Mikropolitik und Moral in Organisationen

Herausforderung der Ordnung
 
 
UTB (Verlag)
  • 2. Auflage
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  • erschienen im September 2006
 
  • Buch
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  • Softcover
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  • XVI, 617 Seiten
978-3-8252-2743-2 (ISBN)
 
Mikropolitik - als die auf eigenen Vorteil bedachte Instrumentalisierung Anderer in organisationalen Ungewissheitszonen - wird nicht auf personale Motive oder Haltungen zurückgeführt, sondern als sowohl flexible wie konstruktive Nutzung der Widersprüchlichkeit organisationaler Steuerungsprinzipien verstanden. Nach einem Resümee des empirischen Forschungsstandes wird dafür plädiert, die Erfassung und Differenzierung der mikropolitischen Taktiken in ein umfassendes Handlungsmodell einzubetten, das neben kognitiven Situationsrepräsentationen und Erfolgskalkülen weitere Bedingungen berücksichtigt. Mikropolitik scheint von vorneherein moralisch disqualifiziert zu sein, weil es ihr darum geht, Andere zum Mittel für eigene Zwecke zu machen. Die Reflexion von Mikropolitik aus den Perspektiven dominierender (wirtschafts-) ethischer Positionen erweist eine solche Pauschal-Verurteilung als einseitig und fragwürdig. Mit Blick auf die Möglichkeiten organisationaler Akteure werden drei pragmatische Strategien einer moralischen Rechtfertigung und Kultivierung von Mikropolitik erörtert: moralisches Satisfizieren, Moral lernen und den Widerstreit moralischer Prinzipien aushalten und nutzen.
2. neu bearb. A
  • Deutsch
  • Deutschland
  • Organisationstheorie, -soziologie und -psychologie; Personalwirtschaft, Lohnwesen, Mitbestimmung; Wirtschaftssoziologie, Arbeitssoziologie, Organisationssoziologie
  • Neue Ausgabe
  • Höhe: 216 mm
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  • 828 gr
978-3-8252-2743-2 (9783825227432)
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Oswald Neuberger war Lehrstuhlinhaber für Psychologie an der Wirtschatfswissenschaftlichen Fakultät der Univiersität Augsburg.
Abbildungsverzeichnis XIII Belegverzeichnis XV Tabellenverzeichnis XVII 1. Das Konstrukt Mikropolitik: Dimensionen, Bewertungen, Abgrenzungen 1 1.1. Mikropolitik als polarisierendes Thema 1 1.2. Was ist mit Mikropolitik gemeint? 4 1.2.1. Einige Mikropolitik-Definitionen 5 1.2.2. Welche Dimensionen liegen den Mikropolitik-Definitionen zu Grunde? 9 1.2.3. Die zusammenfassende Definition 18 1.3. Polity - Policy - Politics 27 1.3.1. Spielregeln - Spielstrategien - Spielzüge 27 1.3.2. Resümee 40 1.4. Positive und negative Funktionen der Mikropolitik 40 1.4.1. Mintzberg - Klein - Ferris; POPS & PSI 45 1.4.2. Ist Mikropolitik pathologisch? 48 1.4.3. Exkurs POP-Skala Zur Operationalisierung einer Mikropolitik-Definition 51 1.4.4. PSI (Political Skill Inventory) 55 1.5. Mikropolitik als abweichendes Verhalten 59 1.5.1. Kontraproduktives Arbeitsverhalten 63 1.5.2. Extra-Produktives Arbeitsverhalten 72 1.5.3. Ist kontraproduktives Verhalten das Gegenteil von extra-produktivem Verhalten? 76 1.5.4. Die Beziehung von kontraproduktivem und extra-produktivem Verhalten zu Mikropolitik 78 1.5.5. Die Landschaft der Mikropolitik: Zwei Ansichten 78 2. Mikropolitische Taktiken und Strategien 85 2.1. Die Erfassung mikropolitischer Taktiken 85 2.1.1. Eine kurze Geschichte der Entwicklung von Taktik-Inventaren: POIS und die Folgen 85 2.1.2. Weitere Taktik-Inventare: Beispiele und Synopsen 90 2.1.3. Alternative Erfassungsmethoden 97 2.2. Taktiken-Mix und Strategien 102 2.2.1. Taktiken-Kombinationen 102 2.2.2. Strategien 107 2.3. Wirkungsanalyse 111 2.4. Reflexion/Kritik 120 2.4.1. Methodologische und theoretische Vorentscheidungen bei der Erfassung von mikropolitischen Taktiken und Strategien 120 2.4.2. Zur Rolle der Operationalisierungen: Das Beispiel 'Rationales Argumentieren' 124 2.4.3. Kontextualisierung und Dekontextualisierung 127 