Trauma und die Folgen

Trauma und Traumabehandlung, Teil 1
 
 
Junfermann Verlag
  • 4. Auflage
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  • erschienen am 3. Juli 2003
 
  • Buch
  • |
  • Softcover
  • |
  • 288 Seiten
978-3-87387-510-4 (ISBN)
 
Etwa ein Drittel aller Menschen gerät irgendwann im Leben in ein Trauma: Eine Situation, in der man sich vom Tode bedroht fühlt, nicht davor fliehen und nicht dagegen ankämpfen kann, etwas erleben zu müssen, das "einfach zuviel" ist. Was machen unser Gehirn und unsere Seele in einer solchen Situation? Einfach gesagt: Sie gehen in einen kurzfristigen Schockzustand (Freeze genannt) und splittern das Unerträgliche des Geschehens und der dadurch ausgelösten inneren Reaktionen auf - dies nennt man Dissoziation. Was das ist, wie sich das anfühlt und welche Auswirkungen es hat, beschreibt Michaela Huber in ihrem neuen Buch, das für Betroffene ebenso als Lektüre geeignet ist wie für Fachleute.

Glücklicherweise schaffen viele Menschen es anschließend, das Geschehen gut zu verarbeiten. Doch etwa 20 bis 30 Prozent der traumatisierten Menschen behalten Langzeitfolgen zurück: Ihr Körper reagiert immer wie im akuten Schock; Alpträume und Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Schreckhaftigkeit, Rückzugstendenzen und Beziehungsprobleme können die Folge sein.

Schwerpunkt des Buches sind die Folgen von Langzeittraumatisierungen, die in der Kindheit begonnen haben und meist körperliche, emotionale und sexuelle Gewalt umfassen. Sie können komplexe Folgen haben: Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Gefühlen und Impulsen, Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität oder sogar Identitätsspaltungen, und Persönlichkeitsstörungen. Auch die Folgen organisierter Ausbeutung - Stichwort: rituelle Gewalt - von Kindern für deren seelische Entwicklung werden ausführlich dargestellt. Ergänzt wird der Band durch die Vorstellung bewährter Diagnose-Instrumente und umfangreiche Hinweise auf die internationale Fachliteratur zum Thema.
4., Aufl.
  • Deutsch
  • Paderborn
  • |
  • Deutschland
  • Neue Ausgabe
  • Höhe: 248 mm
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  • Breite: 174 mm
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  • Dicke: 22 mm
  • 507 gr
978-3-87387-510-4 (9783873875104)
3873875101 (3873875101)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Michaela Huber, Jahrgang 1952, ist psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Ausbilderin in Traumabehandlung, niedergelassen in Kassel. Sie ist seit deren Gründung 1. Vorsitzende der deutschsprachigen Sektion einer internationalen Traumafachgesellschaft, der ISSD (International Society for the Study of Dissociation) und erhielt 1997 auf dem Traumakongreß in Montreal den "International Distinguished Achievement Award" der ISSD für ihre Verdienste auf dem Gebiet der Publikation und Fortbildung zum Thema der schweren posttraumatischen, dissoziativen Störungen. Sie ist Mitbegründerin des Zentrums für Psychotraumatologie in Kassel. 2008 erhielt sie für ihren Einsatz für traumatisierte Menschen das Bundesverdienstkreuz.
Vorwort von Onno van der Hart
Vorwort von Luise Reddemann

Was ist ein Trauma - und was ein belastendes Lebensereignis?
Wieso hilft Dissoziation, ein Trauma zu überleben?
Welche Traumatisierungen sind besonders schwer zu verarbeiten?
Wie wirken sich frühe Gewalterfahrungen auf die Bindungsfähigkeit aus?
Welche Diagnosen kann man nach Traumata bekommen, und was taugen sie?
Wieso erscheint traumatisierten Menschen der Tod oft näher als das Leben?
Warum erleben viele Traumatisierte den Zwang, sich selbst zu verletzen?
Was ist das Besondere an ritueller Gewalt?

Anhang 1: Putnams Fragebogen für dissoziative Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Anhang 2: Der Somatic Dissociation Questionnaire, S.D.Q.-20 von Nijenhuis, van der Hart & Vanderlinden
Anhang 3: Der Personality Structure Questionnaire, PSQ, von Ryle
Anhang 4: Die States Description Procedure, SDP, von Ryle
Anhang 5: Das Interview zur Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung, IK-PTB5 von Sack et al.
Anhang 6: Fragebogen zur Rituellen Gewalt an Kindern
Angesichts der Hartnäckigkeit, mit der seelisch beeinträchtigte PatientInnen im Gesundheitswesen entwertet werden, ist es eigentlich verwunderlich, dass die Psychotraumatologie überhaupt entstehen konnte. So ganz einfach war es auch nicht, es war eine Entwicklung in mehreren Wellen: Entwicklung und Roll-back. Und so ist es bis heute.

Was war eigentlich der auslösende Funke für diese Entwicklung? Meist war es der Anblick der "Jungs" - der noch recht jungen Soldaten, die aus einem Krieg zurückkamen, körperlich zusammengeflickt werden konnten, aber erkennbar verstört blieben. Schaut man sich die Forschungsliteratur an, so lässt sich getrost mutmaßen: Hätte es nicht die Kriegsveteranen gegeben, die aus dem Ersten Weltkrieg, dem Zweiten, und vor allem dem Vietnamkrieg, dann wären vielleicht nicht so viele staatliche und private Forschungsgelder ausgegeben worden. Vielleicht wären wir dann nicht so weit wie heute, Spezifischeres zu wissen über das Traumagedächtnis, über Therapietechniken und Interventionsmöglichkeiten, als sie die herkömmliche "Rede-Kur" von Freud und nachfolgende Therapieschulen zu bieten hatten.

Nach den ersten Diskussionen über "Kriegsneurosen" und "Kriegszitterer", über den "Granaten-Schock" (Shell-shock) durch den Ersten Weltkrieg, schuf Kardiner (1941) unter dem Eindruck der Zusammenbrüche von Soldaten im Zweiten Weltkrieg den Begriff der "Physioneurose", um den gleichzeitig körperlichen wie seelischen, chronischen Beeinträchtigungsprozess nach Trauma zu umschreiben. Damit begann im Grunde die moderne Psychotraumatologie. Diese beschäftigt sich damit, dass reale Extremstress-Erfahrungen sich auch im Gehirn und den Stoffwechsel-Mustern abbilden, dass zahlreiche psychosomatische Störungen und Erkrankungen daraufhin ebenso entstehen können wie Beeinträchtigungen bei Konzentration, Leistungsvermögen und Gefühlsregulation, und dass schließlich das Beziehungsgeschehen ebenso Schaden nehmen kann wie grundlegende Lebenseinstellungen der Betroffenen hinsichtlich des Sinns ihres Lebens und ihrer Spiritualität.

Untersucht wurde dies besonders bei Überlebenden von Realtraumata, welche nicht angezweifelt werden konnten: Kriege, Verfolgung, KZ-Haft und Folter zum Beispiel. In Bezug auf innerfamiliäre Traumata war es vor allem die Frauenbewegung, die auf das enorme Ausmaß an Misshandlungen, auch sexueller Gewalt, gegen Kinder und Frauen hingewiesen hat. Niemals unwidersprochen, häufig sogar heftig in Frage gestellt und attackiert.

Judith Herman, die selbst aus der Frauenbewegung stammt und heute Professorin in Harvard ist, hat in ihren Publikationen immer wieder darauf hingewiesen, wie oft die Angehörigen sämtlicher Berufsgruppen, die mit den Überlebenden sexueller Gewalt arbeiten - RechtsanwältInnen - mitsamt den Opfern als unglaubwürig, hysterisch, übertreibend etc. dargestellt werden - nur weil sie Überlebende unterstützen, begleiten, über sie forschen etc. Ein Thema, das wieder auf die gesellschaftlichen Dimensionen und den Drang zur Verleugnung hinweist.

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