Künstliche Intelligenz und Maschinisierung des Menschen

 
 
Herbert von Halem Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Mai 2020
 
  • Buch
  • |
  • 195 Seiten
978-3-86962-512-6 (ISBN)
 
Fast jeder hat Erfahrungen mit Siri, Alexa oder anderen Chatbots. Doch was geschieht, wenn ein Mensch einen Chatbot in einen Dialog über Philosophie verwickelt? Kann man mit künstlichen Intelligenzen (KI) überhaupt über Bewusstsein, Erinnerung und philosophische Theorien der Zeit diskutieren?

Ja, man kann - zumindest der Form nach. Und das gleich zweimal: Mit den beiden Loebner-Preis für KI dekorierten Chatbots Rose und Mitsuku. Ob das geistreich ist? Das muss jeder für sich entscheiden. Ob das unterhaltsam ist? Ja - allerdings eher unfreiwillig. Im systematischen Teil des Essays werden die Dialoge ausgewertet. Dabei wird der gegenwärtige Hype um KI als maßlose Übertreibung sichtbar, ein Goldrausch der KI gewissermaßen, übrigens von Menschen und ihren allzu menschlichen Interessen veranlasst.

Die Begriffe rund um das Thema KI werden im Buch weggeholt von der Behauptung der Singularität, der Disruption oder der versteckten Science Fiction - zurück auf den Boden der funktionalen Tatsachen einer gleichwohl beachtlichen Innovationsspirale: Automatisierung, Standardisierung und maschinelles Verarbeiten von großen Echtzeit-Daten sind aktuell die sachgemäßen Beschreibungen des gegenwärtigen KI-Rauschs. Doch eigentlich geht es beim KI-Rausch um etwas anderes: Die Maschinisierung des Menschen durch Standardisierung, Automatisierung und verbesserte Kontrolle zur fortschreitenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, ermöglicht durch Algorithmen, Datafizierung und digitale Technologie in bisher ungeahnter Wirkmächtigkeit.

Der Essay enthält dazu fünf Thesen:

These 1: Maschinen werden immer effizienter im Automatisieren - oder: die Automatisierung der Automatisierung.

These 2: Trotz Automatisierung der Automatisierung: Maschinen sind nicht geistreich intelligent.

These 3: Menschen werden als Datenhaufen ausgemessen - und damit zu Datenhaufen gemacht.

These 4: Datenhaufen quo vadis? Von der Präferenz-Erfassung zum "hackable animal".

These 5: Synthese = Die Maschinisierung der Menschen - zur Bahnung der KI.

Fazit: Mit den künstlichen Intelligenzen verhält es sich wie mit künstlichen Tränen: Sie erfüllen einen instrumentellen Zweck, der aber in keiner Weise mit jenen schillernden Gefühlen verbunden ist, die wir in Freude oder Trauer empfinden - und die uns zum Menschen machen. Alles andere ist Budenzauber oder Desinformation.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • Ein allgemein interessiertes Publikum zu drängenden Fragen der Zeit, wie hier Digitalisierung und insbesondere künstliche Intelligenz.
  • Klebebindung
  • Höhe: 190 mm
  • |
  • Breite: 122 mm
  • |
  • Dicke: 12 mm
  • 195 gr
978-3-86962-512-6 (9783869625126)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Peter Seele (*1974) ist Ordinarius für Wirtschaftsethik an der Universität der italienischen Schweiz (USI Lugano). Studium der Wirtschaftswissenschaften (Dipl.) und Philosophie/ ev. Theologie (Magister) an der Universität Oldenburg und an der Delhi School of Economics, Indien. Promotion in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke (2003 bei B. Priddat und R. zur Lippe) und in Philosophie an der Universität Düsseldorf (2006 bei C. Kann und D. Birnbacher). Zwei Jahre tätig als Unternehmensberater, darauf Post-Doc am KWI Essen, Assistenzprofessor an der Universität Basel und seit 2011 an der USI Lugano.
VORWORT DES HERAUSGEBERS STEPHAN RUSS-MOHL11 EINLEITUNG: PERSÖNLICH, THEMATISCH UND IN ZAHLEN 15 Vorab: Warum der Begriff >KI< ein Marketingtrick ist - seit Anbeginn 15 Eine persönliche Einleitung zur >Roboteretikette<: Ich und Rose 18 Thematische Einleitung: Intelligenz und was heißt hier >künstlich<? 20 Menschen und Maschinen: eine Einleitung in Daten und Zahlen 24 ERSTER TEIL: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND IHRE VERMESSUNG 27 Fake-künstliche Intelligenz aus dem 18. Jahrhundert: »der mechanische Türke« 30 Siris One-Shot-Intelligenz 32 Cleverbots und >Warten auf Godot<. Eben: Warten...38 Microsofts Deep-Learning-Desaster - oder: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern 41 Googles unfreiwilliges KI-Rassismus-Desaster 43 Bewusst ausgelöste KI-Rassismus-Desaster im öffentlichen Diskurs: Die >Google-Bombe< 45 Hey Alexa; Hey Google - gefangen in der Endlosschleife. Oder: Pleiten, Pech und Pannen in der jüngeren KI 47 Ein Meilenstein der Mensch-Maschine-Beziehungen: der geköpfte hitchBOT 50 Deep Learning und die Stimme der Kritiker: Doch nur ein unbedeutendes Werkzeug? 51 Vergleich der kommerziellen Systeme und die Frage nach dem Humor 52 Feminismus à la KI 54Persönlichkeits-Extrapolation:Wie ein Toter als Chatbot weiterlebt 56 Eine intelligente Rede halten - Das wär's, oder? 58 »Reden wir mit ihnen« 63 ZWEITER TEIL: WIE FORDERT MAN KIS IN EINEM PHILOSOPHISCHEN DIALOG HERAUS? ZWEI EXPERIMENTE 66 Der Chat mit Rose 69 Der Chat mit Mitsuku 100 Zwischenfazit: Gibt es Ergebnisse des Dialog-Tests für künstliche Intelligenz? 128 DRITTER TEIL: 5 THESEN ZUR MASCHINISIERUNG DES MENSCHEN UND DIE THEORIE DER DOPPELTEN KONVERGENZ DER INTELLIGENZ 131 These 1: Die Maschinen werden immer effizienter im Automatisieren - oder: die Automatisierung der Automatisierung 134 These 2: Trotz Automatisierung der Automatisierung: Die Maschinen sind nicht geistreich intelligent 136 These 3: Menschen werden als Datenhaufen ausgemessen - und damit zu Datenhaufen 141 These 4: Datenhaufen - quo vadis? Von der Präferenz-Erfassung zum >hackable animal< 147 These 5: Synthese = Die Maschinisierung des Menschen - zur Bahnung der KI 151 VIERTER TEIL: (SUBJEKTIVE) SCHLUSSFOLGERUNGEN FÜR DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND MASCHINE 173 Personen und »Viecher«: ein Plädoyer für Respekt gegenüber jedweder Intelligenz 173 Die doppelte Konvergenz der Intelligenz wirft uns auf die eigene Moral gegenüber der Maschine zurück: eine Erinnerung an Frog in a Blender 178 NACHTRAG: WESHALB ÜBERHAUPT NOCH EIN BUCH ZU KI IM ÖFFENTLICHEN DISKURS? 181 LITERATUR 185

Sofort lieferbar

21,00 €
inkl. 7% MwSt.
In den Warenkorb