Eine Villa in Oman

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Februar 2020
  • |
  • 428 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-6771-2 (ISBN)
 
In ihrem Herbsturlaub am Arabischen Meer kommt Julia, eine junge Pädagogin aus Deutschland, plötzlich auf sehr emotionale Weise dem Sultanat Oman nahe: Auf die plötzliche Trennung von ihrem mitreisenden Partner folgt überraschend ein interessantes Jobangebot - und eine neue bereichernde Liebesbeziehung. Zusammen mit einem Einheimischen führt sie den Leser bald zu spannenden Orten und Begegnungen in diesem alten Kulturland zwischen Tradition und Moderne. Am Schluss sieht der Leser die Welt arabischer Frauen und Männer mit anderen Augen - und für Julia steht eine große Entscheidung an.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,66 MB
978-3-7504-6771-2 (9783750467712)
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Die Reisende


Kaum jemand an Bord war Urlauber. Das meinte sie zu erkennen. Viele Männer in seriöser dunkler Kleidung waren Geschäftsleute. Diverse Einheimische, jene in den traditionell langen Gewändern, die in Dubai ausstiegen, nutzten anscheinend regelmäßig das moderne Verkehrsmittel. Dabei hatten sie hier in diesem Land noch bis vor kurzem wie im Mittelalter gelebt. Inzwischen ist Oman ein modernes arabisches Land und man ist dementsprechend mit dem Flugzeug unterwegs. Ein anderes öffentliches Verkehrsnetz steht nicht zur Verfügung. Es wird anscheinend auch nicht benötigt.

Für Ausländer wie sie selbst bedeutete eine Flugreise meist Urlaub, es war die großzügige »Er-laubnis«, sich für eine begrenzte Zeit vom anstrengenden Alltag zu entfernen, wie das Wort verrät. Das wusste die gebildete Frau durchaus. Aber dass eine einzige Urlaubsreise ein Leben so vollkommen und für immer auf den Kopf stellt, es verändert, damit wird niemand rechnen. Das hatte auch Julia nicht, die noch junge Frau aus der deutschen Großstadt, die für ein paar Wochen zu Gast war in einem arabischen Land. Dabei war sie eine sehr erfahrene Reisende.

Seit ihrer Jugend, ja, von Kindesbeinen an war sie neugierig auf die Welt, wollte sie andere Länder und Kulturen kennen lernen. Fremde Nationen, ihre Sitten und Gebräuche waren ihr Lebenselixier bis in den Alltag. Interessante Reiseziele gab es so viele, nah und fern. Es gab unendlich viel zu entdecken auf der Welt, zu erfahren, zu lernen.

Auch in diesem Herbst wollte sie sich ein neues Terrain erschließen, ein noch recht unbekanntes, geheimnisvolles Land im Orient entdecken, das bis jetzt kaum jemand ihrer Bekannten bereist hatte. Das noch Sultanat Oman im Südosten der Arabischen Halbinsel hatte sich erst im letzten Jahrzehnt zaghaft dem Fremdenverkehr geöffnet. Eine besondere Motivation für Julia und ihren Partner. Sie wollten nun im kühleren Herbst gemeinsam den heißen, noch immer urtümlichen Wüstenstaat bereisen.

Julia war gespannt, Näheres vom orientalischen Leben außerhalb der Moderne und dem dortigen Alltag der Einheimischen zu erfahren, die sich anscheinend noch sehr ihren Traditionen verpflichtet fühlten. Sie würden sich dafür viel Zeit nehmen. Und sie würde all das später gern im Berufsalltag ihren Schülern weiter vermitteln.

Aber ein bisschen reiste sie natürlich auch zu diesem Zeitpunkt gern, um dem trüben Herbstwetter in Mitteleuropa zu entfliehen. In diesem Oktober hieß das Ziel also Sultanat Oman. Barg der Titel »Sultanat« nicht schon genug Mystik und Verheißung?

Seit einigen Monaten reiste sie am liebsten zu zweit. Ihr Freund und sie würden sich so auch den gemeinsamen Wunsch nach mehr Zweisamkeit erfüllen. Was im Alltag manchmal viel weniger gelang. Christian war Journalist und viel unterwegs. Auch er war natürlich schon von Berufs wegen neugierig auf das Weltgeschehen. Was ihr sehr gefiel. Er war genauso gespannt auf exotische Abenteuer auf fremden Kontinenten wie sie. Und war geteilte Freude dann nicht doppelte Freude? Die Frau war mit ihrem Leben inzwischen sehr zufrieden. Das neue Reiseziel barg zudem besondere historische und politische Dimensionen, man denke an die alten Traditionen, die, wie man hörte, manchmal stark mit der modernen Gegenwart konkurrierten. Darüber hatten sie beide schon einige Male diskutiert, etliches gehört und gelesen.

Sechs Stunden Flugzeit waren es bis zum südöstlichen Nachbarn der Arabischen Emirate. Nicht allzu weit entfernt vom hypermodernen Dubai mit seinen Wolkenkratzern und Superlativen war Oman ein eher unscheinbarer, ruhiger Nachbar geblieben, von dem man nur selten im Westen etwas hörte. Aus dem Arabischen Frühling und den nachfolgenden Revolutionen der Nachbarländer hatte sich dieses alte Kulturland allen Anschein nach erfolgreich herausgehalten. Als Europäer konnte man also getrost ohne Furcht vor Terror, Bürgerkriegen und islamischer Sittenpolizei anreisen.

Und im Spätherbst und im europäischen Winter war es dort angenehm warm, entschieden weniger heiß als im unerträglichen Sommer. Das noch recht junge und Reise erfahrene Paar wollte dort vor allem mit einem Mietwagen auf Entdeckungsreise gehen. Die bei Europäern so unbeliebten muslimischen Verschleierungen, Umhänge oder Kopftücher und selbst das Autofahren waren dort für moderne westliche Frauen anscheinend kein Problem. Julia störte der Gedanke gewaltig, ständig mit einem Kopftuch herumrennen zu müssen. Deshalb hatte sie den interessanten Iran für sich bisher ausgeblendet. Die Ausrichtung des Islams in Oman war dagegen entschieden liberaler, weit weniger streng als beim mittelalterlichen Nachbarn Saudi Arabien. Zudem würde sich Julia ihren Fahrer von zu Hause mitbringen. Aber vielleicht wollte sie auch gern einmal zum Steuer greifen.

All diese Überlegungen lagen nun Wochen zurück. So vieles war dann passiert in Oman, so viele Begegnungen, Orte, Gefühle. Sie hatte so viel erfahren über sich und andere Menschen in diesem ursprünglichen und hoch interessanten Land. Ja, sie war tatsächlich viel Auto gefahren, meist allein auf den neuen, leeren Straßen, wo man sehr gut voran kam und immer genug Parkplätze fand. In dem Land wo einheimische Frauen in langen Gewändern nur mit den Füßen ins Wasser gingen und Spaß hatten. Und ein Kopftuch hatte sie selbst nur äußerst selten gebraucht, nur in den Moscheen tragen müssen und, und, und .

Jetzt im Moment war Julia gerade dabei, Abschied zu nehmen, schweren Herzens Oman wieder zu verlassen. Aus den zwei geplanten Urlaubswochen waren schließlich fast vier geworden. Aus verschiedenen Gründen, unter besonderen Umständen. Sie hatte sogar daran gedacht, zu bleiben .

Nun saß sie vor ihrem Rückflug von Muskat nach Frankfurt wieder im Flugzeug ihrer Deutschen Airline, zufällig sogar wieder in der gleichen Reihe und wahrscheinlich in der gleichen Maschine wie auf dem Hinflug. Julia entdeckte die gleiche freundliche Crew, die nette blonde Stewardess und den damals noch etwas hilflosen jungen Uniformierten an ihrer Seite, der jetzt schon etwas sicherer wirkte. Ob man sich ebenfalls an sie erinnerte? Wohl kaum. Das berufsmäßige Lächeln der Angestellten hatte natürlich nichts zu bedeuten. Sie kannte sich ja heute selbst kaum noch. So verändert hatte sich ihr Leben in diesem arabischen Land. Es war so viel passiert in den letzten Tagen und Wochen. In dem für sie so fremden Land, in einer fremden Kultur, auf einer Urlaubsreise.

Der Zauber des Orients? So konnte man es sehen. Die moderne westliche Frau war alles andere als abergläubisch. Das waren hier die Einheimischen. Doch mit Schuld an so vielen persönlichen Veränderungen bei ihr war das Sultanat Oman, das unbekannte und doch berühmteste Weihrauchland Arabiens, das sie gerade wieder verließ. Um vielleicht sehr bald wiederzukommen. Der geheimnisvolle Orient hatte sie verwirrt, betört, betäubt, sie abgebracht von ihrem normalen Lebensweg. Oman hatte ihr nicht nur ein Geheimnis mit auf den Weg gegeben.

Jetzt in den letzten Minuten vor dem Abflug, während die deutsche Linienmaschine auf dem Flughafen Muskat auf die Starterlaubnis wartete, waren Julias Körper und Seele übervoll mit Eindrücken, bunten Bildern einer fremden Welt, die jetzt irgendwie zu ihr gehörten. Sie war so voll mit Gefühlen, Farben, Tönen und Gerüchen, so vielen unglaublichen Begegnungen und Erlebnissen, die sie noch nicht endgültig zuordnen konnte. Dafür würde sie mehr Zeit brauchen. Im Augenblick war sie einfach erleichtert, konnte sie tief durchatmen, weil sie den Abschied irgendwie geschafft hatte. Auch wenn er vielleicht nur ein vorläufiger war.

In den nächsten Stunden konnte sie sich erholen. Nein, sie brauchte jetzt niemanden zum Anlehnen. Denn heute war sie inmitten vieler unbekannter Menschen an Bord gern wieder allein, allein auf dem Rückweg nach Deutschland. Sie war jetzt nur für sich selbst verantwortlich, und das war im Augenblick genug. Julia lehnte sich auf ihrem Fensterplatz zurück und atmete weiter tief durch.

Sie war dankbar, dass der deutsche Flugkapitän ihr jetzt die Entscheidung abnahm und die Richtung vorgab. Zurück in ihr vertrautes Leben. Aber war das überhaupt noch möglich? Heute war vieles so anders als sonst am Ende eines Urlaubs. Sonst war sie nach ihren Reisen jedes Mal gern nach Hause zurückgekehrt. Sie freute sich auf ihre vertraute Umgebung, die Anblicke der Umgebung, die Freunde, Kollegen, sie freute sich auf ihre gemütliche Wohnung. Und sie freute sich fast immer über den schönen Willkommensgruß ihres Heimatlandes aus der Luft, wenn sie vor der Landung aus dem Fenster schaute. Sie blickte gern auf die Farbpalette der Natur zu jeder Jahreszeit bis hin zum Horizont, in Grüntönen, Rotbraun oder Schwarz/Weiß. Die Anblicke der kleinen Dörfer aus der Luft inmitten dem Grün waren ihr besonders lieb. Interessant war aber auch die glitzernde, abwechslungsreiche Architektur der Großstädte. Die flache ausladende Silhouette Berlins oder Frankfurts plötzlich aufragende Skyscraper. Letztere waren zwar nicht allzu viele, aber trotzdem...

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