Epidemie

Thriller
 
 
Ullstein (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. April 2020
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-2433-3 (ISBN)
 
Ein tödliches Virus, ein Wettlauf gegen die Zeit - eine junge Pathologin rettet die MenschheitAlex Blake, Pathologin am Armed Forces Institute of Pathology soll den mysteriösen Tod ihres Kollegen Ted zu untersuchen. Ted war ein kerngesunder Kommissar. Bei seinem letzten Einsatz schwoll sein Körper plötzlich an, er verstarb sofort. Als in anderen Teilen des Landes ähnliche Todesfälle auftauchen, beginnt Alex, den Fällen nachzugehen. Die Zeitungen sprechen mittlerweile von einer Epidemie. Da entdeckt Dr. Alexandra Blake etwas viel Schlimmeres als einen Mörder: Jemand verbreitet gezielt ein Virus, um die Macht über die Menschheit zu erlangen. Wie kann sie das Virus stoppen?
1. Auflage, Mehrfachband
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • Kombinierte Ausgabe
  • 2,64 MB
978-3-8437-2433-3 (9783843724333)
Lori Andrews ist Expertin für Genetik und Jura. Sie hat bereits für verschiedene Regierungen gearbeitet und lehrt zurzeit am Chicago Kent College Jura. Epidemie ist ihr dritter Thriller. Lori Andrews lebt in Chicago. Mehr über Lori Andrews erfahren Sie unter www.loriandrews.com.

Prolog


Nachdem er in sechs Bars mehr als reichlich Alkohol getrunken hatte, fühlte Castro sich von seinem Hotelzimmer im Motel Wanderlust angezogen wie von den Armen einer Geliebten. Der Vegas Strip in der Ferne funkelte um vier Uhr morgens wie die Juwelen einer reichen Witwe, während die flackernde Neonbeleuchtung seines Hotels eher wie die ramponierten Pailletten auf dem Fummel eines billigen Revuegirls wirkte.

Seine Blicke suchten das Terrain ab, um sicherzugehen, dass niemand ihm auflauerte. Eine ganze Menge Typen wollten ihm an den Kragen, wollten Rache für Dinge aus vergangenen Tagen - oder suchten einfach eine Gelegenheit, jemanden zu ihrem ganz persönlichen Punchingball zu machen, um so die eigenen Dämonen zu vertreiben. Sein müder Blick fiel auf Lil Joe, einen nervösen Junkie, der manchmal die fünfzehn Dollar hatte, die ein Zimmer kostete, meistens jedoch auf dem kaputten Bürgersteig vor dem Hotel auf und ab lief. Lil Joe starrte zu ihm herüber und trat den Rückzug an, entfernte sich von Castros eins fünfundachtzig großer, muskulöser Gestalt. »Okay. Okay«, sagte Joe. Seine Lippen waren rissig.

Ein Auto kam mit kreischenden Bremsen am Ende des Parkplatzes zum Stehen. Die Beifahrertür ging auf, gefolgt von einem Schrei und einem dumpfen Aufprall, als das Auto wieder davonpreschte. Castro war in weniger als einer Minute an der Stelle, an der jetzt der Körper eines Mädchens auf dem Boden lag. Ihm war klar, dass es zu den kleineren Problemen des Mädchens gehörte, dass man sie aus dem Auto geworfen hatte. Ihre Kleider waren zerrissen, ihr Gesicht zerschlagen, und ein großer Blutfleck verfärbte den Schritt ihrer Jeans.

Als er sich hinunterbeugte, um am Hals ihren Puls zu fühlen, krächzte sie leise: »Es reicht, aufhören.« Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie ihm mit abgebrochenen Nägeln das Gesicht zerkratzte.

Während er sanft ihren Arm festhielt, damit sie ihn nicht weiter kratzen konnte, sagte er: »Ich will dir nichts tun.«

Sie schien ihn durch ihr Weinen hindurch nicht zu hören. Sie rollte sich in Embryostellung zusammen, während er sein Handy aus der Tasche zog. Er wollte gerade wählen, als er das unverkennbare metallische Klicken des Entsicherns einer Waffe hörte.

