Vergeltung als Strafzweck

Empirisch-soziologische Begründung und kriminalpolitische Folgerungen
 
 
Mohr Siebeck (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. August 2017
  • |
  • 258 Seiten
 
E-Book | PDF mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-16-155326-4 (ISBN)
 
In der deutschen Strafzweckdiskussion wird Vergeltung heute meist als archaisch abgelehnt, ihre wenigen Befürworter argumentieren philosophisch. Tobias Andrissek begründet sie dagegen empirisch, indem er Studien aus der Evolutionsbiologie, der Verhaltenspsychologie und der Hirnforschung heranzieht.
Er kommt zu dem Ergebnis, dass es tief verwurzelte menschliche Vergeltungsbedürfnisse gibt, die der Staat befriedigen darf und muss, um für Rechtsfrieden zu sorgen und seine Autorität zu sichern. Vergeltung ist damit kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck.
Für die Kriminalpolitik ergeben sich mehrere Folgen: Der Gesetzgeber sollte die zugrundeliegenden konkreten Gerechtigkeitsintuitionen durch kriminologische Schwereforschung ermitteln, Strafhöhen sowie Strafzumessungskriterien danach ausrichten und insgesamt präziser fassen. Präventive Erwägungen sind dagegen nur zulässig, um die geeignete Art der Strafe zu bestimmen.
  • Deutsch
  • Tübingen
  • |
  • Deutschland
  • 3,07 MB
978-3-16-155326-4 (9783161553264)
3161553268 (3161553268)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Cover [Seite 1]
2 - Geleitwort [Seite 6]
3 - Inhaltsverzeichnis [Seite 10]
4 - A. Einführung [Seite 14]
4.1 - I. Ausrichtung und Anlass der Untersuchung [Seite 14]
4.2 - II. Praktische Auswirkungen der Strafzweckbestimmung [Seite 15]
4.3 - III. Der empirisch-soziologische Ansatz [Seite 17]
5 - B. Erster Hauptteil: Legitimation von Strafe [Seite 20]
5.1 - I. Das Vergeltungsbedürfnis als Wurzel der Strafe [Seite 20]
5.1.1 - 1. Wichtige Begriffe und Ausgangspunkt [Seite 20]
5.1.1.1 - a) Was bedeutet "Strafe"? [Seite 20]
5.1.1.2 - b) Strafintuition und Straftheorien [Seite 21]
5.1.1.3 - c) Ausgangspunkt: Beschreibung statt Rechtfertigung [Seite 23]
5.1.1.4 - d) Strafbedürfnis, Rachebedürfnis, Vergeltungsbedürfnis [Seite 24]
5.1.2 - 2. Empirische Erkenntnisse zum Vergeltungsbedürfnis [Seite 27]
5.1.2.1 - a) Evolutionsbiologische Ansätze [Seite 28]
5.1.2.2 - b) "Altruistische Bestrafung" [Seite 33]
5.1.2.3 - c) Ist die Strafneigung angeboren oder erlernt? [Seite 37]
5.1.2.4 - d) Die moralische Proportionalität als subjektiver Maßstab [Seite 43]
5.1.2.5 - e) Neurologische Grenzen moralischer Vorstellungen und mögliche Folgerungen für das Strafrecht [Seite 46]
5.1.3 - 3. Zwischenergebnis: Das Vergeltungsbedürfnis beruht auf menschlichen Gerechtigkeitsintuitionen [Seite 48]
5.2 - II. Gerechtigkeitsintuitionen und Staat [Seite 50]
5.2.1 - 1. Die Anfänge der staatlichen Strafe [Seite 51]
5.2.2 - 2. Legitimationskrise und metaphysische Ansätze [Seite 53]
5.2.2.1 - a) Kant: Eine absolute Straftheorie [Seite 54]
5.2.2.2 - b) Hegel: Die Relativierung der Gerechtigkeit [Seite 56]
5.2.3 - 3. Der Niedergang der alten Vergeltungstheorien [Seite 58]
