Tegernsee-Connection

Kriminalroman
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8392-6616-8 (ISBN)
 
Spezlwirtschaft, Intrigen und Verbrechen bis zum Mord: Hinter der Fassade der feinen Gesellschaft am Tegernsee verbergen sich bisweilen finsterste menschliche Abgründe. Das erfährt auch Kommissar Markus Kling, als er es bei seinem ersten Fall mit einer Schmiergeldaffäre zu tun hat und ein Luxushotel bis auf die Grundmauern niederbrennt. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein Feuerteufel, der seine Umgebung in Angst und Schrecken versetzt - erst recht, als er bei seinen Taten über Leichen geht.
2020
  • Deutsch
  • Meßkirch
  • 1,84 MB
978-3-8392-6616-8 (9783839266168)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jürgen Ahrens, geboren in Bremen, studierte Germanistik, Musikwissenschaft und Fotodesign. Im Anschluss arbeitete er acht Jahre als Texter in internationalen Werbeagenturen, bevor er sich selbstständig machte. Neben seiner werblichen Tätigkeit arbeitete er auch journalistisch, unter anderem für das BMW Magazin und die Süddeutsche Zeitung, und veröffentlichte mehrere Autobücher und Romane. Mit Kommissar Markus Kling hat er seine erste Serienfigur erschaffen. Jürgen Ahrens lebt mit seiner Ehefrau in seiner Wahlheimat München. Seit 2005 ist er aktives Mitglied der Autorengruppe KaLiber.
Weitere Informationen unter: juergen-ahrens.com

3


»Und nun die wichtigsten Nachrichten aus der Region. Bei einem Großfeuer im Kreuther Ortsteil Reitrain am Tegernsee wurde in der vergangenen Nacht ein ehemaliges Luxushotel vollständig zerstört.«

Markus Kling horchte auf und drehte das Radio lauter. Reitrain am Tegernsee. Das klang nach Arbeit. Das gesamte Tegernseer Tal fiel in die Zuständigkeit seiner Dienststelle, der Polizeiinspektion Miesbach. Und ein solches Großereignis war etwas anderes als ein Zimmerbrand wegen eines vergessenen Bügeleisens, auch etwas anderes als die Bagatellvorkommnisse, an denen es keinen Tag mangelte.

»Die örtliche Feuerwehr und Einsatzkräfte aus den umliegenden Gemeinden waren mit mehreren Löschzügen im Einsatz, konnten aber nicht verhindern, dass das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Personen kamen offenbar nicht zu Schaden, da das Hotel seit geraumer Zeit leer stand. Über die Höhe des Sachschadens wurden bisher keine Angaben gemacht, auch die Brandursache ist derzeit unklar. Wir halten Sie auf dem Laufenden und melden uns, sobald nähere Informationen vorliegen.«

Vorsätzliche Brandstiftung, dachte Kling fast automatisch, auch wenn die Meldung nichts dergleichen enthielt. Womöglich sollten in dem Hotel Flüchtlinge untergebracht werden, und irgendwelche selbst ernannten Patrioten hatten sich berufen gefühlt, diesen Plan gewaltsam zu durchkreuzen. Es wäre ja nicht der erste Fall dieser Art. Kling hoffte, dass er falsch lag. Es wäre einfach zu ekelhaft und zu frustrierend.

In diesem Moment klingelte sein Smartphone, das neben der Kaffeetasse auf dem Küchentisch lag. Die Nummer der Inspektion erschien im Display. Kling unterbrach sein Frühstück, legte seine mit Marillenmus bestrichene Semmel zur Seite und nahm den Anruf an. Annette Weiss meldete sich, eine Kollegin, die in den letzten acht Stunden den Kriminaldauerdienst versehen hatte.

»Hast du gehört, was letzte Nacht passiert ist?«, fragte sie.

