Prador-Mond

SF-Thriller
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Februar 2011
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0246-9 (ISBN)
 
Das Polis-Kollektiv verkörpert den Gipfel der raumfahrenden Zivilisationen. Geprägt durch die Wissenschaft, reicht sein Einfluss von Earth Central bis in die unergründlichen Fernen der galaktischen Leere. Doch eines Tages trifft die Polis auf außerirdisches Leben, in Gestalt feindseliger krabbenähnlicher Karnivoren, die als die Prador bekannt werden. Und diese Entdeckung kann nur einen Ausgang zeitigen - totalen Krieg. In epischem Maßstab und mit unerbittlicher Action bietet Prador Mond vernichtende Schlachten. Es ist Ashers erschreckendster Ausflug in das Polis-Universum - eine brillante Space Opera!
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 0,20 MB
978-3-8387-0246-9 (9783838702469)
3838702468 (3838702468)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 2
Und nahmen's und wurden getraut tags drauf


Die Newsnet-Dienste, auf die sie mit dem Verstärker zugriff, übermittelten alle die gleichen unglaublichen Comic-Geschichten. Dass alle Nachrichtennetze die gleiche Story brachten, das bot wahrscheinlich einen Hinweis auf den Fehler. Während Moria in ihrer Wohnung saß, die Reisetasche zu ihren Füßen, spürte sie klebrigen Schweiß ausbrechen. Die Bilder, die sie sah, waren einfach zu zeichentrickhaft, zu grotesk, sodass als Erklärung nur in Frage kam, dass ihr Verstärker die Nachrichtennetze mit einer Fantasyvirtualität mischte. Die Programmierung einer solchen Virtualität bügelte sicherlich Ungereimtheiten aus und verlieh dem, was Moria sah, den Anschein der Richtigkeit. Sie musste etwas unternehmen, ehe auch ihr Gehirn gehäckselt wurde.

NACHRICHTENMODUS >

EMPFÄNGER > AUBRON SYLAC.

NACHRICHT > ICH BRAUCHE SOFORT EINEN TERMIN. MEIN VERSTÄRKER ZEIGT AUF NEWSNET-KANÄLEN EINE FANTASYVIRTUALITÄT.

ANHANG > KEINER.

Nach kurzer Verzögerung empfing sie die Antwort EMPFÄNGER NICHT GEFUNDEN, was zu bestätigen schien, dass der Verstärker gestört war. Aber was sollte sie tun? Sie war für einen Shuttleflug in zwei Stunden zurück zum Trajeen-Runciblekomplex gebucht. Sollte sie einfach vorher zu Sylacs Praxis hinüberfahren und hoffen, dass er ihr in der begrenzten Zeit helfen konnte? Nein, sie musste selbst versuchen, das Problem zu beheben.

NETZVERBINDUNG OFFLINE >

WARNUNG: SERVERGESPEICHERTE INFORMATIONEN GEHEN VERLOREN.

WARNUNG: KOMLINK BOOT CODES .

Moria schnitt eine Grimasse und gab ihre Instruktion ein: NETZVERBINDUNG OFFLINE > BESTÄTIGT.

Auf einmal schien es, als würde es in ihrem Kopf still.

MEMOSPEICHER > LÖSCHEN.

BESTÄTIGUNG? >JA.

BIST DU ABSOLUT SICHER, DASS DU DEINEN MEMOSPEICHER LÖSCHEN MÖCHTEST? > JA!

WIEDERHOLE MEMOSPEICHERLÖSCHUNG DREIMAL > LÖSCHEN LÖSCHEN LÖSCHEN.

BESTÄTIGUNG? > JA!!!

MEMOSPEICHER GELÖSCHT.

Damit war sie gegen alles gesichert, was sie sich über die Netzverbindung eingefangen hatte, was durchaus vorkam.

DIAGNOSE > VON PARTITION SECHS AUSGEHEND VORNEHMEN, DANN IN ABSTEIGENDER REIHENFOLGE FÜR JEDE WEITERE PARTITION AUSFÜHREN.

DIAGNOSE LÄUFT - DAUER EINE STUNDE.

