Die Omega-Spur

Spiritualität der Zukunft
 
 
Echter (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im Juni 2021
  • |
  • 152 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-429-06525-6 (ISBN)
 
Wie passen die spannenden Fortschritte
der modernen Wissenschaft und gelebte
Spiritualität zusammen?
Der geniale Naturwissenschaftler und
Mystiker Teilhard de Chardin (1881-1955)
weist uns eine Spur zu einem erahnten
gemeinsamen Endpunkt "Omega" der
menschlichen Geschichte. Indizien aus
den letzten Jahrzehnten deuten darauf hin,
dass Teilhards Einsichten richtig sind und
gleichzeitig für uns alle sowohl Auftrag
bedeuten als auch Lebenssinn vermitteln.
Gehen wir gemeinsam auf Spurensuche!
  • Deutsch
  • 0,48 MB
978-3-429-06525-6 (9783429065256)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Raimund Badelt, geboren 1945 in Wien, Wirtschaftsexperte mit langjähriger Leitungserfahrung in der Caritas der Erzdiözese Wien. 2011-2014 Masterstudium an der Universität Salzburg in "Spiritueller Theologie im interreligiösen Prozess" mit Masterarbeit zur Spiritualität von Teilhard de Chardin; seither Vortragstätigkeit zu diesem Themenkreis.

3. Die Spurensuche wird ausgeweitet


3.1. Beispiele für christliche Ansätze


In den Jahrzehnten seit 1955, dem Todesjahr Teilhards, haben immer wieder Theologen versucht, dessen Grundideen weiterzuentwickeln, insbesondere in den USA. Einige Beispiele sollen dies veranschaulichen.

Karl Schmitz-Moormann


Völlig in der Tradition Teilhards standen die Überlegungen von Karl Schmitz-Moormann (1928-1996),13 der sich nicht nur um die Verbreitung von Teilhards Ideen bemühte, sondern diese auch durch neuere Elemente anreicherte. Schmitz-Moormann folgt in seinen Überlegungen (die ja mehr als eine Generation später als jene Teilhards formuliert werden) Teilhard, wenn er in seinen Darstellungen der Evolution die Aspekte Vereinigung und Wachsen des Bewusstseins betont. Er erweitert dieses Konzept jedoch durch den Einbau des Informationsbegriffs. Auf frühen Evolutionsstufen sind demnach Information und Struktur nicht differenzierbar, ab der Biosphäre werde die Einheit von Organismen durch informationshaltige Signale verwirklicht. Informationstheorie im Zeitalter von Computer und DNA-Forschung macht uns auf den Unterschied zwischen Informationsmedium und Informationsinhalt aufmerksam, Information wird immer wichtiger, aber immer weniger von Materie abhängig.

Die noch immer fortschreitende Miniaturisierung in der Computer-Technologie macht uns diese Entwicklung besonders deutlich: Wenn der Inhalt eines dicken Buches auf einem modernen Datenträger leicht Platz hat, so heißt das auch, dass der Bedarf an Materie (Papier) im Vergleich zu dem winzigen Chip sehr viel geringer wurde, dass aber in der Anordnung der Materie sehr viel mehr Komplexität, d. h. Geist, steckt.

Teilhard hatte den Begriff der Komplexität als Maßstab für evolutives Wachstum eingeführt und auf den Zusammenhang zwischen Komplexität und Bewusstsein hingewiesen. Schmitz-Moormann ergänzt diese Aussage nun um die Parallele zum Anwachsen der Fähigkeit zur Informationsverarbeitung, die auf eine Schöpfung auf dem Weg zu mehr Geist verweise. Er hält es sogar für vorstellbar, auch auf Konzepte wie Gnade oder Eucharistie den Begriff der zusätzlich erhaltenen Information anzuwenden.

John Haught


Schon zwei Generationen später als Teilhard denkt der amerikanische Theologe John Haught (geb. 1940)14, der an der Georgetown University in Washington wirkt, in einer geistig freieren Umgebung die Ideen Teilhards weiter: Der biblische Auftrag an Abraham, sich auf Neues einzulassen, gilt auch für unsere Zeit. Christliche Theologie muss Hoffnung verströmen.

Paradies ist ein Mythos der Vergangenheit, in keiner Weise gedeckt durch moderne Kosmologie. Unser Nachdenken über Gott sollte sich weniger mit der Vergangenheit als mit dem Werden beschäftigen, wir sollten mehr an das Omega als an das Alpha denken. Der Kosmos ist keine Maschine, sondern eine dramatische Handlung mit Sinn. Gesetze der Naturwissenschaft sind eher wie Regeln der Grammatik zu verstehen, d. h., sie sind zwar richtig und wichtig, sagen uns jedoch mehr über Erkenntnisformen als über Inhalte. Zentrale Inhalte christlichen Glaubens wie etwa Eucharistie sollten wir weniger als historische Berichte lesen, sondern als Ankündigung der Verbindung zwischen Menschheit - Kosmos - Gott.

Hauptforderung der Moral ist es, einen positiven Beitrag zum Weiterbauen der Schöpfung zu leisten, weil diese Welt noch nicht vollendet ist. Haught stimmt mit Teilhard überein, Gott weniger als Weltenherrscher zu sehen, sondern als Ziel eines großen kosmischen Prozesses.

Matthew Fox


Im weiteren Sinn kann man auch den amerikanischen Theologen Matthew Fox als geistigen Erben Teilhards sehen. Der 1940 in den USA geborene Theologe und Priester war ursprünglich Mitglied des Dominikanerordens; 1988 wurde ihm die kirchliche Lehrerlaubnis wegen seiner umstrittenen Thesen entzogen. Er verließ später den Orden und wechselte in die Episkopalkirche in Kalifornien. Mit seinen Hauptwerken (insbesondere "Vision vom kosmischen Christus") gilt er als einer der Pioniere der "Schöpfungsspiritualität".

Teilhard hatte gefordert, die Theologie der Zukunft müsse sich mit dem Verhältnis zwischen Christus und dem Universum beschäftigen. Fox greift diese Idee des Kosmischen Christus auf und versucht sich dieser auf den Wegen der Wissenschaft (= Wissen über die Schöpfung), Mystik (= Einheit mit der Schöpfung) und Kunst (= Ehrfurcht vor der Schöpfung) zu nähern. Er stützt sich dabei auf die bereits bei Teilhard gerne verwendeten Stellen des Neuen Testaments sowie auf zahlreiche Texte von Mystikern (insbesondere Meister Eckehart, aber auch Hildegard von Bingen sowie Juliana von Norwich).

Angeregt von einem Traum, sieht Fox Parallelen zwischen der verwüsteten Erde und der Kreuzigung Christi, sieht eine Erneuerung der Mystik als Auferstehung der menschlichen Seele und die Ankunft des kosmischen Christus in einer lebendigen Kosmologie als Entsprechung zur Idee der Aussendung des Geistes. Schließlich vergleicht er sein Konzept mit dem kurzen, aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert stammenden prophetischen Text Joel im Alten Testament. Auch dort geht es um Klagen über das verwüstete Land, um Umkehr und schließlich um Geist-Sendung zur Heilung.

Die praktischen Konsequenzen seiner Überlegungen sieht Fox vor allem auf dem Gebiet der Schöpfungsverantwortung, der Erneuerung der Mystik, der Neubewertung der Sexualität sowie der "Tiefenökumene", mit der er nicht nur die Hochreligionen, sondern auch viele Religionen von Naturvölkern (insbesondere denkt er dabei auch an die Indianer) zusammenführen will.

3.2. Spurensuche interreligiös


Sowohl zum Thema einer Spiritualität der Evolution als auch zum Thema Brückenschlag zwischen Naturwissenschaften und Religion gibt es eine Fülle von Literatur. Die Debatte kreist dabei vor allem um zwei Fragen:

a) Führt ein tieferes Eindringen in die Spiritualität letztlich die Religionen zusammen?

Dazu äußern sich vor allem Denker und Spiritualitätslehrer, die Brückenerfahrungen zwischen westlichen und östlichen Religionen haben (z. B. Raimon Panikkar, Thich Nhat Hanh, Henry Le Saux, Thomas Merton). Die Antwort lautet meist, tiefe religiöse Erfahrungen seien leichter harmonisierbar als formelle Glaubenslehren oder Dogmen.

b) Ist die Verbindung zwischen moderner Wissenschaft und Religion wirklich vertretbar oder nur dem Zeitgeist entsprechendes, modernes Gerede?

Voraussetzung einer solchen Debatte ist natürlich, dass beide Seiten, Evolutionstheorie und Spiritualität bzw. Religion, ernst genommen und akzeptiert werden. Die Evolutionstheorie hat sich zwar in Europa im Allgemeinen durchgesetzt, doch gilt dies nicht weltweit. Schon in fundamentalistischen christlichen Kreisen (etwa in den USA) wird sie in Hinblick auf dort vertretene wörtliche Interpretationen der Bibel bekämpft. In der islamischen Welt wird sie weitgehend abgelehnt, wobei die verwendeten Argumente große Ähnlichkeit mit der Debatte in Europa Anfang des 20. Jahrhunderts haben. So hat kürzlich die islamistisch orientierte Regierung der Türkei die Lehre der Evolutionstheorie an Schulen verboten, "um die Schüler nicht zu verwirren". Nur vereinzelte Gelehrte, insbesondere an iranischen und ägyptischen Universitäten, setzen sich damit auseinander.

Positiver sieht diese Frage die Bahai-Religion, die aus einer Mischung aus manichäisch-iranischen und islamischen Traditionen entstand. Dort gibt es das Konzept der fortschreitenden Offenbarung sowie der fortschreitenden, stufenweisen Höherentwicklung des Geistes, womit eine gute Anschlussmöglichkeit an unsere Thematik gegeben ist.

In der Folge wollen wir aus der Fülle des vorliegenden Materials die Überlegungen zweier Denker kurz darstellen, die nicht nur die obigen Fragen positiv beantworten, sondern darüber hinaus aus diesen Überlegungen auch spirituelle Forderungen ableiten, deren Hintergrund - hinduistisch bei Sri Aurobindo bzw. buddhistisch bei Ken Wilber - den Vergleich mit Teilhard nahelegt. Auffallend ist, dass alle drei neben dem religiösen Hintergrund persönlich auch durch Facherfahrungen aus anderen Lebensbereichen geprägt sind: Teilhard als Naturwissenschaftler, Sri Aurobindo als Politiker und Journalist, Wilber als Psychologe. Jeder auf seine Weise findet nicht nur eine Brücke zwischen seiner Fachwelt und der Spiritualität, sondern entwickelt ein System, in dem die Rationalität voll in die Spiritualität integriert ist.

Sri Aurobindo - eine asiatische Variante zu Teilhard?


Etwa zeitgleich mit Teilhard (1881-1955) lebte in Indien Aurobindo Ghose (1872-1950), der sich später Sri Aurobindo nannte. Geboren in Kalkutta, wuchs er in einer indischen, aber stark anglophilen Familie auf, wurde zur Erziehung und zum Studium nach England geschickt. Sein Vater war Atheist. In England...

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