2.4.4. Alternativen zu den Taktik-Listen? Direkter und indirekter Einfluss 132 2.4.5. Fiktionen beim Einsatz und der Erfassung von Taktiken und Strategien 138 2.5. Fazit 144 2.6. Anhang 145 3. Bedingungen der Möglichkeit von Mikropolitik 147 3.1. Mikropolitik: die kreative Nutzung organisationaler Spielräume 148 3.1.1. Bedingungsmodelle in der mikropolitischen Forschung 154 Die Berücksichtigung von Persönlichkeitsattributen 158 Die Berücksichtigung des organisationalen Kontexts 161 3.1.2. Überlegungen zur Merkmalsauswahl: Ein Demonstrationsbeispiel 163 3.1.3. Druck machen und Einschmeicheln: Wovon hängt der Erfolg ab? 166 3.2. Organisationale Ermöglichungsbedingungen mikropolitischer Taktiken 170 3.2.1. Antagonismen innerhalb und zwischen Steuerungsprinzipien 170 3.2.2. Vorüberlegungen zur Bedeutung von Information, Rationalität und Versprachlichung 176 3.3. Organisationale Steuerungsprinzipien: Diskussion der Polaritäten 184 3.3.1. Hierarchie und Autonomie 186 3.3.2. Formalisierung und Improvisation 189_ 3.3.3. Exkurs: Einfache und doppelte Kontingenz 193 3.3.4. Differenzierung und Integration 197 3.3.5. Komplexität und Simplizität 199 3.3.6. Kooperation und Konkurrenz 203 3.3.7. Extrinsische und intrinsische Motivation 206 3.3.8. Vernetzung und Vereinzelung 211 3.3.9. Facta und Ficta (Faktizität und Fiktionalität) 217 3.3.10. Wandel und Bewahrung 224 3.3.11. Einbettung und Abgrenzung 230 3.4. Zusammenfassung 235 4. Komponenten eines Handlungsstruktur-Modells 237 4.1. Mikropolitik aus der Perspektive einer sozialen Handlungstheorie 238 4.1.1. Die dyadische Grundstruktur einer Einflusssituation 242 4.1.2. Inhaltliche Erweiterung der Grundstruktur durch acht Handlungskomponenten 246 4.2. Diskussion der acht Komponenten des Handlungsstruktur- Modells 250 4.2.1. "Ich bin ich": Identität, ein Selbst sein 251 4.2.2. "Ich bin verkörpert": Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Materialisierung 260 4.2.3. "Ich weiß": Kognition 265 4.2.4. "Ich will": Interessen, Motivation 270 4.2.5. "Ich kann": Kompetenzen (Fähigkeiten und Ressourcen) 279 4.2.6. "Ich fühle": Emotionalität 282 4.2.7. "Ich stehe in Beziehung": Vergemeinschaftung 288 4.2.8. "Ich bin in Ordnung(en)": Institutionalisierung, Vergesellschaftung 292 4.3. Erweiterungen: Zur Sozialisierung und Dynamisierung des Modells 297 4.3.1. Erweiterung zu einem sozialen Struktur-Modell 298 4.3.2. Erweiterung zu einem sozialen Handlungs-Modell 302 Zur Trennung von Täter und Tat 303 Zum Zusammenhang von Täter und Tat 305 Der Täter als Modell und Model 308 Zum Zusammenhang der Merkmale 310 Weitere Handlungsaspekte (Primat der Tat, Prozessualität, Virtualisierung) 314 4.4. Schlussbemerkung 318 5. Die Moral der Mikropolitik 319 5.1. Was heißt moralisch urteilen und handeln? 320 5.1.1. Moral und Politik, Ökonomie und Ethik - sie scheinen sich zu fliehen 320 Ich bin viele - die Organisation ist eine? 321 Achtung: Achtung! 324 Geltung und Begründung 326 5.1.2. Erste Annäherung: Zwei Moral-Definitionen 331 Beispiel 1: Bayertz' Moraldefinition 331 Beispiel 2: Thrasymachos' Definitionen (Platon) 332 5.1.3. Nächster Anlauf: Ethik-Theorien 335 Eine kurze Skizze wichtiger Ethik-Theorien 336 Fazit: Wider den Monotheismus der einen richtigen Ethiktheorie 342 5.1.4. Wann ist eine Moralbegründung vernünftig? Warum soll sie vernünftig sein? 343 Konsistenz (Stimmigkeit, Widerspruchsfreiheit) 345 Universalisierbarkeit (Verallgemeinerbarkeit, allgemeine Geltung) 345 Prinzipienorientierung (anstelle konkreter Problemlösungs-Ratschläge) 348 5.1.5. Zu typischen Besonderheiten und Voraus-Setzungen ethischen Argumentierens 353 Fiktionen und Gedankenexperimente 353 Kontingenz und Handlungsspielraum 354 Beschränkung des Spielraums 355 Beobachtung durch Dritte 356 Bewertungsmaßstäbe 356 Systematische Differenz zwischen Motiv, Handlung und Konsequenz 358 5.2. Ökonomie und Moral haben sich nichts zu sagen! 