Moria seufzte - damit wurde wenigstens jede Störung im Verstärker aufgespürt, es sei denn natürlich, dass mit dem Diagnoseprogramm auch etwas nicht stimmte. Die benötigte Zeit war auch das Ende der Idee, Sylac aufzusuchen, ehe sie zu ihrem Shuttle fuhr, da er nichts tun konnte, solange die Diagnose lief. Jetzt musste sie eine Stunde totschlagen, ehe sie zum Shuttlehafen fuhr, der nur zehn Minuten entfernt lag. Sie stand auf, ging in ihre Kitchenette, zog sich eine Tasse Tee aus dem Heißgetränkeautomaten - ignorierte dabei eisern die Flasche Grünwein, die offen auf der Anrichte stand - und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

Als sie sich im Sessel zurücklehnte, spürte sie, wie sich dieser ihrem Körper anpasste, um es ihr möglichst bequem zu machen. Bequemlichkeit schien jedoch nicht zu reichen, denn sie vermisste sofort ihren Verstärker. Während sie an ihrem Tee nippte, blickte sie sich nach etwas um, womit sie sich beschäftigen konnte. Ihr Blick fiel auf die Fernbedienung für den Holoprojektor, die auf dem Beistelltisch neben dem Sessel lag. Ihr fiel der Staub auf den Tasten der Fernbedienung auf, denn seit der Installierung des Verstärkers durch Sylac hatte sie nie wieder das Bedürfnis gehabt, den Holoprojektor zu benutzen. Als sie die Fernbedienung zur Hand nahm und den Abdruck sah, den diese auf dem Tisch hinterließ, runzelte sie die Stirn und tippte die Nummer für die Sub-KI des Gebäudes ein.

Nur zwei Meter vor ihrem Gesicht bildete sich ein schwarzes Loch. Aus diesem huschte eine große Ratte hervor und hockte sich mitten in die Luft. »Moria Salem?«, fragte die Ratte und legte den Kopf schief. Warum sich die Sub-KI des Hauses in dieser Form präsentierte, das wurde von jeher unter manchen Bewohnern diskutiert. Moria fand nicht, dass da viel zu diskutieren war - wie viele andere KIs auch verfügte diese einfach über einen verdrehten Humor.

»Mein Reinigungsbot scheint seine Arbeit nicht zu erledigen«, erklärte Moria ihr.

Die Ratte blickte zur Seite, als inspizierte sie etwas, und sagte dann: »Es liegt daran, dass Sie kürzlich die Steuerung Ihrer Wohnung von dieser Einheit auf Ihren neuen Verstärker übertragen und es versäumt haben, Anweisungen zu erteilen.« Die Ratte zuckte die Achseln. »Ich hätte in dieser Hinsicht etwas übernehmen können, aber wir KIs ziehen es ganz klar vor, wenn Menschen versuchen, das eigene Gehirn zu benutzen.«

»Äh - danke«, sagte Moria. »Das wäre alles.«

Die Ratte drehte sich um und trippelte wieder ins Loch, und das Loch klappte zu. Moria verzog das Gesicht, weil sie nichts tun konnte, solange die Diagnose lief. Stattdessen gab sie die Nummer für das Newsnet ein, das sie vor Erhalt des Verstärkers benutzt hatte und in jüngster Zeit auch wieder über den Verstärker. Wurde allmählich Zeit herauszufinden, was in der Welt wirklich geschah.

Das riesige vielbeinige Monster stieg vor ihr aus dem Fußboden auf, die Klauen ausgebreitet, und die Mandibeln knirschten über ihr. Schwarzer holografischer Speichel tropfte auf sie hinab.

»Aaah!« Moria warf sich aus dem Sessel und kroch auf den Knien davon, ehe sie sich langsam wirklich dumm vorkam.

»Diese Kreatur, dieser Vortex«, sagte der Sprecher gerade, »gehört entweder einer größeren Art an, ist ein größerer Verwandter oder vielleicht nur eine anders entwickelte Version derselben Spezies, ähnlich einer Soldatenameise in einem Ameisennest.«

Moria blendete den Rest aus, da sie das alles schon über Verstärker gehört hatte. In der folgenden Stunde erfuhr sie durch schlichte Bildschirmverbindungen mit Freunden und Bekannten und Sichtungen aller Newsnet-Dienste, dass nein, ihr Verstärker nicht an einer Störung litt, und ja, dass große feindselige Außerirdische mit Exoskeletten die Polis angriffen und dass diese Arschlöcher Menschen fraßen.

