Der Ruf des Bösen

Die Erleuchtete 2 - Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Dezember 2013
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10800-7 (ISBN)
 
In den Straßen eines schillernden, pulsierenden New Orleans greift DAS BÖSE nach den Flügeln eines jungen Engels ...

Haven Terra hat den Kampf gegen das Böse gewonnen. Zusammen mit ihren Freunden Dante und Lance hat die 17-Jährige die Abgesandten Satans besiegt - doch nur weil sie als angehende Engel über ganz besondere Fähigkeiten verfügen. In New Orleans hoffen sie nun auf ein wenig Ruhe und Frieden. Doch ausgerechnet dort stoßen sie auf eine Gruppe gefährlicher Dämonen. Noch während die drei den Kampf planen, stellt sich Haven ein neues Problem: Lucian taucht wieder auf, einst Verbündeter des Teufels selbst, nun angeblich ein reuiger Sünder, der Haven um Hilfe anfleht - und dessen Charme sie erneut zu erliegen droht. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 1,21 MB
978-3-641-10800-7 (9783641108007)
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1

Die Ruhe vor dem Sturm

Das Ende meiner Highschoolzeit hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Gut, es lag tatsächlich ein überschwängliches Prickeln in der Luft und wärmte die zugigen Gänge der Evanston Township Highschool. Überall erklang fröhliches Gekicher, und Freunde wurden herzlich umarmt. Bunte Papierfitzel, in die kleine Geschenke eingepackt gewesen waren, landeten auf dem Fußboden. Und die Stimmen Hunderter Mitschüler, die ihre Pläne fürs Wochenende besprachen, verschmolzen zu einem munteren Getöse. Aber all das hatte nichts zu tun mit dem Meilenstein, den ich Sekunden zuvor mit dem letzten Klingelton erreicht hatte. Den anderen ging es mehr um die weiße Winterpracht, die das Footballfeld draußen vor den Fenstern bedeckte, wo gerade Autos quietschend und mit wildem Hupen aus dem Parkhaus kamen. Jetzt waren Weihnachtsferien. Dass Dante, Lance und ich danach bis zur Abschlussfeier im Juni nicht zurückkommen würden, wusste außer uns keiner. Ich schaute wieder aus dem Fenster und beobachtete, wie Chicagos Wind ein widerspenstiges Stück Zeitungspapier um einen der Pfosten wickelte. In meinem Kopf wirbelten die Erinnerungen ebenso wild herum. Unsere vorzeitige Schulentlassung war dagegen ein eher enttäuschendes Finale.

Die Spindtür neben meiner wurde zugeschlagen, und Dante kam zum Vorschein. »Aaaaalso, offensichtlich geht heute Abend wirklich jeder zu Jason Abingtons Weihnachtsparty«, stichelte er und wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. Solche Spötteleien durften sich nur beste Freunde erlauben.

»Na, super!«, antwortete ich mit der nötigen Dosis Sarkasmus. Ich nahm die Fotos ab, die im Schrank geklebt hatten, und schaute sie mir noch einmal an - alle zeigten mich entweder mit Dante oder Lance -, dann griff ich nach Tasche und Mantel. Ein letztes Mal nickte ich dem leeren Spind zu und schlug ihn dann endgültig zu. Peng! Mit einem finsteren Blick machte ich Dante unmissverständlich klar, dass er mich ganz bestimmt nicht dazu überreden würde, unangemeldet auf fremden Partys zu erscheinen. »Den Abend mit einem Haufen Betrunkener mit Weihnachtsmützen verbringen, während Jason und Courtney sich durch jedes Zimmer im Haus fummeln?« Über meine frühere Schwärmerei für Jason war ich längst hinweg, trotzdem hatte ich keine Lust, ihm beim Rummachen mit seiner hirnlosen Sexbombe von Freundin zuzusehen. Nein, danke.

Auch bei unserem Abschlussball war es heiß hergegangen - leider nicht im metaphorischen Sinne, sondern wortwörtlich. Dabei war nämlich das historische Lexington Hotel abgebrannt, so dass die Chicago Tribune vom »Zweiten großen Brand von Chicago« gesprochen hatte. Nach dem Ball hatte Jason mich tatsächlich mal angerufen. Das war zu Beginn der Sommerferien gewesen. Ich hatte es für einen Streich von Dante gehalten, und als Jason mich dann irgendwann doch von seiner wahren Identität überzeugt hatte, war ich zu geschockt gewesen, um auch nur noch ein einziges Wort herauszubringen. Was mich aber auch nicht weiter störte - zu diesem Zeitpunkt war ich jungstechnisch nämlich gut versorgt gewesen. Offensichtlich haben die einen Draht dafür, wann man sie nicht länger braucht, und fangen erst dann an, sich für einen zu interessieren.

»Das ist dann also ein Nein?«, fragte Dante mit Unschuldsmiene.

»Das ist ein Nicht-einmal-wenn-unser-aller-Leben-davon-abhängen-würde-Nein . Nochmal mache ich das nicht mit.« Manchmal hatte ich das Gefühl, als würden Dante, Lance und ich in einer ganz anderen Welt leben als unsere Schulkameraden. Letzten Frühling war uns unerwarteterweise die Aufgabe zugefallen, die Seelen unserer Mitschüler zu retten, auch wenn die keine Ahnung davon hatten. Langsam begann ich mich zu fragen, ob ich mir das alles vielleicht nur eingebildet hatte. Unser Leben - Dantes, meins und das von Lance - hatte sich verändert, das der anderen jedoch nicht.

»Okay, okay, hab verstanden.« Mit erhobenen Händen gab er sich geschlagen. »Spielverderberin!« Er verstummte kurz und fügte dann feixend hinzu: »Ein paar Weihnachtssongs stimmen wir aber schon an, oder?«

Ich sah mich vorsichtig um, doch keiner der Mitschüler, die wie geladene Atome um uns herumsausten, schenkte uns auch nur die geringste Beachtung, also spielte ich mit und fragte mit einem angedeuteten Augenrollen: »Was denn, vielleicht Hört der Engel helle Lieder

Dante gab mir einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm. »Ha! Kommt das nur mir so vor, oder werden diese Witze nie alt?« Er sah mir über die Schulter. »Ihr kommt doch zum Weihnachtsfilmmarathon vorbei, oder?«

»Aber sicher.« Das war die Stimme von Lance, die da hinter mir erklang. Wie Schlingpflanzen wanden sich seine Arme um meine Taille und hielten mich fest. Er legte das Kinn auf meine Schulter. »Um wie viel Uhr?«

»Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss übrigens!«, fügte er hinzu. Dann wirbelte er mich mit einem Mal herum und küsste mich schnell und fest auf die Lippen.

»Danke, gleichfalls!«, erwiderte ich mit kokettem Unterton und küsste ihn zurück.

»Uaaah! Ganz im Ernst, manchmal seid ihr schlimmer als Courtney und Jason.«

»Jetzt bin ich beleidigt«, protestierte ich mit gespielter Empörung.

»Ich nicht!«, verkündete Lance und umarmte mich. Dann drückte er mir einen übertriebenen Schmatzer auf den Nacken, richtete sich aber schnell wieder auf. Sein Blick huschte hin und her, während er sich die klobige Brille höher auf die Nase schob. Aus dem Augenwinkel sah ich meine Lieblingsenglischlehrerin vorbeigehen, die offensichtlich angestrengt versuchte, uns zu ignorieren. Obwohl Lance und ich jetzt schon seit Monaten zusammen waren, wurde ich in solchen Situationen in der Schule immer noch rot. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mal zu den Mädchen gehören würde, die überhaupt in solche Situationen gerieten. Während meiner ganzen Schullaufbahn hatte es nicht so ausgesehen, bis letztes Jahr eben.

Dante schüttelte den Kopf. »Was ich alles im Namen der Freundschaft ertragen muss.« Wie wahr. Aber wir drei hatten einander, und dafür waren wir dankbar. Dante und ich hatten schon als kleine Kinder immer zusammengehangen, Lance hingegen war ein ziemlicher Einzelgänger gewesen, bis uns in der elften Klasse dieses verhängnisvolle Praktikum zusammengeführt hatte. Lance hatte die Idee gehabt, Ferienkurse zu belegen und so unseren Abschluss früher zu machen. »Was verpassen wir denn schon groß? Noch einen Abschlussball?«, hatte er gespöttelt. Und so hatten wir im Sommer über Büchern geschwitzt, Arbeiten geschrieben, Prüfungen abgelegt, und jetzt waren wir fertig.

Nachdem wir unsere Spinde geleert hatten, gingen wir den Flur entlang, Lance' warme Hand in meiner. »Ich hatte schon den Eindruck, dass bei der Kleinen heute Abend Fluchtgefahr besteht«, sagte Dante und nickte in meine Richtung.

»Also gut, ich bin dabei.« Ich seufzte. »Ich muss mich noch um meine College-Bewerbungen kümmern«, erklärte ich Lance. »Wir können schließlich nicht alle so genial wie Dante sein, der seine Unterlagen im Schlaf fertig macht.« Diejenigen, die mir wirklich wichtig waren - für die Northwestern, die University of Chicago, Princeton, Harvard und Yale (Letztere ohne ernsthafte Hoffnungen) -, hatte ich längst fertig, aber jetzt fehlten noch die Anschreiben an die Hochschulen, die mir als Sicherheitsnetz dienten. Mit denen hatte ich bis ganz zum Schluss gewartet, falls ich sie vielleicht gar nicht brauchen würde.

»Was soll's, du hast doch noch jede Menge Zeit«, meinte Dante, der von jeher seine guten Noten abzusahnen schien, ohne dafür auch nur einen Finger krummzumachen.

»Die müssen in spätestens einer Woche weg sein«, lachte Lance. Er war ebenfalls hochbegabt, außerdem aber gut organisiert, und hatte seine Bewerbungen deshalb schon im September rausgeschickt.

»Genau! Jede Menge Zeit!« Jetzt zeigte Dante sein breites, gewinnendes Lächeln. »Alter, ich mache meine noch auf dem Weg zum Flughafen fertig. Dann werfe ich sie eben da ein.« Ich gab ihm einen spielerischen Klaps auf den Arm. Das war nur ein Witz.

Als wir endlich auf den Ausgang zuhielten, waren die Flure fast leer. Ich wickelte mir ein Tuch um den Hals, und Lance hielt mir die Tür auf. Wir traten ins Freie und wurden von einem heftigen Windstoß begrüßt. Mit gesenkten Köpfen machten wir uns auf den Weg zur L-Haltestelle.

Während des Sommers hatten wir damit begonnen, die L bis zu einer uns wohlbekannten Station in der Stadt zu nehmen und dann durch die Trümmer des glamourösen Hotels zu wandern, das einst so etwas wie ein Zuhause für uns gewesen war. Anfangs wollten wir einfach nur in seiner Nähe sein, so wie man ein Grab besucht. Wir saßen wortlos da und gingen die Erinnerungen an all das Schreckliche und Gute durch - denn trotz allem hatte es ja auch schöne Momente gegeben -, das wir dort erlebt hatten.

Wir holten uns heiße Schokolade bei einem heruntergekommenen kleinen Laden unterhalb der Schienen und gingen dann die von schäbigen Gässchen gesäumte South Michigan Avenue entlang, die von Block zu Block immer leerer wurde. Jeder Zentimeter des Himmels war grau, und der Wind peitschte uns so um die Ohren, dass der grausame, eisige Chicagoer Winter unseren Pilgerfahrten vermutlich sowieso irgendwann ein Ende gemacht hätte, auch wenn wir nicht bald für die nächsten Monate in Richtung Süden fliegen würden.

Louisiana. In etwas mehr als einer Woche würden wir uns auf den Weg machen. Wir hatten uns als Freiwillige für ein Schülerprogramm in New Orleans gemeldet, würden dort an gemeinnützigen Projekten teilnehmen und, so konnte ich nur vermuten, wohl auch das eine oder andere Abenteuer...

»Agresti macht fast jede Szene zum Adrenalinrausch.«
 
»Dieses Buch schlägt alle anderen Romane über Engel.«
 
»Bereits nach wenigen Seiten fühlt man sich ganz high von diesem phantastischen Lesevergnügen.«

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