Christliche und heidnische Helden. Helden und deren Gestaltung im europäischen Mittelalter

 
 
Diplomica Verlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen im April 2021
 
  • Buch
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  • Softcover
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  • 86 Seiten
978-3-96146-826-3 (ISBN)
 
Heldengeschichten begegnet man in den verschiedenen Kulturen und zu allen Zeiten. Die Babylonier haben ihren Gilgamesch-Epos, die Altgriechen Homers Ilias und die Odyssee, die Altinder das Mahabharata, die Araber Taghribat bani Hilal und Sirat al-Zahir Baibars, die Altspanier den Cantar de mio Cid, die Portugiesen die Lusiaden, die Germanen das Nibelungenlied und die Franzosen die Chanson de Geste. Noch heute ist das Thema Helden faszinierend für die Menschen, unabhängig von deren Lebensraum und Kultur und das zeigt, wie diese Thematik zugleich uralt und aktuell, fremd und nah ist.

Dieses Buch nimmt das Thema Heldentum in den Blick und fokussiert sich dabei auf zwei Heldenmodelle aus dem europäischen Mittelalter. Die verschiedenen Heldenfiguren werden in Beziehung zueinander gesetzt, um das Heldenbild mittelalterlicher Erzählungen aufzuzeigen. Durch die Gegenüberstellung werden die Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede bei der Charakterisierung der Heldenbilder analysiert und dargestellt.
Wichtig dabei ist es herauszufinden, wie sich die Helden in dieser Zeit als solche legitimieren und wie ein Bild des Helden konstruiert wird. Für diese Untersuchung ergeben sich folgende Fragen: Welche besonderen Eigenschaften zeichnen die beiden Figuren aus? Und wie werden sie dargestellt? Dabei spielen Aspekte wie Herkunft, Taten, kämpferische Fähigkeiten, Ausrüstung und soziale Qualitäten des Helden eine entscheidende Rolle.
Erstauflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • Broschur/Paperback
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  • Klebebindung
  • Höhe: 220 mm
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  • Breite: 155 mm
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  • Dicke: 5 mm
  • 154 gr
978-3-96146-826-3 (9783961468263)
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Mahmoud M. Goha hat den akademischen Grad Master of Arts im Fach westliche und östliche Sprachen erlangt. Er studierte an den Universitäten Palermo, Porto, Bremen, Minya und Ain-Shams Germanistik, Arabistik und Literaturwissenschaft. Von 2010 bis 2013 war er wissenschaftlicher Assistent an der Abteilung für Germanistik der phil. Fakultät Al-Alsun in Ägypten. Ununterbrochen als Stipendiat studierte er an der Uni Palermo in Italien. Von 2013 bis Juli 2015 absolvierte er Im Rahmen eines Erasmus-Stipendium-Programms sein Masterstudium. Dabei handelte es sich um ein europäisch amerikanisches Curriculum, einen double Master-Degree von den Universitäten Porto (Portugal) und Palermo (Italien). Seit 2016 studiert er als Stipendiat der FNS und Doktorand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Textprobe:

Kapitel 4.1.2 d) Heroische Natur:

"Siegfried wird immer beides sein: Heros und höfischer Ritter." Im Laufe der Geschichte werden Eigenschaften beider Charaktere wechselweise offenbart. Die heroische Natur des Helden zeigt sich vor allem durch seinen Kampfeifer, seine Selbstüberschätzung und Willkür, die in vielen Szenen deutlich sind.
Siegfrieds Lebensweg wird als eine Form Abenteuer beschrieben (vgl. 21). Er ist der vorzügliche, kampfgewandte Junge, der aus heroischer Kampfsucht und Abenteuerlust in viele Länder reitet, um seine Kraft zu erproben. Schon in seiner Jugend und bevor er nach Worms kommt, ist Siegfried ein berühmter Held mit Kraft, Schatz, Schwert und Unverwundbarkeit.
Im starken Kontrast zu dem Minneritter, der langen Weg zur Gewinnung der wunderschönen Königstochter geht, steht Siegfrieds Haltung bei seinem ersten Auftritt im Land seiner Geliebten. Er begegnet dem höfisch freundlichen Empfang erstaunlicherweise nicht mit seiner Werbung um Kriemhild, sondern mit der heroischen Herausforderung und Affront Gunthers zum Zweikampf. Nicht die Königstochter, sondern die Herrschaft über das Burgundenreich fordert er. Ziel des Zweikampfs bzw. Siegfrieds Ziel sei es, zu zeigen, wer zurecht Herrscher sei (von rehte Liute und lant besitze, 109,3). Durch seine eigene Kraft (ellen, 113,2) will Siegfried von Gunther dessen Land und dem eigenen Reich ertwingen ("mit Gewalt erobern" 110,3), nur um seinem Geltungsbedürfnis willen. Hier sind Siegfrieds heroische Natur und Selbstüberschätzung klar zu erkennen.
Der Sachsenkrieg zeigt weitere heldenhafte Eigenschaften Siegfrieds. Davon sind sicherlich seine Tapferkeit und sein heroischer Übermut. Er schreckt vor keinem Kampf ab und die Übermacht der Feinde bereitet ihm keine Sorge. Das bestätigt seine draufgängerische Antwort an Gunther, nachdem er von dem Krieg der Sachsen und Dänen erfährt:

Swenne iuwer starken vîende zir helfe möhten hân
drîzec tûsent degene, sô wold ich si bestân,
und het niuwan tûsent. des lât iuch an mich>daz mueget ir wol versuochen; 973, >> Das könnt Ihr gern versuchen.). Dabei legt sich der Held ins Gras vor dem Beginn der Wette und trägt seine komplette Ausrüstung (974,3 und 975,2ff.), während Gunther und Hagen ohne ihre Kleider laufen (976,1). Siegfried zeigt in verschiedenen Szenen, wie der heroische Übermut und Hochgefühl integraler Bestandteil seines Charakters sind. Diese Eigenschaften ziehen sich durch die ganze Geschichte durch.
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