Inseln im Sturm

Eine Liebe in Zeiten des Krieges
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Februar 2020
  • |
  • 266 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-5879-6 (ISBN)
 
Mitten in den Wirren des 30-jährigen Krieges kommt der zwanzigjährige Bonifatius Beckenschläger nach Krempe und schließt sich den Söldnern des dänischen und norwegischen Königs Christian IV. an. Es entspinnt sich ein Geflecht aus Leidenschaft, Ruhm und Krieg inmitten der Belagerung der beiden Festungen Glückstadt und Krempe. Dem Glückstädter Reinhard Bädecker ist mit seinem ersten und einzigen Roman ein gut recherchiertes und spannend inszeniertes Werk gelungen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 2,19 MB
978-3-7504-5879-6 (9783750458796)
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Reinhard Bädecker wurde am 7. März 1942 in Glückstadt geboren und lebte dort auch bis zu seinem Tode. Nach seinem Jurastudium war er einige Jahre als Rechtsanwalt tätig. Er war zweimal verheiratet und zweimal geschieden. Er hat eine Tocher aus erster Ehe und einen Enkelsohn. Bekannt ist er in Glückstadt immer noch durch seine vielen kunstvollen Figuren aus Stanniolpapier, die sich noch in vielen Haushalten und auch in der Dauerausstellung des Detlefsen-Museums in Glückstadt befinden. Er verstarb am 18. Juni 2003. Dies ist sein einziger Roman.

1. Kapitel


I.

Bonifatius Beckenschläger fuhr von seiner Lagerstätte hoch. Das jähe Wiehern seines Pferdes hatte ihn aus seinem Mittagsschlummer aufgeschreckt und er blinzelte in die noch hoch am Himmel stehende Septembersonne.

Instinktiv spürte er Gefahr in seiner Nähe und fieberhaft suchte er seine Gedanken zu konzentrieren.

Richtig, er hatte sich nach seinem Mittagsimbiss und einigen kräftigen Schlucken aus einer mitgeführten Rotweinflasche in das sommerlich warme Gras gelegt, um einen kleinen Verdauungsschlummer zu halten.

Zum Essen hatte er sich auf eine kleine Bodenwelle etwa hundert Schritte neben der staubigen Landstraße gesetzt - vielleicht eine halbe Meile nördlich von Elmshorn im westlichen Holstein. Anschließend hatte er sich dann so in die Senke hinter der Erhebung gelegt, dass er von der Straße her nicht zu sehen war. Auch seinen Braunen hatte er in der Senke an eine Weide gebunden. So, wie er ihn angebunden hatte, wäre er ebenfalls von der Straße nicht zu sehen gewesen. Das Pferd musste jedoch beim Grasen die Zügel gelockert haben und stand jetzt fast oben auf der Kuppe. Gerade jetzt wieherte es erneut in Richtung auf die Straße zu.

Bonifatius Beckenschläger war ein junger Mann von gerade zwanzig Jahren. Seine lang aufgeschossene hagere Figur steckte in einem lederfarbenen Reitanzug. Das Wehrgehenk mit dem langen geraden Rapier hatte er neben sich in das Gras gelegt; ebenso lagen die geladenen beiden schweren Reiterpistolen griffbereit neben ihm. Dies war in jener Zeit empfohlen, in diesen Tagen Anfang September des Jahres 1627.

Der große Krieg in Deutschland dauerte nun schon neun Jahre. Ein Reisender musste jederzeit auf eine Begegnung mit Wegelagerern gefasst sein. Ganz abgesehen davon hatte Bonifatius Beckenschläger auf seiner Reise davon erfahren, dass Truppen der Kaiserlichen und der Liga auf dem Weg nach Norden waren, also nach Holstein und Schleswig, womöglich sogar bis nach Jütland hinauf.

Der junge Mann nahm also die beiden Pistolen zur Hand, spannte die Hähne und robbte zur Kuppe der Anhöhe hinauf.

Noch bevor er oben angelangt war, vernahm er aus Richtung der Straße Hufgetrappel, das sofort lauter anschwoll. Er hielt den Atem an und bevor er noch ausgeatmet hatte, tauchten über ihm drei, vier, fünf Reiter auf. Schlapphüte mit großen Federn saßen verwegen auf den braun gebrannten, bärtigen Gesichtern. Zwei der Reiter schwangen Säbel, die in der Sonne blitzten. Die anderen drei hatten lange Pistolen im Anschlag.

Dass dieser Besuch nicht in friedlicher Absicht nahte, stand für Bonifatius Beckenschläger nicht infrage. Zuviel Schauergeschichten über marodierendes Gesindel hatte er gehört, als dass er lange überlegt hätte. Fast gleichzeitig feuerte er seine beiden Pistolen auf die vordersten Reiter ab - es waren diejenigen, welche die Säbel schwangen. Ohne das Ergebnis seiner Schüsse abzuwarten, ließ sich der junge Mann zurück zu seiner Ruhestätte rollen. Mehr instinktiv, als dass er ihn bewusst gesucht hätte, bekam er seinen liegen gelassenen Degen zu fassen, riss ihn aus der Scheide und stand dann auch schon auf seinen zwei Beinen. Noch während er rollte, hatte Beckenschläger dreimal den Knall von Pistolenschüssen gehört. Die Kugeln schlugen unmittelbar neben ihm ein. Offenbar hatte er es angesichts der kurzen Entfernung nur seinem Abrollen zu verdanken, dass er nicht getroffen wurde.

Nachdem er sich aufgerichtet hatte, sah Beckenschläger, dass er selbst zwei Pferde getroffen hatte. Die Tiere lagen am Boden, zuckend schlugen ihre Hufe durch die Luft. Unter einem Pferd lag, anscheinend eingeklemmt, sein Reiter. Ein anderer Mann lag vier bis fünf Schritte weiter bewegungslos neben seinem Tier.

Die übrigen Reiter hatten infolge der unerwarteten Schüsse aus Beckenschlägers Pistolen wohl einige Augenblicke erschrocken verhalten. Mit einem Satz jagte aber nun der Nächste von ihnen sein Pferd auf den jungen Reisenden zu, den rechten Arm mit dem schweren Säbel zum Schlag erhoben. Pferd und Reiter waren bereits unmittelbar vor ihm, als Beckenschläger einen Sprung nach rechts machte und dabei dem Pferd sein Rapier über die Blesse und wohl auch über das Maul hieb. Das Tier musste eine schmerzhafte Verwundung erlitten haben. Es schnellte nach vorn und ging samt seinem verdutzten Reiter durch. Inzwischen war der vierte Angreifer unmittelbar neben Beckenschläger und ließ seinen Säbel auf ihn niedersausen. Der junge Mann konnte seinen Degen noch zur Abwehr hochreißen und so den Schlag auffangen. In diesem Augenblick war aber auch schon der Letzte der fünf Reiter neben Beckenschläger. Er hatte seine abgeschossene Pistole umgedreht und holte damit nun ebenfalls zum Schlag aus.

Der Angegriffene konnte zwar noch den Kopf zur Seite reißen, aber nicht mehr vermeiden, dass der schwere Pistolenknauf seine rechte Schulter traf. Der Schlag lähmte den noch mit dem Degen zur Abwehr erhobenen Arm und ließ ihn kraftlos hinuntersinken.

Vom Schmerz der Schulter benommen sah Beckenschläger noch das verzerrte Gesicht des Reiters über sich, dessen Säbelhieb er gerade pariert hatte. Da sauste auch schon dessen Arm mit dem Säbel wieder nieder, bevor Beckenschläger einen dumpfen Schmerz im Kopf fühlte und seine Umgebung in einer flimmernden roten Flut versank.

II.

"Na, mein Freund, ausgeschlafen?" Bonifatius Beckenschläger blickte in ein rundes, gutmütig grinsendes Gesicht von höchstens dreißig Jahren. Unter einer vielleicht etwas zu roten Nase prangte ein prächtiger Schnauzbart und darunter ein Kinnzwickel nach der Mode der damaligen Zeit. Beckenschläger stöhnte und versuchte seine Gedanken zu sammeln. Das Gesicht über ihm gehörte zu einer kräftigen Gestalt in der Uniform eines Offiziers.

"Gestattet, dass ich mich vorstelle - Leutnant Jörg Ohlsen, zurzeit kommandiert in der Festung Glückstadt seiner Majestät König Christians des IV. von Dänemark", ließ sich der pausbäckige Offizier wieder hören. "Ihr habt Euch tapfer geschlagen, aber viele Hunde sind nun einmal des Hasen Tod. Doch glücklicherweise seid Ihr kein Hase und deshalb auch noch nicht ganz tot." Leutnant Ohlsen lachte glucksend über seinen Scherz.

"Ihr seid wohl gerade richtig gekommen", sagte Beckenschläger nun und betastete vorsichtig seinen immer noch dröhnenden Schädel. Behutsam drehte er den Kopf zur Seite und stellte fest, dass er sich immer noch an der Stelle befand, an der sein Gefecht stattgefunden hatte. Die Sonne stand jetzt allerdings wesentlich weiter nach Westen.

Einige Schritte von dem Leutnant entfernt hielten sich zwei weitere Soldaten neben ihren Pferden auf. Dar eine war lang und dürr, der andere von mittlerer Statur. Beide trugen mächtige rotblonde Vollbärte.

"Ja, gerade richtig gekommen. Das kann man wohl sagen", meinte der Offizier, immer noch schmunzelnd.

"Allerdings hattet Ihr uns nicht mehr allzu viel zu tun übrig gelassen. Ich kam mit meinen beiden Schotten gerade darüber hinzu, als Euch der eine Galgenvogel den Fangstoß geben wollte. Ihr ward ihm wohl so nah auf den Pelz gerückt, dass er Euch beim ersten Hieb nur mit dem Schutzbügel seines Säbels erwischte. Als wir auftauchten, ergriffen die beiden dann doch lieber das Weite. Wir haben sie zwar noch etwa eine Viertelmeile verfolgt, aber was sollte es schließlich. Es gibt in diesem Krieg so viel Gesindel, dass es auf einige mehr oder weniger schon gar nicht mehr ankommt. Ja, und wir wollten Euch ja letzten Endes nicht allein hier liegenlassen."

Bonifatius Beckenschläger hatte sich inzwischen erhoben. Glücklicherweise war sein Pferd noch da und graste vor sich hin.

"Jedenfalls danke ich Euch von Herzen." Beckenschläger ergriff fest Leutnant Ohlsens Hand. "Wo bin ich hier eigentlich? Ich komme von Hamburg her und wollte eigentlich heute noch nach Itzehoe. Das Ziel meiner Reise ist dann Heide in Dithmarschen."

"Wir sind etwa 1½ Meilen von der Steinburg im Norden entfernt", antwortete Ohlsen. "Ebenso weit ist es wohl im Westen nach der Festung Krempe. Wenn Ihr Zeit und Lust habt, kommt mit uns nach Krempe und übernachtet dort. Ihr habt zwar unverschämtes Glück mit Eurem Schädel gehabt, aber etwas Ruhe wird Euch doch gut tun."

Bonifatius Beckenschläger stimmte gern zu, denn besondere Eile hatte er auf seiner Reise nicht. Der kleine Trupp bog nach einer kurzen Strecke nach links - also nach Westen - von der Landstraße in einen Feldweg ab, der aber doch so breit war, dass Beckenschläger neben dem Offizier reiten konnte, während die beiden schottischen Soldaten nachfolgten.

Das reife Getreide wogte zu beiden Seiten des Weges in einer lauen Sommerbrise. Das Land war so friedlich, dass es nichts von der drohenden Nähe des Krieges ahnen ließ.

Man war zunächst schweigend geritten. Beckenschläger war auch noch zu sehr mit dem gerade Erlebten beschäftigt, als dass er von sich aus große Lust zu einem Gespräch verspürt hätte. Allerdings gehörte er ohnehin nicht zu dem Typ Mensch,...

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