Der Räuber Papedönke und das Mädchen

Sagen rund um Brüsewitz
 
 
EDITION digital (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 1. Februar 2021
 
  • Buch
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  • Softcover
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  • 87 Seiten
978-3-96521-298-5 (ISBN)
 

Es gilt einen Schatz zu heben. Einen Sagenschatz: Wie ist es den Menschen in und um Brüsewitz in früheren Zeiten ergangen? Was hat sie bewegt? Was haben sie erlebt? Und wie haben sie Erlebtes weitererzählt? Auskunft darüber geben mündliche Nachrichten, die im Dorfkrug und beim Kirchgang ausgetauscht wurden, immer wenn sich Menschen oder die Familien trafen. Kamen Fremde ins Dorf, so wurden ihre Erzählungen begierig aufgenommen und weitererzählt. Das so Gesagte wurde zu Sagen, die über die Jahrhunderte hinweg manchmal in Vergessenheit gerieten. Dafür entstanden andere, neue Sagen.

Erfahren Sie von und erfreuen Sie sich zum Beispiel an den Geschichten vom armem Hütejungen aus Brüsewitz und dem Silberglöckchen mit dem lieblichen Ton, vom betrogenen Bleichermädchen, von der Raubburg bei Zarrentin, deren Bewohner vor allem Lübecker Kaufleute überfielen und umbrachten, vom folgenreichen Tanz vor dem Altar und von einem Gottesurteil bei Wittenburg im Jahre des Herrn 1351, das den Glauben an die Gerechtigkeit wiederhergestellt hat. Und lesen Sie vor allem vom weithin gefürchteten Räuber Papedönke, der einst Westmecklenburg bis ins Ratzeburger Land in Angst und Schrecken versetzte, ein junges Mädchen zwang, seine Frau zu werden und ihm sieben Söhne zu gebären, denen er aber gleich nach ihrer Geburt die Köpfe abschnitt.

Insgesamt 37 Sagen warten auf ihre Schatzhebung. Adelheid Schwichtenberg hat sie gesucht und gefunden, sortiert und für heutige Leserinnen und Leser neu und liebevoll nacherzählt.

  • Deutsch
  • Pinnow
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  • Deutschland
  • 12 farbige Abbildungen
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  • 12 farbige Abbildungen
  • Höhe: 211 mm
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  • Breite: 149 mm
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  • Dicke: 12 mm
  • 234 gr
978-3-96521-298-5 (9783965212985)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Adelheid Schwichtenberg wurde am 26. Mai 1942 in dem Dorf Kazimierek geboren. Gemeinsam mit ihren Eltern gelangte sie Ende 1948 aus Polen nach Deutschland und nach Mecklenburg, wo sie in Augustenhof bei Pinnow ein neues Zuhause fanden. Noch im selben Jahr wurde sie dort auch eingeschult und absolvierte nach der Mittelschule 1958 bis 1960 eine Lehre als Krankenpflegerin. Nach den folgenden zwei Jahren an der ABF Rostock legte sie in der Hansestadt das Abitur ab und studierte von 1963 bis 1967 an der Pädagogischen Hochschule Güstrow. Ihre berufliche Laufbahn als Lehrerin begann sie in Gadebusch, weitere Stationen waren Perleberg, Schwerin, Parchim und von 1982 bis zur Wende wieder Schwerin. Schwichtenberg unterrichtete vornehmlich Biologie und Deutsch. Zwischen Wende und Rente war sie dann für die "Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung" tätig. Ihr Interesse für die heimischen Sagen hatte bereits früh ihr Pinnower Lehrer Hans Stamer geweckt, der während der Schulwandertage Geschichten "rund um den Pinnower See" erzählte. Einige davon brachte EDITION digital unter dem Titel "Die Burg im See" als Buch und E-Book heraus. Später holte sie Dr. Jürgen Borchardt zum Kulturverein Sagenland Mecklenburg-Vorpommern e.V., in dem sie nach wie vor aktiv ist: "Sagen sind ein bedeutendes Kulturgut unserer Heimat. Wir sollten darauf achten, dass es nicht verloren geht", so Schwichtenberg. Ihre Sagen-Sammlung "Papedönke" ist die erste Veröffentlichung der in Schwerin lebenden Autorin. Adelheid Schwichtenberg ist verwitwet und hat zwei erwachsene Kinder.
Brüsewitz - der Ort der Birken; Brüsewitz - aus seiner Geschichte; Die Sagen; Das Silberglöckchen; Der Bauer als Gläubiger; Der Räuber Papedönke und das Mädchen; Das Bleichermädchen; Die Raubburg bei Zarrentin; Ein Gottesurteil zu Wittenburg; Das Riesenspielzeug; Puck, der Poltergeist; Der Glockenguss; Die tanzenden Mädchen vor dem Altar; Das Hemd des Toten; Am Sarg des Toten; Der Spökenkieker; Der Spuk in der Kirche; Die Maränen von Zarrentin; Der Gotteslohn; Der gefundene Schatz; Zwei Brüder im Duell; Der Goldschatz aus Schwerin; Der Glockendiebstahl; Die Sage von Lustig Kiekut bei Böken; Der furchtlose Müllergeselle; Der Hexenzaum; Die Hexe von Camin bei Wittenburg; Der Freischütz und sein Lehrling; Der Jäger als Freischütz; Der Musikant in der Wolfsgrube; Ewig leben; Der gottlose Ackersmann; Eine Frau wird in Stein verwandelt; Der Raub der Schlangenkrone; Der Traum vom Schatz auf der Brücke; Der Bauer und der Werwolf; Die Müllerin überlistet die Wölfe; Das versunkene Mühlen Eichsen; Der Fuchsriemen; Von den drei Kuchen.

