Das Dorf unter dem Fußboden

 
 
Knautbold (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 1. September 2017
 
  • Buch
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  • Hardcover
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  • 148 Seiten
978-3-9504367-1-6 (ISBN)
 
Das beschauliche Dorf der Wan Tau, das mit viel handwerklichem Geschick unter dem Fußboden einer Menschenfamilie entstanden ist, wird von mächtigen Echsenreitern bedroht. Sie haben es auf einen kostbaren Stoff abgesehen, aus dem die Wan Tau alle erdenklichen Dinge formen können. Dieses Mal ist die Abwehr gerade noch gelungen, aber die Angreifer werden erneut zuschlagen. So macht sich der kleine Kobold Leto mutig auf eine abenteuerliche Reise, um Hilfe für sein Volk zu holen. Dabei macht er eine überraschende Entdeckung, die die Kobolde vor eine neue Herausforderung stellt. Kann es noch eine Rettung für das Dorf der Wan Tau geben?
  • Deutsch
  • Wien
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  • Österreich
  • Für Jugendliche
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  • Für Kinder
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  • Für Jungen und Mädchen ab 9 Jahren, die gerne Fantasy oder Abenteuergeschichten lesen. Für Fans der Filmreihen "Star Wars" und "Herr der Ringe". Das Buch ist reichlich illustriert, um auch "lesefaule" Kinder zu Leseratten zu machen. Auch geeignet zum Vorlesen.
  • 67 farbige Abbildungen
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  • 67 farbige Abbildungen
  • Höhe: 211 mm
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  • Breite: 136 mm
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  • Dicke: 17 mm
  • 382 gr
978-3-9504367-1-6 (9783950436716)
3950436715 (3950436715)
weitere Ausgaben werden ermittelt
5 - Einleitung 7 - Ein Nützenbeuter 13 - Der Herr des Hauses 21 - Noran 29 - Die Raunschwanderer 41 - Die Drachenechsen 51 - Die Abgesandten 57 - Tanjahu Van 69 - Die Reißermahren 81 - Die Schlammschrate 95 - Im Knautboldbau 105 - Leongrimm 115 - Das Echsenheer 133 - Ragnarok
EIN NÜTZENBEUTER

In der Küche der Familie Schmied raschelte etwas. Ganz leise, fast unhörbar, huschte ein kleines Wesen über den weißen Fliesenboden. Es war ein Wan Tau!
Die Wan Tau sind pelzige Wesen, ungefähr so groß wie ein halber Bleistift, aber mit großen Ohren und einem noch größeren Herzen. Sie sind meisterhafte Handwerker, die selbst aus den unscheinbarsten Dingen wundervolle Kunstwerke erschaffen können. Aus Stoffresten, die sie in der Welt der Menschen finden, nähen sie sich Kleider und aus achtlos weggeworfenen Küchenutensilien bauen sie sich ihre Häuschen.
Dies ist übrigens der Held unserer Geschichte: Leto.
Leto war ein Nützenbeuter. Diese Wan Tau schwärmten jeden Tag aus, um nützliche Dinge, die die Menschen nicht mehr brauchten, zu finden und ins Dorf zu bringen.
Leto und die anderen Wan Tau lebten zwar im Haus der Familie Schmied, aber diese wussten nichts von ihren kleinen Mitbewohnern. In der Tat achteten die Wan Tau sehr genau darauf, niemals entdeckt zu werden. Und sie entfernten sich niemals zu weit von ihrem Dorf. Die Schmieds hatten ihr Grundstück mit einem alten Gartenzaun eingegrenzt. Und der war für die Wan Tau die äußerste Grenze, die sie nie überschritten. Denn viel zu gefährlich war die Welt dort draußen für einen kleinen Wan Tau.
Leto kletterte an einem Küchenschrank empor und huschte flink zur Spüle. Dort stand eine rote Schüssel mit biologischen Abfällen, die bei der Vorbereitung des Mittagessens der Menschen angefallen waren. Üblicherweise fand Leto dort leckere Schalen und Reste von Radieschen, Tomaten, Gurken und manchmal sogar Äpfeln. Doch dieses Mal lief etwas schief!
Just als Leto sich hochschwingen wollte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte mitsamt der Schale zu Boden. Es gab einen lauten Knall und Leto schlug sich unsanft den Kopf an. Halb benommen erhob er sich aus den Gemüseresten und putzte sofort aus Gewohnheit seine Ohren. Den Knall mussten die Menschen aber gehört haben - oder noch schlimmer: das pelzige Untier, das in diesen Gemäuern hauste!
Die Wan Tau waren ein kluges Volk. Sie wussten, dass das pelzige Untier der Hausherr dieser Menschenbehausung war und daher erzürnt sein würde über Letos Versuch, Essensreste zu stibitzen.
Geschwind packte der Wan Tau einige Salatblätter und Paprikastücke in seinen Beutel und eilte quer durch das Wohnzimmer der Menschen. Dies war der kürzeste Weg zu seinem Bau. Er hatte sich bisher noch nie getraut, diesen Weg zu wählen, da es im Wohnzimmer keinen Zugang zum geheimen Tunnelsystem seines Dorfes gab.
"Fchrrrrr", fauchte es plötzlich. Es war zu spät, das graue Untier hatte Leto bemerkt und schnitt ihm nun den Weg ab. Noch nie zuvor hatte Leto die Bestie aus nächster Nähe gesehen. Sie hatte glühend gelbe Augen, einen garstigen Kamm auf dem Rücken und scharfe Reißzähne. Das Allerschlimmste jedoch waren ihre scharfen, langen Krallen, mit denen sie sogar die Wände erklimmen konnte. Leto japste. Diese furchtbaren Krallen! Und diese messerscharfen Blicke, mit denen das Untier Letos kleinen Körper durchdrang.

