Kinder der Charité

 
 
Steidl (Verlag)
  • erscheint ca. im Oktober 2020
 
  • Buch
  • |
  • Hardcover
  • |
  • 96 Seiten
978-3-95829-789-0 (ISBN)
 
Es ist nicht einfach, sich diesen Fotografien zu nähern, die Konrad Rufus Müller 1999 im Medizinhistorischen Museum der Berliner Charité aufgenommen hat. Unsere Blicke wandern über Hydrozephali (Wasserköpfe) und Anenzephali (Totgeburten ohne Großhirn), Wesen mit und ohne Menschenähnlichkeit, die uns mit blicklosen Augen aus Behältern mit Formalin-Glycerin anschauen. Sie sind Launen der Natur, mit ihrer vergilbten Haut und missgebildeten Körpern. Und doch schauen wir zurück, begegnen diesen Föten ratlos und mitfühlend. Wir erkennen innige Gesten dieser Kinder und die Tragik, die darin liegt, dass sie zuerst den Tod und nicht das Leben kannten. Die moderne Medizin hat totgeborenen Föten scheinbar erst spät die Menschlichkeit zuerkannt: Noch im Jahre 1999 wurden sie einfach mit dem organischen Abfall verbrannt. Mittlerweile ist es möglich, sie zu bestatten. Konrad Rufus Müller hält uns mit seinen Bildern diese Kinder vor Augen und zeigt, dass es unser Blick ist, der die Kraft besitzt, ihre Erscheinung umzuformen - der kühne, der liebende Blick. Begleitet werden die 25 Fotografien von dem so berührenden wie aufschlussreichen Essay »Was ist Leben?« von Roger Willemsen.
  • Deutsch
  • Göttingen
  • |
  • Deutschland
  • Halbeinband
  • Höhe: 31.5 cm
  • |
  • Breite: 25.5 cm
978-3-95829-789-0 (9783958297890)
Konrad Rufus Müller, geboren 1940 in Berlin-Wilmersdorf, gehört zu den renommiertesten deutschen Porträtfotografen der Nachkriegszeit. Er hat u.a. alle Bundeskanzler fotografiert und über Jahrzehnte Aufnahmen von Autoren, Musikern, Schauspielern, Bergsteigern, Einsiedlern und anderen gemacht. Seine Landschaftsaufnahmen und Reportagen waren in der Süddeutschen Zeitung, ZEIT, STERN, Profil, L'Express und TIME Magazine zu sehen. Eines seiner wichtigsten Projekte war eine Porträtserie von Holocaust-Überlebenden.

Roger Willemsen (1955-2016) geboren in Bonn, war Schriftsteller und Publizist und machte sich in den 1990er Jahren auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen einen Namen. Er wurde vielfach ausgezeichnet und veröffentlichte zahlreiche Bestseller. Willemsen starb 2016 in Wendorf bei Hamburg. Er zählte zu Deutschlands bekanntesten und beliebtesten Intellektuellen.

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