Die Mondscheinbäckerin

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2013
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-07677-1 (ISBN)
 
Ein bezaubernder Roman voller Liebe und Magie

Nach dem Tod ihrer Mutter kommt die 17-jährige Emily Benedict nach Mullaby, North Carolina, um dort bei ihrem Großvater zu leben. Schon bald merkt sie, dass in Mullaby ungewöhnliche Dinge vor sich gehen: Nachts huschen Irrlichter durch die Wälder, die Tapete in Emilys Zimmer verändert von allein das Muster, und die Nachbarin Julia Winterson backt Kuchen, die geliebte Menschen anlocken können. Als Emily den jungen Win Coffey kennenlernt, funkt es sofort zwischen den beiden. Aber die Familie Coffey hütet ein sonderbares Geheimnis .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,40 MB
978-3-641-07677-1 (9783641076771)
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EINS

Emily hob den Blick von dem Glücksarmband, das sie langsam am Handgelenk hin und her gedreht hatte, und schaute zum Wagenfenster hinaus. Die beiden riesigen Eichen vor dem Haus sahen aus wie zwei aufgeregte, mitten im Knicks erstarrte Damen, deren gestärkte grüne Laubkleider sich im Wind bewegten.

»Sind wir da?«, fragte sie den Taxifahrer.

»Ja, Shelby Road Nummer sechs, Mullaby.«

Emily zahlte und stieg aus. In der Luft hing der süßliche Geruch von Tomaten und Hickoryrauch. Sie leckte sich unwillkürlich die Lippen. Obwohl es bereits dämmerte, waren die Straßenlaternen noch nicht eingeschaltet. Emily staunte, wie ruhig es war. Plötzlich wurde ihr ein wenig schwindlig. Keine Straßengeräusche. Keine spielenden Kinder. Keine Musik, kein Fernsehen. Fast hatte sie das Gefühl, aus der Welt gefallen zu sein, weitab von jeglicher Zivilisation.

Während der Taxifahrer ihre beiden bis zum Bersten vollen Matchbeutel aus dem Kofferraum hievte, sah sie sich um. In der Straße standen große alte Häuser; die meisten hätten mit ihren aufwendigen Zierleisten und hübsch gestrichenen Veranden gut in einen altmodischen Film über die Südstaaten gepasst.

Der Fahrer stellte die Matchsäcke auf dem Gehsteig neben ihr ab, nickte, setzte sich wieder hinters Steuer und fuhr weg.

Emily blickte ihm nach, strich eine Strähne, die sich aus ihrem kurzen Pferdeschwanz gelöst hatte, zurück, packte die Griffe ihrer Matchbeutel und zog sie unter das dunkle, kühle Blätterdach der großen Bäume. Als sie auf der anderen Seite darunter hervortrat, blieb sie, verwundert über den Anblick, der sich ihr bot, stehen.

Dieses Haus unterschied sich deutlich von den anderen im Viertel.

Früher einmal vermutlich strahlend weiß, war es jetzt grau, und seine neugotischen Spitzbogenfenster wirkten verstaubt und trüb. Es verheimlichte sein Alter nicht. Davon zeugten die abblätternde Farbe und die heruntergefallenen Dachschindeln. Im Erdgeschoss befand sich eine große Veranda, deren Dach als Balkon für den ersten Stock diente, beide bedeckt von altem, sprödem Eichenlaub. Wenn nicht der schmale, durch Menschenschritte geschaffene Weg in der Mitte der Stufen gewesen wäre, hätte man das Haus für unbewohnt halten können.

Hier war ihre Mutter aufgewachsen?

Als Emilys Arme zu zittern begannen, redete sie sich ein, dass das am Gewicht ihres Gepäcks lag. Sie stieg die Verandastufen hinauf und schleifte mit den Matchsäcken eine ganze Menge trockene Blätter mit. Oben stellte sie die Beutel ab, ging zur Tür und klopfte.

Keine Reaktion.

Sie versuchte es noch einmal.

Nichts.

Wieder strich sie eine Haarsträhne zurück und sah sich um, bevor sie die rostige Fliegenschutztür öffnete und »Hallo?« ins Haus rief. Es klang hohl.

Keine Reaktion.

