Ein Land, genannt die DDR

Vom Alltag im anderen Deutschland
 
 
Fischer Taschenbuch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. November 2007
 
  • Buch
  • |
  • Softcover
  • |
  • 208 Seiten
978-3-596-17522-2 (ISBN)
 
Es gibt sie noch - das spüren sogar die nach 1989 Geborenen, auch wenn manche schon gar nicht mehr wissen, wofür das Kürzel DDR steht: Deutsche Demokratische Republik. Dieses untergegangene Land ist immer noch seltsam präsent: als Lebensgeschichte von Menschen, als Summe gelebten Lebens - im Osten wie im Westen. Grund genug, einmal aufzubrechen und unter kundiger Führung dorthin zurück zu reisen.
Dabei lässt sich entdecken, dass die DDR sehr widersprüchlich und vielgestaltig ist. Am besten lernt man sie in Geschichten von Menschen kennen, deren Leben von der DDR geprägt ist. Sie erzählen von ihrer Kindheit im hoffnungsfrohen Sozialismus, von blauen Blusen und Winkelementen, von Brigaden und "Roten Salons", aber auch von dem Schrecken, wenn man entdeckt, dass der beste Freund ein Stasi-Spitzel ist.
Wenn wir sehen, was einmal war, verstehen wir vielleicht besser, was heute ist - damit mehr von der DDR bleibt als Spreewald-Gurken und Rotkäppchen-Sekt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Frankfurt
  • |
  • Deutschland
  • Höhe: 24 cm
  • |
  • Breite: 17 cm
  • |
  • Dicke: 16 mm
  • 443 gr
978-3-596-17522-2 (9783596175222)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ulrich Plenzdorf, geboren 1934 in Berlin. Nach seinem Studium an der DDR-Filmhochschule in Babelsberg arbeitete er als Drehbuchschreiber ("Die Legende von Paul und Paula"). Sein Roman "Die neuen Leiden des jungen W." (1972) ist eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher überhaupt. Zuletzt erschien 2004 sein Buch "Ich sehn mich so nach Unterdrückung". Ulrich Plenzdorf verstarb im August 2007 in Berlin.
Rüdiger Dammann, geboren 1959 in Hamburg, hat Soziologie und Völkerkunde studiert und ist seit vielen Jahren Lektor und Herausgeber politischer Bücher. Zuletzt erschienen von ihm »Zerissene Herzen. Die Geschichte der Juden in Deutschland« (zusammen mit Ingke Brodersen) und »1968. Die Revolte« (als Herausgeber zusammen mit Daniel Cohn-Bendit).
Inhalt

Rüdiger Dammann
Ballast der Republik Ein Vorwort
Die DDR ist immer noch lebendig, trotz aller Versuche, sie zum Verschwinden zu bringen: Sie ist präsent als Lebensgeschichte von Millionen Menschen. Es gibt aber noch eine andere DDR: Diese lastet als Ballast auf den Schultern derjenigen, für die die Vergangenheit endlich vergehen soll, oder sie spukt in den Köpfen derer, die sich die Mauer zurückwünschen. »Unsere« DDR ist widersprüchlich und vielgestaltig. Am Besten lernt man sie in Geschichten kennen. 11

Claus Leggewie
Die ehemalige Zukunft oderWarum Deutschland geteilt wurde
Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten die Siegermächte - Russen, Amerikaner, Engländer und Franzosen - das Deutsche Reich und teilten es unter sich auf. Sie wollten verhindern, dass Deutschland ein weiteres Mal seine Nachbarn überfällt. Aus dieser Vierteilung wurde bald eine Zweiteilung: Die Westzonen auf der einen, die sowjetische Besatzungszone auf der anderen Seite - woraus wiederum vier Jahre später, 1949, die beiden deutschen Staaten entstehen. Das klingt nach klaren Verhältnissen, war aber eine verwickelte Geschichte. 19

Holde-Barbara Ulrich
Good-bye StalinoderEin Gefühl von Glück
Bei der Nachricht von Stalins Tod herrscht betretenes Schweigen. Es ist das Jahr 1953, und die Autorin ist zwölf Jahre alt. Nur eine respektlose Murmel aus Stuttgart stört die Stille und rollt laut vernehmlich auf ihrem Stuhlsitz in der Aula einer Templiner Schule hin und her ... Kindheit in der DDR war eine aufregende Zeit: Junge Pioniere, Freundschaftsfeste und Maiaufmärsche ließen das Gefühl entstehen, an einem großen Projekt teilzuhaben. Aber mit dem Erwachsenwerden wuchs ein Unbehagen - über die Beschränkungen und Bevormundungen, über den Mangel an so vielen Dingen, die das Leben schöner machen könnten. Dennoch war der Alltag in der DDR nicht nur grau. 53

