Aequipondium: Schiffbruch im Süden

 
 
tolino media (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Januar 2021
  • |
  • 200 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7521-2864-2 (ISBN)
 

Hungrige Drachen, Kälte, merkwürdige Auswanderlemminge: tief im kalten Süden des Gegengewicht-Kontinents lauern Hunger und Gefahr auf den Entdecker Siegbald Sockenloch und seine Begleiter. Und kann es tatsächlich Donnergott Thor sein, der hier übermütig den Hammer schwingt?

Das erwartet dich:
1769. Siegbald Odin Sockenloch hat es geschafft. Er hat im Südpazifik den sagenhaften Gegengewicht-Kontinent Aequipondium entdeckt. Und mehr noch: Mit einem selbstgebauten Schiff macht er sich auf den Rückweg nach Europa. Doch bevor er die Aequipondische Küste hinter sich lassen kann, erleidet er Schiffbruch, tief im menschenleeren und kalten Süden des Kontinents. Nun ist guter Rat teuer, denn in der eisigen Tundra herrschen andere Gesetze als im zivilisierten Norden von Aequipondium. Wie sollen Siegbald und die französische Mannschaft des Comte La Pérouse es schaffen, aus dieser unwirtlichen Gegend zu entkommen? Und was können sie tun, als auf einmal hungrige Drachen angreifen?

Im zweiten Abenteuer des Entdeckers Siegbald Sockenloch sind Mut und Kreativität gefragt. Nur wenn er bereit ist, beinahe Unmögliches zu versuchen, hat er eine Chance der Eishölle lebend zu entkommen. Doch wer hätte dem faulen und tollpatischen Entdecker jemals etwas zugetraut?

Alle Bücher der Serie können auch einzeln gelesen werden.



Ima Ahorn verschlang schon als Kind Abenteuerromane, Märchen und Geschichten über Entdecker. Sie bedauerte, dass die Zeit der großen Entdeckungen vorüber ist. Als sie erwachsen wurde, folgten bei ihr Abitur, Studium und ein Job in der IT ganz traditionell aufeinander. Für Entdeckungen und Abenteuer blieben da nur historische Romane, Fantasy und Urlaubsreisen. ...bis sie den großen Schritt wagte: Sie hat gekündigt, um Europa zu bereisen und um Schriftstellerin zu werden. Einfach so.
  • Deutsch
  • 0,36 MB
978-3-7521-2864-2 (9783752128642)

Teil 1 -
Das Aequipondische Meer


Siegbald nutzte die Gelegenheit, als der Comte de La Pérouse und sein Erster Offizier an Deck waren, um sich in der engen Heckkajüte, die er mit den beiden teilte, ein wenig auszustrecken. Da die Decke niedrig war, stand er nach vorn gebeugt, die Beine weit auseinander, um den Seegang auszugleichen. Er hätte in dieser Stellung bequem den Boden berühren können. Plötzlich krängte das Schiff so stark, dass er mit dem Kopf voran in Richtung Bordwand stolperte. Nur mit Mühe gelang es ihm, den Sturz zu verhindern und sich nicht an der Kajütenwand einen blutigen Schädel zu holen. Stattdessen schlug er mit dem Knie schmerzhaft gegen eine der Seekisten des Kapitäns, verrenkte sich die Schulter und bohrte sich einen Splitter in die linke Hand. Siegbald brüllte vor Schmerz. Wohl zum hundertsten Mal seit Beginn der Reise verfluchte er das Schiff.

Um sich von den Schmerzen abzulenken, holte er sein Tagebuch hervor, setzte sich vor seine Seekiste und begann zu schreiben.

An Bord der Le Rafiot, 2. Tag der Heimreise nach Europa

 

Mit frischem Südostwind machen wir immer noch gute Fahrt. Alle Segel unseres kleinen Zweimasters sind gesetzt.

Das kleine Schiff, das die französische Mannschaft von Kapitän de La Pérouse in Aequipondium gebaut hat, erweist sich als seetüchtig und stabil, wenn auch ein wenig eng. Die 56 Seemänner und Besatzung müssen schichtweise schlafen, mit der Hälfte der Männer an Deck, in den Wanten oder an den Pumpen, während die anderen in ihren Hängematten liegen. Lediglich der Comte, sein Erster und ich haben ein wenig Privatsphäre in der kleinen Kajüte, die wir uns zu dritt teilen.

Ich beklage mich nicht, denn wie sonst hätte ich jemals diesen seltsamen Kontinent wieder verlassen können?