Emily trat zögernd ein. Es brannte kein Licht, doch durch die Fenster im Esszimmer zu ihrer Linken drangen die letzten Strahlen der Sonne. Die Möbel darin waren dunkel und reich verziert; sie erschienen ihr unglaublich groß, wie für einen Riesen gemacht. Rechts von ihr lag ein weiterer Raum mit einer Falttür. Direkt vor ihr befand sich ein Flur, der zur Küche führte, und dahinter entdeckte sie eine breite Treppe in den ersten Stock. Sie trat an den Fuß der Treppe und rief hinauf: »Hallo?«

In dem Moment wurde die Falttür aufgerissen, und Emily wich vor Schreck zurück. Ein älterer Mann mit silbergrauem Haar, der sich unter dem Bogen durchducken musste, um nicht mit dem Kopf anzustoßen, kam heraus. Er war riesengroß und schritt steif dahin wie auf Stelzen. Ein wenig erinnerte er an eine Fehlkonstruktion, an einen Wolkenkratzer aus weichem Holz, der jeden Moment einknicken konnte.

»Endlich bist du da. Ich hab mir schon Sorgen gemacht.«

Sie erkannte seine wohltönende Südstaatlerstimme von ihrem ersten und einzigen Telefonat eine Woche zuvor, doch sein Aussehen überraschte sie.

Emily blickte zu ihm auf. »Vance Shelby?«

Er nickte. Vance machte den Eindruck, als hätte er Angst vor ihr. Es wunderte sie, dass ein so großer Mensch sich vor irgendetwas fürchten konnte, und sie ertappte sich dabei, wie sie anfing, sich bedächtig zu bewegen, um ihn nicht zu erschrecken.

Sie streckte ihm vorsichtig die Hand hin. »Hallo, ich bin Emily.«

Er lächelte, dann verwandelte sich sein Lächeln in ein dröhnendes Lachen, das klang wie prasselndes Feuer. Ihre Hand verschwand ganz in der seinen, als er sie schüttelte. »Ich weiß, wer du bist, Mädchen. Du siehst aus wie deine Mutter in deinem Alter.« Er hörte zu lachen auf und ließ die Hand sinken. »Wo ist dein Gepäck?«

»Das steht auf der Veranda.«

Schweigen. Bis vor Kurzem hatten sie beide nichts von der Existenz des jeweils anderen geahnt. Wie konnte ihnen der Gesprächsstoff so schnell ausgehen? Sie wollte doch so viel erfahren.

»Oben«, sagte er schließlich, »kannst du machen, was du möchtest - das ist dein Bereich. Da komme ich mit meiner Arthritis nicht mehr rauf. Mein Zimmer ist da.« Er deutete auf die Falttür. »Such dir einen Raum aus. Deiner Mutter hat der letzte auf der rechten Seite gehört. Sag mir, wie die Tapete aussieht, wenn du reingehst. Das würde mich interessieren.«

»Danke, das mache ich«, versprach sie. Er wandte sich von ihr ab und stapfte mit seinen riesigen Schuhen in Richtung Küche.

Emily blickte ihm verwirrt nach. War das alles?

Sie holte ihr Gepäck von der Veranda. Oben entdeckte sie einen langen, schmalen Flur mit sechs Türen, in dem es nach Wolle roch. Das Scharren ihrer Matchsäcke hallte vom Hartholzboden wider.

Als sie die letzte Tür auf der rechten Seite erreichte, stellte sie ihr Gepäck ab, tastete auf der Innenseite des Zimmers nach dem Lichtschalter und knipste das Licht an. Als Erstes fiel ihr auf, dass sich auf der Tapete endlose Reihen winziger Fliederblüten befanden und es in dem Raum sogar ein wenig nach Flieder roch. An der Wand stand ein Himmelbett, von dessen Pfosten die gazeartigen Überreste des früheren Betthimmels hingen wie die Bänder an einem Maibaum.

Am Fußende des Betts stand ein weißer Schrankkoffer, in dessen Holz in schnörkeligen Buchstaben Dulcie, der Name von Emilys Mutter, geschnitzt war. Als Emily im Vorübergehen die Hand darübergleiten ließ, waren ihre Finger voller Staub.

Es ergab keinen Sinn. Emily spürte keinerlei Verbindung zwischen diesem Zimmer und ihrer Mutter.

Emily öffnete die Balkontür und trat in knöcheltiefes trockenes Eichenlaub. Seit dem Tod ihrer Mutter empfand sie alles als sehr fragil, als würde sie über eine Brücke aus Papier gehen. Sie hatte Boston in der Hoffnung verlassen, dass ihre Reise nach Mullaby alles einrenken würde. Der Gedanke, sich in die Jugend ihrer Mutter zu flüchten, eine Verbindung zu dem Großvater herzustellen, von dessen Existenz sie bis vor Kurzem nichts geahnt hatte, war tröstlich für sie gewesen.