Die Wirkung der Mittel gegen Schock und Schmerzen ließ allmählich nach, aber Jebel verlangte nicht nach mehr, denn andere auf dieser Krankenstation hatten daran dringenderen Bedarf, und er wollte geistig klar bleiben, während er per Verstärker mit dem Stationsnetz verbunden war und durch dessen Kameraaugen blickte.

Der wie ein riesiger goldener Parasit ans Schiff angedockte Pradorshuttle gab noch nicht zu erkennen, dass er ablegen würde, und die Stations-KI wollte etwas dagegen unternehmen. Durch Außenkameras verfolgte Jebel, sobald genügend Bandbreite frei war, wie ein panflötenartiger Raketenwerfer seine Ladung ins Weltall hinausspie. Sinnlos, den Geschossen nachzuspüren, also konzentrierte er sich lieber auf den Shuttle. Die Raketen flogen zu schnell an, um sie zu sehen, und die Blitze der lautlosen Einschläge blendeten einen Augenblick lang jede Sicht. Flammen wälzten sich über die Haut der Station, und Jebel packte das Kopfende seiner Pritsche, während die Krankenstation rings um ihn bebte. Sobald die Sicht wieder frei war, bot sich ihm die entmutigende Erkenntnis, dass der Shuttle unversehrt geblieben war. Als er sich jetzt weiter verknüpfte und Teile des KI-Funkverkehrs mit Schiffen außerhalb der Station mithörte, erfuhr er, dass Waffen, die für die Zerstörung dieses Shuttles benötigt wurden, womöglich die Station gleich mit vernichteten. Die KIs diskutierten jetzt die Idee, diese außerirdische Zecke mit einem Schnitt durch die Station zu entfernen. Jedoch war es nicht der daraus resultierende Verlust an Menschenleben, der diese Möglichkeit im Keim erstickte. Die simple Wahrheit lautete, dass, wenngleich eine Angriffsstreitmacht der Prador von dem Shuttle aus agierte, dieses Beiboot möglicherweise der einzige Grund war, warum das Mutterschiff nicht selbst angriff, und dagegen hätte man kaum etwas aufbieten können.

»Wie geht es dir?«

Jebel hatte Urbanus die Krankenstation betreten gesehen, aber erst jetzt wandte er sich ganz dem Golem zu. »Ich bin krank und habe Schmerzen.«

»Na ja, dabei wird es nicht bleiben - du kommst jetzt in die Chirurgie. Alles Personal mit Kampfausbildung genießt dabei Priorität.«

»Da wird mir doch gleich ganz warm ums Herz.«

»Komm mit.« Urbanus warf ihm ein Medikamentenpflaster zu, das Jebel abzog und sich seitlich an den Hals klebte. Als er sich von der Pritsche hochstemmte, wurde ihm kurz schwindelig, und er stellte fest, dass die fehlende Hand zu schmerzen begann. Sekunden später entfaltete das Pflaster seine Wirkung. Er fühlte sich seltsam euphorisch.

»Was geht hier vor?«, fragte er. »Ich habe gerade gesehen, wie die KI den Shuttle zu zerstören versucht hat, aber der Verstärkerkom innerhalb der Station wird zensiert, wenn er nicht gleich ganz ausfällt.«

»Etwa hundert von ihnen sind auf der Station eingedrungen und haben die Sektion zwischen der Grünen Querarkade und den Deltarandschleusen abgeschnitten. Die Leute fliehen durch das Runcible innerhalb dieses Gebiets, aber das wird nicht mehr lange gehen.«

Ungeachtet der Medikamente verkrampften sich Jebels Bauchmuskeln. Cirrellas Wohnung lag in dem Gebiet. »Was - wird nicht mehr lange gehen?«

Unerbittlich antwortete Urbanus: »Die KI muss das Runcible zerstören, um zu verhindern, dass es den Prador in die - Klauen fällt.«

Jebel wurde aufs Neue schlecht, aber was blieb der KI schon anderes übrig? Was konnte Jebel selbst in seiner derzeitigen Verfassung ausrichten? Er musste wieder kampffähig werden, wenn er Cirrella helfen...

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