Rotkäppchen - Werwolfjägerin

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-7599-3 (ISBN)
 
Rotkäppchen ist erwachsen geworden.

Einst töteten Werwölfe Elyras Eltern. Nun zieht sie durch die Lande, um die Bestien zu erschlagen.

Als sie der geheimnisvolle und verflucht anziehende Jost zur Jagd anheuert, ist dies der Beginn eines Abenteuers, das Elyras Welt ins Wanken bringt.
Ihr Jägerleben lang dachte sie, ihre Bestimmung wäre es, Werwölfe zu vernichten, doch es stellt sich heraus, ihr wahres Schicksal ist ein ganz anderes.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 1,14 MB
978-3-7526-7599-3 (9783752675993)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sandra Bäumler erblickte 1971 das Licht der Welt.

Schon als Kind dachte sie sich gerne Geschichten aus, die sie mit ihren Puppen nachspielte, doch erst im Erwachsenenalter hat sie damit begonnen, diese Geschichten aufzuschreiben.

Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Söhnen, zwei Katzen und Fischen in einer kleinen beschaulichen Ortschaft in der Nähe von Nürnberg. Diese mittelalterliche Stadt hat sie auch zu ihrem ersten Roman inspiriert.
Kapitel 2

»Kaum bin ich weg, schon mischst du den Laden auf.« Freyja nahm mir gegenüber Platz, musterte mich mit ihren grauen Augen, die so hart wie gütig sein konnten. Sie trug heute keine Weste über ihrem Leinenhemd. Auch sie bevorzugte, wie ich, Männerkleidung. Ein Rock hätte zu Freyja auch gar nicht gepasst, denn sie war keine einfache Frau. In einem früheren Leben war sie eine Kriegerin gewesen. Von ihr hatte ich all das gelernt, was mir jetzt den Kampf gegen die Kreaturen ermöglichte.

»Hab nur ein paar Störenfrieden Manieren beigebracht«, erwiderte ich und trank von meinem Met.

»Du beschützt die deinen.« Sie legte die Unterarme mit den Handflächen nach oben auf den Tisch. Ich stellte den Krug ab, berührte mit meinen Händen ihre.

»Wie du es mich gelehrt hast«, antwortete ich.

»Elyra, sieben Jahre bist du nun schon alleine auf Jagd, ohne jegliche Rückendeckung. Es grenzt fast an ein Wunder, dass du nach jedem Auftrag nahezu unversehrt zu uns zurückkehrst. Dazu kommt noch die Einsamkeit. Ich mach mir unglaubliche Sorgen um dich.« Sie runzelte die Stirn. Die Falte zwischen ihren einstmals blonden Brauen, die jetzt wie ihr Haar ergraut waren, wurde mit jedem Winter tiefer.

»Das musst du nicht. Ich bin zufrieden, wie es ist«, entgegnete ich. Vielleicht war zufrieden das falsche Wort. Ich hatte mich an das Alleinsein während der Jagden gewöhnt.

»Jedes Mal, wenn du gehst und ich hierbleibe, habe ich das Gefühl, dich in Stich zu lassen«, sagte Freyja.

»Nein, dazu besteht kein Grund. Du hast dir einen friedlichen Lebensabend wahrlich verdient und außerdem brauchen Lene und Isa dich.« Mein Blick verfing sich mit Freyjas, die leise seufzte.

»Schon bald werden sie ihrer eigenen Wege gehen«, wandte sie ein.

»Ich denke nicht, dass du die beiden so schnell loswirst.« Ich grinste Freyja an, aber sie verzog keine Miene.

