Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Der entspannte Weg durch Trotzphasen
 
 
Beltz (Verlag)
  • erschienen im September 2017
 
  • Buch
  • |
  • Softcover
  • |
  • 288 Seiten
978-3-407-86422-2 (ISBN)
 

Will das Kind NIE ins Bett? Und Treppen laufen kommt nicht infrage? Statt selbst Tobsuchtsanfälle zu kriegen, lesen Eltern lieber dieses Buch. Die Autorinnen des größten Elternblogs Deutschlands zeigen, wie man die eigenen Nerven beruhigt und das Kind gleich mit. Das Trotzalter ist die erste heiße Phase im Leben mit dem Nachwuchs. Kaum steht es auf seinen eigenen Beinen, beginnt das Kind nach Autonomie zu streben. Der kleine Sonnenschein wird zum tellerwerfenden Wutmonster und verunsichert seine Eltern zutiefst.

Die Autorinnen machen Mut, Wege abseits der klassischen Erziehung mit festen Grenzen und strenger Konsequenz zu gehen. Sie erklären, was in den Kindern vorgeht und warum Trotzphasen wichtige Entwicklungsphasen sind, die Eltern aktiv annehmen sollten, statt sie zu unterdrücken. Die witzig-persönlichen Erfahrungsberichte, praktischen Tipps und neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung sind Balsam für die Seele gestresster Eltern.

Neuauflage
  • Deutsch
  • Weinheim
  • |
  • Deutschland
Beltz Verlagsgruppe
  • mit Klappen
  • Höhe: 216 mm
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  • Breite: 136 mm
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  • Dicke: 25 mm
  • 415 gr
978-3-407-86422-2 (9783407864222)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Danielle Graf schreibt zusammen mit Katja Seide den Blog "Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn" (www.gewuenschtestes-wunschkind.de), der über 20 Millionen Zugriffe verzeichnet. Die Rechts-Ökonomin und Bestsellerautorin ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet in der Organisationsentwicklung in ihrer Heimatgemeinde Wandlitz.

Einleitung

 

»Oha, jetzt hat sie ihren Willen aber durchgesetzt!«, sagte ich augenzwinkernd zu meinem Vater. »Da hast du dich ganz schön unterbuttern lassen. Du machst ja jetzt genau das, was sie wollte!« Mein Vater sah mich völlig verständnislos an. Ich glaube, er zweifelte an meinem Verstand.

Wir waren gerade gemeinsam vom Wochenendeinkauf zurückgekommen und total erledigt. Am liebsten hätten wir uns sofort aufs Sofa verkrümelt, doch leider hatten wir die Butter für den Kuchen vergessen. Es stand eine große Geburtstagsfeier bevor und meine Mutter war in der Küche gerade dabei, den Teig zuzubereiten. Sie brauchte die Butter dringend, also musste noch mal einer los. »Könntest du vielleicht selbst gehen?«, fragte mein Vater meine Mutter, »ich bräuchte eine Pause, weil ich total erschöpft bin.« »Ich könnte schon, ja. Aber ich koche nebenbei ja auch noch. Es wäre mir lieber, wenn du gehen würdest. Bitte sei so lieb!« Seufzend zog sich mein Vater erneut die Schuhe an. Leise murmelte er in seinen Bart, dass er dieses Mal aber das Auto nehmen würde, weil er nicht schon wieder den ganzen weiten Weg laufen wolle. »Du wirst doch nicht für ein Stück Butter das Auto nehmen«, rief ihm meine Mutter entsetzt aus der Küche zu, »außerdem haben wir gerade so einen schönen Parkplatz direkt vor der Tür. Morgen müssen wir doch die Sachen für die Feier in den Kofferraum packen. Da sollte es am besten so nah wie möglich stehen.« »Stimmt«, stellte mein Vater fest, »das hatte ich gar nicht mehr im Kopf.« »Aber du könntest zu dem kleinen Laden an der Ecke gehen. Der ist zwar ein bisschen teurer, aber dann musst du nicht so weit laufen. Danach kannst du dich auf dem Sofa ausruhen, versprochen. Dann habe ich wirklich alles, was ich brauche.« Mein Vater überlegte kurz, ob der Vorschlag für ihn akzeptabel war, und entschied dann: »Gut, so mache ich es. Bis gleich!« Ich zog mir auch noch einmal meine Schuhe an, um meinen Vater zu begleiten. Während wir das Haus verließen, sagte ich zu ihm: »Oha, jetzt hat sie ihren Willen aber durchgesetzt! Da hast du dich ganz schön unterbuttern lassen. Du machst ja jetzt genau das, was sie wollte!« Er schaute mich sichtlich verwirrt an. »Wieso? Wir haben einfach geschaut, was für uns beide okay war. Wir haben einen Kompromiss geschlossen. So macht man das doch in einer Beziehung!«