Doch nun schien die merkwürdige Einsamkeit dieses Orts sie zu verspotten.

Er fühlte sich nicht wie ein Zuhause an.

Emily tastete nach ihrem Glücksarmband, spürte aber nur nackte Haut. Sie hob erschreckt das Handgelenk.

Das Armband war verschwunden.

Sie sah sich um, wirbelte bei der Suche das Laub auf dem Balkon auf, hastete zurück ins Zimmer und schleifte ihre Matchsäcke herein. Möglicherweise hatte sich das Armband ja an einem verfangen und war hineingefallen. Sie zog ihre Kleidung heraus. Dabei glitt ihr Laptop aus dem weißen Wintermantel, in den sie ihn gewickelt hatte.

Doch sie konnte das Armband nirgends finden. Emily rannte aus dem Zimmer, die Treppe hinunter und zur Haustür hinaus. Unter dem dunklen Laubdach wurde sie langsamer, bis das Licht der Straßenlaternen ihr den Weg zur Straße wies.

Nach zehnminütigem Suchen wurde ihr klar, dass sie das Armband entweder auf dem Gehsteig verloren hatte, wo es von jemandem gefunden worden war, oder dass es in dem Taxi lag, das gerade zurück nach Raleigh fuhr.

Ihre Mutter Dulcie hatte dieses Armband geliebt, besonders den Halbmondanhänger, den sie in ihrer Nervosität im Lauf der Jahre dünn gerubbelt hatte.

Emily kehrte zum Haus zurück.

Drinnen hörte sie, wie etwas, vielleicht die Tür eines Wäschetrockners, geschlossen wurde, dann trat ihr Großvater aus der Küche.

»Flieder«, sagte sie, als sie sich im Eingangsbereich begegneten, wo sie stehen geblieben war, um ihn nicht zu erschrecken. Merkwürdig, dachte sie, dass sie sich in Gegenwart eines Riesen fehl am Platz fühlte!

Er sah sie fragend an. »Flieder?«

»Du wolltest wissen, wie die Tapete in Moms altem Zimmer aussieht. Es sind Fliederblüten drauf.«

»Aha. In ihrer Kindheit waren es immer Blumen, meistens Rosen. Als sie älter wurde, hat sich das geändert. Einmal waren es sogar Blitze auf pechschwarzem Grund. Und ein andermal schuppiges Blau wie der Bauch von einem Drachen. Sie hat die Tapete gehasst, schien aber nichts dagegen machen zu können.«

Emily schmunzelte. »Das klingt gar nicht nach ihr. Ich weiß noch .« Als Vance den Blick senkte, verstummte sie. Er wollte nicht wissen, was sie ihm zu erzählen hatte. Vance hatte seine Tochter zwanzig Jahre zuvor das letzte Mal gesehen. Interessierte er sich denn überhaupt nicht für sie? Emily wandte sich enttäuscht ab. »Ich glaub, ich geh ins Bett.«

»Hast du Hunger?«, fragte er und folgte ihr in einiger Entfernung. »Ich war heute Morgen im Lebensmittelladen, Sachen kaufen, die Teenager mögen.«

Als sie die unterste Stufe der Treppe erreichte, drehte sie sich um, und er wich sofort einen Schritt zurück. »Danke. Aber ich bin wirklich müde.«

Er nickte. »Gut. Vielleicht morgen.«

In ihrem Zimmer ließ sie sich auf die Matratze fallen, von der...

»Ich liebe die Bücher von Sarah Addison Allen - sie sind zauberhaft, unwiderstehlich und ein unvergessliches Fest für die Sinne.«
 
»Ein Hauch von Magie, der Duft von Zuckerkuchen und ein junges Mädchen, das frischen Wind in einen ungewöhnlichen Ort bringt.«
 
»Liebe, Familiengeheimnisse, magische Begebenheiten - und ein überraschendes Ende. Eine lebendige, aber gar nicht süßliche Geschichte.«
 
»Ein zauberhaufter kleiner Roman, der ein wenig ungewöhnlich, aber höchst unterhaltsam erzählt wird und zum Träumen von "merkwürdigen und wundervollen Dingen" einlädt.«

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