Alle Vögel sind schon tot

Meg Langslows zweiter Fall
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
  • |
  • 317 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-6270-1 (ISBN)
 
"Bei Andrews verbinden sich Mord und ausgelassener Witz mit jeder Menge verschrobener Charaktere." Kirkus Reviews

Ein romantischer Kurztrip! Meg Langslow und ihr Freund Michael freuen sich schon sehr auf die einsame kleine Insel Monhegan vor der Küste von Maine, ein Paradies für Papageientaucher. Doch die Ruhe währt nicht lange, denn Megs Eltern, ihr Bruder, ihre Tante und ein neugieriger Nachbar sind ebenfalls vor Ort. Als eine Leiche gefunden wird, verdächtigt man ihren Vater plötzlich des Mordes. Statt sich bei Spaziergängen am Meer zu erholen, sucht Meg nun fieberhaft nach Beweisen für seine Unschuld. Doch auch der Mörder ist währenddessen nicht untätig ...

Band 2 der Cosy-Crime-Reihe um Meg Langslow. Nächster Band: "Schräge Vögel sterben schneller".

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
weitere Ausgaben werden ermittelt

Donna Andrews wurde in Yorktown, Virginia, geboren - wie die Protagonistin ihrer humorvollen Vogel-Krimireihe, Meg Langslow. Andrews erster Roman, Komische Vögel sterben tragisch, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter die internationalen Krimipreise Agatha, Anthony und Barry Award, den St. Martin's Press Malice Domestic Award für den besten traditionellen Kriminalroman sowie den Romantic Times Award als bester Debütroman. Donna Andrews lebt in Reston, Virginia.

Website der Autorin: www.donnaandrews.com/.


KAPITEL 1


Ein Papageientaucher wird kommen


»Ich sehe Land voraus«, sagte Michael.

»Wetten, dass die Leute auf dem echten Fliegenden Holländer das auch öfter gesagt haben?«, fragte ich, die Augen fest geschlossen.

»Nein, wirklich; dieses Mal bin ich sicher«, insistierte er.

Ich ließ die Augen geschlossen und die Finger eisern um die Reling gespannt, während unter mir das Deck der Fähre auf und nieder ruckte. Regen und Gischt hatten mich bis auf die Knochen durchnässt, aber ich würde nicht in die Kabine gehen, ehe die Dünung wirklich gefährlich war. Viel zu viele seekranke Leute da drin. Natürlich waren diejenigen von uns, die auf Deck waren, ebenfalls seekrank. Aber hier draußen sorgte der Wind wenigstens für frische, wenn auch etwas feuchte Luft.

»Wenn ich das nächste Mal so eine Idee habe«, murmelte ich, »erschieß mich, und die Sache ist erledigt.«

»Was war das?«, brüllte Michael gegen einen Windstoß an.

»Nichts!«, brüllte ich zurück.

»Ich glaube wirklich, da vorn ist Land«, wiederholte Michael. »Es kann nicht wieder nur ein Nebelfeld sein.«

Ich erwog kurz, ob ich hinsehen sollte. Meine Seekrankheit schien etwas weniger schlimm, solange ich die Augen geschlossen hielt. Aber sollte wirklich ein Ende unserer Qualen in Sicht sein, so wollte ich das wissen.

Ich öffnete ein Auge einen Spalt weit und lugte in die Richtung, in die Michael deutete. Für mich sah das vage Etwas genauso aus wie die düstere Wolkenbank, die wir schon seit Stunden begafften. Vielleicht fühlte er sich einfach besser, wenn er Land zu sehen glaubte. Vielleicht versuchte er, etwas zu tun, damit ich mich besser fühlte.

»Das ist schön«, krächzte ich und klappte das Auge wieder zu, blendete den grauen Himmel aus, die graue See und das beunruhigende Fehlen einer klaren Demarkationslinie zwischen beidem. Ganz zu schweigen von den grauen Gesichtern der übrigen Passagiere, die sich an die Reling klammerten.

