Die Europasaga

 
 
C. Bertelsmann Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Oktober 2017
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19406-2 (ISBN)
 
Nach dem großen Erfolg der "Deutschlandsaga" sowohl als ZDF-Serie wie als Sachbuchbestseller weiten Peter Arens und Stefan Brauburger den Blick auf Europa. Sie laden zu einer Zeit- und Erkundungsreise durch seine vielfältig verwobene Geschichte ein, werfen Blicke auf das gewaltige kulturelle Erbe, die unterschiedlichen Traditionen und spüren den Befindlichkeiten nach. Sie geben Auskunft zu Fragen wie: Woher kommt die Idee des gemeinsamen Europa, was hält das transnationale Gebilde zusammen, was trennt uns von anderen? Wie kann ein Miteinander für die rund halbe Milliarde EU-Europäer künftig aussehen? Oder drohen die aktuellen Konfliktherde die Wertegemeinschaft und den größten Staatenverbund der Welt zu sprengen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
C. Bertelsmann
durchgehend farbig
  • 99,83 MB
978-3-641-19406-2 (9783641194062)
3641194067 (3641194067)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Peter Arens ist seit 2006 Leiter der ZDF-Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft. Er ist Autor von »Sturm über Europa - Die Völkerwanderung« (2002), »Wege aus der Finsternis - Europa im Mittelalter« (2004) und »Kampf um Germanien - die Schlacht im Teutoburger Wald« (2009).

Vorwort

Der Kontinent des Widerspruchs

»Das übernationale Gemeinschaftsgefühl der Europäer ist reine Erfindung der Dichter« - was Heinrich Mann zur Befindlichkeit unseres Kontinents anmerkte, scheint von zeitloser Aktualität zu sein. Denn das Thema, ob Europa den Weg zur Einigung oder zur Spaltung einschlägt, begleitet unsere Geschichte seit über 1000 Jahren und dringt mit neuem Schub in die gegenwärtigen Debatten. Und wem nicht gleichgültig ist, auf welchen Ebenen über wesentliche Aspekte unseres Lebens entschieden wird, kann sich der zentralen europäischen Frage wohl kaum entziehen, ob es auf dem Weg der Einigung vorwärts oder rückwärts geht.

Gibt es noch die Hoffnung, er könne doch eines Tages kommen, der große übergreifende Superstaat, der es allen recht macht, die Vereinigten Staaten von Europa? Oder haben wir uns längst von solchen Visionen verabschiedet, schon gar im Angesicht der Zerreißproben der Europäischen Union, zwischen Brexit, Finanz- und Flüchtlingskrisen und Rückfällen in nationale Denkmuster?

Am Ende entscheidet wohl die Kraft des Zusammenhalts: Was verbindet uns? Welche Leitbilder und Erfahrungen prägen uns? Um welche Räume, Werte, Menschen geht es, wenn wir von Europa sprechen? Und mit welchen Erwartungen blicken wir in die gemeinsame Zukunft?

Im Buch zur Europasaga gehen wir solchen Fragen auf den Grund, es dient der Vertiefung der gleichnamigen sechsteiligen ZDF-Dokureihe, die wir zusammen mit dem Cambridge-Historiker Christopher Clark gestaltet haben. Das Projekt entstand in der Erwartung, Europa irgendwie zu fassen zu bekommen, es auf einen Nenner zu bringen. Mit einigen Leitfragen im Gepäck ging Clark auf Zeitreise und brachte eine ganze Reihe persönlicher Erfahrungen und Erkenntnisse mit. Doch waren unsere Befunde und Beobachtungen vor allem eines: widersprüchlich!

Es gibt ja das bekannte Erklärmuster, Europa sei eben die »Einheit in der Vielfalt«. Aber dieser Ansatz spart vieles aus. Zu groß sind die Gegensätze, die diesen Erdteil prägten und immer noch prägen - vielleicht kommen wir der Sache mit einer anderen Formel näher: Der DNA-Schlüssel des Kontinents liegt im Widerspruch! Und seine Triebkraft in der Suche nach einem Ausweg, nach einer Lösung .

