Böse Vögel lassen Federn

Meg Langslows vierter Fall
 
 
beTHRILLED (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Dezember 2018
  • |
  • 367 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-6272-5 (ISBN)
 

Von schrägen Vögeln und einer ziemlich toten Leiche ...

Eigentlich will Meg ihrem Bruder nur einen kleinen Gefallen tun, als sie einwilligt, in seiner Firma auszuhelfen. Sie soll herausfinden, was es mit den seltsamen Ereignissen dort auf sich hat, denn jemand scheint sich in das Netzwerk eingeloggt und Firmendaten manipuliert zu haben. Inmitten der Computernerds taucht dann aber plötzlich eine Leiche auf: Der nervige Büroclown hat sich diesmal keinen makabren Scherz erlaubt, sondern liegt tatsächlich tot auf dem elektrischen Postwagen, der an den Schreibtischen vorbeifährt. Und ausgerechnet Megs Bruder ist der Hauptverdächtige ...

Band 4 der Cosy-Crime-Reihe um Meg Langslow.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.


weitere Ausgaben werden ermittelt

Donna Andrews wurde in Yorktown, Virginia, geboren - wie die Protagonistin ihrer humorvollen Vogel-Krimireihe, Meg Langslow. Andrews erster Roman, Komische Vögel sterben tragisch, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die internationalen Krimipreise Agatha, Anthony und Barry Award, den St. Martin's Press Malice Domestic Award für den besten traditionellen Kriminalroman sowie den Romantic Times Award als bester Debütroman. Donna Andrews lebt in Reston, Virginia.

Website der Autorin: www.donnaandrews.com/.


KAPITEL 1


»Mutant Wizards«, meldete ich mich. »Bitte bleiben Sie dran.«

Ich wechselte mit dem Hörer zum linken Ohr, hielt ihn mit meiner mehr schlecht als recht verbundenen Linken und stach auf den Knopf ein, der dazu gedacht war, auf die andere Leitung umzuschalten.

»Iss dich schlank«, sagte ich. »Bitte bleiben Sie dran.«

Als ich die Hand ausstreckte, um den Knopf für die erste Leitung zu drücken und mich mit dem Anrufer der Wizards zu befassen, hörte ich ein gurgelndes Geräusch.

Ich blickte auf und sah, dass der automatische Postwagen angekommen war, während ich mit den Leitungen jongliert hatte. Oben drauf lag ein Mann, den Kopf zurückgeworfen, einen Arm ausgestreckt, während die andere Hand das Heft eines Messers umklammerte, das sich über seiner Brust erhob. Wieder gurgelte er. Rote Tropfen fielen von seiner ausgestreckten Hand auf den Teppich.

»Wirklich lustig, Ted«, sagte ich und streckte die Hand nach dem Schalter aus, der den Postwagen weiterschicken würde. »Du darfst gern später wiederkommen und den Teppich von dem Theaterblut säubern.«

Ich konnte ihn kichern hören, als der Wagen piepte und davonschlingerte, einem unsichtbaren ultravioletten Pfad folgte, der ihn aus dem Empfang in den Bürobereich führte.

Ich hatte mich inzwischen daran gewöhnt, einen Satz Metallfächer, etwa eins achtzig lang und eins zwanzig breit, aus eigener Kraft durch den Korridor kriechen zu sehen, aber ich verlor allmählich die Geduld im Hinblick auf die unersättliche Gier der Mitarbeiter, irgendwelche albernen Streiche mit dem Postwagen zu spielen.

Ted lehnte sich kopfüber aus dem Wagen, wedelte vielsagend mit dem Gummimesser und schnitt Grimassen, bis der Wagen schließlich nach links abbog und verschwand.

Ich musterte den Boden, um nachzusehen, ob er dieses Mal vielleicht weitere Wertgegenstände zurückgelassen hatte - nach seiner ersten Tour durch den Empfangsbereich hatte ich fünfundachtzig Cents in Münzen und seine Geldautomatenkarte gefunden, und ein Kollege hatte bereits einen Schlüsselbund abgegeben, der vermutlich auch ihm gehörte. Nein, offenbar waren seine Taschen inzwischen leer.