»Bleib doch einfach hier. Die Taverne wirft inzwischen gutes Geld ab. Du hast schließlich auch dein Beutegeld hier hereingesteckt, sie gehört damit ebenso dir wie mir.«

»Nein, sie gehört dir ganz allein.« Ich umfasste Freyjas Hände, zog sie nach oben und verschränkte meine Finger mit ihren. »Das kann die Dankbarkeit, die ich für dich empfinde, bei Weitem nicht aufwiegen. Ohne dich hätte ich niemals meine Bestimmung gefunden.«

»Du bist mir keinen Dank schuldig. An dem Tag, als Jacob dich zu mir gebracht hat, bin ich Mutter geworden. Etwas, das ich niemals für möglich gehalten hätte, Tochter.« In den Augen der harten Kriegerin schimmerten tatsächlich Tränen.

»Ich bin doch nicht deine einzige angenommene Tochter. Nach mir kamen noch Lene und Isa zu dir«, erwiderte ich. »Kannst du dich noch daran erinnern, wie wir die beiden gefunden haben? Ihre Eltern hatten das Lager in jenem Wald aufgeschlagen, in dem wir gerade Werwölfe jagten. Die Biester kannten keine Gnade, richteten diese Menschen so grauenhaft zu, dass ihre Überreste kaum noch als menschliche Körper zu identifizieren waren. Die Mädchen überlebten nur, weil sie sich durch eine Erdspalte gequetscht hatten, die in eine Höhle führte, wo die Wölfe sie nicht erreichen konnten.«

»Wie könnte ich das jemals vergessen.« Freyja ließ mich los und lehnte sich zurück.

»Sie würden dich daher niemals verlassen, du brauchst mich hier also gar nicht.«

»Die beiden sind wundervolle und liebe Mädchen. Aber sie sind nicht wie du. Denn du ähnelst mir so sehr, dass ich manchmal glaube, du bist wirklich von meinem Blut«, erwiderte Freyja.

»Da draußen gibt es noch so viele Lenes und Isas, die auf Rettung hoffen, und denen gegenüber stehen nur wenige Jäger, die diese Bestien töten können. Versteh mich doch, ich kann mein Schwert noch nicht niederlegen.« Mit dem Daumen strich ich über das lederne Armband. Es verbarg das Mal der Kriegerin. In Freyjas Augen sah ich, dass sie mich verstand.

»Tut mir leid, ich störe nur ungern, aber da will jemand zu Elyra.« Isa spielte verlegen mit dem Rosenamulett, das an ihrer Lederkette hing, und sah von mir zu Freyja. Das Mädchen war das genaue Gegenteil der wohlproportionierten Lene, und ich hatte das Gefühl, sie würde auch so zierlich und schüchtern bleiben. Doch gerade wegen ihrer Zartheit war sie mir ebenso ans Herz gewachsen wie die freche Lene. Damals, als ich in Jacobs Wagen gelegen hatte und er mich von meiner Welt wegbrachte, die die Bestien zerstört hatten, konnte ich nur davon träumen, eine neue Familie zu finden. Jetzt hatte ich eine Mutter und zwei Schwestern. Egal, welch Grauen mich auf meinen Reisen erwartete, hier in Großmutters Taverne fand ich immer einen sicheren Hafen.

»Nun gut, dann widme ich mich wieder meiner Arbeit.« Freyja stand auf und ging zur Theke, während Isa einen Mann herbeiwinkte.

»Das ist Jost, er klopfte an die Hintertür der Küche und hat ein Anliegen«, sagte meine Schwester hastig mit hochrotem Kopf und verschwand. Männer machten Isa immer ein wenig Angst. Vor allem, wenn sie dazu auch noch so verflucht gut aussahen wie der Kerl, den sie mir eben vorgestellt hatte. Ich brauchte ihr gar nicht nachzublicken, um zu wissen, dass die Küche ihr Ziel war. Dort fühlte sie sich am wohlsten. Trotz ihrer Jugend war ihre Kochkunst bereits weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

»Nun, nimm Platz«, lud ich Jost ein.

