
Die vergessene Mitte der Welt
Unterwegs zwischen Tiflis, Baku, Eriwan
Stephan Wackwitz(Autor*in)
S. Fischer (Verlag)
1. Auflage
Erschienen am 20. Februar 2014
Buch
Hardcover
256 Seiten
978-3-10-091060-8 (ISBN)
Artikel ist vergriffen; siehe andere Ausgabe
Beschreibung
Georgien und seine Nachbarländer Armenien und Aserbaidschan liegen am äußersten östlichen Rand Europas. Es sind uralte Kulturländer und zugleich höchst lebendige Staaten, die sich zwanzig Jahre nach ihrer Loslösung von der Sowjetunion auf einem kurvenreichen Weg in die Moderne befinden. Stephan Wackwitz, Leiter des Goethe-Instituts in Tiflis, erlebte in Georgien den Machtwechsel 2012 und beobachtet den alltäglichen Kampf um Demokratie und Menschenrechte. Er beschreibt, wie ein immenser Bauboom das Gesicht der Städte für immer verändert. Vor allem aber spürt er den besonderen Atmosphären im Herzen des eurasischen Kontinents nach, wo sich nicht nur Westen, Osten und Süden, sondern auch alle Zeiten magisch zu mischen scheinen.
'Die hier versammelten Stücke sind zwischen September 2011 und Juni 2013 in Georgien entstanden, einer Zeit, die hierzulande mehr und erstaunlichere Veränderungen mit sich gebracht hat, als man im Westen unter demokratischen Bedingungen für möglich hält. Besucher, die ein Jahr lang nicht mehr in Tiflis waren, erkennen das Straßenbild nicht wieder. Georgische Politiker, die 2011 fast allmächtig schienen, sitzen 2013 in Untersuchungshaft. Wir Bürger der reichen und freien Gesellschaften diesseits und jenseits des Atlantiks vergessen manchmal, dass Demokratie ein Experiment und der Ausgang von Experimenten offen ist. Der postsowjetische Transformationsprozess im Südkaukasus kann uns daran erinnern. Insofern ist dieses Buch nicht mehr als ein zeithistorischer Zwischenbescheid. Es besteht aus subjektiven Beobachtungen und Reflexionen eines ausländischen und sprachunkundigen fellow travellers während einer kurzen Etappe jener unsicheren und vielfältig gefährdeten Reise eines Landes, deren Ziele Demokratie und Moderne heißen. Ob und wie diese Ziele erreicht werden, ist nirgends ausgemacht. Und dauerhaft erreicht werden sie nie. Aber die georgische Gesellschaft ist aufgebrochen, und wenn ich mich auf meine politischen Intuitionen verlassen kann, war ich in den letzten beiden Jahren Zeuge der Selbstfindung eines neuen Mitglieds in der internationalen Familie der interessanten, widersprüchlichen, rührenden, neurotischen und kreativen Gesellschaften, die wir - wahrscheinlich in Ermangelung eines besseren Worts - als Demokratien bezeichnen.' Stephan Wackwitz
'Die hier versammelten Stücke sind zwischen September 2011 und Juni 2013 in Georgien entstanden, einer Zeit, die hierzulande mehr und erstaunlichere Veränderungen mit sich gebracht hat, als man im Westen unter demokratischen Bedingungen für möglich hält. Besucher, die ein Jahr lang nicht mehr in Tiflis waren, erkennen das Straßenbild nicht wieder. Georgische Politiker, die 2011 fast allmächtig schienen, sitzen 2013 in Untersuchungshaft. Wir Bürger der reichen und freien Gesellschaften diesseits und jenseits des Atlantiks vergessen manchmal, dass Demokratie ein Experiment und der Ausgang von Experimenten offen ist. Der postsowjetische Transformationsprozess im Südkaukasus kann uns daran erinnern. Insofern ist dieses Buch nicht mehr als ein zeithistorischer Zwischenbescheid. Es besteht aus subjektiven Beobachtungen und Reflexionen eines ausländischen und sprachunkundigen fellow travellers während einer kurzen Etappe jener unsicheren und vielfältig gefährdeten Reise eines Landes, deren Ziele Demokratie und Moderne heißen. Ob und wie diese Ziele erreicht werden, ist nirgends ausgemacht. Und dauerhaft erreicht werden sie nie. Aber die georgische Gesellschaft ist aufgebrochen, und wenn ich mich auf meine politischen Intuitionen verlassen kann, war ich in den letzten beiden Jahren Zeuge der Selbstfindung eines neuen Mitglieds in der internationalen Familie der interessanten, widersprüchlichen, rührenden, neurotischen und kreativen Gesellschaften, die wir - wahrscheinlich in Ermangelung eines besseren Worts - als Demokratien bezeichnen.' Stephan Wackwitz
Rezensionen / Stimmen
eines der klügsten und schönsten Bücher, die ich im letzten Jahrzehnt über den Kaukasus gelesen habe.Das Schreiben von Essays ist eine Kunst, und kaum ein anderer deutscher Autor beherrscht sie so gut wie Stephan Wackwitz.
Mit umfassender Belesenheit und Bildung macht Wackwitz sich ans landes- und gefühlskundliche Forschen, wodurch er Atmosphären und Architekturen überhaupt erst lesbar macht und analytisch erschließt.
Es ist ein Verdienst von Stephan Wackwitz dem bleibenden Reiz der Region in einer beeindruckend präzisen historischen Tiefendimension nachgespürt zu haben.
Mit leichter Hand erzählt er Geschichtliches, packend berichtet er über Politisches [.]. Vor allem aber beschreibt er mit klugem Blick, wie Architektur aussieht, die einer Ideologie gehorcht.
Stephan Wackwitz gehört zu den besten deutschsprachigen Essayisten. (.) Die Neuentdeckung einer großen Landschaft.
Wackwitz erkundet die Städte als aufmerksamer urbaner Wanderer, der in seinem geistigen Gepäck historisches Wissen und eine hohe selbstreflexive Bildung mit sich führt.
Es gibt im gegenwärtigen Deutschland wohl keinen zweiten Autor, der wie Stephan Wackwitz Kopf- und reale Reisen so elegant in Einklang zu bringen vermag.
Weitere Details
Sprache
Deutsch
Verlagsort
Deutschland
Produkt-Hinweis
mit Schutzumschlag (bedruckt)
Maße
Höhe: 20.8 cm
Breite: 13.4 cm
Dicke: 2.2 cm
Gewicht
372 gr
ISBN-13
978-3-10-091060-8 (9783100910608)
Schweitzer Klassifikation
Weitere Ausgaben
Andere Ausgaben

E-Book
02/2014
1. Auflage
S. Fischer
9,99 €
Als Download verfügbar
Person
Autor*in
Stephan Wackwitz, geboren 1952 in Stuttgart, studierte Germa-nistik und Geschichte in München und Stuttgart. Er leitet heute das Goethe-Institut in Tiflis, nach Stationen in Frankfurt am Main, Neu Delhi, Tokio, München, Krakau, Bratislava
und New York. Neben zahlreichen Aufsätzen erschienen von ihm Romane (>Die Wahrheit über Sancho Pansa<, >Walkers Gleichung<), autobiographische Bücher (>Ein unsichtbares Land<, >Neue Menschen<) sowie die Reisebücher >Tokyo. Beim Näherkommen durch die Straßen<, >Osterweiterung< und >Fifth Avenue<.