Wehmütig dachte Siegbald an die große Doppelkabine, die er und sein Diener Johannes auf der Entdeckungsreise zum geheimnisvollen Gegengewichtkontinent bewohnt hatten. Dann fuhr er fort zu schreiben.

In den Stauräumen unseres Schiffes befinden sich Nahrung und Wasser für etwa fünf Wochen auf See. Mehr ließ sich unter den gegebenen Umständen nicht unauffällig beschaffen. Trotz dieser knappen Vorräte ist der Comte optimistisch. Bei gutem Wind können wir in etwa drei Wochen die Küste Neuseelands erreichen, sagen seine Berechnungen. Auch bei weniger günstigen Winden hofft er, wir werden auf einer der kleineren Inseln Frischwasser und Essen finden können.

Die Männer und auch ich sind guter Dinge, froh, Aequipondium endlich entfliehen zu können.

Siegbald legte die Feder weg und wartete, bis die Tinte getrocknet war. Er fragte sich, ob er noch ein paar mehr seemännische Begriffe über Position, Kurs oder Wassertiefe hätte einstreuen sollen. So etwas klang immer eindrucksvoll. Vielleicht könnte er später den Comte bitten, ihm dabei zu helfen. Dann verstaute er sein Tagebuch wieder in der Kiste. Als er sich aufrichtete, stieß er sich den Kopf schmerzhaft am Deckenbalken.

Ganz so rosig, wie er sie in seinem heutigen Eintrag beschrieben hatte, fand Siegbald die Situation nicht. Aber als der heroische Entdecker Siegbald Odin Sockenloch, Sonderbotschafter des preußischen Königs Friedrich des Großen, konnte er in seinem Journal unmöglich jammern.

Das Schiff hasst mich, lautete seine ehrliche Überzeugung. Ständig musste er auf der Hut sein, um nicht zu stolpern oder sich den Kopf zu stoßen, während seine Kajütengenossen ungeschoren davonkamen. Der Erste Offizier war klein und ein erfahrener Seemann, weshalb die Enge der Kajüte ihn kaum störte. Doch wie der Comte die fast unvermeidlichen Beulen und Stürze vermied, war ihm ein Rätsel. Immer, wenn das Schiff eine für Siegbald überraschende Bewegung machte, hatte der Comte den Kopf bereits unter den Deckenbalken eingezogen oder mit einem kleinen Schritt das Gewicht verlagert, um die Bewegung auszugleichen. Siegbald hingegen hatte sich inzwischen so oft den Kopf gestoßen, dass er ernsthaft überlegte, sich sein Kopfkissen auf den Kopf zu binden, wenn er unter Deck war.

Tatsächlich war der Platz, den er sich mit den beiden anderen teilte, viel zu klein. Als breitschultriger Mann von fast zwei Metern Körperhöhe konnte er sich nur mit Mühe überhaupt in seine Hängematte zwängen. Hatte er dies geschafft, so fühlte er jede Bewegung des kleinen Schiffes: sein Gewicht zog ihn soweit abwärts, dass sein Gesäß den Boden berührte.

Auch seine Zimmergenossen machten ihn alles andere als glücklich. Der Kapitän, der als einziger eine richtige Schlafkoje besaß, benötigte so viel Platz, dass die Hängematten von Siegbald und dem Ersten Offizier ständig aneinanderstießen und Siegbald kaum schlafen konnte. Außerdem benötigte er mehr als die Hälfte der Kajüte für sein Gepäck und um seine Seekarten auszubreiten. Der Erste Offizier, Pierre . Siegbald überlegte. Er hatte den vollen Namen des Franzosen vergessen. Pierre Le Scieur, dachte er gehässig, Pierre die Säge, denn der schnarchte, dass die Planken zitterten. Pierre war ein kleiner, nervöser Mann, der ständig herumzappelte und in jeder Situation das Schlimmste zu erwarteten schien. Bereits während des ersten Tages, den Siegbald grün vor Seekrankheit und über die Reling hängend verbracht hatte, war ihm der Pessimismus des Franzosen auf die Nerven gegangen.

Wahrscheinlich hätte es Pierre nie zum Ersten Offizier gebracht, hatte der Comte Siegbald anvertraut. Doch alle fähigeren Männer waren im Verlauf der Reise Krankheiten oder anderen Widrigkeiten zum Opfer gefallen. Von den Seeleuten, mit denen La Pérouse aus Frankreich aufgebrochen war, war Pierre derjenige, der sowohl von Seemannschaft, also den technischen Details der Schiffsführung, als auch von Navigation noch am meisten verstand. So war es eine logische Entscheidung, ihn zum Stellvertreter des Kapitäns zu ernennen.

