Der Tonmeister

Mikrofonierung akustischer Instrumente in der Popmusik
 
 
Schiele & Schön (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 29. Juni 2017
  • |
  • 198 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7949-0938-4 (ISBN)
 
Als Aufnahmeleiter bei Musik- und Hörspielproduktionen muss der Tonmeister vielfältige Aufgaben erfüllen und fundierte technische sowie musikalische Kenntnisse besitzen. Dazu gehört auch die Mikrofonierung. Worauf bei der Aufnahme der vorwiegend akustischen Instrumente geachtet werden sollte und wie man Fehler vermeiden kann, erfährt man beispielhaft in diesem Buch.

Nachdem Prof. Albrecht im ersten Teil ausführlich auf eine Vielzahl von Instrumentengruppen, wie z. B. Schlagzeug, Bass, Gitarre u.a., eingeht, erläutert er im zweiten Teil, wie Aufnahmen im Studio und im Livebetrieb aufgebaut sein sollten. Hierbei wird neben der Mikrofonierung einzelner Musiker auch Bezug auf die Combo, Media Band, Big Band, Blasmusik, das Sinfonische Blasorchester und die Streicher genommen. Des Weiteren findet der Leser im dritten Teil Tipps zur Produktionsvorbereitung und zum Produktionsmanagement, z.B. Aufnahmeverfahren, akustische Trennung, musikalische Verständigung, Arbeitszeiten und Produktionskosten. Den Abschluss bildet ein ausführliches Glossar, in dem wichtige Begriffe verständlich und zusammenfassend erläutert werden. Deshalb ist dieses Buch nicht nur für (angehende) Tonmeister, sondern auch für Amateure und Musikliebhaber gleichermaßen interessant.

Aktualisierung in der zweiten Auflage:

Erweiterung der bestehenden Kapitel, genauere Beschreibung der Instrumente und ihrer Transponierung, Notation und ihres Tonmumfangs.
Neue Kapitel zu den Themen Recording und Mixing, sowie eine erklärendes Kapitel zu den stereofonen Aufnahmeverfahren.
Tabellarische Darstellung des Frequenzumfangs akustischer Instrumente.
Ersatz der DVD durch downloadbare, hochauflösende 3D-Animationsvideos.
  • Deutsch
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  • Für Beruf und Forschung
  • 7,68 MB
978-3-7949-0938-4 (9783794909384)
3794909380 (3794909380)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Carlos Albrecht leitete ab 1992 für zwölf Jahre als Professor für Musikübertragung am Erich-Thienhaus-Institut der Hochschule für Musik Detmold die Tonmeisterausbildung, und zwar an dem Ort, wo der Beruf des Tonmeisters erfunden wurde.

2009 wurde Carlos Albrecht zum Präsidenten des Verbands Deutscher Tonmeister e.V. gewählt. Über eintausend Schallplatten- und CD-Produktionen für die großen Labels dieser Welt, darunter auch die berühmten Direktschnitte der Firma Jeton, sowie etliche Fernsehproduktionen wurden von ihm im Laufe seiner Karriere als Tonmeister durchgeführt. Zahlreiche nationale und internationale Awards (unter anderem drei Grammy-Nominierungen) sind prägend für das berufliche Erfolgsbild von Carlos Albrecht.
  • I. Mikrofonierung
    1. Schlagzeug (drums)
    2. Bass
    3. Gitarre
    4. Keyboards (kbd)
    5. Blechbläser (brass)
    6. Holzbläser (reeds)
    7. Streicher (str)
    8. Schlaginstrumente (mallets)
    9. Perkussion (perc)
    10. Stimme (voc)
    11. Aufnahme
    12. Mischung
    13. Stereofonie
    II. Live- und Studiosetups
    III. Produktion
    IV. Movies
    V. Anhang

1. Schlagzeug (drums)


1.1. Allgemein

1.2. Bassdrum (bd, kick)

1.3. Snare (sn)

1.4. HiHat (hh)

1.5. Cymbals/Overheads (oh)

1.6. Toms (ht, mt, lt)

1.7. Bemerkungen

 

1. Schlagzeug (drums)


1.1. Allgemein


Es gibt in der Popmusik kaum ein Instrument, an dem während des Produktionsprozesses klanglich so viel verändert wird, wie am Schlagzeug. Vielfalt und Anzahl der zu veränderbaren Parameter sind auf unzähligen Aufnahmen zu hören.

Es soll hier auf die Möglichkeiten dieser Klangbeeinflussung eingegangen werden, ohne jedoch das Wichtigste einer Klangeinstellung aus den Augen (Ohren) zu verlieren: Die Beeinflussung des Instruments durch den Spieler selbst. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und werden nachfolgend näher erläutert.

Bei der Betrachtung des Schlagzeugs bietet es sich an, die einzelnen Schlagzeugkomponenten in der Reihenfolge aufzuzählen, in der man normalerweise einen Soundcheck vornimmt, sprich Bassdrum (bd oder kick), Snare (sn), HiHat (hh), Cymbals (oh), wobei "oh" die Abkürzung für Overheads ist. Damit sind die Mikrofone gemeint, die über dem Drumset positioniert werden und mit für den Beckenklang verantwortlich sind. Und schließlich die Toms (ht, mt, lt). Die Bezeichnung richtet sich entweder nach ihrer Stimmung (high tom, mid tom, low tom) oder nach Anzahl der toms (tom 1 bis tom n), oder aber wo sie sich am Drumset befinden (rack tom, floor tom) (Abb. 1.1.1).

Abb. 1.1.1 Schlagzeugbestandteile (bd, sn, hh, cymbals, toms)

Die wichtigsten Becken sind oberes und unteres Becken der HiHat, dann China, Ride, Splash und Crash. Das Ride- und das Chinabecken werden besonders für die triolischen Swingfiguren eingesetzt. Das Chinabecken zeichnet sich durch seinen tiefen, rauschenden und schon etwas gongähnlichen Sound aus, leicht zu erkennen an seiner umgekehrten Anbringung am Ständer (Kuppe nach unten) und an seinem gewölbten Rand. Das Ridebecken (manchmal auch ohne Kuppe) ist meistens größer als das Crashbecken. Letzteres wird, wie auch das Splashbecken, bevorzugt für Abschläge benutzt.

Zusammengesetzt ergibt sich dann nachfolgendes Bild für ein klassisches Drumset (Abb. 1.1.2), wobei große Sets aus zwei Bassdrums, Snare, HiHat, bis zu zwölf Toms und jede Menge Becken bestehen können.

Abb. 1.1.2 Drumset

Natürlich haben die in der Popmusik verwendeten Drumsounds häufig wenig mit dem Sound eines akustischen Drumsets zu tun, da es sich um Sounds handelt, die mithilfe der Sampletechnik generiert wurden, wobei nicht selten verschiedene Klänge übereinander geschichtet werden.

Hier wollen wir uns jedoch auf die Betrachtung der Mikrofonierung und der daraus resultierenden Manipulation des Klangs mittels Filter*, Equalizer*, Kompressor*, Effekte etc. beschränken.

1.2. Bassdrum (bd, kick)


Beginnen wir also, wie beim oben erwähnten Soundcheck, mit der Bassdrum (bd, kick). Drei grundsätzliche Arten lassen sich hierbei unterscheiden (Abb. 1.2.1):

mit Resonanzfell,

mit Resonanzfell, in dem ein Loch für die Mikrofoneinfuhr reingeschnitten ist,

ohne Resonanzfell.

Die Klangeigenschaften einer Bassdrum richten sich nach dem verwendeten Material und der Größe des Kessels, nach den aufgezogenen Fellen (heads) und nach dem Einsatz von dämpfenden Materialien (S_MOV 1.2.1). Viele Bassdrums haben einen eingebauten, mechanischen Dämpfer in Form einer runden Platte (ca. 10 cm Ø), die mit Filz belegt ist.

Abb. 1.2.1 Bassdrum mit und ohne Resonanzfell

Je stärker sie mit einem von außen zu bedienenden Schraubmechanismus an das Fell gedrückt wird, desto größer die Dämpfungswirkung. Eine andere Variante wären Filzstreifen, die mit dem Fell eingespannt werden, allerdings ist der Dämpfungsgrad im Nachhinein nicht variabel.

Zusätzlich füllt der Drummer nach Bedarf den Kessel mit Dämpfungsmaterialien aus (Kissen, Schaumstoff, Decken etc.). In der nachfolgenden Skizze ist das Resonanzfell transparent gezeichnet, um den Sitz eines Schaumstoffstreifens zu verdeutlichen, der sowohl den Kesselinnenraum als auch Resonanz- und Schlagfell bedämpft, wenn er breit genug ist, um einen gewissen Druck auf die Felle auszuüben. Sollte kein Resonanzfell vorhanden sein, kann man den Schaumstoff mit einem Gewicht beschweren, wodurch Druck auf das Schlagfell ausübt wird (Abb. 1.2.2).

Abb. 1.2.2 Dämpfung des Bassdrumkessels mit Schaumstoff

Befindet sich ein Loch im Resonanzfell, spielt die Position des Mikrofons im Inneren des Kessels eine Rolle: Je weiter man an den Klöppel kommt, desto deutlicher wird das Anschlaggeräusch ("kick") (Abb. 1.2.3).

Abb. 1.2.3 Position des Mikros im Bassdrumkessel (S_MOV 1.2.2)

Die Bassdrum mit Resonanzfell ohne Loch wird meistens im Jazzschlagzeug gespielt, ist unbedämpft und hat mehr die klangliche Funktion eines zusätzlichen Toms. So versucht der Drummer auch immer, die Bassdrum in Relation zu den Toms zu stimmen.

Normalerweise genügt die Abnahme mit einem Mikrofon vor dem Resonanzfell, doch kann hierbei die Schalldämmung die beiden Felle und damit der Verlust des Anschlaggeräuschs so groß sein, dass in der klanglichen Abbildung - auch mit hohen Präsenzwerten eines EQs* zwischen 1-3 kHz - nicht genügend "Kick" (Anschlag) erreicht wird. Abhilfe schafft da nur ein zweites Mikrofon am Schlagfell (Abb. 1.2.4), da zu starke Präsenzen auf dem Resonanzfellmikrofon die Gefahr der Verfärbung der Becken in sich birgt.

Abb. 1.2.4 Zweites Mikrofon am Schlagfell (MOV 1.2.1)

Diese kann man mittels einer (im Fachhandel erhältlichen) Klammer an dem Snareständer befestigen. Aber Vorsicht mit der Beimischung dieses Signals: Der Bassdrumsound wird schnell zu hart und läuft Gefahr, im Gesamtbild zu vordergründig zu wirken.

Nun kommt zwangsläufig die Frage: Sollte man in eines der beiden Mikrofone einen 180° Phasendreher schalten, um eventuelle Auslöschungen im Grundtonbereich der Bassdrum zu vermeiden.

Hierzu betrachten wir die Waveansicht vom hinteren und vorderen Mikrofon (Abb. 1.2.5 - 7).

Abb. 1.2.5 Schlagfellmikrofon (rear)

Abb. 1.2.6 Resonanzfellmikrofon (front)

Abb. 1.2.7 Schlag- und Resonanzfellmikrofon (rear & front)

In Abb. 1.2.7 ist eine Gegenphase der beiden Signale zu erkennen und eine Verzögerung von ca. 2 msec zwischen dem Mikrofon am Schlagfell und dem am Resonanzfell. Es gibt keine eindeutigen Auslöschungen, aber der Grundtonbereich wird schon in Mitleidenschaft gezogen. Abhilfe schafft hier der 180° Phasendreher und für den, der es perfektionieren will, eine Verzögerung des Schlagfellmikrofons um ca. 2 msec. Das Bild der beiden Mikrofonspuren würde dann folgendermaßen aussehen (Abb. 1.2.8):

Abb. 1.2.8 Schlag- und Resonanzfellmikrofon in Phase mit Delay*

Natürlich spielt auch das Mischungsverhältnis, die Spannung der beiden Felle und das eventuell eingesetzte Dämpfungsmaterial eine wichtige Rolle. Die Position des Schlagfellmikrofons ist fast immer gleich, die des vorderen Mikrofons (Fell mit Loch) hingegen kann variieren von nah am Klöppel (kein Delay*) bis am Resonanzfell (Delay*) (Abb. 1.2.3). Zur Übersicht in Abb. 1.2.9 die Summe des Schlag- und Resonanzfellmikrofonsignals ohne/mit Phasendreher und mit Phasendreher und Delay*.

Abb. 1.2.9 Summe beider Felle: ohne (-4,5 dB*), mit Phase (-0,9 dB*), mit Phase und Delay* (-0,3 dB*)

Ausgangspegel der Einzelsounds ist -6 dBFS*. In Klammern sind die durch das Zusammenfassen der Mikrofone resultierenden Pegel angegeben. Eindeutig gewinnt man Pegel im tieffrequentigen Bereich der phasen- und zeitkorrigierten Version (S_MOV 1.2.3).

Natürlich fängt man sich mit diesem zusätzlichen Mikrofon neben...

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