Ein Narzisst packt aus

Ehrlichkeit gegenüber dem inneren Kind und gesellschaftliche Anerkennung
 
 
Tectum Wissenschaftsverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Mai 2018
  • |
  • 491 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8288-6862-5 (ISBN)
 
Wenn Leonard Anders auspackt, dann packt den Leser an vielen Stellen Entsetzen, Erstaunen, Verwunderung oder Verzweiflung: Da ist der kleine Junge, ausgegrenzt, weggemobbt und misshandelt wegen seines Aussehens, ohne häuslichen Schutz, ohne Schonraum für seine individuelle Entwicklung, ohne Verständnis für seine Bedürfnisse. Der Narzisst in ihm wird zu seinem vertrautesten Beschützer, besten Freund und intimsten Feind.
In der Mischung aus biografischen Notizen, Therapieerfahrungen, wissenschaftlichen Erläuterungen und Interviews mit Experten gelingt es Leonard Anders stellvertretend für viele Betroffene, ein komplexes Bild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nachzuzeichnen.
  • Deutsch
  • Baden-Baden
  • |
  • Deutschland
  • 1,38 MB
978-3-8288-6862-5 (9783828868625)
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Der menschliche "Selbstwert"

Dieses Buch zeichnet Einflussfaktoren und Wege des menschlichen Lebens nach, die von einem gesunden und einem kranken Selbstwert - sowie von all ihren "Zwischenzonen" - durchdrungen sind und gleichsam eine gesunde oder kranke Landschaft des Selbstwertes, des Charakterstils, der Charakterstruktur sowie ihrer Reaktions- und Aktionsvarianten hervorbringen. Das führt zwangsläufig zu der Frage nach dem Anfang: Was bzw. wie war ich zu Beginn? War ich Täter oder Opfer? Oder beides gleichzeitig? Kann man das überhaupt trennen und unterscheiden?

Dieses Buch ist ungewöhnlich! Ein ungewöhnlicher Aspekt an diesem Buch ist, dass der Autor - er nennt sich Leonard Anders - selbst aus seinem Erleben eines erkrankten Selbstwertes heraus schreibt, der seine Charakterstruktur durchdringt und maßgeblich beeinflusst, ja gar "dirigiert", die daraufhin "das Siegel der gesicherten klinischen Diagnose" einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung erhalten hat. Noch erstaunlicher ist, dass er dies mit einer gesunden Portion Mut, sich wahrhaftig zu zeigen, mit Humor, Selbstironie und Selbstkritik tut - nicht unbedingt typisch laut psychiatrischem Lehrbuch. Dies tut er nicht durchgängig, aber häufig, sodass seinen manches Mal drastischen, teilweise dramatischen persönlichen Schilderungen auch wiederum die Spitze der Härte und Brutalität seines Erlebens genommen ist. Das macht es an manchen Stellen des Lesens "aushaltbar" für die "gesunden" Leser unter uns. Er schreibt aber auch von und in Wut, Neid, Hass, Raserei, Trauer und innerer Leere - ganz so, wie es im Leben nun einmal ist. Und zwar in jedem Leben . oder sind Sie, liebe Leserin, lieber Leser, immer gleichbleibend ausbalanciert in Ihrem Fühlen, Denken, Verhalten und Erleben, sind Sie stets frei von solchen starken Emotionen? Ich bin es jedenfalls nicht, und das ist ganz gesund so .

Ein weiterer, wenn nicht gar der ungewöhnliche Aspekt ist, dass wir hier ein Buch vorliegen haben, das (oft) gegenläufige Pole oder Perspektiven einer "Szene", eines "Themas" miteinander verbindet: Betroffene mit "Fachexperten", "Täter" mit "Opfern" (und anders herum), das "Damals" mit dem "Jetzt", die Einzelperson mit der jeweiligen Gruppe (dem Paar, der Ursprungsfamilie, den (Kriegs-)Enkeln, der medizinischen Gesellschaft, der Bevölkerung, den Arbeitskollegen, den Märkten und Volkswirtschaften .).

Der Autor versucht uns Menschen - sich selbst, "die Opfer", die "Täter" und auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser - zu verbinden, indem er erst einmal radikal für Trennung bzw. Spaltung durch Entsetzen und Empörung über die Brutalität seines Ausdrucks sorgt. "Radikal" ist dies im Sinne der Wortbedeutung, also "an die Wurzel gehend". Und es gibt viele Wurzelstränge des Themas "menschlicher Selbstwert" und der gelingenden und missglückenden Entwicklung dieses Selbstwertes sowie seiner Auswirkungen, wie es in diesem Buch beispielhaft und eindrücklich skizziert wird. Der menschliche Selbstwert bzw. das menschliche Selbstwertgefühl ist die Achillesferse des menschlichen Erlebens, Fühlens und letztlich Verhaltens. Er bestimmt, was und wie etwas in unserem mikrokosmischen und auch makrokosmischen Leben Gestalt und damit Realität annimmt. Er bestimmt, in welcher Welt wir leben - und zwar in jeglicher Hinsicht!

Daher möchte ich in meinem Vorwort auf einen Bereich eingehen, der zum Wohle unserer Gesellschaft größerer Aufmerksamkeit und eines tieferen Verstehens bedarf, als er bereits von allen, die zu diesem Buch beigetragen haben, bekommen hat. Der Bereich, den ich meine, ist das "narzisstische" Abwehr- bzw. Überlebenssystem und seine "Wurzeln". Mit anderen Worten also das, was ich als die "narzisstische Gewalt" bezeichne, die sie zweifelsohne auch ist und die den Schwerpunkt in meiner psychotherapeutischen Arbeit mit überwiegend sekundär von der narzisstischen Persönlichkeitsstörung Betroffenen ("Opfern"), aber auch mit den primär Betroffenen ("Tätern") ist.

Um das narzisstische Abwehrsystem besser verstehen zu können, ist ein auf das Wesentliche beschränkter und daher ohne Lehrbuchverweise allgemeinverständlich beschreibender Ausflug in die Zeit der frühkindlichen psychischen und hirnorganischen Entwicklung des Menschen erforderlich, in der die hirnorganische "Infrastruktur" menschlichen Fühlens, Denkens und Verhaltens maßgeblich entsteht und im Ergebnis letztlich zu einer gelungenen Selbstwertentwicklung führt - oder zu einer missglückten. Sie werden in diesem Buch einiges lesen von und über die "narzisstische Persönlichkeitsstörung" und auch etwas über die beiden Unterformen, die "weibliche" und die "männliche" narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung gibt es ohnehin nicht! Jede ist, wie jeder Mensch auch, individuell. Es gibt lediglich eine Struktur, die wiederkehrend erkennbare Merkmale aufweist und daher ihrer Ansammlung von Auffälligkeiten entsprechend in meinem therapeutischen Setting in die weibliche oder die männliche Störung eingeordnet werden kann. Dieses Einordnen bzw. diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Gewalt, die sekundär Betroffene durch männlich oder weiblich narzisstisch Kranke erlebt haben, völlig unterschiedlich ist und auch zu unterschiedlichen Symptomen bzw. bis hin zu einem dysfunktionalen Persönlichkeitsstil oder einer dysfunktionalen Charakterstruktur führen können.

Ich möchte mich in diesem Zusammenhang zunächst auf den Bereich der Hirnforschung beziehen, der mit den Arbeiten beispielsweise von Prof. Dr. Gerald Hüter bemerkenswerte Erkenntnisse hervorgebracht hat. Meines Erachtens nach ist die wichtigste Erkenntnis, dass die neuronalen Netze des menschlichen Gehirns, die für das Wahrnehmen, Erleben, Fühlen, Denken und Handeln zuständig sind, das Resultat von Beziehungserfahrungen sind. Das bedeutet, dass diese neuronalen Netze aufgrund von Beziehungserfahrungen überhaupt erst entstehen - also eine neuronale Abbildung solcher Erfahrungen sind. Problematisch wird es, wenn ein Kind in seiner hochsensiblen Phase der Hirnentwicklung, also etwa bis zum dritten oder vierten Lebensjahr, dauerhaft Interaktionen durch die engsten Bezugspersonen - im Normalfall die Eltern - ausgesetzt ist, die die gesunde Ich- bzw. Selbst-Ausbildung destabilisieren, und es sich ihnen direkt oder indirekt nicht entziehen kann. Gemeint sind insbesondere Interaktionsbotschaften wie:

 

"Sei nicht .", was so viel heißt wie: Verhalte dich nicht so, wie du dich gerade naturgegeben verhältst.

"Denke nicht .", das heißt: Trau deiner gefühlten Wahrnehmung nicht und stelle mich dadurch nicht infrage . Sei also nicht kritisch, hinterfrage mich nicht.

"Fühle nicht ., also: Die Gefühle, die gerade naturgegeben in dir sind, als deine persönliche Reaktion auf äußere Reize, sind falsch.

 

Durch solche Botschaften wird das Ich des Kindes, sein Selbst - also seine innere, ureigene Repräsentanz des eigenen Seins - für dieses im Sinne des Wortes: todesbedrohlich. Weil es in diesem Altersabschnitt keine anderen "Wahlmöglichkeiten" hat, kann es nur "die Wahl treffen", sich "sich selbst vom Leib zu halten", um einigermaßen heil zu bleiben - also im Grunde: um zu überleben, muss es doch die "Anforderungen" (also die genannten Botschaften) seiner engsten Bezugspersonen erfüllen. Und das muss es, um sich seine Grundbedürfnisse nach Versorgung, "Schutz" und Zugehörigkeit zu sichern. Wir Menschen sind "Nesthocker" und keine "Nestflüchter". Daher ist es für uns überlebenswichtig, dafür zu sorgen, dass unsere Elementarbedürfnisse gesichert sind. Und das heißt absolute Anpassung und Unterordnung an die engsten Bezugspersonen.

Da das Kind dadurch aber keinen anderen Bezugsrahmen mehr hat, mit dem es auf die Umwelt reagieren kann, als den dieser engsten Bezugspersonen (und zwar durch die narzisstische Vereinnahmung des Kindes von den engsten Bezugspersonen!), übernimmt es diesen Rahmen eins zu eins. Es lernt, wie dies auch sich gesund entwickeln könnende Kinder tun, am Modell, so der Ausdruck in der Pädagogik, es kann das Gelernte aber nicht überprüfen, verstehen und "verdauen" und es so zu seinem eigenen machen - also aus Erfahrung dazulernen -, weil ihm die eigene innere Instanz dazu fehlt - das Ich bzw. das Selbst, also sein eigenes, natürliches Wesen. Es "lernt" dadurch also ohne die Ebene der Gefühls- bzw. Verstehensintelligenz - so, wie manche von uns ein Gedicht auswendig gelernt haben, weil wir es in der Schule vortragen mussten, ohne den Sinn zu verstehen und dem Gedicht damit Leben einzuhauchen zu können. Und es lernt durch Konditionierung, wie es in der Psychologie heißt. Das bedeutet, es lernt am eigenem Leib auf der emotionalen Ebene (Schmerz-Glücksgefühls-Ebene), was das (meist ebenfalls narzisstisch kranke) Verhaltensrepertoire der engsten Bezugspersonen in ihm selbst an Emotionen erzeugt, schmerzhafte wie beglückende. Was die "beglückenden" Emotionen angeht, wird das Kind aber nie "satt", sind diese doch flüchtig, weil sie im Gehirn nicht sinnhaft verknüpft und dadurch nicht integriert werden können. Das liegt an der Unberechenbarkeit der engsten Bezugspersonen, aber auch daran, dass es diese "guten Emotionen" nicht in seinem ureigenen Ich/Selbst speichern kann, weil dieses Selbst zum einen von ihm "abgespalten" ist und zum anderen mit der "Angst vor der Todesangst" von einst...

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