Ich will dich doch bloß heiraten

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 201 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7460-3250-4 (ISBN)
 
Eigentlich hatte sich Christoph die Zeit nach seiner Verlobung anders vorgestellt: Ein bisschen mehr Hochzeit und deutlich weniger Ärger. Dabei ist die übermotivierte Wedding Plannerin noch das geringste seiner Probleme. Es ist schier unglaublich, was einem auf dem Weg zum Standesamt vor die Füße fallen kann. Manchmal ist man es sogar selber. Nicht nur Christophs Verlobter muss viel Geduld und noch mehr Humor beweisen, um dieses Herzenschaos rechtzeitig aufzulösen. Denn der Countdown bis zur Trauung tickt für alle...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 2,64 MB
978-3-7460-3250-4 (9783746032504)
3746032504 (3746032504)
Gerrit Jan Appel wurde 1973 geboren. Auch wenn er schon lange in Nordrhein-Westfalen lebt, hat er seine im Norden liegenden Wurzeln nie abschütteln können und will dies auch gar nicht.
In seinem Buch »Rat mal, wer das Essen kocht« sowie den beiden Romanen um das Paar Holger und Christoph, »Wodka für die Königin« und »Frag doch das Vanilleeis«, erzählt Gerrit Jan Appel mit trockenem Humor, Herzlichkeit und norddeutschem Lokalkolorit von Menschen auf ihrer turbulenten Reise durch diese kleinen, verrückten Dinge, die sich Leben und Liebe nennen.
Mit den Erzählungen in dem Band »Rummelpott« hat er sich seiner zweiten literarischen Leidenschaft gewidmet und die Zuneigung zum Norden mit der Liebe zu bedächtig, aber wirkungsvoll erzählten Schauergeschichten in der Erzähltradition viktorianischer Autoren aus der Goldenen Ära der Geistergeschichten von etwa 1850 bis zum Ende des ersten Weltkrieges verbunden.

1. Kapitel



Sonnabend, 24. Dezember 2011

Das Knechtshaus auf dem Dünenhof

Burg auf Fehmarn

 

Christoph schaute Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Man hatte ihn nämlich aus der Küche geworfen. Also fläzte er sich auf dem Sofa und stopfte eine Pfeffernuss nach der anderen in seinen Mund. Er sah nicht ein, warum man nicht wie sonst auch einfach Würstchen und Kartoffelsalat auf den Tisch bringen konnte, doch sein Vorschlag war bei Holger auf strikte Ablehnung gestoßen.

»In jedem anderen Jahr kein Problem, aber doch nicht diesmal. Wie sieht das denn aus?«

»Reichlich übertrieben.«

»Deine Meinung. Und jetzt raus mit dir.«

Auch beim Herrichten der Festtafel war Christoph nicht erwünscht. Holgers Großmutter Alma-Henriette, familienintern nur als die göttliche Jette bekannt, hatte sich jede Hilfe verbeten. Wenigstens lag Corgi Charly neben ihm und ließ sich ausgiebig kraulen.

Holger kam aus der Küche. »Hier ist das Stövchen.«

»Danke, Junge, aber langsam wird es ein bisschen eng auf dem Tisch.«

»Habe ich es nicht gesagt? Würstchen und Kartoffelsalat«, tönte es vom Sofa rüber. »Eine Schüssel, eine Platte, fertig.«

»Ja, ja«, winkte Holger ab.

»>Ja, ja< heißt >Leck mich am Arsch.<«

»Ja, ja.«

Holger ging zum Fenster hinüber. Die Dielen des alten Fachwerkhauses knarzten unter seinen Schritten. Draußen fielen weiße Flocken vom Himmel. Jede tanzte ihren eigenen wirren Tanz und schien mit den anderen nur den Weg nach unten gemeinsam zu haben.

»Die weiße Weihnacht kommt wie gerufen, aber muss es gleich so viel sein? Hoffentlich kommen sie durch.«

»Warum sollten sie nicht?« Unbeeindruckt schob sich Christoph eine weitere Pfeffernuss in den Mund. »Sie kommen ja nicht mit der Knutschkugel von meiner Mutter.«

»Darum mache ich mir die wenigsten Sorgen. Bloß wenn das Schneetreiben erst mal so dicht ist, dass die Fehmarnsundbrücke gesperrt wird, hilft ihnen nicht einmal mehr Papas Cherokee.«

»Nun übertreib mal nicht.« Die göttliche Jette hielt prüfend ein Glas gegen das Licht der Deckenlampe. »Die paar Flöckchen reichen noch lange nicht für eine Sperrung. Obendrein ist es viel zu mild, wahrscheinlich bleibt das Zeug nicht mal liegen.«

»Wir werden also nicht einschneien?«, fragte Christoph.