Erich Loest
Die letzte LügeoderDas dicht gesponnene Spitzel-Netz
Das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi genannt, war allgegenwärtig. Die Stasi hat Leute eingesperrt, auch den Autor, sie hat erpresst, betrogen, bespitzelt, sie konnte Familien zerstören und Berufswege beenden. Da viele Gerüchte im Umlauf waren, konnte man sich auf manche Situationen einstellen und die Schlapphüte ins Leere laufen lassen. Eines aber blieb unzweifelhaft schlimm: der Verrat. Wie geht man damit um, wenn man herausfindet, dass man von einem der besten Freunde im Auftrag der Stasi ausgeforscht wird? Die traurige Geschichte einer zerbrochenen Freundschaft. 89

Daniela Dahn
Wir wollen doch auch noch lebenoderDie Legende vom faulen Ossi
Der Dramatiker Heiner Müller erzählte gern folgende Geschichte: Ein Student aus Moskau fährt zum landwirtschaftlichen Praktikum auf eine ferne Kolchose hinterm Ural. Nach drei Tagen passt er den Chef ab und sagt: »Also Genosse Vorsitzender, so geht das nicht - eure Arbeitsabläufe, das sieht doch ein Blinder, was da alles zu beschleunigen wäre.« Darauf erwidert der Angesprochene gelassen: »Ach Söhnchen, das wissen wir ja alles. Aber wir wollen doch auch noch leben.« Das ist eine durchaus gesunde Einstellung, an der die DDRWirtschaft auch keineswegs zugrunde ging. Sie beruhte auf Werten, die den heutigen Marktwirtschaften fremd geworden sind - aber vielleicht ja einmal wiederentdeckt werden. 111

Alfred Roesler-Kleint
MauerträumeoderIm halben Land und der zerschnittenen Stadt
Viele Menschen im Land träumten von der Flucht - von Mini-U-Booten, gepanzerten Lastkraftwagen, Tunnelröhren oder Heißluftballons. In der Phantasie wurde die Mauer millionenfach überwunden, in der Wirklichkeit war das schwieriger. Dazu war sie zu gut gesichert. Als sie 1961 gebaut wurde, haben viele in der DDR die Maßnahme begrüßt, weil sie glaubten, dass der Sozialismus eine Art Schonfrist benötigte, um von außen unbeeinflusst aufgebaut werden zu können. Niemand hatte damals geahnt, dass sie 28 Jahre stehen bleiben würde. 143

Peter Ensikat
Wir waren das VolkoderAls ich die Wende verschlief
»Wahnsinn« war das Wort, das man am häufigsten hörte, als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt lag der Autor nichts ahnend in einem Hotelbett in Brüssel, wohin er zu einem Begräbnis hatte ausreisen dürfen. Gleich am nächsten Tag fuhr er zurück, um die Ereignisse mitzuerleben. Wann aber hat das, was man »die Wende« nennt, in der DDR eigentlich begonnen, und wann war sie vollendet? Hierüber gehen die Meinungen auseinander. Manche sagen, sie ist noch gar nicht vollendet, denn »was sich 1989 in den Armen lag, das liegt sich längst wieder in den Haaren«. 169

Ulrich Plenzdorf
Auf tote Hunde schießt man nichtEin Nachwort
Wie könnte man besser Geschichte schreiben, als dass man Geschichten erzählt? So, wie die Autoren dieses Buches. Denn all die Schlagworte, die reflexartig fallen, wenn von der DDR die Rede ist - Unrechtsstaat, Stacheldraht, Mauertote, SED-Regime - erzählen einem herzlich wenig über das wirkliche Leben, ja, sie verstellen eher den Blick darauf. Eine kurze Aufforderung zum Schluss, endlich die Wortwaffen ruhen zu lassen. 199

Zu den Autorinnen und Autoren Seite 201

Artikel ist vergriffen; siehe andere Ausgabe

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