Alle Kontraste dieser Welt scheinen in Europa auf engstem Raum gewirkt zu haben. Es ist der Erdteil der schlimmsten Kriege, aber auch der intensivsten Friedensbemühungen, der totalitären Diktaturen wie der freiheitlichen Demokratie, der Ursprungsort extremer Ideologien, aber auch des Pluralismus, ein Raum des Glaubens wie des Atheismus. Die europäische Geschichte kennt schlimmste Barbarei, aber auch Höhenflüge in Kunst, Literatur, Architektur und Musik. Europa bietet ein Laboratorium atemberaubender technischer Neuerungen, aber auch der industriellen Zerstörungsgewalt.

Die philosophische Dialektik ist wohl nicht von ungefähr eine europäische Erfindung: die Triade von These, Antithese, Synthese. Und so ist es vielleicht auch typisch europäisch, wenn aus den Widersprüchen heraus etwas Neues, etwas Gemeinsames erwächst, aus dem Gegeneinander ein Miteinander.

60 Jahre Römische Verträge. Das Jubiläum fand in einer Zeit größter Herausforderungen an die Europäische Union statt, es gab Proteste, aber auch Jubel.
Foto: Bauer, Hans-Jürgen

So geschah es auch vor 60 Jahren. Nach zwei Weltkriegen, Diktatur und Völkermord hatten einige westeuropäische Staaten neue Wege beschritten, gemeinsam ein Forum gebildet, den Europarat. Eine erste Gemeinschaft entstand (für Kohle und Stahl). Die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg wollten nun, nach einigen Bewährungsproben, noch enger zusammenrücken, Frieden und Wohlstand künftig gemeinsam sichern, dafür nach und nach auf Hoheitsrechte verzichten. Sie schlossen 1957 historische Verträge, dort, wo so vieles anfing, in Rom. Dass es nicht nur um eine wirtschaftliche, sondern auch um eine Wertegemeinschaft ging, ist das Besondere. Dem Modell schlossen sich später 22 weitere Staaten an, auch aus dem ehemaligen Ostblock. Nach dem Fortschritt der Vereinigung (West-)Europas mag man darin so etwas wie ein zweites »Wunder« sehen.

Im Prinzip kam das, was in der Mitte des 20. Jahrhunderts seinen Anfang nahm, einer kopernikanischen Wende gleich. Besonnene Europäer verließen jene Pfade, die auf die Schlachtfelder geführt hatten, und beschritten den Weg zur Union. Die Enkelkinder, deren Großväter noch mit Waffengewalt in die Nachbarländer einrückten, können seit Jahren die Grenzen ohne Kontrollen passieren. Jedes Jahr erleben Hunderttausende Schüler und Studenten regen wie selbstverständlichen Austausch mit ihren Altersgenossen in den umliegenden Staaten. Doch allein die Errungenschaft des Friedens genügt der Generation, die keinen Krieg erlebt hat, wohl nicht mehr, um weitere Schritte der europäischen Integration zu rechtfertigen.

Heute steht Europa wieder am Scheideweg. Es geht nicht mehr um Krieg oder Frieden, sondern um den Bestand der Einigung. Zwar hat die Gemeinschaft inzwischen einen Grad erreicht, von dem manche Gründerväter allenfalls zu träumen wagten: das Ende des Kalten Krieges, die Öffnung nach Osten, die große Zahl der Mitglieder, gemeinsame Errungenschaften auf vielen Feldern. Doch zeigt der Erfolg in Zeiten der Krise auch seine Schattenseiten: mangelnde Übereinstimmung, Zweifel an gemeinsamen Werten, nationale Rückbesinnung, weil europäische Lösungen ausbleiben oder auf sich warten lassen. Ukraine, Griechenland, Euro, Flüchtlinge, ein Rechtsruck in vielen Parteienlandschaften und Regierungen vor allem östlicher Mitgliedstaaten, schließlich der Brexit - es sind gleich mehrere Konfliktherde, die das Gemeinschaftswerk auf die Probe stellen.