»Ihr seid die Jägerin?« Die Überraschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er hatte offensichtlich etwas anderes erwartet. Aber dem Lächeln nach zu urteilen, das einen Herzschlag später seinen wohlgeschwungenen Mund umspielte, gefiel ihm, was er sah. Sein welliges Haar, das wie das Gefieder eines Raben glänzte, war teilweise im Nacken zusammengebunden und reichte dennoch weit über die Schultern.

»Herrin, mein Fürst schickt mich .«

»Die Höflichkeiten kannst du dir für deinen Fürsten aufheben. Wir sind hier alles einfache Leute, nenn mich Elyra«, unterbrach ich ihn. »Lene, einen Met für Jost«, rief ich, lehnte mich zurück und verschränkte die Arme. »Nun?«

»Wie schon gesagt, mein Fürst schickt mich. In seinen Dörfern geht der Tod um. Jeden Tag wird mehr grausam verstümmeltes Vieh gefunden. Die Bauern haben eh nicht viel, der Fürst muss dieser Plage unbedingt Herr werden. Falls noch mehr Vieh getötet wird, verlieren viele ihre Lebensgrundlage. Und wie lange wird es wohl noch dauern, bis der erste Mensch diesen Bestien zum Opfer fällt?«

»Nun, dein Fürst handelt wohl nicht so uneigennützig, wie du es darstellst. Er muss dieser Plage Herr werden, wenn er weiter seinen Zehnt von den Bauern erhalten möchte. So ist es doch? Wie kommt er überhaupt darauf, dass meine Dienste benötigt werden? Vielleicht sind ja nur profane Wölfe die Übeltäter? Er wird wohl genügend Jäger haben?« Ich musterte mein Gegenüber, das so ganz und gar nicht wie ein Lakai wirkte. Er hatte etwas seltsam Dominantes an sich.

»Hier, mein Hübscher, geht aufs Haus.« Lene stellte einen Krug Met vor Jost ab. »Wenn du ihn nicht mit auf die Kammer nimmst, Schwesterchen, dann krall ich ihn mir.« Sie blinzelte mir grinsend zu. Ich spürte Hitze in meine Wangen steigen. Oh, dieses Luder hatte es doch wieder einmal geschafft, mich verlegen zu machen. Schnell nahm ich meinen Krug und trank, um mich wieder in Griff zu bekommen. Die ganze Zeit hatte ich Josts goldschimmernde Bernsteinaugen ignoriert, die mich so intensiv anblickten, dass ich es fast körperlich spürte, und die von langen, dunklen Wimpern umrahmt wurden. Was seinen Blick noch fesselnder machte. Nein, das interessierte mich auf keinen Fall, denn ich war eine eiskalte Jägerin, kein dummes kleines Mädchen, das gleich ins Schwärmen geriet, wenn sie einem hübschen Jüngling gegenübersaß. Nun gut, er war nicht wirklich ein Jüngling, sondern ein ausgewachsener Mann im besten Alter. Somit viel zu alt für meine Schwester.

»Ich hätte den Kerl sein Werk zu Ende bringen lassen sollen«, zischte ich Lene zu, mein Blick glitt zu ihrem Hals, die Würgemale änderten die Farbe inzwischen von Rot zu Blau. Wahrscheinlich würden sie bis morgen in allen Nuancen schillern. Betont lässig stellte ich den Krug wieder auf Tisch, denn ich hatte Eis in den Adern. Na ja, ich versuchte vor Jost zumindest, so zu wirken.

»Das hättest du niemals, dafür liebst du mich zu sehr, Schwesterchen.« Sie beugte sich zu mir und drückte mir einen Schmatzer auf die Wange. Jost starrte uns an. Ich brauchte keine Gedanken lesen zu können, um zu wissen, was er sich in seinen Fantasien gerade ausmalte.

»Wir redeten über zerfleischte Tiere«, holte ich ihn barsch aus seinem Tagtraum zurück, und er grinste dreckig. Was für ein Idiot, ich verdrehte die Augen.

»Zerfleischte Tiere? Da bin ich weg.« Lene drehte sich um und steuerte einen...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen