Urbanität im 21. Jahrhundert

Eine Fest- und Freundschaftsschrift für Walter Siebel
 
 
Campus (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 4. Oktober 2018
 
  • Buch
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  • Softcover
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  • 366 Seiten
978-3-593-50970-9 (ISBN)
 
Alltagssprachlich umreißt der Begriff Urbanität Vorstellungen eines bunten städtischen Lebens. Stadtsoziologisch ist damit eine spezifisch großstädtische Lebensweise gemeint - Architektur, Stadtplanung, Kommunalpolitik und Stadtmarketing füllen den Begriff wiederum eigensinnig. In diesem Band beschreiben und analysieren Stadtforscherinnen und -forscher nicht nur Verwendungen des Begriffs Urbanität, sie widmen sich auch zentralen Themen großstädtischer Entwicklungen im 21. Jahrhundert: Urbanitätsbegriffen und -konzepten, der Stadt als Ort des "Fremden", sozialer Ungleichheit und sozialer Konflikte, Politik und Planung, Urbanität zwischen Vergangenheit und digitalisierter Zukunft.
  • Deutsch
  • Frankfurt
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  • Deutschland
  • Klappenbroschur
  • Höhe: 213 mm
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  • Breite: 139 mm
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  • Dicke: 25 mm
  • 458 gr
978-3-593-50970-9 (9783593509709)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Norbert Gestring, Dr., ist Stadtsoziologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Jan Wehrheim, Dr., ist Professor für Soziologie am Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der Universität Duisburg-Essen.
Inhalt Einleitung: Urbanität im 21. Jahrhundert 9 Norbert Gestring und Jan Wehrheim Teil I Urbanitätsbegriffe und -konzepte Von einigen, die auszogen, Urbanität zu verstehen. Lebensstil, Leitbild, städtebauliche Propaganda oder entleerter Begriff? 29 Klaus Selle Urbanität und Wohnen: Eine Spurensuche nach einer unabdingbaren Voraussetzung in klassischen Texten 47 Christine Hannemann Wiederentdeckung urbaner Kultur: Die moderne Großstadt der 1920er Jahre als Modell? 64 Carsten Keller Teil II Die Stadt als Ort des Fremden Migration ist die Essenz von Urbanität in den europäischen Städten 81 Felicitas Hillmann Migration und Stadt - Zur Integration von Migranten in innerstädtischen Quartieren 96 Andreas Farwick Die Stadt als Ziel von Migration und Ort der Integration 113 Andrea Janßen Kulturelle Differenz als urbane Ressource und Konfliktpotenzial 129 Ingrid Breckner Teil III Soziale Ungleichheit und soziale Konflikte Stadt und soziale Frage - eine Problemskizze 149 Martin Kronauer Die "soziale Stadt" - hat sie eine Zukunft? 175 Dieter Läpple Das Phoenix-Projekt und die große Erzählung vom Neuen Dortmund: Diskussionen um "gefühlte" Gentrifizierung im Stadtteil Hörde 196 Susanne Frank Urbanität durch soziale Mischung? 215 Moritz Rinn und Jan Wehrheim Teil IV Politik und Planung: Urbanität zwischen Vergangenheit und Zukunft Rekonstruktion und soziales Gedächtnis - wie Erinnerungen unsere Städte verändern 237 Marianne Rodenstein Wunden heilen - Stadtentwicklung als Wiedergutmachung? Das Beispiel Potsdam 256 Hermann Voesgen Interkulturelle Öffnung und Diversity Mainstreaming als kommunaler Handlungsauftrag 275 Ayça Polat Innovationen in der räumlichen Planung: Zum Wechselverhältnis von inhaltlicher Entfaltung und räumlicher Verbreitung des Neuen 294 Oliver Ibert, Gabriela B. Christmann, Johann Jessen und Uwe-Jens Walther Automatisierung des (urbanen) Verkehrs - Neu-Erfindung oder Widerspruch zur "Europäischen Stadt"? 313 Jens S. Dangschat Urbanität in Smart-City-Entwürfen und Stadtvisionen? Moderne Stadtentwicklung zwischen Songdo und Limerick 336 Martina Löw und Jörg Stollmann Social Media, Algorithmen und die urbane Kultur: Plädoyer für eine kulturelle Transformation 344 Thomas Krämer-Badoni Autor*innen 363
Einleitung: Urbanität im 21. Jahrhundert
Norbert Gestring und Jan Wehrheim
Urbanität ist ein schillernder Begriff, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Alltagssprache. In der Architektur verbindet man mit Urbanität Häuser und Gebäudeensembles, in der Planung die Gestaltung von Straßen und Plätzen in Städten, in der Politikwissenschaft die Mitbestimmungschancen der Stadtbürger*innen, im Marketing die Imageproduktion von Städten, im Tourismus das Angebot an städtischen Events. In der Soziologie verbindet man mit Urbanität meist eine spezifisch großstädtische Lebensweise - die Liste ließe sich fortsetzen. Wie für den Begriff >Integration< gilt auch für >Urbanität<, dass man ihn nicht verwenden kann, wenn man nicht vermittelt, was man darunter versteht, da ansonsten jede*r etwas Anderes meint, wenn er oder sie über Urbanität kommuniziert (vgl. Selle in diesem Band).
Hier soll es im Folgenden um Urbanität als Lebensweise gehen, also um den soziologischen Begriff. Der Versuch, einen soziologischen Begriff von Urbanität zu präzisieren, hat wiederum mindestens zwei Probleme zu bewältigen, soll der Begriff nicht nur als instrumentell-politischer, sondern auch als analytischer verwendet werden. Erstens kann es kein überhistorisch gültiges Verständnis von Urbanität geben, denn ganz offenkundig lassen sich die Lebenswirklichkeiten des Kaufmanns im mittelalterlichen Bremen, der Binnenwanderin im Slum von Mumbai, des Arbeiters in Berlin-Wedding in der Phase der Urbanisierung im 19. Jahrhundert und der Alleinerziehenden heute in Hamburg-Mümmelmannsberg nicht auf einen Begriff bringen. Zweitens ist auch die >Stadt< jeweils etwas anderes. Weber (2000 [1921]) beschrieb die mittelalterliche Stadt des Okzidents als das ganz andere, als das Gegenüber zum Land in ökonomischer und sozialer wie auch in räumlicher Hinsicht. In Westeuropa ist dieser Stadt-Land-Gegensatz seit der Industrialisierung und Urbanisierung im 19. Jahrhundert zunächst abgemildert und mit der fordistischen Modernisierung seit den 1950er Jahren abgelöst worden durch ein Stadt-Land-Kontinuum (vgl. Gestring 2013). Stadt und Land beschreiben heute keine kategorialen Gegensätze mehr in sozialer, ökonomischer, kultureller oder räumlicher Hinsicht, sondern Unterschiede gradueller Art im Sinne eines >Mehr< oder >Weniger<. Darüber hinaus ist auch das einheitliche Muster der Stadtentwicklung zerbrochen. In der Auseinandersetzung mit dem westdeutschen Süd-Nord-Gefälle in den 1980er Jahren ist deutlich geworden, dass es sich dabei im Kern um eine "Polarisierung der Stadtentwicklung" (Häußermann/Siebel 1987) zwischen weiterhin prosperierenden Städten auf der einen und schrumpfenden Städten auf der anderen Seite handelt. Zusätzliche Brisanz gewannen diese Befunde seit den 1990er Jahren als in Ostdeutschland die ökonomische Basis (nicht nur) den Städten mit der Wiedervereinigung entzogen wurde. Sind Städte nicht mehr gleichsam automatisch Innovations- und Wachstumsmotor, dann stellt sich unter anderem die Frage, wie Innovationen organisiert und in Planungsverfahren realisiert werden können (vgl. Ibert u.a. in diesem Band).
Organisiert und geplant wird auch die Erinnerung in der und an die Stadt. Zur europäischen Stadt gehört die "Präsenz von Geschichte" (Siebel 2004). Ob historische Vorbilder Orientierungen bieten für aktuelle Fragestellungen, müsste erst noch ausgelotet werden. Stadtpolitik und -planung sind aber in jedem Fall gefordert, mit der materiellen wie immateriellen Seite der Stadtgeschichte umzugehen. Ihre Rekonstruktion oder Simulation erweist sich dabei als konflikthafter Prozess (vgl. Rodenstein und Voesgen in diesem Band).
Im Folgenden streben wir nicht einen weiteren umfassenden geistesgeschichtlichen und/oder realgeschichtlichen Überblick über soziologische Urbanitätsbegriffe an (vgl. Krämer-Badoni 1991; Häußermann/Siebel 1992; Siebel 1998; Siebel 1994 sowie Hannemann in diesem Band), sondern versuchen im ersten Teil an die Klassiker anzuknüpfen, deren Konzepte für einen Begriff von Urbanität im 21. Jahrhundert fruchtbar gemacht werden können. Das Ziel ist nicht eine weitere Definition von Urbanität zu formulieren, sondern einen Rahmen zu präsentieren, innerhalb dessen Debatten über das Städtische verortet werden können. Denn sicher ist, dass eher Wandel und Konflikte das Feld der Urbanität charakterisieren als Kontinuität und starre Konzepte. Im zweiten Teil folgt eine Skizze einiger Dynamiken des Städtischen, die den Wandel und die Konflikte von beziehungsweise über Urbanität im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts kennzeichnen.
1. Ansätze zur Urbanität im 21. Jahrhundert
Einer der meistzitierten Aufsätze der Stadtsoziologie ist Georg Simmels (1995 [1903]) kurzer Text über "Die Großstädte und das Geistesleben". Er untersucht darin den "Typus großstädtischer Individualitäten" (ebd.: 116), der Anfang des 20. Jahrhunderts ein historisch noch junges Phänomen war. Simmels Wohnort Berlin erlebte wie fast alle Städte zwischen 1871 und 1910 ein rasantes Bevölkerungswachstum: Die Einwohnerschaft wuchs von 820.000 auf über zwei Millionen, der Urbanisierungsgrad des Deutschen Reiches, das heißt der Anteil der Bewohner*innen, die in einer Stadt leben, stieg in diesem Zeitraum von 36 auf 60 Prozent (Reulecke 1985: 202). So waren auch die Herausforderungen und Zumutungen, mit denen die Großstädter*innen gezwungen waren umzugehen, historisch relativ neu. Die Vielzahl der Begegnungen und Eindrücke im öffentlichen Raum, die kalte Rationalität kapitalistisch geprägter Austauschbeziehungen, der Schub der Individualisierung in den Einwanderungsstädten, all das beschreibt Simmel einerseits ohne die Verteufelung konservativer Großstadtkritik wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts in akademischen Kreisen en vogue war (vgl. Häußermann/Siebel 2004: 26ff.), andererseits aber auch ohne Sentimentalitäten und Beschönigungen. Simmel sieht seine Aufgabe nicht darin die Großstädte "[.] anzuklagen oder zu verzeihen, sondern allein zu verstehen" (Simmel 1995 [1903]: 131). Seine Frage, wie die großstädtischen Lebensbedingungen zu ertragen seien, beantwortet er, indem er einen großstädtischen Sozialcharakter herausarbeitet, dessen Kennzeichen "Intellektualismus", "Blasiertheit" und "Reserviertheit" sind, die sich in den öffentlichen Räumen als distanziertes Verhalten äußern. Großstädter*innen wissen sich eingebunden in eine hoch differenzierte Arbeitsteilung, und sie lassen sich nicht durch ungewöhnliche Begegnungen beirren, die es den Einzelnen unmöglich machen, auf fremde Individuen einzugehen. Das ist für Simmel der Unterschied zu Bewohner*innen von Dörfern und Kleinstädten, aber er ist nicht ohne Risiko.
"Denn die gegenseitige Reserve und Indifferenz [.] werden in ihrem Erfolg für die Unabhängigkeit des Individuums nie stärker gefühlt, als in dem dichtesten Gewühl der Großstadt, weil die körperliche Nähe und Enge die geistige Distanz erst recht anschaulich macht; es ist offenbar nur der Revers dieser Freiheit, wenn man sich unter Umständen nirgends so einsam und verlassen fühlt, als eben in dem großstädtischen Gewühl; denn hier wie sonst ist es keineswegs notwendig, daß die Freiheit des Menschen sich in seinem Gefühlsleben als Wohlbefinden spiegele." (ebd.: 126)
Für ein Verständnis von Urbanität sind zwei Aspekte hervorzuheben, die über den Befund des distanzierten Verhaltens im öffentlichen Raum hinausgehen. Erstens, Urbanität ist keine heile Welt, sondern auch anstrengend und riskant: Indifferenz, Vereinzelung, Gefühle der Einsamkeit, Freiheit ohne Wohlbefinden - solche Beschreibungen haben wenig zu tun mit dem Glamour urbanen Flairs (vgl. Keller in diesem Band). Wenn Walter Siebel von den "Zumutungen der Urbanität" (Siebel 2015: 278) schreibt, dann ist Simmel ein Gewährsmann dafür. Zweitens, der städtische Sozialcharakter Simmels schafft Freiräume für unterschiedliche Lebensstile auf engstem Raum, solange man sich darauf verlassen kann, dass auch die anderen die Distanzregeln einhalten, er ermöglicht Zugehörigkeit trotz kultureller und sozialer Differenz und damit eine "unvollständige Integration" (Bahrdt 2006 [1961]: 87). Bahrdts Begriff verweist auf den Sachverhalt, dass in öffentlichen Räumen die Passant*innen als Konsument*innen, Spieler*innen, Zuschauer*innen, Jogger*innen oder in weiteren Funktionsrollen auftreten, dabei aber immer nur einen kleinen Teil ihrer Persönlichkeit preisgeben. Die unvollständige Integration entlastet die Individuen - beispielsweise von Erklärungszwängen. Sie schafft Freiheiten.
An Simmels Überlegungen zum großstädtischen Sozialcharakter können Debatten oder Studien auch im 21. Jahrhundert anknüpfen, wenn es etwa um den Wandel öffentlicher Räume infolge von Sicherheitsstrategien oder Privatisierungen, um die potenziell verunsichernde Begegnung unter sozial oder kulturell Fremden (vgl. Wehrheim 2009), Fremdheit aufgrund unterschiedlicher sozialer Milieus, Lebensstile oder Herkunft, oder um die, womöglich militante, Abwehr von Fremden geht, die Urbanität in diesem Sinne zerstören würde.
Einen zweiten Anknüpfungspunkt bieten die Konzepte Robert E. Parks, die er nicht zuletzt über die von ihm betreuten Studien über das Leben in den Quartieren der Einwanderungsstadt Chicago entwickelte (Park 1984 [1925]; vgl. Lindner 1990). Chicagos Bevölkerung wuchs zwischen 1870 und 1930 um mehr als das Zehnfache auf 3,3 Millionen. Grundlage des Wachstums war die afroamerikanische Migration aus den Südstaaten der USA und die europäische Immigration, die in den 1920er Jahren vor allem aus Süd- und Osteuropa stammte. Während die Afroamerikaner*innen brutal ghettoisiert wurden, haben sich die Immigrant*innen teilweise in Quartieren niedergelassen, in denen Landsleute bereits länger wohnten. Für Park war die Herausbildung solcher Immigrantenquartiere ein natürlicher Prozess, weshalb er sie natural areas nannte.
Die Immigrantenquartiere sind erstens ein Schutzraum, in dem die Eingewöhnung in die neue (Stadt)Gesellschaft erleichtert wird und im besten Fall soziales Kapital den Zugang zu Arbeit und Wohnraum vermittelt. Zweitens haben sie eine sozialisierende Funktion, sie übernehmen die soziale Kontrolle der Dörfer, aus denen die Immigrant*innen kamen und verhindern so Anomie. Drittens minimieren sie durch die räumliche Trennung Konflikte in der Stadt, da unterschiedliche Lebensweisen sich in unterschiedlichen Quartieren zusammenfinden. Diese für Immigrant*innen und die Stadt insgesamt positiven Funktionen konnten die Quartiere aber nur erfüllen, weil sie keine Ghettos waren. Drei Unterschiede zwischen Ghettos und Immigrantenquartieren - oder: >Enklaven< - können das verdeutlichen (vgl. Massey/Denton 1993: 32ff.): Letztere waren im Gegensatz zu den Ghettos nie ethnisch homogene Quartiere. Die Little Italies beispielsweise waren nicht nur von italienischen, sondern auch von Immigrant*innen aus anderen europäischen Ländern bewohnt, Italienstämmige waren die Mehrheit und sie dominierten die Viertel, aber sie verblieben nicht völlig unter sich - entsprechendes galt für die polnischen, ungarischen, jüdischen etc. Enklaven. Dass von den europäischen Immigrant*innen in den meisten Fällen nur eine Minderheit in den Enklaven lebte, während über neunzig Prozent der Schwarzen im Ghetto Chicagos lebte, ist der zweite Unterschied, und schließlich war das Ghetto eine dauerhafte Einrichtung, aus der es kaum ein Entrinnen gab, während die Enklaven Durchgangsstationen waren, die oft in der zweiten oder dritten Generation verlassen wurden, wenn ein gesicherter sozialer Aufstieg erreicht war: "They served as springboards" (ebd.: 33). Ghettos dagegen blieben als Orte der Isolation Fallen ohne Aussicht auf soziale Mobilität.
Die Vielfalt der Lebenswelten in den Städten, die Chancen und kulturelle Produktivität der Fremdheit für die Stadtentwicklung hat Walter Siebel hat in seinem Buch Die Kultur der Stadt (2015) hervorgehoben und mit Bezug auf Simmel und Park sehr viel differenzierter diskutiert, als es hier möglich ist. Die "Begegnung mit Fremden" (Siebel 2015: 13) ist für ihn die eine Besonderheit urbaner Lebensweise, die "Entlastung von notwendigen Arbeiten" (ebd.) die andere. Gemeint ist damit, dass in Städten eine technische, soziale und kulturelle Infrastruktur zur Verfügung steht, die die städtischen Haushalte potenziell von allen Arbeiten außerhalb der Erwerbsarbeit befreien können: Wer Putzkräfte, Köche, Lieferservices, Kitas, Tagesmütter, Boten, Taxis, Pflegeheime etc. nutzt, hat ein von Mühen befreites privates Leben. Die von Markt, Kommune oder Staat erbrachten Dienstleistungen nehmen den Haushalten alle Tätigkeiten ab, die von den Individuen ungern oder aufgrund von Zeitzwängen nicht verrichtet werden. Die emanzipatorische Seite dieser Entlastung liegt darin, dass - vor allem hoch qualifizierte - Frauen von der klassischen Doppelbelastung in Haushalt und Beruf tendenziell befreit werden. Allerdings hat die Entlastung von Arbeit auch ihre Kehrseite: "In dem Maße, in dem der Städter von Mühen und Zwängen befreit wird, liefert er sich immer ausschließlicher den Anforderungen der beruflichen Arbeit aus" (ebd.: 111). Die Entlastung setzt entsprechende finanzielle Ressourcen voraus, und empirisch begründete Hoffnungen darauf, können nur wenige haben.
Mit diesen Dimensionen von Urbanität kommen ein ganzes Spektrum weiterer Themen und Fragen in den Blick.
2. Konflikte um Stadt und Urbanität
Einwanderungsstadt - Migration und Integration
Städte, vor allem Großstädte, sind durch Zuwanderung entstanden und können heute angesichts einer zahlenmäßig schrumpfenden und alternden (herkunfts-)deutschen Bevölkerung ihre Einwohnerzahlen nur halten oder gar wachsen, wenn Menschen - auch aus dem Ausland - zuwandern (vgl. Hillmann und Janßen in diesem Band). Was das Migrationsgeschehen und Maßnahmen zur Integration angeht, haben Städte kaum (Migration) oder einen sehr begrenzten (Integration) Einfluss. Städte können für sich werben und ein Image pflegen, das als einwanderungsfreundlich gelten kann, wie Toronto es mit dem Slogan "Diversity Our Strength" vorgemacht hat. Entscheidungen darüber, wer aus dem Ausland einwandern kann und wer nicht, werden aber nicht auf lokaler Ebene, sondern von Bundesregierung und Parlament getroffen.
Im Nationalen Integrationsplan ist mehrfach davon die Rede, dass Integration "vor Ort" (Bundesregierung 2007: 109) stattfinde. Die Rahmenbedingungen dafür werden aber in vielfacher Weise überlokal bestimmt. Die Integration in den Arbeitsmarkt und in den Wohnungsmarkt ist Sache der Unternehmen respektive Wohnungsbaugesellschaften und anderen Vermieter*innen, für die Integration in die Bildung sind vor allem die Schulen zuständig, die von den Ländern verantwortet werden, so dass den Kommunen bei der Integration in diesen gesellschaftlichen Kernbereichen eher nur die Rolle als "Moderatoren der Integration" (Bommes 2009: 102) zukommt. Das heißt allerdings nicht, dass Kommunen in diesen Bereichen keine Einflussmöglichkeiten hätten. Ob beispielsweise Kommunen ergänzende Angebote im Bildungsbereich anbieten, welchen Einfluss sie nehmen auf die Strukturen des Wohnungsmarkts, ob sie gegen Diskriminierung vorgehen, wie sie Möglichkeiten nutzen, Arbeitslose durch Sonderprogramme in die Arbeit zu reintegrieren, all das hat erhebliche Relevanz für Integrationschancen (vgl. Polat in diesem Band), denn es sind "[.] der regionale Arbeitsmarkt, das örtliche Bildungssystem, die konkrete Nachbarschaft und die lokale Politik, in denen strukturelle Prozesse und individuelle Verhaltensweisen in Wechselwirkungen treten" (Häußermann u.a. 2008: 313f.).
An der Frage, wie Integration von Immigrant*innen gelingt, entscheidet sich die Zukunft der Städte, das wird allein schon anhand der Bevölkerungszahlen deutlich. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Stadtbevölkerung liegt bei den westdeutschen Großstädten mit über 500.000 Einwohner*innen zwischen 24 (Essen) und 45 (Frankfurt
/M.) Prozent, bei den Kindern unter sechs Jahren sind es zwischen knapp 45 (Berlin) und 75 (Frankfurt/M.) Prozent (AMKA 2017: 36). Deutschland kann somit auch als eine postmigrantische Gesellschaft begriffen werden (Foroutan 2015). Selbst wenn die Aussiedler*innen und Vertriebenen kurz nach 1945 nicht mitgezählt werden, sind deutsche Städte ohne Immigration nicht mehr denkbar. Immigrant*innen sind in sozialer und kultureller Hinsicht aber keine homogene Gruppierung, sondern differenzieren sich zum einen nach sozioökonomischer Lage und Lebensstil aus und zum anderen nach der Perspektive der Migration (vgl. Pries 2008). Viele Migrant*innen entsprechen dem Typus des oder der dauerhaften Immigrant*in mit der Perspektive, im Ankunftsland zu bleiben, andere wollen nur zeitlich befristet bleiben, dritte haben enge Verflechtungen zum Herkunftsland und wechseln als sogenannte Transmigrant*innen womöglich mehrfach den Wohnort über Landesgrenzen hinweg. Je nach Lebenslage und Migrationstyp stellen sich Fragen der Integration unterschiedlich.
Integration wird hier nicht verstanden als Assimilation, sondern als Zugang von Immigrant*innen zu gesellschaftlichen Kernbereichen wie Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Recht, Religion etc. (vgl. Häußermann u.a. 2008: 313ff.; Bommes 2009). Ob und wie Teilhabe in diesen Bereichen gelingt, hängt einerseits von den Aspirationen und Ressourcen der Immigrant*innen ab, andererseits von rechtlichen Regelungen sowie der Bereitschaft der Gatekeeper wie Personalchefs und Vermieter*innen, ihnen den Zugang zu ermöglichen und unter Umständen sie dabei zu unterstützen, den Erwartungen in den verschiedenen Bereichen zu entsprechen. Kurz: Integration ist ein zweiseitiger Prozess, und durch den Verzicht auf die Zwänge der Assimilation kann "Integration ohne Vernichtung von Differenz" (Siebel 2015: 366) ablaufen. Urbanität, so Walter Siebel, zeigt sich daran, dass in Städten Fremdheit und Vielfalt der Lebensweisen ertragen wird, die Mechanismen dazu sind erstens der oben beschriebene großstädtische Sozialcharakter (Simmel), der sich mental von den Zumutungen der Großstadt separiert, und zweitens die residentielle Segregation (Park), die eine räumliche Trennung dort ermöglicht, wo das Nebeneinander unterschiedlicher Lebensweisen schwierig sein könnte.
Fragen der Migration und Integration gehören zu den politisch hoch umstrittenen Politikfeldern. So erfährt der politische Umgang mit der Fluchtmigration eine politische Neubewertung: Nach dem Sommer der Willkommenskultur 2015, als die Aufnahme von Flüchtlingen durch ein großes zivilgesellschaftliches Engagement unterstützt wurde, gab es spätestens nach der Bildung der neuen Bundesregierung eine Wende um 180 Grad, jetzt sollen >Ankerzentren< die Flüchtlingsfrage klären: Ankommen, entscheiden, rückführen - von Schutz vor Krieg und Verfolgung, Menschenrechten, Integration ist kaum noch die Rede. Entschieden werden diese Fragen von Bund und Ländern. Die Kommunen waren erst in der Pflicht, die Versorgung der Geflüchteten sicherzustellen und erste Integrationsschritte zu ermöglichen. Nun müssen sich einige Kommunen darauf einrichten, Lager mit 500, 1.000 oder mehr Geflüchteten zu verwalten, die vor allem den Zweck haben, Abschiebungen zu beschleunigen.
Und auch das Verständnis von Integration ist hoch umstritten. In Quartieren mit überdurchschnittlich hohen Anteilen migrantischer Wohnbevölkerung (vgl. Farwick in diesem Band) werden - trotz der sinkenden ethnischen Segregation (Helbig/Jähnen 2018) - Parallelgesellschaften oder gar Ghettos vermutet. Was das Wohnen von Geflüchteten angeht, so stellt sich etwa die Frage, ob sie möglichst verteilt über die Stadt wohnen sollten (Friedrichs 2016) und somit gleichsam unsichtbar werden oder ob nicht Enklaven als Orte der Unterstützung und Durchgangsstation zur Integration entstehen könnten. Und auch die Fragen der kulturellen Differenz und der Integration unter Aufrechterhaltung von Fremdheit markieren ein umkämpftes Feld (vgl. Breckner in diesem Band), denn ein Verzicht auf Assimilation, also des völligen Verschwindens jeglicher ethnischer Identitäten, geht einher mit Zumutungen wie das Aushalten von Unterschieden aufgrund von Fremdheit. Wenn Zuwanderung ausschließlich als Problemdiskurs aufgenommen wird, dann ist es nicht erstaunlich, wenn die Abwehr gegen Fremde an die Stelle der Toleranz und Anerkennung tritt. Setzen sich diese Abwehrhaltungen durch, stünde mehr auf dem Spiel als nur ein abstraktes Bild von Urbanität, denn mit Fremdheit verlören Städte einen Motor ihrer keineswegs nur ökonomischen "Produktivität" (Siebel 2015: 318) und damit ihre Integrationspotenziale - auch für Nicht-Migrant*innen.
Polarisierte Stadt - Soziale Ungleichheiten
Zur Diversität von Städten gehören nicht nur Unterschiede aufgrund von nationaler Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit, sondern auf der einen Seite auch soziale Ungleichheiten nach Einkommen, Bildung und Beruf (vgl. Kronauer/Siebel 2013), also den klassischen Kriterien der Schichtzugehörigkeit, und auf der anderen Seite kulturelle Ungleichheiten, die sich an unterschiedlichen Lebensstilen zeigen (vgl. Reckwitz 2017).
Mit dem Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelten sich in den USA grundlegende Veränderungen in den Formen sozialer Ungleichheit (vgl. Häußermann/Siebel 1995: 82ff.). Nach einer langen Phase des fordistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, in der soziale Ungleichheit sich abmilderte, haben in den USA seit den 1980er Jahren Prozesse der Deindustrialisierung und Tertiärisierung zu einer Polarisierung der Beschäftigen zwischen gut und schlecht qualifizierten und zu einer Polarisierung der Einkommensstrukturen geführt. Von Polarisierung kann man dann sprechen, wenn bei einer Dreiteilung der Einkommensgruppen (untere, mittlere, oberer Einkommen) die oberen und unteren Einkommensgruppen wachsen und die mittlere schrumpft. Solche Polarisierungstendenzen setzten in Deutschland später ein, und es sind vor allem die Stadtregionen, für die seit circa dem Jahr 2000 eine Polarisierung der Haushaltseinkommen nachgewiesen wurde (Gornig/Goebel 2013). Erklärt wird die Tendenz zur Polarisierung damit, dass in der Industrie (die meist männlichen) Facharbeiter und andere Beschäftigungsgruppen relativ gut bezahlt wurden und zum mittleren Einkommenssegment gehörten. In den verstärkt von Frauen und neuen, gering qualifizierten Migrant*innen übernommenen Dienstleistungen dagegen dominieren einerseits niedrige Gehälter bei haushaltsorientierten Dienstleistungen (Friseursalons, Kinderbetreuung, Essensbringdienste etc.), deren Produktivität kaum erhöht werden kann. Hohe Gehälter hingegen zeigen sich andererseits bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen, die der eigentlichen Produktion vor- oder nachgelagert sind wie Forschung und Entwicklung, Marketing, Rechtsberatung etc., dabei aber an die Produktivität der Industrie oder an hoch profitable Dienstleistungen etwa im IT-Bereich gekoppelt sind und entsprechend hohe Qualifikationen erfordern. Die Deregulierung des Arbeitsmarkts, so die These von Gornig und Goebel (ebd.), hat die polarisierenden Tendenzen von Deindustrialisierung und Tertiärisierung verstärkt.
Wenn der Befund der Polarisierung Bestand hat, dann können damit weitreichende Veränderungen gerade für die Städte verbunden sein, in denen die Dienstleistungen einen überproportional hohen Beschäftigtenanteil haben. Die >soziale Frage< (vgl. Kronauer in diesem Band) könnte sich neu stellen, etwa durch ein Segment von Niedriglöhnen, aus dem es kaum Aufstiegschancen gibt, bis hin zur sozialen Ausgrenzung von Langzeitarbeitslosen und Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die dem Stress der Arbeitsbedingungen in den produktivschwachen Dienstleistungsjobs nicht gewachsen sind (vgl. Kronauer 2010). Die >soziale Stadt<, die ein Merkmal europäischer Stadtentwicklung war (Siebel 2004), steht zur Disposition (vgl. Läpple in diesem Band) und neue Ausprägungen sozialer Ungleichheit spiegeln sich im Raum der Stadt. Quartierseffekte und sich verstärkende Benachteiligungen werden diskutiert.
Polarisierung und wachsende Spaltungen haben Folgen für die Wohnungsmärkte, die seit drei Jahrzehnten zunehmend der Regulation über den Markt überlassen wurden. Der Abbau des sozialen Wohnungsbaus und die Privatisierung kommunaler Wohnungsbestände haben das Segment preiswerter Mietwohnungen drastisch eingeschränkt. Die soziale Segregation nimmt zu (Helbig/Jähnen 2018), das Leitbild der "sozialen und ethnischen Mischung" (Bundesregierung 2007: 113) hat kein Fundament in der städtischen Wirklichkeit, wenn die sozialen Spaltungen zunehmen und die Wohnungspolitik auf nachhaltige Maßnahmen zur Schaffung eines marktfernen, bezahlbaren Segments verzichtet. Auf der anderen Seite geht mit der Reurbanisierung eine regelrechte Welle der Gentrifizierung einher, die Stadt wird zum "Kampfplatz" (Siebel 2015: 222). Unklar erscheint lediglich, welche sozialen Gruppen von welchen Formen der Verdrängung betroffen sind (vgl. Davidson 2008 sowie Frank in diesem Band) und wie Gentrification >gemessen wird<. Segregation und Quartierseffekte, Mischungspolitiken und Gentrification sind zusammen zu denken und weitergehende Fragen nach Dominanz- und Machtverhältnissen sind zu stellen (vgl. Rinn/Wehrheim in diesem Band).
Als Träger*innen der zuvorderst von der Angebotsseite forcierten Gentrifizierung kommen vor allem Angehörige der Lebensstile in den Blick, die Reckwitz (2017: 285) als "neue Mittelklasse" beschrieben hat. Sie unterscheidet sich von der alten Mittelschicht durch ihr hohes kulturelles Kapital, akademische Bildungsabschlüsse, eine Orientierung an Selbstverwirklichung und im Hinblick auf das Wohnen durch die Vorliebe für innenstadtnahe Altbaugebiete (ebd.: 316f.).
Neben den sozioökonomischen treten damit kulturell gefärbte Spaltungen ins Blickfeld, die ein komplexeres Bild sozialer Ungleichheiten in Städten offenbaren. Dieses Bild lässt sich eher mit Begriffen wie Zersplitterung und Fragmentierung (vgl. Häußermann u.a. 2008: 182ff.) angemessen beschreiben als mit der Spaltung der Stadt. Können fragmentierte Städte Orte der Urbanität bleiben in einem Sinn, wie Simmel und Park sie verstanden haben? Großstädtische Distanz wie auch segregierte Lebenswelten haben eine gemeinsame Voraussetzung: Die Aussicht auf Integration und soziale Mobilität. Jugendliche in Paris, London und vielen anderen Städten haben gewaltsam rebelliert, als ihre Zukunftsperspektiven extrem schlecht waren, als sie sich ausgegrenzt und nicht mehr wahrgenommen fühlten und von Null Toleranz-Politiken und racial profiling betroffen waren (Moran/Waddington 2015). Ausgegrenzte Jugendliche in Stadtviertel abzuschieben, in denen Marginalität nur noch überwacht und verwaltet wird, untergräbt jegliche Urbanität.
Digitalisierung
Sind soziale Ungleichheit und soziale Polarisierung klassische Themen der Stadtforschung und quasi traditionelle Konfliktfelder in Städten kapitalistischer Vergesellschaftung, so bilden Prozesse der Digitalisierung derzeit das vermutlich dynamischste Feld (auch großstädtischer) Veränderungen. Sie betreffen sowohl die Organisation des Lebens und der städtischen Infrastruktur als auch eines der hervorragendsten Merkmal großer Städte: ihre Anonymität. Es ist die Anonymität aufgrund von Größe, Dichte und Heterogenität und der erwähnten "unvollständigen Integration" (Bahrdt 2006 [1961]: 87) großstädtischer Sozialbeziehungen, die die Ambivalenz von Großstädten ausmacht: In Alltags- und politischen Diskursen dominieren oft Verluste von Gemeinschaft und Erzählungen von Vereinzelung und bestimmten Formen von Kriminalität. Aber nicht zuletzt Walter Siebel verwies immer gerade auch auf das freiheitliche Potenzial der Großstädte, darauf, mit einem Umzug von einer Stadt in eine andere sich neu erfinden zu können, sich durch das Leben in der Stadt von den rigiden informellen Kontrollen dörflicher Nachbarschaft und ihrer Normen, Moralvorstellungen und Rollenerwartungen befreien zu können. Großstadt bedeutet eben auch Freiheit zur Abweichung und die Chance, sich von der dominanten moralischen Ordnung emanzipieren zu können (Park 1984 [1925]).
Digitalisierung und ubiquitäres Computing verändern nun, was über einzelne Personen, soziale Beziehungen und Prozesse gewusst wird oder gewusst werden kann. Neben die hard surveillance, die sich auf bestimmbare Personen, Gruppen oder Orte richtet, zum Beispiel polizeiliche Videoüberwachung, tritt die soft surveillance (Marx 2006) mit dem "weichen" Produzieren respektive Entstehen von Daten, die für ganz unterschiedliche Prozesse genutzt werden können: Webcam Livebilder, die touristische Orte bewerben sollen, RFID-Chip-Karten zum Bezahlen im ÖPNV, Uhren, die den Puls und die Schritthäufigkeit messen, Apps, die von Sensoren erkannte freie Parkplätze anzeigen oder das verbreitete posten und liken auf facebook (vgl. Krämer-Badoni in diesem Band). Einige Entwicklungen der Digitalisierung und damit auch der potenziellen Überwachung sind explizit städtische Entwicklungen - zum Beispiel als Smart Cities wie Songdo (vgl. Löw/
Stollmann in diesem Band), in denen prospektiv unter anderem umfassende Vernetzungen verschiedenster Verkehrsformen avisiert werden. Die überwiegenden Neuerungen sind jedoch allgemeine sozio-technische Veränderungen, die >lediglich< in Städten relevant werden - etwa das Smart Home, bei dem die Türklingel mit Kamera und Smartphone verbunden ist und dem Paketdienst die Tür auch bei Abwesenheit geöffnet werden kann, oder die Nutzung des Handys und damit das unvermeidliche Entstehen von Bewegungsprofilen. Bei Big Data tritt das Identifizieren von Personen neben Risikokalkulation, ökonomische Interessen und die Organisation des Alltags. Die manifeste oder latente Funktion von Prozessen der Datenproduktion wird dabei je nach Kontext ganz unterschiedlich als Schutz, Erziehung, Vereinfachung oder Überwachung bewertet: Smartphone basierte Systeme des Geofencing etwa, bei denen als eine Art virtuelle Fußfessel GPS-Tracker Alarm auslösen, falls Kinder den von den Eltern vorgesehenen Bewegungsradius in der Stadt verlassen oder der >falsche< Straßenzug betreten wird.

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