Wie ich Livingstone fand

Reisen und Entdeckungen in Zentral-Afrika
 
 
edition erdmann ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
  • erschienen am 7. September 2021
 
  • Buch
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  • Softcover
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  • 367 Seiten
978-3-7374-0067-1 (ISBN)
 
Als der junge Reporter Henry Morton Stanley 1869 von seinem exzentrischen New Yorker Verleger ins Pariser Grand Hotel bestellt wird - wo er seinen Chef im Schlafanzug vorfindet -, ahnt er nichts vom gigantischen Ausmaß des abenteuerlichen Auftrags, der sein Leben verändern wird. Seine Mission, koste es was es wolle: von Sansibar aus an der Spitze eines hundertköpfigen Suchtrupps ins Innere des »Schwarzen Kontinents« vordringen, um den verschollenen Afrikaforscher David Livingstone zu finden. Der Gewaltmarsch durch Dschungel und Savanne fordert seinen Tribut: ein Großteil von Stanleys Begleitern desertiert, meutert oder fällt Tropenkrankheiten zum Opfer. Nach acht lebensgefährlichen Monaten findet er am 10.11.1871 im kleinen Dorf Ujiji am Tanganjikasee endlich den von vielen bereits Totgesagten. Stanleys trocken-ironische Begrüßungsformel - »Dr. Livingstone, nehme ich an?« - geht in die Geschichte ein. Der junge Reporter rettet dem berühmten Afrikaforscher das Leben und dank Livingstones Einfluss entwickelt sich Stanley später selbst zum renommierten Afrikaforscher. Egal ob man heute Stanleys Route auf der Suche nach Livingstone folgt oder die vielen Stationen von Livingstones Expeditionen entdeckt - überall findet man atemberaubende Natur, deren einzigartige Schönheit in Natur- und Nationalparks gewürdigt und geschützt wird. Von den von Livingstone entdeckten Victoriafällen in Sambia - heute UNESCO Weltnaturerbe - bis zu den Nationalparks - Gombe-Stream und Mahale Mountains - am Tanganjikasee: traumhafte Natur pur.
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Henry Morton Stanley (1841-1904), geboren als John Rowlands in Wales, war ein britisch-amerikanischer Journalist, Autor und Afrikaforscher. Mit 17 Jahren wanderte er nach Amerika aus. Nachdem er im amerikanischen Bürgerkrieg erste Erfahrungen als Journalist gesammelt hatte, heuerte ihn der Verleger James Gordon Bennett Jr. für den New York Herald an und sandte ihn auf die Suche nach Livingstone. Stanleys Reiseberichte aus Afrika, vor allem Die Entdeckung des Kongo, dienten wahrscheinlich als Quelle für Joseph Conrads Heart of Darkness.
Livingstone und Stanley - Begegnung als Schicksal | Einleitung | 1. Kapitel | 2. Kapitel | 3. Kapitel | 4. Kapitel | 5. Kapitel | 6. Kapitel | 7. Kapitel | 8. Kapitel | Karte eines Teils von Ostafrika | Worterklärungen | Quellen und Literatur
Am 16. Oktober 1869 war ich von den Kämpfen bei Valencia soeben in Madrid angekommen. Um 10 Uhr vormittags überreicht mir Jacopo, in Nr. - Calle de la Cruz, ein Telegramm, welches lautet: »Kommen Sie sofort nach Paris wegen wichtiger Geschäfte.« Das Telegramm ist von James Gordon Bennett jun., dem jungen Direktor des »New York Herald«. Schleunigst nehme ich meine Bilder von den Wänden meiner im zweiten Stock gelegenen Zimmer, packe meine Bücher und Andenken, meine hastig zusammengerafften, teils halb gewaschenen, teils noch nicht getrockneten Kleider in meine Koffer, und nach ein paar Stunden eiliger und angestrengter Arbeit ist mein Gepäck geschnürt und nach Paris signiert. Um 3 Uhr nachmittags war ich unterwegs, und da ich in Bayonne einige Stunden Aufenthalt hatte, kam ich in Paris erst in der folgenden Nacht an. Ich ging direkt ins Grand Hotel und klopfte an Herrn Bennetts Tür. »Herein!«, rief eine Stimme. Bei meinem Eintritt fand ich Herrn Bennett im Bett. »Wer sind Sie?«, fragte er. »Mein Name ist Stanley«, antwortete ich. »Ach ja! Nehmen Sie Platz. Ich habe ein wichtiges Geschäft für Sie.« Nachdem er sich den Schlafrock umgeworfen, fragte mich Herr Bennett: »Wo, glauben Sie, dass Livingstone sich aufhält?« »Ich weiß es wirklich nicht.« »Glauben Sie, dass er am Leben ist?« »Kann sein, kann aber auch nicht sein«, antwortete ich. »Ich glaube, er ist am Leben und man kann ihn finden, und ich will Sie ausschicken, um ihn aufzusuchen.« »Was?«, sagte ich, »Sie meinen wirklich, dass ich imstande bin, Dr. Livingstone aufzufinden? Sie meinen, dass ich nach Zentralafrika gehen soll?« »Jawohl, ich meine, dass Sie hingehen und ihn aufsuchen sollen, wo Sie ihn nur immer vermuten können, dass Sie dann alle Nachrichten, die Sie von ihm erhalten können, sammeln. Und vielleicht«, fügte er in nachdenklichem Ton hinzu, »ist der alte Mann in Not. Nehmen Sie genug mit sich, um ihm beizustehen, wenn er dessen bedarf. Natürlich werden Sie nach eigenem Plan handeln und das tun, was Sie für das Beste halten, aber - finden Sie Livingstone!« »Aber«, sagte ich in Verwunderung über den kaltblütigen Befehl, mit dem man einen Menschen nach Zentralafrika schickte, um einen Mann aufzusuchen, den ich wie die meisten für tot hielt, »haben Sie ernstlich die große Ausgabe überlegt, der Sie sich für diese kleine Reise aussetzen?« »Was wird es kosten?«, fragte er kurz. »Burtons und Spekes Reise nach Zentralafrika hat 3000 bis 5000 Pfd. St. gekostet, und ich denke, man kann die Reise nicht für weniger als 2500 Pfd. St. machen.« »Gut, da will ich Ihnen sagen, was zu tun ist. Erheben Sie zunächst 1000 Pfd., und wenn Sie die verbraucht haben, trassieren Sie wieder 1000 Pfd., und wenn diese verausgabt sind, abermals 1000 Pfd., und wenn Sie damit zu Ende sind, noch 1000 Pfd. usw., aber - finden Sie Livingstone!« Erstaunt, aber nicht irregemacht durch diesen Befehl - denn ich wusste, dass, wenn Herr Bennett einmal zu etwas entschlossen war, er nicht leicht von seinem Plan abging -, meinte ich doch, da es ein solches Riesenunternehmen war, dass er noch nicht völlig die Gründe und Gegengründe bei sich erwogen habe, und sagte: »Ich habe gehört, dass, wenn Ihr Vater stirbt, Sie den >Herald< verkaufen und sich vom Geschäft zurückziehen wollen.« »Wer Ihnen das gesagt hat, hat Sie falsch informiert, denn es gibt gar nicht Geld genug in New York, um den >New York Herald< zu kaufen. Mein Vater hat ihn zu einer großen Zeitung gemacht, aber ich gedenke, ihn noch bedeutend zu vergrößern. Ich wünsche, dass er eine Zeitung in dem wahren Sinne des Wortes werde. Ich meine, dass er alles bringen soll, was die Welt interessiert, gleichviel was das kosten möge.« Ich erwiderte ihm: »Dann habe ich nichts weiter zu sagen. - Meinen Sie, dass ich direkt nach Afrika gehen soll, um Dr. Livingstone aufzusuchen?« »Nein; ich wünsche, dass Sie sich zuerst zur Einweihung des Suez-Kanals begeben und dann den Nil hinaufgehen. Ich höre, dass sich Baker gerade nach Oberägypten begibt; suchen Sie alles über seine Expedition zu erfahren, was Sie können, und wenn Sie den Nil hinaufgehen, beschreiben Sie möglichst genau alles, was für Touristen von Interesse ist. Schreiben Sie einen Führer, einen recht praktischen, für Unterägypten, in dem Sie uns alles berichten, was es dort Sehenswertes gibt. Dann könnten Sie auch nach Jerusalem gehen, Kapitän Warren soll dort eben einige interessante Entdeckungen machen. Besuchen Sie darauf Konstantinopel und berichten Sie über die zwischen dem Khediven und dem Sultan herrschenden Schwierigkeiten. Dann können Sie ja wohl auch die Krim und die alten Schlachtfelder dort besuchen. Gehen Sie durch den Kaukasus ans Kaspische Meer, dort sollen die Russen eine Expedition gegen Chiwa ausrüsten. Von da können Sie durch Persien nach Indien gehen und uns einen interessanten Bericht aus Persepolis schreiben. Bagdad liegt dicht an Ihrem Wege nach Indien; wie wäre es, wenn Sie dort hingingen und uns etwas über die Euphrattal-Eisenbahn berichteten. Wenn Sie dann in Indien gewesen sind, können Sie sich nach Livingstone umschauen. Vermutlich werden Sie bis dahin gehört haben, dass er sich auf dem Rückwege nach Sansibar befindet, wenn nicht, so gehen Sie ins Innere und suchen Sie ihn dort. Wenn er am Leben ist, versuchen Sie, von ihm soviel Nachrichten wie möglich über seine Entdeckungen zu erlangen, und wenn er tot ist, bringen Sie alle möglichen Beweise für seinen Tod mit. Das ist alles. Gute Nacht und Gott sei mit Ihnen!«

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