Vermutlich fragen Sie sich jetzt, was diese Anekdote mit der Trotzphase zu tun hat. Vielleicht haben Sie beim Lesen sogar noch einmal kurz auf das Cover geschaut, um zu sehen, ob Sie das richtige Buch in der Hand halten? Doch, doch, das tun Sie! Diese Unterhaltung ist für mich deshalb berichtenswert, weil sie mich sehr stark an einen Dialog erinnerte, den ich erst vor Kurzem mit meinem zweijährigen Sohn geführt hatte, auch wenn er seine Argumente weniger eloquent vorgetragenen hatte.

Wir waren nach einem langen Tag im Kindergarten noch auf dem Spielplatz. Mein Vater war zu Besuch. Er ist ein großartiger, sehr engagierter und liebevoller Opa und sein Enkel himmelt ihn an. Ich wollte die Gelegenheit daher nutzen, um schnell in den fünf Minuten entfernten Laden zu huschen und Joghurt einzukaufen. Doch mein Sohn war damit nicht einverstanden:

Sohn, etwas aufgeregt: »Mit! Mit!«

Mama: »Du willst zum Einkaufen mitkommen?«

Sohn weinerlich: »Jaaaaa!«

Mama: »Och, nö, ich will doch nur schnell einen Joghurt kaufen. Das geht ratzfatz. Du könntest in der Zeit mit Opa im Sand buddeln.«

Sohn, noch aufgeregter: »Neiiiiin. Mit! Mit!«

Mama, seufzend: »O.?k., aber dann setzte ich dich in den Buggy. Das geht schneller als Laufen.«

Sohn, laut aufweinend: »Neiiiiin. Aaaarm!«

Mama, leicht genervt: »Ach, bitte, das ist so anstrengend für mich. Wie soll ich denn dann den Einkauf tragen?«

Sohn, laut weinend: »Ich! Wääääh.«

Mama, über das Geschrei hinweg: »Du willst den Einkauf tragen?«

Sohn, etwas leiser: »Jaaaaa!«

Mama, ergeben seufzend: »Also dann los, komm.«

Während ich meinen Sohn auf den Arm nahm, zwinkerte mir mein Vater freundlich zu: »Nun hat er gewonnen! Da hat er aber wirklich seinen Willen durchgesetzt?.«

Das Märchen vom tyrannischen Kind und vom durchsetzungsfähigen Erwachsenen

 

Eigentlich gibt es keinen großen Unterschied zwischen den beiden Gesprächen, außer vielleicht, dass mein kleiner Sohn die verbale Sprache bisher nur bruchstückhaft beherrscht und mir deshalb nicht ganz klarmachen konnte, warum es ihm so wichtig war, mit mir mitzukommen. Er war noch nicht in der Lage, seinen Wunsch so gut mit Argumenten zu untermauern wie meine Mutter in dem Gespräch mit meinem Vater. Aber im Grunde war seine Argumentation der der Erwachsenen sehr ähnlich. Sowohl mein Vater als auch ich gingen dann einen Kompromiss ein, um die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen.

Der wirklich gravierende Unterschied zwischen den beiden Gesprächen ist unsere Sicht darauf: Bei einem Gespräch unter Erwachsenen empfinden wir es als normal und richtig, wenn die Wünsche beider Parteien berücksichtigt werden. Anders sieht es bei Gesprächen zwischen Eltern und ihren kleinen Kindern aus. Hier ist in unserer Gesellschaft die Ansicht weit verbreitet, dass kleine Kinder, die jammernd oder schreiend ihre Wünsche kundtun, andere wie kleine Könige manipulieren wollen, ihnen diese zu erfüllen. Erwachsene sollten dieses Verhalten der Kleinen daher niemals unterstützen, sondern stattdessen stets konsequent dagegenhalten.

Je vehementer unsere Kinder vermeintlich trotzen und vielleicht sogar anfangen, zu hauen, zu beißen oder zu spucken, weil sie mit Worten nicht weiterkommen, desto unsicherer werden wir. Ist es wirklich gut so, wie wir erziehen? Was, wenn aus unserem Kind doch ein kleiner Tyrann wird, so, wie es uns von allen Seiten prophezeit wird? Müssen wir nicht doch irgendwie Grenzen ziehen? Denn unsere Kinder müssen ja nicht nur innerhalb der Familie bestehen, sondern auch draußen in der Gesellschaft. Sie müssen sich im Kindergarten oder in der Schule in Gruppen einfügen können. Auch später im Job sollten sie nicht ständig anecken. In den Regalen der Buchhandlungen finden sich etliche Ratgeber, die im Hinblick auf solches Trotzverhalten die Rückkehr zur guten alten konsequenten Erziehung propagieren. Annette Kast-Zahn zum Beispiel rät unsicheren Eltern, ihr Kleinkind einfach immer wieder zum »Nachdenken« in sein Zimmer zu schicken, wenn es trotzt1. Auch Michael Winterhoff oder Bernhard Bueb2 betonen in ihren Büchern, wie wichtig es ist, den Kindern schon früh klarzumachen, dass sie sich den Erwachsenen unterzuordnen haben und ihr eigensinniges Verhalten nicht toleriert wird.

Müssen wir also, um unsere Kinder fit für die Zukunft zu machen, Abstand davon nehmen, sie bedürfnisorientiert zu erziehen? Wir behaupten: Nein! Wir wollen in unserem Buch mit den alten Mythen vom verzogenen Tyrannen aufräumen und Eltern und Großeltern darin bestärken, den in der Babyphase mittlerweile gängigen Ansatz der bedürfnisorientierten Erziehung auch nach dem ersten Geburtstag weiterzuführen. Wir möchten ihnen einen entspannten Weg durch die sogenannten Trotzphasen aufzeigen. Denn es ist vollkommen unnötig, mit dem eigenen Kleinkind ständig um jede Kleinigkeit zu streiten. Ja, es ist nicht einmal nötig, mit ihm zu schimpfen! Wir versprechen Ihnen, wenn Sie das Buch gelesen haben, werden Sie das nächste Mal, wenn Ihr Kleinkind laut kreischend vor dem Süßigkeitenregal an der Supermarktkasse zusammenbricht, mit Liebe und Verständnis reagieren können, statt wütend zu werden. Sie werden danebenstehen und denken: »Ich brauche gar nicht zu schimpfen!« Wenn es den halbvollen Teller Essen auf den Boden wirft, sich weigert, morgens die Schuhe anzuziehen, beißt, wenn es eigentlich kuscheln will, immer wieder an die Steckdose greift oder auf dem Spielplatz mit Sand um sich wirft: Sie werden wissen, warum es das tut und wie Sie es schaffen, es dazu zu bringen, es nicht mehr zu tun.

Um unsere Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern, haben wir viele Bücher gewälzt und Aufsätze und Statistiken durchforstet. Wir haben die neuesten Informationen aus den Bereichen der Psychologie, der Neurologie und der Bindungsforschung zusammengetragen und lassen in unserem Buch etliche Experten auf diesen Gebieten zu Wort kommen. Sie alle sind sich einig, dass eine wie von Kast-Zahn oder Winterhoff favorisierte Erziehung, die auf Lob für gutes und negative Konsequenzen für schlechtes Verhalten...


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