Er legte die Arme an die Seiten und stand langsam auf, während er sich verfluchte, nicht daran gedacht zu haben, dass der Fahrer das Auto parken und zurückkommen könnte. Doch als er den Kopf herumdrehte, sah er die Motelmanagerin, ein zähes altes Frauenzimmer, eine Beretta neun Millimeter auf ihn richten.

»Ich war das nicht«, sagte er.

Ihm war klar, wie unglaubwürdig er angesichts des auf dem Boden liegenden Mädchens und der Kratzer in seinem Gesicht klingen musste. Lil Joe konnte ihm ein Alibi geben, doch der sehnige Junkie hatte sich aus dem Staub gemacht. Er drehte sich langsam um und hielt weiter die Hände hoch, sein Handy zeigte zum Himmel. Er wusste, dass Ted das anders angegangen wäre. Er konnte jede Frau überreden, ihm nichts zu tun. Der Mann konnte sich einfach aus allem herausreden. Castro vermochte eine Frau erst nach Monaten oder Jahren zu verstehen.

Seine blauen Augen funkelten die ältere Frau an. »Dolores«, sagte er, »nimm die Waffe runter und lass mich den Notruf anrufen.« Er sprach ruhig, nahm wahr, wie ihr Profil in dem flackernden Licht der Wanderlust-Reklame auftauchte und wieder verschwand. Wenn sie die Waffe nicht heruntergenommen hatte, bis er bis zehn gezählt hatte, würde er sich auf sie stürzen und ihr den Arm brechen.

Sie nahm die Waffe herunter. Seine Finger glitten über die Tasten, und er teilte der Notrufzentrale ihren Standort mit. Als Dolores sich hinunterbeugte, um das verängstigte Mädchen zu beruhigen, wählte er Teds Nummer. »Wir haben noch eine«, erklärte er. »Schwarzer Mercedes. Nevada-Kennzeichen, FAN 231.«

Um sieben Uhr morgens hatte man den Mann festgenommen, der das Mädchen aus dem Wagen geworfen hatte. Nachdem er seinen kleinen Auftrag ausgeführt hatte, hatte er sich einen Drink genehmigt. Er hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, das Blut vom Beifahrersitz zu wischen.

Ted und Castro beobachteten seine Vernehmung durch den Einwegspiegel auf der Polizeiwache in Vegas. Sie waren die DEA-Vertreter einer gemeinsamen Ermittlungseinheit aus LVPD und DEA, der Drogenbekämpfungsbehörde, die sich mit der Untersuchung einer neuen Art von K.-o.-Tropfen, kurz J genannt, beschäftigte. Die Frauen, denen man diese Droge verabreichte, wurden erst sediert, dann erregt und schließlich aggressiv. Sie veränderten ihre Persönlichkeit mehr, als irgendjemand sich vorstellen konnte, ein krankes Spiel für die Männer, die sie einsetzten - nur dass die Mädchen tot oder verletzt daraus hervorgingen.

Der Fahrer - mit Sicherheit nicht der Hellste - behauptete, nur einem Freund aus dem Fantasy Resort auf dem Strip geholfen zu haben. »Das Mädchen war schon im Hotelzimmer so«, sagte er dem vernehmenden Polizeibeamten. »Wär schlecht fürs Geschäft, hätten wir sie liegen lassen.«

Castro konnte durch den Einwegspiegel nur den Hinterkopf des vernehmenden Beamten sehen, sich jedoch vorstellen, wie er bei dieser Bemerkung die Augen verdrehte. Der Beamte sagte: »So, Joey, du willst mir also weismachen, dass es gut fürs Geschäft ist, einen der Gäste aus einem fahrenden Auto zu werfen?«

Joey richtete sich auf, als würde die Frage ihn beleidigen. »Sie war kein Gast. Eine Arbeiterin wie sie bucht wohl kaum ein Zimmer für tausend Dollar die Nacht. Seien Sie doch mal realistisch, Mann.«

Auf der anderen Seite des Einwegspiegels fragte sich Castro, ob der Besitzer des Fantasy Resort, Frankie DiBondi, auch »das Bajonett« genannt, mit J Geschäfte machte. Aber warum sollte jemand auf den mickrigen Ertrag aus einer Loser-Droge setzen, der ein legales Bordell (eine Million pro Monat laut Steuer und eine unvorstellbare Summe, die an der Steuer vorbeiging) betrieb und das gefragteste Kasino auf dem Strip besaß (150 Millionen Dollar pro Jahr und Prominente von Bette Midler bis Shakira, die in dem 5000 Plätze fassenden Showroom auftreten wollten).