»Zumindest nicht heute.«

»Aber morgen?«

»Das mag angehen. Eine starke Schneefront kann buchstäblich über Nacht anrücken. Wäre nicht das erste Mal. Wenn man es recht bedenkt, ist der Winter achtundsiebzig-neunundsiebzig noch gar nicht so lange her. Was sind denn in meinem Alter schon dreiunddreißig Jahre?«

Fast ihr ganzes Leben hatte Alma-Henriette Lüders geb. Stüdemann auf dem Dünenhof am südwestlichen Ortsrand von Burg auf Fehmarn verbracht. Über achtzig Jahre waren mittlerweile zusammengekommen, mehr als fünfzig davon war sie Hausherrin eines Ferienhofes gewesen, nachdem die Landwirtschaft sich als nicht mehr rentabel erwiesen hatte. Zuerst gemeinsam mit ihrem Mann Klaas, später als Witwe. Das hatte ganz gut geklappt, denn der Hof gehörte zu den eher mittleren Anwesen, die man durchaus mit einer kleinen Crew bewirtschaften konnte. Groß genug, um neben einem Auskommen und auch einen bescheidenen Wohlstand zu sichern, wenn man nicht gerade exorbitante Ansprüche an das Leben hatte. Es gab fünf Ferienwohnungen im großen Wohnhaus, zwei im Altenteilerhaus, eine in der Tenne und zwei Studioapartments in einer ehemaligen Stallung. Dazu gab es eine große Spielscheune, Leihfahrräder und ein riesiges Außengelände mit Spielplatz, Hundewiese, Liegewiese und Grillterrasse. Auf zusätzliche Neubauten, die in Prospekten so klangvolle Namen wie Haus Shanty oder Villa Seegras trugen, hatten Jette und Klaas verzichtet.

Einziger Angestellter war für ewige Zeiten der alte Matten gewesen, der in jungen Jahren als Knecht auf den Hof gekommen und nie wieder gegangen war. Seit auch Matten seine letzte Ruhe auf dem Friedhof von St. Nikolai gefunden hatte, halfen ein paar Frauen aus der Umgebung, die sich etwas dazuverdienten. Während der Hauptreisezeit im Sommer wurden bisweilen zusätzliche Saisonaushilfen angeheuert. Was den letzten Rest an landwirtschaftlichem Kram wie das Mähen der großen Wiesen oder die Pflege des Obst- und Gemüsegartens angegangen war, fanden sich auch immer noch zuverlässige Hände, die keine Arbeit scheuten. Die Nachbarschaftshilfe funktionierte bestens, denn freilich revanchierte man sich bei nächster Gelegenheit.

Erst im vorletzten Jahr hatte Jette sich eingestanden, dass die alten Knochen allmählich müde wurden, und das Geschäft an ihren Enkel übergeben. Der hatte dafür eigens seinen Job in einer Spedition aufgegeben, war von Hamburg nach Fehmarn gezogen und hatte sich das alte Knechtshaus hergerichtet, eine hübsche kleine Fachwerkkate mit Reetdach.

Nach einer eingehenden Bestandsaufnahme hatte Holger sich dafür entschieden, den Hof wie bisher weiterzuführen, getreu dem Motto »Never change a winning team.« Seine Großmutter hatte keine Ahnung, was das bedeutete, denn sie sprach kein »Auswärts«, wie sie es ausdrückte. Aber sie zeigte sich genau so froh wie ihre guten Geister, dass mit Holger nicht die Pferde durchgegangen waren und er davon absah, den Hof vollkommen auf den Kopf zu stellen. Nur ein paar behutsame Modernisierungen bei der Ausstattung und ein höheres Augenmerk auf ökologisch vertretbaren Fremdenverkehr, sonst nichts. Die langjährigen Stammgäste honorierten diese Entscheidung, indem sie dem Dünenhof weiterhin die Treue hielten.

Jetzt gerade war Holger in die Küche zurückgekehrt und holte den Weihnachtsbraten aus dem Ofen. Das Fleisch sah großartig aus, es war keinen Millimeter geschrumpft. Es machte eben doch einen Unterschied, ob man im Supermarkt kaufte oder einen guten Draht zu den Bauern der Umgebung hatte.