»Wir müssen schon ganz nahe dran sein«, sagte Michael, inzwischen schon weniger zuversichtlich. »Monhegan ist bei gutem Wetter doch nur eine Stunde von der Küste entfernt, nicht wahr?«

Ich antwortete nicht. Ja, normalerweise dauerte es nur eine Stunde, um mit der Fähre nach Monhegan zu gelangen, wo wir uns im Sommerhaus meiner Tante Phoebe einnisten wollten. Aber an dieser Reise war nichts normal. Sollte Michael immer noch glauben, wir würden bald wieder festen Boden erreichen, wollte ich ihm nicht die Hoffnung nehmen. Obwohl ich tief im Inneren wusste, dass wir in Wahrheit auf dem Fliegenden Holländer gelandet und dazu verdammt waren, bis in alle Ewigkeit die Küste auf und nieder zu segeln, oder zumindest so lange, bis der Treibstoff erschöpft war und wir von der Küstenwache gerettet werden mussten.

»Na ja, vielleicht doch nicht«, hörte ich Michael murmeln.

Mühsam klappte ich die Augen auf, um mir selbst ein Bild zu machen. Er starrte mit einem leichten Stirnrunzeln auf das Wasser. Bei seinem Anblick fühlte ich einen Anflug von Eifersucht. Während ich vermutlich genauso grässlich aussah, wie ich mich fühlte, war Michaels Äußeres selbst im Augenblick ärgster Seekrankheit einfach prachtvoll. Höchstens, dass er ein bisschen blasser als sonst war, und die hypnotischen blauen Augen wirkten ein wenig blutunterlaufen. Trotzdem, wäre ich ein Künstler auf der Suche nach dem richtigen, großen, dunkelhaarigen, attraktiven Model für das Titelblatt eines nautisch beherrschten Liebesromans, ich würde Michael nur ansehen und schreien: »Heureka!«

»Tut mir leid«, sagte ich stattdessen. »Das war keine gute Idee.«

»Es kommt schon alles in Ordnung«, sagte er mit einem Lächeln. Eigentlich war es nur ein blasser Abklatsch seines sonst so umwerfenden Lächelns, aber ich fühlte mich gleich besser. »Aber wenn wir das nächste Mal zu einem Abenteuer aufbrechen, dann sollten wir uns erst über die Wetterverhältnisse informieren, einverstanden?«

Tja, das war doch ermutigend. Wenigstens sprach er immer noch von einem »nächsten Mal«. Und ich versprach mir im Stillen, wenn ich das nächste Mal mit Michael zu einer Reise aufbräche, würde sie zu einem warmen, tropischen Ort führen, an dem das nächste größere Gewässer ein Schwimmbecken des Hotels und das größe Fortbewegungsmittel eine Luftmatratze wäre. Keinesfalls ein Boot und der Atlantik - wenn auch lediglich mehrere Meilen von der Küste von Maine entfernt. Hurrikan Gladys war inzwischen auf das Meer hinausgezogen und zu einem schlichten Tropensturm verkommen, aber hätte ich mich über die Wetterverhältnisse informiert, ehe Michael und ich zu unserem Wochenendausflug aufgebrochen waren, hätte ich vermutlich ein viel versprechenderes Ziel ausgewählt und nicht bloß blind eine Nadel in eine Karte gesteckt.

»Einverstanden«, sagte ich und erwiderte sein Lächeln, so gut ich konnte. Er legte für einige Sekunden seine Hand auf meine, bis eine weitere Woge das Boot traf und auch er wieder die Reling umklammern musste. Aber ich fühlte mich besser.

Jedenfalls mental.

Physisch . nun ja, ich versuchte, die Warnzeichen aus meinem Magen zu ignorieren.

»Meg Langslow? Sind Sie das?«

Ich schlug die Augen auf und drehte mich um. Links von mir sah ich zwei Gestalten, beide von Kopf bis Fuß in topmoderne Regenkleidung gewickelt. Sie sahen aus, als wären sie geradewegs aus einem L.L. Bean-Katalog entsprungen, und vermutlich hatten sie es unter dem Ölzeug angenehm warm und trocken. Ich bemühte mich, es ihnen nicht zu verübeln.

»Ja?«, fragte ich und versuchte durch den strömenden Regen die kleinen Ausschnitte ihrer Gesichter unter den Kapuzen zu einem größeren bekannten Bild auszuweiten. Vergeblich.

»Meg, Liebes, erinnerst du dich denn nicht an uns? Wir sind es, Winnie und Binkie!«

»Winnie und Binkie?«, echote Michael.

Endlich gelang es mir, die Namen zuzuordnen. Mr and Mrs Winthrop Saltonstall Burnham alias Winnie und Binkie besaßen ein Häuschen auf Monhegan Island und waren alte Freunde der Familie. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuschte, Freunde meiner Großeltern aus deren Kindheit, womit sie inzwischen ziemlich alt sein mussten. Und doch standen sie da, zwei stämmige, rundliche Gestalten in gelben Regenjacken, denen weder der peitschende Regen noch das wilde Schwanken des Bootes noch der beinahe in Sturmstärke wehende Wind etwas anzuhaben schienen.

»Belebend, nicht wahr?«, sagte Winnie, warf sich in die Brust und nahm einen tiefen Atemzug, der mindestens zu einem Viertel aus Wasser bestand.

»Achte gar nicht auf ihn, Liebes«, raunte mir Binkie zu, der meine Reaktion nicht entgangen war. »Bei schlechtem Wetter wird ihm immer übel. Er versucht nur, das mit Tapferkeit zu kaschieren.«

»Ach, die Überfahrt macht mir nichts aus«, sagte Winnie. »Ich hoffe nur, das Wetter kommt mir bei der Vogelbeobachtung nicht in die Quere.«

»Vogelbeobachtung?«, fragte Michael. »Sie reisen mitten in einem Hurrikan nach Monhegan, um Vögel zu beobachten?«

»Ja. Sie nicht?«, fragte Winnie kaum weniger erstaunt.

»Er wurde inzwischen zu einem Tropensturm heruntergestuft«, erklärte Binkie. »Und jetzt ist die herbstliche Überflugsaison.«

»Oh, ja, natürlich«, sagte ich.

»Die was?«, fragte Michael.

»Die herbstliche Überflugsaison«, erklärte Binkie. »Monhegan liegt genau auf der Strecke, die die Vögel nehmen, wenn sie nach Norden oder Süden ziehen. Jedes Frühjahr und jeden Herbst gibt es einen kurzen Zeitraum, zu dem die Vogelbeobachtung einen Höhepunkt erreicht, und die Vogelfreunde kommen von der ganzen Ostküste hierher.«

»Wir haben eine Hütte auf der Insel«, sagte Winnie. »Wir beobachten hier schon seit dreiundfünfzig Jahren die Vögel.« Er und Binkie tauschten ein zärtliches Lächeln aus.

»Aber wenn ihr nicht gekommen seid, um Vögel zu beobachten, was treibt euch dann nach Monhegan?«, fragte Binkie.

»Wir wollten nur einmal rauskommen«, kam Michael mir zuvor. »Ein bisschen Frieden und Ruhe finden.«

»Ein bisschen was?«, brüllte Winnie gegen den Wind an, der Michaels Worte offensichtlich fortgetragen hatte.

»Frieden und Ruhe!«, brüllte Michael zurück.

»Oh.«

Sie musterten uns immer noch mit recht perplexer Miene. Ich seufzte. Ich war nicht davon überzeugt, dass ich auch nur versuchen wollte, ihnen das zu erklären.

Vor ein paar Tagen schien der Ausflug ganz passend zu sein. Meine Beziehung zu Michael hatte einen Punkt erreicht, an dem wir einfach ein bisschen Zeit allein miteinander verbringen wollten - okay, eine Menge Zeit -, und einen Punkt, an dem keiner von uns einen Ort vorweisen konnte, den er als sein Eigen hätte bezeichnen können.

Als Assistenzprofessor für Schauspiel an einer Hochschule, deren Campus sich durch einen chronischen Mangel an Wohnraum auszeichnete, hatte Michael relativen Luxus genossen, indem er sich während der letzten paar Jahre stets in die Häuser von Fakultätsangehörigen eingemietet hatte, die zu einem Sabbatjahr aufgebrochen waren.

Dieses Jahr hatten seine Vermieter plötzlich erkannt, dass sie es sich nicht leisten konnten, ein Jahr in London zu verbringen - nicht, während gerade das siebte Kind unterwegs war. Sie waren so nett gewesen, Michael auf ihrem Sofa schlafen zu lassen, bis sich etwas anderes fände, aber das war kein geeigneter Ort für den logischen Abschluss eines romantischen Dinners bei Kerzenschein. Wir hatten bereits genug Verabredungen hinter uns, die mit...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

4,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen