Getürkt!

Mein krasses Leben als Doppelbürger
 
Mehmet Akyazi (Autor)
 
Random House ebook (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 12. August 2011 | 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05968-2 (ISBN)
 
Authentisch und witzig - deutsch-türkische Alltagsgeschichten

Integrationsbücher gibt es viele, so richtig saukomisch ist keins. Zeit, das zu ändern und jemanden zu Wort kommen zu lassen, der die Parallelgesellschaft täglich an vorderster Front erlebt: Mehmet Akyazi ist gerade mal achtzehn Jahre alt und Deutschtürke aus Duisburg. Einfach aus dem Bauch heraus, absolut authentisch und ohne den moralischen Zeigefinger schildert er die Abenteuer seines Alter Ego aus einem Alltag, der uns zeitweise recht fremd vorkommt - obwohl er doch direkt nebenan stattfindet. Das ist frische, unverfälschte Satire, das ist die Stimme einer Generation, über die viel geredet wird, die je doch nur selten selbst reden darf.



Der Autor mit türkischem Migrationshintergrund wurde 1992 in Duisburg geboren. Bereits in seinen jungen Jahren hat der Autor satirische Kurzgeschichten über das deutsch-türkische Alltagsleben geschrieben. Sein Buch »Getürkt!« ist im Jahr 2011 erschienen.
Deutsch
0,26 MB
978-3-641-05968-2 (9783641059682)
3641059682 (3641059682)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Der notgeile Kanake (S. 93-94)

Irgendwie hat sich mein Geschmack für Mädchen in den letzten Jahren drastisch verändert. Ich steh nicht mehr auf blonde deutsche Frauen mit kleinen Brüsten. An die komm ich als Ausländer sowieso nicht ran. Seit Neuestem interessiere ich mich nur noch für meine eigenen Landsleute und habe auch meinen Geschmack radikal umorientiert: Schwarze Haare, braune Augen und zu viel Lippenstift, das sind jetzt die Dinge, die mein türkisches Herz zum Klopfen bringen.

Um an möglichst viele Mädchen ranzukommen, habe ich mir die tollsten Anmachsprüche aus dem Internet geholt. Wär ich eine Frau, dann würd ich sofort über mich selbst herfallen, aber irgendwie mögen die türkischen Mädchen meine Sprüche dann doch nicht: »Hey, ist es wirklich so heiß, oder liegt es nur an dir?« So machte ich mich an ein türkisches Mädchen in der Straßenbahn ran. »Keine Ahnung, auf jeden Fall stinkst du nach Schweiß.« Die Situation war mir sehr unangenehm, vor allem, weil uns die anderen Leute dabei zugehört hatten. Ganz schnell flüchtete ich ans andere Ende der Straßenbahn.

Dort saß noch ein türkisches Mädchen seelenruhig auf ihrem Platz. Sie war genau nach meinem Geschmack. Ihre Augenbrauen waren so dünn wie eine Feder, wahrscheinlich zupfte sie sie jeden Tag. So eine musste einfach auf meine Sprüche stehen. Ich ging zu ihr rüber und machte sie an: »Hast du dir eigentlich sehr wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?« »Nicht so sehr wie du, als du aus dem Arschloch des Teufels gekrochen bist.« Mein Gott, eine Antwort war schlimmer als die andere. Ich zog mich zurück und setzte mich schweigend auf meinen Platz. Irgendetwas stimmte nicht an meinen Anmachtechniken.

Die nächsten paar Haltestellen bekam ich keine hübschen Mädels mehr zu sehen. Zwischendurch stiegen noch ein paar Türkinnen mit blonden Haaren oder Kopftüchern ein, aber so welche hätten mir nur Probleme gemacht. Blonde Türkinnen sind nämlich meistens zu sehr integriert und die mit Kopftüchern zu wenig. Etwas enttäuscht stieg ich dann an meiner Haltestelle aus. Auf dem Weg kam mir plötzlich ein hübsches türkisches Mädchen entgegen, deren Gesicht ich aber nicht richtig erkennen konnte. Auf jeden Fall hatte sie sehr rote Lippen und eine tolle Figur, diese Punkte reichten mir schon völlig.

Als ich sie langsam verfolgte, wurden ihre Schritte immer schneller. Eilig versuchte sie, mir zu entkommen, doch ich ließ nicht locker. Ich verfolgte sie auf Schritt und Tritt. Sie sah sich kurz um und fing dann fast schon an zu rennen. Auch ich wurde immer schneller, denn sie war meine letzte Chance für heute. Als ich sehr dicht hinter ihr stand und ihr etwas ins Ohr flüstern wollte, fing sie an zu schreien: »Verdammt, Mehmet, ich bin deine Cousine, du notgeiler Kanake!« Das war das letzte Mal, dass ich mich an türkische Mädchen rangemacht habe. Wo die Familie anfängt, hört die Liebe für mich auf. Ab jetzt mach ich mich nur noch an Russinnen ran, die beschimpfen mich wenigstens nicht als notgeilen Kanaken.
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