»Ja, kam im Radio«, sagte Kling. »Der Großbrand am Tegernsee. War schon jemand von euch da?«

»Ich selber, ja. Bin vor einer halben Stunde zurückgekommen. Es war die Hölle, kann ich dir sagen. Die Feuerwehr hat mit fünf B-Rohren draufgehalten, aber da war nichts mehr zu retten.«

»Und gibt es irgendwelche Hinweise auf die Ursache?«

»Nichts Konkretes, da müssen wir abwarten, was die Brandfahnder sagen. Aber wenn du mich fragst, ich tippe ganz klar auf Vorsatz.«

»War auch mein erster Gedanke. Und was macht dich so sicher?«

»Na ja .«, antwortete Annette mit einem Achselzucken in der Stimme. »Es ist einfach so, dass nichts anderes in Frage kommt. Erstens war der alte Kasten unbewohnt, zweitens hatte er seit Jahren keinen Strom- und Gasanschluss mehr, also scheiden die üblichen Verdächtigen von vornherein aus. Kurzschluss, glimmende Zigarette, heiße Herdplatte, Explosion und dergleichen. Gewitter gab es auch keine, somit steht auch Blitzschlag außer Betracht. Da bleibt nicht viel übrig, oder?«

»Nein, mir fällt auch nichts ein.«

»Außerdem hat sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet. Da muss jemand nachgeholfen haben.«

»Ich frag mich nur, was das Motiv sein könnte«, überlegte Kling. »Wer zum Henker zündet ein leer stehendes Hotel an? Kann es sein, dass es als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war?«

»Nein, nein, auf keinen Fall. Das sollte verkauft werden, soweit ich weiß. Oder ist bereits verkauft. Näheres sag ich dir dann im Büro. Wann kannst du da sein?«

»In einer Viertelstunde.«

»Gut, dann warte ich auf dich. Lenz wird dir dann nähere Anweisungen geben. Er hat vorhin gesagt, dass er dich zusammen mit Murad hinschicken will, sobald die Brandstelle begehbar ist.«

Lorenz »Lenz« Finsinger hatte erst vor Kurzem die Leitung der Polizeiinspektion von seinem Vorgänger übernommen. Mit seinen dreiundfünfzig Jahren war er der älteste und erfahrenste Beamte im Team. Murad Özkan besaß eine Spezialausbildung als Brandfahnder. Seine Familie stammte ursprünglich aus Kayseri in der Zentraltürkei, er selber war in Ottobrunn bei München aufgewachsen und arbeitete seit zwei Jahren als Hauptkommissar in Miesbach.

Kling sah auf die Uhr. Noch die eine Marmeladensemmel und eine Tasse Kaffee, dann wäre er startbereit und könnte zehn Minuten vor seinem offiziellen Dienstbeginn in der Inspektion eintreffen. Während er den Kaffee schlürfte, ging er hinüber in die Diele und sah in den Garderobenspiegel. Na ja, halbwegs annehmbar. Seiner störrischen Frisur das gewohnte Gel-Finish zu verpassen, war zeitlich nicht mehr drin, aber das spielte jetzt keine Rolle. Er ging zurück in die Küche, steckte sein Smartphone ein und schaltete das Licht aus. Vor dem Fenster wurde es langsam hell, auch wenn die Sonne es noch nicht über die Hügelkuppen geschafft hatte.

Während er die Treppe aus dem ersten Stock hinunterlief und wie üblich zwei Stufen auf einmal nahm, ließ er sich das Geschehene im Zeitraffertempo durch den Kopf gehen. Wenn es sich wirklich um Brandstiftung handelte, wartete ein arbeitsreicher Tag auf ihn, der aus kriminalistischer Sicht äußerst spannend werden konnte.

Vor einem Dreivierteljahr hatte er seinen Dienst als Hauptkommissar in der Polizeiinspektion Miesbach angetreten. Eigentlich hätte er sich eine Anstellung im Rosenheimer Präsidium gewünscht, auch wegen der größeren Nähe zu ein paar Freunden aus seiner Schulzeit am Gymnasium; so gesehen war sein Einsatzort also eher zweite Wahl. Andererseits - was Stadtbild und Lage betraf, hatte Miesbach deutlich mehr zu bieten als Rosenheim, das aussah, als hätte es sich irgendwann am Scheideweg zwischen Dorf, Großstadt und Industriegebiet in einer Sackgasse verrannt. Außerdem besaß die Gegend einen entscheidenden Vorteil: In einer halben Autostunde war man von hier aus mitten im Spitzinggebiet, einem Paradies für leidenschaftliche Mountainbiker und Skifahrer wie ihn. Noch klarer war dieser Vorzug im Vergleich zu Fürstenfeldbruck, wo er vor Jahren seine erste Ausbildungsetappe an der Polizeihochschule absolviert hatte.

Sonderlich spektakuläre Fälle hatte Markus Kling an seinem neuen Arbeitsplatz bis jetzt nicht bearbeitet; mehrere Einbruchsdiebstähle waren darunter, ein Handtaschenraub, eine versuchte Vergewaltigung und ein Grundstücksbesitzer, der seinen Nachbarn wegen des Streits um einen Gartenzaun mit einer Gaspistole angeschossen hatte. Seitdem war das Opfer auf einem Auge stark sehbehindert. Die Anklage lautete auf gefährliche Körperverletzung; das galt nicht mal als Verbrechen, sondern nur als Vergehen.

Ein Großbrand wie der von letzter Nacht war da ein ganz anderes Kaliber. Kling stellte sich vor, wie die Feuersbrunst ausgesehen haben musste: turmhoch aufsteigende Flammen und Rauchsäulen, zusammenkrachende Balken, platzende Fensterscheiben und ringsherum die Feuerwehrleute mit ihren B-Schläuchen, deren gewaltige Wasserfontänen vergeblich gegen die Zerstörung des Gebäudes ankämpften. Grausig und doch irgendwie faszinierend.

Wie immer brauchte er mit dem Auto nur knapp zehn Minuten bis zur Inspektion. Auf dem Flur kam ihm Annette Weiss entgegen, deren Schicht gerade beendet war. »Grüß dich, Markus!«, sagte sie und sah ihn mit großen Augen an. »Gut schaust aus.« Das »gut« zog sie auffallend in die Länge.

Kling war sich seit Längerem bewusst, dass er auf Annette offensichtlich anziehend wirkte, aber diese Bemerkung kam dennoch überraschend. »Wieso?«, fragte er verdattert. »Was meinst du?«

»Deine neue Frisur. Gefällt mir besser als vorher.«

»Ach so .« Unwillkürlich fuhr er sich mit den Fingern über den Kopf. Also fand sie seinen struppigen Look, der nur der Eile des Aufbruchs geschuldet war, attraktiver als die mit Gel gebändigten Haare? Das wäre womöglich eine Überlegung wert. Nicht für Annette, die war leider überhaupt nicht sein Typ, aber ganz allgemein gesehen.

»Meinst du wirklich?«, fragte er. »Ich hatte schon Angst, dass ich wie Boris Johnson aussehe.«

»Quatsch!«

»Na gut, dann . dann sollte ich das vielleicht so lassen.«

»Ja, mach das.« Damit endete das Geplänkel, und Annette wechselte zu Klings Erleichterung in einen sachlichen Tonfall über. »Aber wir wollten ja über das Großfeuer reden.«

»Genau«, sagte Kling. »Das war in Reitrain, oder? Wo liegt das noch mal genau?«

»An der Hauptstraße zwischen Rottach-Egern und Bad Wiessee, von Süden aus gesehen links davon. Es gehört aber zur Gemeinde Kreuth.«

»Ist da nicht auch dieses Schloss?«

Annette nickte. »Ja, Schloss Ringberg. Das Tagungshotel. Das hat zum Glück nichts abbekommen, ist aber relativ nah dran. Dort hat man das Feuer auch als Erstes bemerkt. Es wurde gegen halb vier Uhr morgens gemeldet, viel zu spät, als dass noch irgendetwas zu retten gewesen wäre. Außerdem führt nur eine schmale, kurvige Straße zu dem Hotel. Du kannst dir ja vorstellen, was das für fünf Löschzüge bedeutet.«

Inzwischen war Lorenz Finsinger aus seinem Büro hinzugekommen, braungebrannt vom Urlaub auf Mallorca und sichtbar sprühend vor Tatendrang. »Alles klar, Markus?«, fragte er, nachdem sie sich begrüßt hatten. »Annette hat dir ja anscheinend ein ausführliches Briefing gegeben.«

»Ja, ich bin im Bilde.«

»Gut. Okay, Markus, der Fall gehört dir. Du begutachtest heute zusammen mit Murad die Brandruine und versuchst, so viele Informationen wie möglich zu sammeln.«

»Und wann sollen wir losfahren?«

Finsinger rieb sich schulterzuckend sein bärtiges Kinn. »Kann ich im Moment nicht...

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