5.2.4 - 4. Der Zustand der klassischen Präventionstheorien [Seite 60]
5.2.4.1 - a) Die negative Generalprävention [Seite 60]
5.2.4.2 - b) Die Spezialprävention [Seite 63]
5.2.4.3 - c) Allgemeine Kritik [Seite 65]
5.2.4.4 - d) Vereinigungstheorien [Seite 67]
5.2.5 - 5. Abolitionismus und außerstrafrechtliche Instrumente [Seite 68]
5.2.6 - 6. Exkurs: Die Entwicklung in den USA [Seite 70]
5.2.6.1 - a) "Nothing works" und "Just deserts" [Seite 70]
5.2.6.2 - b) Der Krieg gegen das Verbrechen [Seite 72]
5.2.7 - 7. Zwischenergebnis: Zwecklose Gerechtigkeit und ungerechte Prävention sind zur Legitimation von Strafe nicht geeignet [Seite 74]
5.3 - III. Einordnung des empirisch-soziologischen Ansatzes in die Diskussion [Seite 75]
5.3.1 - 1. Verwandte Konzepte [Seite 75]
5.3.1.1 - a) Vorab: Was ist eigentlich positive Generalprävention? [Seite 75]
5.3.1.2 - b) Haffke und Streng: "Tiefenprävention" [Seite 77]
5.3.1.3 - c) Jakobs: Strafe als Kommunikation [Seite 82]
5.3.1.4 - d) Baurmann: Anforderungen an eine empirische Variante der positiven Generalprävention [Seite 86]
5.3.1.5 - e) Robinson: "Empirical deserts" [Seite 88]
5.3.2 - 2. Systematische Einordnung [Seite 94]
5.3.2.1 - a) Eine subjektive Vergeltungstheorie? [Seite 94]
5.3.2.2 - b) Expressiv oder präventiv? [Seite 96]
5.3.3 - 3. Zwischenergebnis: Vergeltung ist ein Mittel zum Zweck [Seite 100]
5.4 - IV. Einzelfragen der Legitimation [Seite 100]
5.4.1 - 1. Zum naturalistischen Fehlschluss [Seite 101]
5.4.2 - 2. Die tatsächlichen Wirkungen der Strafe [Seite 103]
5.4.2.1 - a) Warum sich Menschen an Strafgesetze halten [Seite 104]
5.4.2.2 - b) Kooperationseffekte [Seite 107]
5.4.2.3 - c) Lerneffekte? [Seite 110]
5.4.2.4 - d) Das Problem der schwankenden Punitivität [Seite 114]
5.4.2.5 - e) Lösung: Gesellschaftlicher Kompromiss sowie Trennung von Mikro- und Makroebene [Seite 119]
5.4.2.6 - f) Das Problem der Kommunikation bei Gesetzen und Urteilen [Seite 123]
5.4.3 - 3. Die Trennung von legitimen und illegitimen Bedürfnissen [Seite 126]
5.4.3.1 - a) Braucht man einen objektiven Wertungsfilter? [Seite 126]
5.4.3.2 - b) Gerechtigkeitsintuitionen als Ausgangspunkt der kriminalpolitischen Abwägung [Seite 129]
5.4.4 - 4. Die Legitimation gegenüber dem Täter [Seite 132]
5.4.4.1 - a) Das Schuldprinzip [Seite 134]
5.4.4.2 - b) Willensfreiheit? [Seite 143]
5.4.4.3 - c) Verhältnismäßigkeitsprinzip, Fairness, Gesellschaftsvertrag [Seite 151]
5.4.5 - 5. Die Latenzproblematik [Seite 155]
5.4.6 - 6. Ausblick: Rechtsfrieden oder Vernunft? [Seite 157]
5.4.6.1 - a) Der Drahtseilakt jeder Strafrechtsreform [Seite 157]
5.4.6.2 - b) Die psychologischen Folgen der Vergeltung [Seite 160]
5.5 - V. Ergebnis des ersten Hauptteils [Seite 161]
6 - C. Zweiter Hauptteil: Kriminalpolitische Folgerungen [Seite 164]
6.1 - I. Allgemeine Umsetzungsschranken [Seite 164]
6.1.1 - 1. Verfassungsrechtliche Vorgaben [Seite 164]
6.1.2 - 2. Mögliche Konflikte zwischen Intuitionen und Verfassung [Seite 166]
6.1.2.1 - a) Das Gesetzlichkeitsprinzip [Seite 166]
6.1.2.2 - b) Beweisverwertungsverbote [Seite 167]
6.1.2.3 - c) Die beschränkte Öffentlichkeit des Verfahrens [Seite 168]
6.1.2.4 - d) "Deals" im Strafprozess [Seite 169]
6.1.2.5 - e) Sonstige Schranken [Seite 169]
6.2 - II. Die Höhe der Strafe [Seite 170]
6.2.1 - 1. Strafbares Verhalten und Strafrahmen [Seite 170]
6.2.1.1 - a) Welches Verhalten soll bestraft werden? [Seite 170]
6.2.1.2 - b) Einschränkungen durch die Rechtsgutslehre? [Seite 174]
6.2.1.3 - c) Die Stellung der Ordnungswidrigkeiten [Seite 176]
6.2.1.4 - d) Die unangemessene Gestaltung der Strafrahmen im geltenden Recht [Seite 178]
6.2.2 - 2. Die Ermittlung von Gerechtigkeitsintuitionen in der Praxis [Seite 184]
6.2.2.1 - a) Schwereuntersuchungen nach Sellin und Wolfgang [Seite 184]
6.2.2.2 - b) Die Studien von Robinson und Darley [Seite 188]
6.2.2.3 - c) Die nötige Übereinstimmungsquote und der absolute Endpunkt der Strafskala [Seite 194]
6.2.3 - 3. Fragen der technischen Umsetzung [Seite 196]
6.2.3.1 - a) Alle Macht dem Gesetzgeber? [Seite 196]
6.2.3.2 - b) Regelbeispiele als untauglicher Kompromiss zwischen Gerechtigkeit und Bestimmtheit [Seite 199]
6.2.3.3 - c) Probleme bei der richterlichen Auslegung und Strafzumessung [Seite 205]
6.2.3.4 - d) Relative Gerechtigkeit und "Sentencing guidelines" [Seite 210]
6.2.3.5 - e) Präventive Aspekte in der Strafzumessung? [Seite 215]
6.2.4 - 4. Die Behandlung von Vorstrafen [Seite 218]
6.2.4.1 - a) Baseballregeln für Rückfalltäter? [Seite 218]
6.2.4.2 - b) Die allgemeine Relevanz von Vorstrafen [Seite 220]
6.3 - III. Die Art der Strafe [Seite 225]
6.3.1 - 1. Der Strafvollzug [Seite 225]
6.3.2 - 2. Die Strafaussetzung zur Bewährung [Seite 229]
6.3.2.1 - a) Die Bewährungsstrafe als eigenständige Sanktion [Seite 229]
6.3.2.2 - b) Verbot und zwingende Anordnung der Freiheitsstrafe [Seite 231]
6.3.3 - 3. Alternative Sanktionen [Seite 234]
6.3.3.1 - a) Die gemeinnützige Arbeit [Seite 237]
6.3.3.2 - b) Wiedergutmachung und Täter-Opfer-Ausgleich [Seite 240]
6.3.3.3 - c) Weitere Sanktionsarten [Seite 244]
6.4 - IV. Sonstige Folgerungen [Seite 247]
6.5 - V. Ergebnis des zweiten Hauptteils [Seite 248]
7 - D. Thesen in Kurzform [Seite 250]
8 - Schrifttum [Seite 252]
9 - Sachverzeichnis [Seite 266]

Dateiformat: PDF
Kopierschutz: Adobe-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose Software Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat PDF zeigt auf jeder Hardware eine Buchseite stets identisch an. Daher ist eine PDF auch für ein komplexes Layout geeignet, wie es bei Lehr- und Fachbüchern verwendet wird (Bilder, Tabellen, Spalten, Fußnoten). Bei kleinen Displays von E-Readern oder Smartphones sind PDF leider eher nervig, weil zu viel Scrollen notwendig ist. Mit Adobe-DRM wird hier ein "harter" Kopierschutz verwendet. Wenn die notwendigen Voraussetzungen nicht vorliegen, können Sie das E-Book leider nicht öffnen. Daher müssen Sie bereits vor dem Download Ihre Lese-Hardware vorbereiten.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

74,00 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
PDF mit Adobe DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung des WebShops erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok