»Ich weiß überhaupt nicht 

Anna hatte schon die Türklinke in der Hand.

»Macht nichts, du musst gar nichts sagen«, rief Anna, froh, gleich draußen zu sein. »Ich glaube jedenfalls, dass die Leute auch mal etwas anderes sehen wollen als diese Mordgeschichten. Vielleicht möchten sie zur Hauptsendezeit etwas von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens erfahren, meinst du nicht?« Sie machte eine Pause. »Ja, schau mich nicht so entgeistert an. Von der Liebe zum Beispiel, von der Freundschaft, vom Leben in der Natur. Es wäre doch Zeit, zurück zu unseren Wurzeln zu finden. Vielleicht solltest du einen Film darüber machen, wie unsere Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet, wie sorglos wir mit den wenigen Ressourcen umgehen, die uns noch geblieben sind. Und abgesehen davon, manche ertrinken in Geld, und andere wühlen im Müll, um Essen zu finden. So kann es doch nicht ewig weitergehen! Bevor ich nicht herausgefunden habe, was für mich selbst wichtig ist, bleibe ich in Albereto bei meiner Dreierbande.«

Mit einem Satz war Anna nach draußen gesprungen.

Völlig verständnislos sah Gregor Findhammer ihr nach.

»Kampfkatze? Dreierbande?«, murmelte er noch und zupfte nervös an den Ärmeln seines Anzugs.

Auf dem Weg in ihre Wohnung ging Anna noch im Zeitschriftenladen vorbei, die neue Nummer von »Erde und Korn« musste inzwischen erschienen sein. Hastig schlug sie die Seite mit den Kontaktanzeigen auf.

»Naturverbundener Italiener, 57, mit kleinem Landgut im Hinterland der ligurischen Küste, sucht gleichgesinnte Partnerin für respektvolle Freundschaft.«

Anna musste lächeln, als sie den Text las. Respektvolle Freundschaft, war es nicht das, was sich fast alle Frauen wünschten? Egal, ob sich eine melden würde oder nicht, der Text, den sie ganz spontan geschrieben hatte, gefiel ihr immer noch.

Einen Augenblick lang dachte sie, bei Conni vorbeizufahren, überlegte es sich aber doch anders, weil die Stimmung in Connis Wohnung oft erdrückend war. Anna machte sich Sorgen um ihre Freundin, weil sie so viele Kompromisse einging, die in ihren Augen gar nicht notwendig gewesen wären. Die Großmutter, die Conni zu sich genommen hatte, hatte doch um die Ecke gewohnt, warum hatte sie in Connis Wohnung, die dafür viel zu klein war, umziehen müssen? Anna kam es vor, als hätte Conni ganz auf ein eigenes Leben verzichtet. Die Großmutter, die trotz ihrer einundneunzig sehr gut aussah, hatte ihr Leben gelebt und war noch mit achtzig auf Stöckelschuhen jeden Freitag in einen Tanzklub getorkelt. Als die Großmutter jung war, hatte es die Großfamilie sicher noch gegeben, aber heute war sie eine ferne Illusion, denn die Lebensbedingungen hatten sich viel zu sehr davon entfernt. Anna kam Connis Entscheidung wie ein Opfer vor, das viel zu groß für die Kräfte einer einzelnen Frau war, die in Connis Fall auch noch schmal, blond und zierlich war.

Anna hatte gerade ihre Wohnung aufgeschlossen, als das Telefon klingelte. Ottavios Stimme überschlug sich fast vor Aufregung.

»Stell dir mal vor, drei haben...

»Ein absolut lesenswertes Buch, mit tollen italienischen Rezepten im Anhang.«, Westdeutsche Allgemeine, 18.06.2016
 
»Das Buch liest sich leicht und verführt einen vom ersten Satz an. (...) Ein unterhaltsames Buch für düstere Herbstabende oder, um sich noch einmal zu fühlen wie in den Ferien in südlichen Gefilden, fernab des Alltags.«, Volksstimme, 15.10.2015
 
»Charmanter Urlaubsbegleiter mit köstlichen italienischen Rezepten im Anhang.«, Neue Presse, 14.07.2015
 
»Ein großartiges Buch, das zum Träumen einlädt.«, Neue Freizeit
 
»Ein Roman wie ein Kurzurlaub, man würde am liebsten sofort nach Ligurien aufbrechen.«, Absolut Beautiful

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