Der verführerisch durch das ganze Haus ziehende Duft lockte zuallererst Charly an. Er setzte sich neben sein Herrchen und blickte erwartungsvoll an ihm hoch. Holger bedachte ihn mit einem strafenden Blick.

»Mein Lieber! Bilde dir bloß nicht ein, dass du etwas abbekommst. Du hast dir keine Freunde gemacht, als du heute Morgen draußen Karnickel gejagt hast und stundenlang nicht wiedergekommen bist.«

Der Vorwurf prallte an Charly ab wie Wasser an einer Ente. Er fiepte leise und schaute Holger aus melancholischen braunen Kulleraugen an.

»Du bist und bleibst ein alter Halunke.« Holger holte ihm ein Stück Wurst aus dem Kühlschrank. Die Fellnase wusste genau, welche Knöpfe sie drücken musste.

Christoph betrat die Küche und sang dabei eine Strophe aus einem bekannten Weihnachtslied, die er auf eigenwillige Weise umgedichtet hatte: »Der Schnee ist knöcheltief, das Haus ist voller Mief. Jetzt weiß ich instinktiv: Das geht gehörig schief...«

Holger wirbelte herum und zeigte mit dem Schneebesen drohend auf Christophs Brust. Der hob beide Hände.

»Was willst du mit dem Rührer - sprich?!«

»Erschlagen dich, verstehste mich?«

»Wiesoweshalbwarum? Was habe ich verbrochen?«

»Tu nicht so unschuldig, Christoph Collingsen! Angesichts der hier herrschenden Wohlgerüche von >Mief< zu singen ist ja wohl eine Frechheit sondergleichen!«

»Aber es reimte sich doch so gut.« Lachend schlang Christoph die Arme um Holgers Taille und drückte ihm einen Kuss auf den Mund. Seit über zwei Jahren waren sie nun ein Paar. »Du weißt genau, dass das Gegenteil der Fall ist! Es duftet wie immer sensationell.«

»Es sei dir verziehen. Aber jetzt lass mich bitte in Ruhe weitermachen.«

Christoph musterte das Durcheinander aus unzähligen Töpfen, Schüsseln, Tellern und Kochbesteck. »Du hast ja schon immer einen Staatsakt aus deinen großen Menüs gemacht, aber ich finde, in diesem Jahr treibst du's besonders dolle.«

»Ist das ein Wunder? Du weißt doch selber, dass wir mehr vorhaben als nur die übliche Raubtierfütterung.«

»Wir?« Christoph schaffte es, das Wort auf drei Silben zu dehnen. »Du weißt, dass ich..

»Nu' fang nicht wieder damit an!«

»Lass dich doch mal 'n büschen ärgern.« Christophs Lächeln spielte sich nur um die Mundwinkel ab, seine Augen erreichte es nicht. »Eigentlich ist es völlig egal, was heute auf dem Teller landet. Es könnte ebenso gut Bauschaum sein. Ich werde den dringenden Verdacht nicht los, dass meine Geschmacksnerven versagen werden, je näher der entscheidende Moment kommt.«

»Frag mich mal. Grußkarten aus handgeschöpftem Papier wären leichter gewesen.«

»Dann hätte es wenigstens heute Würstchen mit Kart...«

»Collie!«

»Jungs?« Vom Wohnzimmer aus verschaffte sich die göttliche Jette Gehör. »Da draußen kommt so ein großer schwarzer Kasten die Zufahrt entlang gekrochen.«

»Das dürften sie endlich sein.« Holger wischte sich die Hände ab, drehte alle Herdflammen auf die kleinste Stufe und folgte den anderen zur Haustür.

»Das sieht ja aus wie in einem Prospekt!«, stellte Charlotte Collingsen fest, als sie aus dem Geländewagen von Holgers Eltern stieg und den großen Platz musterte, um den sich die Gebäude des Dünenhofs scharten. Hier und da hatten Holger und Christoph große alte Stalllaternen aufgestellt, die weihnachtliches Licht verbreiteten, doch der wahre Blickfang war ein mit Geschenkpaketen geschmückter alter Pferdeschlitten, den Holger auf einem Antikmarkt gefunden hatte. Davor lag ein leeres Pferdegeschirr mit Zaumzeug auf dem Boden. An den Schlitten gelehnt war ein hölzernes Schild, auf das...

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