»Warum sollte Frankie sich mit J abgeben, wenn er auch so das große Geld macht?«, fragte Castro.

»Wir müssen ihn uns trotzdem vornehmen«, meinte Ted. »Jemand anderes könnte im Fantasy dealen.«

Castro nickte. Falls das unter DiBondis Augen passiert war, könnte das, was er in den nächsten vierundzwanzig Stunden tat, ihnen einen Tipp geben, wer die Droge verkaufte und, was noch wichtiger war, wer sie produzierte.

Als sie im Fantasy Resort eintrafen, war es gerade neun Uhr. Castro ging direkt ins Kasino, wo man DiBondi am sichersten antraf. Der siebzig Jahre alte Mafiaboss besaß ein Penthouse im Hotel, war jedoch dauernd auf den Beinen, begrüßte Gäste, arrangierte Abendessen für die Promis, stürmte an den Blackjack-Tischen vorbei und hielt ein Auge auf die Kartengeber, damit sie ihn nicht um sein Geld betrogen. Natürlich war seine Überwachungstechnik auf dem neuesten Stand, und diverse Expolizisten kümmerten sich um die Security, doch er gehörte noch zur alten Schule.

Castro entdeckte DiBondi an der Bar im Hauptkasino, wo er auf einen blonden Mann in den Vierzigern zuging. Der jüngere Mann in dem marineblauen Anzug mit der Collegekrawatte fiel in dem Kasino auf, wo die Kleiderordnung von Männern im Smoking, die Frauen in perlenbesetzten Abendkleidern à la Cher begleiteten, bis hin zu übergewichtigen Amerikanern aus dem Mittleren Westen in Bermudashorts oder Jogginghosen reichte.

DiBondi legte dem blonden Mann den Arm um die Schultern. Er schien den konservativ gekleideten Mann jedoch zum Ausgang zu dirigieren, statt ihm einen Drink anzubieten. Castro mischte sich unter den Pulk von Leuten, die von dem opulenten Frühstücksbüfett kamen, so dass nicht ganz so offensichtlich war, dass er DiBondi folgte. Aber er musste in seiner Nähe bleiben. Ein Angestellter übergab dem alten Mann einen Cadillac mit dem Nummernschild FAN 001. Castro musste sich beeilen, zurück ins Auto zu Ted zu kommen, bevor der Mann losfuhr.

DiBondi gab seine Schlüssel dem Mann, den Castro für einen Geschäftsmann hielt. Dieser Begriff umfasste in Vegas eine weite Bandbreite von Bereichen. Der DEA-Agent wusste nicht, wie eine eventuelle Verbindung zu J aussehen könnte beziehungsweise ob überhaupt eine bestand. Jemand, der die Droge produzierte, würde nicht so dumm sein, in diesem Aufzug im Kasino aufzukreuzen. Und DiBondi würde sich nicht in aller Öffentlichkeit mit ihm sehen lassen. Aber seltsamerweise machte gerade das die beiden Männer so interessant.

Castro, der seit zwei Tagen so gut wie keinen Schlaf mehr bekommen hatte, verspannte über dem Lenkrad, als DiBondi und sein Kumpel an einer Tankstelle außerhalb von Flagstaff, Arizona, hielten. Es war der erste Halt, seit sie Vegas vor fünf Stunden verlassen hatten. Ted wachte auf, als Castro auf die Bremse trat. »Verdammt«, sagte Ted. »Wo zum Teufel will der denn hin?«

Castro machte sich nicht die Mühe, ihm zu antworten. Er tauschte mit Ted die Plätze und schlief ein, sobald er auf dem Beifahrersitz saß. Als er wieder aufwachte, dämmerte es...

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