Ich fragte mich, wie lange es dauern würde, bis er sich auf die Suche nach seinen Sachen begab - ich jedenfalls hatte nicht die Absicht, ihm damit hinterherzulaufen.

Mein Blick fiel auf die junge Aushilfskraft, die ich in der Telefonzentrale einarbeitete. Oh-oh. Ihre Augen waren riesengroß, und sie presste mit beiden Händen ihre Handtasche an die Brust.

»Was ist ihm zugestoßen?«, fragte sie.

»Ignorieren Sie Ted einfach«, sagte ich. »Er ist der Büroclown. Aber er ist harmlos.«

Ich konnte ihr ansehen, dass sie mir nicht glaubte.

»Und was ist damit?«, fragte sie und deutete über meine Schulter hinweg.

Ich folgte dem Fingerzeig.

»Oh, das ist nur George, der Bürogeier«, sagte ich. »Der ist ebenfalls harmlos.«

Als er sah, dass ich ihn anschaute, pendelte George von einem Fuß auf den anderen, ruckte mit dem Kopf auf und nieder und zog die Schultern hoch. Ich nahm an, dass sein Verhalten etwa das Geieräquivalent zu einer Katze darstellte, die ihren Kopf am Bein des Menschen rieb, wenn sie hörte, dass eine Dose geöffnet wurde. Jedenfalls hatte George an meinem zweiten oder dritten Tag damit angefangen, und zwar als ihm klar geworden war, dass ich diejenige bin, die die Mahlzeiten verteilt. Inzwischen fand ich das sogar schon irgendwie liebenswert - zweifellos ein Zeichen dafür, dass ich schon viel zu lange bei den Mutant Wizards war.

Die Aushilfe schob sich zentimeterweise aus der Gefahrenzone, als rechnete sie damit, dass George über sie herfallen würde.

»Keine Sorge«, sagte ich. »Er kann nicht fliegen. Er hat nur einen Flügel. Einer der Mitarbeiter hat ihn vor ein paar Hunden gerettet und als Maskottchen hergebracht.«

Ich gelobte mir im Stillen wieder einmal, dass ich versuchen sollte, meinen Bruder davon zu überzeugen, dass ein Neuweltgeier kein angemessenes Maskottchen für sein Computerspielunternehmen war. Oder zumindest davon, dass das Maskottchen nicht ausgerechnet im Empfangsbereich wohnen sollte, wo sämtliche Besucher es sehen mussten. Und riechen.

»Er stinkt«, sagte die Aushilfe.

»Daran gewöhnen Sie sich.«

»Da leuchten vier Leitungen«, sagte die Aushilfe und deutete auf die Schalttafel, nur um im nächsten Moment vor lauter Schreck einen Satz zu machen, als ein lautes Knurren unter dem Empfangstisch aufklang. Ich wusste, das war nur Spike, der neunpfündige, hundeförmige Dämon, auf den ich aufpassen musste und der gerade die Haltbarkeit des Drahtgitters vor seiner Hundekiste testete, aber das Geräusch schien die Aushilfe kopfscheu zu machen.

»Warum übernehmen Sie nicht einfach«, schlug ich vor. »Ich bleibe in der Nähe, bis sie den Dreh raushaben, und dann .«

»Tut mir leid«, sagte sie, während sie rückwärts auf die Tür zustrebte. »Ich hätte der Agentur wohl besser gesagt, dass sie mich heute nicht losschicken sollen. Es geht mir wirklich nicht besonders gut. Vielleicht sollte ich .«

»Meg!«, brüllte mein Bruder Rob und platzte in den Empfangsraum. »Sieh dir das an!«

Er flog durch den Raum, scharrte dazu in komplizierter Abfolge mit den Füßen, während er zugleich mit den Armen schlug, seine Schultern anzog und wieder lockerte und in unregelmäßigen Abständen fremdartige, heisere Schreie von sich gab.

Normalerweise hätte das Auftauchen meines großen, schlanken, blonden, hinreißenden Bruders einer Aushilfskraft einen zusätzlichen Ansporn zum Bleiben liefern sollen. Zumindest einer so jungen Aushilfskraft. Unter den gegebenen Umständen allerdings war ich erstaunt, dass sie nicht längst geflohen war, ehe er schließlich, auf dem linken Fuß balancierend, das rechte Bein unbeholfen zur Seite geworfen und beide Arme über den Kopf gereckt, zur Ruhe kam.

»Ta-da!«, machte er leicht schwankend.

Ich seufzte und drückte auf den Knopf einer klingelnden Telefonleitung.

»Meg?«, sagte Rob und klang nun nicht mehr gar so triumphierend. »War mein Kata in Ordnung?«

»Schon viel besser«, sagte ich, während ich den Anruf durchstellte. »Ich wünschte nur, du würdest nicht ausgerechnet im Empfangsbereich trainieren.«

»Oh, tut mir leid«, sagte er und gab die Pose auf. »Wer ist da eigentlich gerade rausgerannt?«

»Die Telefonzentralenaushilfe des Tages«, sagte ich. »Sie hat sich entschieden, nicht zu bleiben.«

»Tut mir leid«, sagte er wieder. »Schätze, das war mal wieder ich.«

Ich zuckte mit den Schultern. Zum Teil war es meine Schuld. Ich war schließlich diejenige, die den Geduckten Neuweltgeier-Kata - benannt, wie könnte es anders sein, nach unserem Maskottchen George - eingeführt und ihn Rob in einem Moment der Unduldsamkeit beigebracht hatte. Oder vielleicht in einem Moment der Frustration angesichts seiner einzigartigen Kombination aus fanatischem Enthusiasmus und vollendeter Inkompetenz.

Kaum zu fassen, dass ich, als Rob plötzlich Interesse für die Kampfkünste entwickelte, ihn in dem naiven Glauben bestärkt hatte, dergleichen könnte ihm dabei helfen, seinen Charakter zu formen.

»Das stärkt sein Rückgrat«, hatte einer meiner Onkel verkündet, und alle anderen am Familienesstisch der Langslows hatten einmütig dazu genickt.

Rob war klug genug, seinen Abschluss an der University of Virginia Law School nicht zu vergeigen. Er schloss zwar nicht gerade als Klassenbester ab - schließlich hätte das stetes Bemühen seinerseits erfordert -, aber er hatte Hirn genug, die Zulassungsprüfung der Anwaltskammer beim ersten Versuch zu bestehen. Obwohl er die Vorbereitungskurse weniger zum Lernen genutzt hatte als dazu, ein Rollenspiel mit dem Namen »Höllenanwälte« zu entwickeln.

Dann hatte er »Höllenanwälte« zu einem Computerspiel umfunktioniert, unterstützt von Freunden mit Computererfahrung, und schließlich, nachdem es ihm nicht gelungen war, das Spiel bei einem eingeführten Computerspielproduzenten unterzubringen, beschlossen, seine eigene Firma zu gründen.

Wie üblich hatten sich seine Familie und Freunde geradezu überschlagen, ihm bei seinem Vorhaben zu helfen. Meine Eltern stellten das Startkapital zur Verfügung. Ich lieh ihm ebenfalls Geld, als er ein Problem mit dem Kassenbestand hatte und zu verlegen war, um sich erneut an Mutter und Dad zu wenden. Michael Waterston, mein Freund, der am Caerphilly College Schauspiel unterrichtete, stellte ihm einen Informatikprofessor und einen Betriebswirtschaftsprofessor vor, beide ruhelos auf der Suche nach realen Projekten. Der Wunsch, diesen beiden nützlichen Mentoren nahe zu sein, war der Hauptgrund dafür, dass Mutant Wizards in dem kleinen, ländlichen Collegestädtchen Caerphilly landete, statt in einem Hightech-Mekka wie San Jose oder dem Dulles/Reston-Korridor in Nord-Virginia.

Und nun, kein Jahr später, war Rob Präsident eines Multimillionen-Dollar-Unternehmens, Erfinder des heißesten Computerspiels des Jahrzehnts und Begründer einer kleinen, aber erfolgreichen Hightech-Industrie in Caerphilly.

Nicht schlecht für jemanden, der so gut wie nichts über Computer oder Geschäfte wusste, wie Rob, wenn er gefragt wurde, stets bereitwillig zugab - beispielsweise gegenüber Forbes oder Computer Gaming World und ganz besonders gegenüber der hübschen Studentin, die ein Porträt von ihm in der Collegezeitung von Caerphilly veröffentlicht...

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