360 5.2.1. Trennungsbeschlüsse: Plädoyers für die Eliminierung der Moral 360 Wie Peter Drucker und Dieter Schneider den Moralaposteln die Leviten lesen 360 Luhmanns Warnung, Nietzsches Ekel vor Moral 363 Milton Friedmans Als ob 366 Moral als Steuer? 367 Die Klugheit des Amoralisten 369 Ist Mikropolitik amoralisch oder unmoralisch? 372 Im Geschäftsleben ist bluffen ethisch! Carr und seine Kritiker 374 Der Fall Ford Pinto 378 Zum Abschieben der Verantwortung für moralisches Versagen 381 5.2.2. Dennoch: Argumente zur Rechtfertigung von Unternehmensethik 384 Moral-Thematisierung als Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen 384 Unternehmen können keine Sondermoral oder Moralfreistellung für sich beanspruchen 386 Unternehmen müssen Moral liefern, weil sie nachgefragt wird 387 Moral sichert Transaktionen gegen Opportunismus 389 Das Herantasten an die Grenzmoral 390 5.2.3. Moral als Steuerungstechnik: Ethische Praktiken im Unternehmen ("Governance Ethik") 393 5.3. Moralische Rahmenordnung und amoralisches Handeln? 396 5.3.1. Moral ist Kooperationsmoral 397 5.3.2. Bedingungswandel statt Gesinnungswandel - Wohl-Stand statt Wohl-Wollen 400 5.3.3. Dilemmastrukturen (am Beispiel des Prisoner's Dilemma Game) 408 Exkurs: Spieltheorie vs. Verhandlungsanalyse (Sebenius) 411 5.3.4. Die Rahmenordnung als der systematische Ort der Moral 417 5.3.5. Der Grundkonflikt zwischen Rentabilität und moralischer Akzeptanz 421 5.3.6. Der homo oeconomicus-Test (h-o-Test) 424 5.3.7. Ökonomik als Methode 426 5.3.8. Die ideale oder die reale Marktwirtschaft? Marktwirtschaft oder soziale Marktwirtschaft? 428 5.3.9. Defizite der weltwirtschaftlichen Rahmenordnung 430 5.4. De-Moralisierung und Re-Moralisierung der Spielregeln 435 5.4.1. Ethische Neutralisierung 435 5.4.2. Die Erweiterung des Zwei-Stufen-Modells zum Drei-Stufen-Modell 439 Diskursethik 439 Apels Re-Moralisierungsvorschlag: die Einführung einer dritten Stufe 443 Fazit 447 5.5. Moralische Regeln und moralisches Handeln: eine rekursive Beziehung 449 5.5.1. Motto: Weg von der Rahmenordnung, hin zu den Handlungen! 449 Moralmetaphern 450 5.5.2. Was sind Regeln? 452 5.5.3. Voraussetzungen kompetenter Regelanwendung 454 Offener Anwendungskontext 455 Interpretierende Regel-Anwendung 457 Selektion aus dem Regelnetz 458 Regelschutz 459 Regeldynamik 468 Rule taking und rule making 469 Zwischen-Resümee zu den Bedingungen der Regelbefolgung bzw. -verletzung 470 5.5.4. Regelnutzung als sozialer Prozess 472 Regeln sind Machtinstrumente, Machtindikatoren und Machtgeneratoren 472 Die Rolle der Dritten 473 Die Anderen: Regelbefolgung als Netzeffektgüter-Produktion 476 Veraltung von Regeln 477 5.5.5. Zur mikropolitischen Nutzung von Regeln 477 Die Funktionen von Regelbefolgung - und ihre Rückseite 479 Regelhandhabungskompetenz 488 Wie Regelverletzungen in Schach halten? 491 5.5.6. Verflucht sei, wer das Gesetz nicht mit Leben erfüllt! Amen. 492 _ 5.6. Moralisches Handeln als mikropolitisches Handeln 495 5.6.1. Zur Beziehung zwischen moralischem Urteilen und moralischem Handeln 496 5.6.2. Relativistische Ethik: Das Jones-Tsalikis-Modell 499 5.6.3. Das Gute kennen, aber nicht tun. Der Umgang mit 'Anomalien' 504 5.6.4. Die Bedeutung postdezisionaler und postaktionaler Phasen 506 Intervention (Änderung) 506 Intra- und interpersonale Abwehrmechanismen 507 Rechtfertigungen ('accounts' produzieren) 508 5.6.5. Die Bewältigung von Diskrepanzen zwischen Worten und Taten, Absichten und Ergebnissen 511 Der intuitive Anwalt 513 Fazit und Folgerungen 517 Gewissen und gesunder Menschenverstand als Prüfinstanzen einer relativistischen Ethik 519 5.6.6. Was tun? Was tun! Drei Strategien 521 ¿¿¿¿¿Gebrauchsmoral (moral satisficing, bounded morality) 524 ¿¿¿¿¿Moral lernen 533 ¿¿¿¿¿Moralisches Austarieren des pluralistischen Widerstreits 541 5.6.7. Resümee 547 6. Schluss 552 7. Literaturverzeichnis 559 8. Personenverzeichnis 593 9. Stichwortverzeichnis 600

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