Der Bauer und der Werwolf

In dem Dorfe Vietlübbe lebte vor mehr als hundert Jahren ein Bauer, der sehr beherzt und auch umsichtig war. Dieser ritt eines Tages nach der benachbarten Stadt Gadebusch, um dort mehrere Einkäufe zu machen.

Er hatte sich ziemlich lange in der Stadt aufgehalten. Es wurde schon dunkel, als er den finsteren Tannenwald erreichte, durch den ihn sein Weg führte. Und als er durch den Gadebuscher Bach ritt, der über den Weg fließt und an beiden Ufern mit dichtem Erlengebüsch und Birken bewachsen ist, wurde sein Pferd plötzlich unruhig und ängstlich und wollte nicht weiter vorwärtsgehen. Erstaunt über dies ungewohnte Benehmen des sonst gar nicht scheuen Tieres wollte er schon absteigen, um es am Zügel zu führen, als plötzlich aus dem Dickicht ein Wolf hervorsprang und wütend nach dem Pferd schnappte. Der erschrockene Bauer hatte es gar nicht nötig, das Pferd zur eiligen Flucht anzutreiben. Das Pferd lief nun so schnell es konnte, um seinem gefährlichen Feind zu entrinnen. Allein bald waren seine Kräfte erschöpft, so dass der Verfolger es wieder eingeholt hatte und gierig in die Höhe sprang, um ihm die Gurgel aufzureißen.

Da fiel dem Bauern ein, dass er seit vielen Jahren nichts mehr gehört hatte, dass es in dieser Gegend noch Wölfe im Wald gab. Es konnte also nur ein Werwolf sein, nämlich ein Mensch, der sich durch Zauberei in einen Werwolf verwandeln könne. Es ging nämlich das Gerücht im Dorfe um, sein Nachbar sei ein solcher Zauberer, der sich öfters in einen Werwolf verwandele und als solcher die benachbarten Wälder durchstreife und manche Beute nach Hause bringe. Nun hatte ihm ein kluger Mann gesagt, ein solcher Werwolf müsse augenblicklich seine Menschengestalt annehmen und könne keinen weiteren Schaden anrichten, wenn er bei seinem Taufnamen angerufen würde. Als daher der Wolf jetzt sein Pferd wieder angriff und es zu zerfleischen drohte, rief der Bauer rasch: "Bist du das, Ernst N.?"

Kaum waren diese Worte aus seinem Munde, als der Wolf sich in einen Menschen verwandelte und sein Nachbar, dessen Namen er ausgesprochen hatte, zitternd vor ihm stand und ihn flehentlich bat, er möge diese Begebenheit doch nicht erzählen, er wolle ihm auch nie wieder etwas zuleide tun, auch den Schaden, den das Pferd durch seine Bisse erlitten hat, wolle er ersetzen. Der Bauer gab ihm das Versprechen des Schweigens, aber erst nachdem der Nachbar gelobt hatte, sich nie wieder in einen Werwolf zu verwandeln, was er wohl auch gehalten haben wird. Denn danach ist in dieser Gegend nie wieder ein Werwolf aufgetaucht, jedenfalls hat niemand wieder etwas von einem Werwolf gehört.

Der Ort Vietlübbe wird erstmals 1230 als Fitelube erwähnt. Der Name kommt aus dem slawischen und bedeutet "Ort der Familie Vitolub" oder "Ort des Vitelub, des Gewinnliebenden". Eine besondere Sehenswürdigkeit in diesem Ort ist die spätromanische Kirche aus dem zwölften Jahrhundert.


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