Ein großer Schritt

Koloniewelten 02
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2019
  • |
  • 228 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-9569-6 (ISBN)
 
Das Raumfahrtprogramm der Shermanstiftung wurde eingestellt und 'Red City' droht zur Geisterstadt zu verkommen.
Nahezu alle Menschen sind zur Erde zurückgekehrt. Marek LeSolda, alias Zintok, gehört nicht dazu; nun im Dienste des Energiekonzerns Pandion und der NCP, versucht er nach wie vor das Beste für Frau, Sohn und Gott zu wirken.
Als Diener des Pandionmanagers Devon Gibson erfährt Marek als Erster von dem außerirdischen Funksignal, welches die alten Kommunikationsanlagen Shermans erreichte. Bis heute ist diese in Betrieb, denn Pandion fiel es durch dem Erwerb der Sherman-Centren zu, unter anderen die Mondkolonien des Jupiter zu verwalten.

Für die NCP gefährdet dieses Signal weit mehr, als die bisher mühsame Geschichtsfälschung des roten Planeten.
Devon Gibson sieht in dem Funksignal jedoch eine Chance, welche es so noch nie gegeben hat. Als Marek ihm eine Information offenbart, die er vor 35 Jahre als Polizist erfahren hatte, überschlagen sich die Möglichkeiten für Partei und Konzern.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,84 MB
978-3-7407-9569-6 (9783740795696)
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Galax Acheronian ist Autor und Grafiker verschiedener Genres, der bereits in jungen Jahren Geschichten, Comics und Fanfiction schrieb.
Seit 2009 veröffentlicht er in verschiedenen Formen seine Gedanken und Geschichten.

5


Marek LeSolda saß in seinem neuen Büro, dass ihn der Firmenanwalt vor drei Wochen übergeben hatte. Es war groß, hell und im selben Stockwerk wie das seines Vorgesetzten, der ihm anfangs gerade mal eine Besenkammer gegeben hatte. Hilian Trupida hatte sein Versprechen in weniger als einem Monat wahr gemacht und ihm gegeben was Gibson prophezeit hatte. Geld und Macht. Vorerst aber blieb LeSolda der Sicherheitschef Pandions, wenn auch mit einer stattlichen Gehaltserhöhung und den versprochenen Privilegien eines Parteiabgeordneten.

Im großen und ganzen wirkte der Firmenanwalt wie jemand, dem man blind vertrauen, und mit offen sprechen konnte, was LeSolda somit auch tat.

Vor wenigen Stunden hatte er sich dem Anwalt erstmals anvertraut und ihm gebeichtet was er über Gibson wusste, als sei er der alleinige Schuldige an dessen Gotteslästerung.

Der Anwalt hatte schweigend zugehört und breites Verständnis gezeigt - für beide Männer.

Er war ein überzeugter Christ, der die Lehren und Regeln ernst nahm und verinnerlichte. Schon vor seiner Anstellung bei Pandion hatte er unermüdlich als Gottes Anwalt gedient. Alle Energie floss ungeteilt in Trupidas heilige Arbeit. Ob Ketzer, provokante Ungläubige oder arme Irre, die falschen Götzen nachliefen. Jede verlorene Seele stand in Hilian Trupidas Schussfeld. Niemals strebte der gewissenhafte Anwalt an, seine Gegner zu zerstören, nein, Rettung war sein Antrieb. In den meisten Fällen war es ihm auch gelungen. Der feste Glaube und Teil der selben Generation zu sein, war nur eine von vielen Gemeinsamkeiten beider sich gegenüber sitzender Männer. LeSolda sprach im laufe ihrer angenehmen Unterhaltung von seinem Vater. Trupida lächelte nur, als er erklärte, das beide eine ähnliche Kindheit durchlebten. Auch sein alter Herr kämpfte in Amerikas Krieg gegen den Islam. Allerdings war er nie zurückgekehrt, verblieb stattdessen als eine statistische Zahl inmitten hunderttausenden von gefallener amerikanischen Helden. Es war natürlich eine lächerliche Zahl, wenn man die Millionen Opfer auf der besiegten Seite betrachtete.

Ausschweifend begann der alte Anwalt seinem neuen Schützling zu erzählen, wie er sich sein ganzes Leben vorbereitet hatte, ebenfalls im Krieg gegen die falschen Gläubigen zu kämpfen - bis diese sich plötzlich einfach ergaben. Wie einst die Russen vor über hundert Jahren, war der erklärte Feind aller demokratischen Nationen plötzlich verschwunden.

Ein schwarzer Tag für die damalige US-Regierung. Trupida hingegen nahm dies recht gelassen entgegen. Ein Feind war besiegt, ein anderer drohte viel zu mächtig zu werden; der Unglaube. Trupidas ganz eigener Feind.

Mit beginn des 21sten Jahrhunderts hatte die Religionen in vielen Staaten ihren Weg zurück in die Gesetzbücher gefunden. Allem voran der USA und den Ländern, die ihr Unterworfen waren, ob Wirtschaftlich oder Militärisch.

Es war für viele ein einfaches, die Bemühungen sogenannter 'Aufklärer' als 'Beleidigung des religiösen Empfindens' zu kriminalisieren, zu unterbinden und auch zu verurteilen. Die Krönung aller Blasphemien blieb jedoch die Kolonisierung des roten Planeten nur wenige Jahre vor Kriegsende, wo man sich anmaßte, mit dem beleben dieser tote Welt einmal selbst Gott zu spielen.

Jede Marktführende Partei schlug sich seiner Zeit darum, als erstes auf diesem neuen Land seinen Claim abzustecken. Gottes Geschenk, die Erde, drohte erneut ihrer einzigartige Bedeutung zu verlieren, als die Verantwortlichen in ihren Lästerungen einen neuen Höhepunkt schufen; Die Besiedelung ferner Welten, einen gewaltigen Schritt, den sie ironischerweise als 'einen kleinen Schritt' deklarierten.

Gottesfürchtige Christen sahen darin eine Wiederholung der Geschichte vom Turm zu Babel und organisierten Proteste, die auch den damals noch Jura studierenden Trupida erfassten. Nur Jahre später wurde der junge Mann zu einen der erfolgreichsten Anwälte seiner Zunft.

Wie Wasser den Stein höhlt, begann er sich zu den Ungläubigen vorzuarbeiten, rettete Seelen oder ließ sie wegschaffen. Er wurde ruhiger, besonnener und begann die Dinge in ihren Zusammenhängen zu sehen, ähnlich der ihm gegenübersitzende LeSolda.

Eines Tages, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wurde Trupida seines Rufes wegen von der Pandion Corporation engagiert, um ihre Monopolstellung in Red City zu verteidigen, sowie die Steuerfreiheit von allen Irdischen Ländern zu gewährleisten. Trupida hörte damals dieses Klingeln im Ohr. Das selbe, das er auch gehört hatte, als Devon Gibson seinen Vortrag über Chrysador zum besten gab. Als Anwalt zog er alle Register und gewann.

Pandion hatte sich damals, um den Prozess zu gewinnen, von Trupidas überreden lassen, die NCP zu unterstützen.

Als Teil einer auf der Erde bestehenden Partei war es dem Unternehmen ein leichtes, sich steuerfrei als Monopol darzustellen.

Marek LeSolda staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass dieser eine Mann der direkte Verantwortliche war, das Pandion die NCP unterstützte. Mehr noch staunte er über die damals visionäre Idee des Mannes, als dieser erklärte, dass ein steuerfreies und monopolares Unternehmen eine grundsätzliche finanzielle Sicherheit in alle Ewigkeit war - etwas was der NCP dringend fehlte. Die kleinen Proteste auf der Erde gegen die Sherman-stiftung hatte hier draußen niemand gehörte. Die NCP mussten seiner Vorstellung nach vor Ort sein, um ihre Mission zu erfüllen. Heute, trotz des Verfalls der Stadt, war er noch immer hier draußen, inzwischen ein geehrtes Mitglied der Partei mit einem ganz besonderen Status. Die größte Gotteslästerung war besiegt und seine Partei hielt eine feste Hand auf das System, dass diese alles erst ermöglichte, denn ohne Shermans Lästerungen wäre die NCP nicht dort, wo sie heute stand.

LeSolda fragte nach, wie sich Pandion überhaupt darauf einlassen konnte, gegen Sherman zu arbeiten, was zweifellos auch das eigene Ende hätte einläuten können.

Trupida hatte nur gelacht.

»Ist Pandion etwa am Ende? Nein, es war ein Sieg auf ganzer Linie«, hatte er erklärt.

Marek war unsicher geblieben. Erinnerte an die erfolgreiche Kolonisation des Planeten und den dort befindlichen Außerirdischen. Der Firmenanwalt behielt sein überlegendes Lächeln bei und sagte einen Satz, der jetzt noch in Marek nachklang. »Gotteslästerung findet nicht im Fortschritt statt . sondern in den Menschen. Und das gilt es zu bewältigen.«

LeSolda sah aus dem breiten Fenster seines Büros und blickte auf die tote Wüste zwischen den qualmenden Kühltürmen der Atomreaktoren. Der Mars wirkte nicht anders als irgendeine Wüste auf der Erde. Trupida hatte ihm zu Letzt erklärt, dass zu Gottes Werken und Wirken sicher nicht nur der Mensch, als zweifelsfreie Krone der Schöpfung gehörte, sondern auch jeder Stein, jedes Tier und jeder Stern.

War der Glaube mit dem Außerirdischen so einfach zu vereinen?

Als vorigen Monat das Signal aus Chrysador eingetroffen war, schien es noch eine Katastrophe. Bei Trupida hingegen läutete es und es wuchs die Idee zum irdischen Wahlsieg. Red City war derzeit mit neunzig Prozent Marktanteil in der Hand der NCP. In den USA bei sechs und auf der gesamten Erde weniger als drei Prozent.

Mit der Faszination von Außerirdischen, der Technik, die sie anboten und den Dingen, die sie wussten, könnten sich laut des alten Anwalts der künftige Einfluss auf der Erde verzehnfachen. Der Zweck dazu heiligt das Mittel und LeSolda wurde angehalten, dieser Idee bedingungslos zu folgen. Für ein höheres Wohl, was auch bedeutete, an den Dingen zu rütteln, die bisher zu seiner Wahrheit gehörten.

Das plötzliche Sirren seines PCP's riss Marek aus seinen Gedanken.

6


Devon P. Gibsons Augen waren ziellos auf sein Terminal gerichtet. Innerlich war er so ungeduldig wie ein Kind vor Weihnachten. Er konnte sich auf nichts konzentrieren, nicht einmal die Suche nach neuen Pornofilmen hatte ihn ablenken können.

Seine Augen suchten Mal zum wiederholten male die Zeitanzeige an seinem Terminal. Manchmal blickte er sogar zweimal in der Minute auf das kleine Feld am unteren Rahmen. Es war gerade dreizehn Minuten nach siebzehn Uhr. Heute, irgendwann zwischen 14:30 und 22:00 sollte es endlich soweit sein. So hatte es ihn Aline Cromwell jedenfalls schon vor drei Tagen mitgeteilt. Sollte sie sich also bis 22 Uhr nicht gemeldet haben, mussten die Berechnungen von vorn beginnen. Es bedurfte eine direkte Sicht von der Tharsis-Tholus-Region auf den Stern Chrysadors. Die Verschiedenen Planeten im System, die Position der Sonne und ihr eigenes Gravitationsfeld . alles musste berechnet werden. Seit beinahe einen Monat pumpten die Reaktoren der Pandionwerke nun schon alle Energie in die Jahrzehnte alten Kondensatoren der ehemaligen Markus Sherman Stiftung. Die Gesamtkosten, beziehungsweise der entgangene Gewinn, beliefen sich bereits auf zweieinhalb Milliarden Dollar. Das Gremium war aufgrund der anfänglichen Zahlen deutlich unruhiger geworden, weshalb Gibson beim letzten Quartalsmeeting schlicht gefälschte Zahlen aufgetischt hatte, um die wahren Kosten noch eine Weile zu...

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