Vielleicht ist der Erfolg der Europäischen Union auch ihr Dilemma, sie ist gewachsen, aber auch schwerfälliger bei zentralen Entscheidungen. Sie ist vielfältiger, dafür gegensätzlicher in den Meinungen über Strategien und Werte. Sie ist größer, muss dadurch aber auch mehr Interessen unter einen Hut bringen. Welcher Mechanismus der Abstimmung wird dem gerecht? Es gilt, jeden weiteren Schritt zur Einigung abzuwägen, um die Partner nicht zu überfordern - vielleicht liegt die Lösung ja doch in einem Europa mehrerer Geschwindigkeiten .

Die aktuellen Befunde legen es nahe, Bilanz zu ziehen, geben Anlass zurückzuschauen, auch in fernere Epochen, wo die Anfänge der europäischen Geschichte liegen. In sechs Kapiteln suchen wir nach Antworten auf zentrale Fragen: Woher kommen wir? Was hält Europa zusammen? Was unterscheidet uns von anderen? Was treibt uns an? Gibt es die verbindende Idee, oder sind es eher Hoffnungen und Interessen, die wir teilen? Und - ist das Glas aus der europäischen Aussteuer eher halb leer oder halb voll?

Woher wir kommen - wer wir sind

Wo heute über 740 Millionen Europäer verschiedener Herkunft leben, bestimmte einst die Natur den Bewegungsraum, die Eiszeit zog die Grenzen für alle Lebensformen. Mit der Wärme kamen immer mehr Menschen. Die erzählte Geschichte beginnt mit dem viel zitierten Entstehungsmythos: Die Liebe des Zeus zu einer Prinzessin namens Europa, die er auf den Kontinent entführte, der später nach ihr benannt wurde - es ist wohl auch Sinnbild für den Einfluss des Orients auf den Okzident. Künftige Kulturen lösten nicht nur einander ab, sie nahmen die Errungenschaften der Vorgänger jeweils auf, bis die Karten durch die Völkerwanderung neu gemischt wurden und am Ende Griechisches, Römisches, Keltisches, Germanisches, »Heidnisches« und vor allem Christliches miteinander verschmolzen. Das ändert nichts daran, dass Europa bis heute ein Schauplatz vielfältiger und ständiger Migration geblieben ist.

Eine »humoristische Karte« von 1914 überzeichnet Stereotype und Vorurteile gegenüber den damaligen Mächten Europas, das noch im selben Jahr in den Krieg stürzte.
Foto: Special Collections, University of Amsterdam (OTM: HB-KZL 109.05.05)

Was uns eint - was uns teilt

Zum Ziel, Europa zusammenzubringen und irgendwie zu einer Einheit zu formen, weisen gleich mehrere - und sehr unterschiedliche - Wege durch die Geschichte. Mal hatte Gewalt, mal die Vernunft den Vorrang: Es sind zum einen Versuche, den Kontinent zu vereinen, um ihn zu beherrschen oder zu unterwerfen. Zum anderen gab es immer wieder Bemühungen, über ein System der Balance zum Ausgleich unter den Rivalen zu gelangen. Schließlich die Bemühungen, die erstrebte Einigung durch Abgrenzung und Abschottung von anderen Mächten und Kulturen zu erreichen. Allzu oft führten solche Schritte zum Gegenteil: zur Spaltung auf dem Kontinent und zur Feindschaft nach außen. Erst spät reifte die Erkenntnis, dass das Miteinander den Völkern mehr dient als das Gegeneinander: die Idee der europäischen Integration, die Schritte zur Union. Wenngleich auch heute noch Spielarten früherer Verhaltensmuster spürbar sind: von der Bevormundung, Lagerbildung und Abgrenzung.

Woran wir glauben - was wir denken

Europa eher als Idee und weniger als Raum zu begreifen, hat Tradition. Prägungen des Glaubens und des Denkens stehen dabei im Vordergrund, weniger die Geografie. Mehr als anderthalb Jahrtausende waren Europas Herrschaftsformen und Kulturen vor allem vom Christentum geprägt, trotz mehrfacher Spaltung im Glauben. Aber ohne die jüdischen Ursprünge keine Christenheit, und selbst wer bestreitet, dass der Islam zu...

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