Trotz allem war Siegbald nicht unzufrieden. Die Aussicht, in einigen Monaten wieder in der Heimat zu sein, war jetzt, zwei Tage nach ihrer spektakulären Flucht, noch genug, ihn auch schlimmere Unannehmlichkeiten ertragen zu lassen. Er bedauerte, dass er wohl nicht als Entdecker Aequipondiums in die Geschichtsbücher eingehen würde. Diese Ehre würde Jean François Comte de La Pérouse zufallen. Immerhin war es sein Schiff, auf dem Siegbald reiste. Doch zumindest hatte Siegbald sein Reisetagebuch und seine Aquarelle. Auch eine kleine Sammlung Aequipondischer Kuriositäten hatte er mitnehmen können, sodass er nicht mit leeren Händen heimkehrte.

Damit der französische Entdecker ihn überhaupt mitnahm, hatte Siegbald die Drachendame Luna überredet, das kleine Schiff der Franzosen über die steilen Klippen ins Wasser zu heben. Nur so war ihnen die Flucht vom Gegengewicht-Kontinent letztendlich gelungen, denn Aequipondium war fast überall von hohen Klippen und gefährlichen Riffen umgeben. Angeblich gab es auch Seeungeheuer, die den Kontinent beschützten, doch davon hatten sie bisher nichts gesehen.

"Land in Sicht."

Der Ruf aus der Takelage des kleinen Schiffes ließ Siegbald aus seinen Träumereien hochfahren. Prompt schlug er seinen blondgelockten Hinterkopf ein weiteres Mal an den tiefhängenden Deckenbalken an. Bei einer Raumhöhe von wenig mehr als eineinhalb Metern musste Siegbald sich ständig in gebückter Haltung bewegen. Gestern hatte er einmal so heftig seinen Kopf angeschlagen, dass er nicht nur minutenlang tanzende Sterne sah, sondern Blut aus einer Platzwunde am Hinterkopf tropfte. Langsam fragte sich Siegbald, ob er das Ende der Reise überhaupt erleben würde.

Sobald der Schmerz ein wenig nachließ, warf sich Siegbald seinen grünen Rock über und kletterte vorsichtig an Deck. Ob sie eine unbekannte Insel entdeckt hatten?

Gespannt schaute er in die Richtung, in die der Ausguck im Mast deutete, musste aber feststellen, dass er nichts als endlosen Horizont erkennen konnte. Ein Blick auf den Comte zeigte, dass der Kapitän nicht den Horizont, sondern seinen Ersten Offizier beobachtete, der gerade mit einem Fernglas um den Hals zum Ausguck hinaufstieg. Siegbald hätte es natürlich wissen sollen, schließlich war er erst vor einem halben Jahr gemeinsam mit dem Geographen Hundeshagen auf dem Weg zum Gegengewicht-Kontinent an zahlreichen Inseln vorbeigekommen. Auch damals hatte der Ausguck immer schon lange vor den an Deck wartenden Passagieren die Inseln gesichtet. Als Monsieur Pierre genug gesehen hatte, kam er wieder heruntergeklettert.

"Eine große Landmasse", berichtete er dem Comte. "Soweit bis jetzt erkennbar ist, erstreckt sie sich mindestens von drei Strich steuerbord bis vier Strich backbord. Der Strand ist noch nicht über Kimm."

Der Kapitän nickte knapp.

"Dann schauen wir uns diese Insel einmal näher an. Lassen Sie das Lot ausbringen, Monsieur Morel. Nicht, dass wir am Ende noch auf ein Riff laufen."

"Oui, monsieur le capitaine." Der Erste Offizier nickte.

Siegbald suchte sich einen bequemen Platz an Deck und beobachtete den Horizont. Ob sie auf Eingeborene treffen würden? Waren die Inselbewohner wohl freundlich gesinnt? Vielleicht gab es sogar schon europäische Missionare. Eine halbe Stunde später war die Insel auch von Deck bereits gut zu sehen. Ein paar hohe Felsen und ein dichter Dschungel waren zu erkennen. Aber mehrere dunkle Punkte und weiße Schaumkronen im Wasser deuteten darauf hin, dass es vor der Küste gefährliche Klippen gab.

Der Kapitän ließ die Le Rafiot nordwärts dem Verlauf der Küste folgen. Aber als schließlich die Sonne unterging, hatten sie immer noch keine Bucht entdeckt, in der sie an Land gehen konnten. Stattdessen wurde erkennbar, dass die Insel recht groß sein musste, denn immer neue Landspitzen...

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