DER HERR DES HAUSES

Letos winziges Herz pochte wild. Lauf, Leto!, dachte er. Jetzt! Und der kleine Kobold rannte so schnell er konnte.
Die Gedanken des pelzigen Untiers waren sehr vielschichtig und schwer zu verstehen. Viel zu verworren, um sie in Worte fassen zu können. Hätte man die Möglichkeit gehabt, einen Blick in den Geist des Hausherren zu werfen, hätte man wahrscheinlich dies zu sehen bekommen:
Leto schlug mehrere Haken, um das Untier abzuhängen, und rannte auf den langen Gang zu. Doch das Biest sah nicht nur furchteinflößend aus, es war auch gefährlich schnell. Immer wieder musste Leto ruckartig die Richtung wechseln und immer wieder holte ihn die dunkle Bestie ein. Doch da, endlich, sah der junge Wan Tau die Pforte zur Abstellkammer. Es war eine kleine, durchsichtige Luke dicht über dem Boden. Leto schlüpfte hastig hindurch und verkeilte den Durchgang von innen, damit ihm die Bestie nicht in die Abstellkammer folgen konnte.
Die Öffnung musste vor langer Zeit von einem anderen Wan Tau klugerweise in die Holztür eingearbeitet worden sein, damit die Wan Tau ungehindert in ihr Dorf gelangen konnten. Leto verstand nur nicht, warum sein Vorgänger den Durchgang so groß gemacht hatte, dass auch das Untier hindurchschlüpfen konnte. Viel klüger wäre es doch gewesen, das Türchen so klein zu machen, dass gerade einmal ein Wan Tau hindurchpasste. Außerdem störte ihn die große, weiße Kiste, die in der Ecke stand und die das Untier als Toilette missbrauchte.
Die Bestie fauchte vor dem versperrten Schlupfloch und pochte mit ihren gefährlichen Pranken gegen die verkeilte Öffnung. Doch es half nichts - sie konnte in die Abstellkammer nicht hinein und nach einiger Zeit zog sie sich grollend zurück. Das ist noch mal gut gegangen, dachte Leto und huschte zu einer bestimmten Planke im Boden. Es war besser, nicht zu lange in der Welt der Menschen zu bleiben. Er klopfte dreimal langsam, dann zweimal schnell, dann wieder dreimal langsam. Das war das geheime Klopfzeichen der Wan Tau. Und nach einer Weile hob sich an einer anderen Stelle im Fußboden ein Bodenbrett und gab den Weg frei .
. zu einer beeindruckenden kleinen Siedlung, die unter dem Holzfußboden versteckt war. Die liebevoll errichteten Gebäude waren aus alten Ästen, Baumrinden, stibitztem Bastelholz des Menschenvaters, Karton und Garn errichtet worden. Es fanden sich aber auch alte Blumentöpfe, in die die kleinen Kobolde Tür- und Fensteröffnungen gemeißelt hatten. Gebrauchsgegenstände wie Kochlöffel und unterschiedliche Teile von weggeworfenen Elektrogeräten, Küchenmaschinen und altes Spielzeug hatten sie ebenfalls als Baumaterialien verwendet. Zwischen den Gebäuden spannte sich ein Netz aus winzigen Seilbrücken, Stegen und Plattformen. Die Wan Tau waren geschickte Handwerker und sehr einfallsreich beim Wiederverwerten von Dingen, die sie - sagen wir einmal - in der Menschenwelt "ausgeborgt" hatten. Um das Dorf herum standen immer wieder Pfosten, senkrechte Holzstücke, die den Holzboden der Menschen über dem Dorf abstützten.
Leto huschte durch das Labyrinth aus Wegen und Verzweigungen, bis er zu einem besonderen Häuschen kam, aus dem es angenehm duftete. Es war das Heim des Dorfkochs, Gordo Vego. Gordo Vego war aber nicht nur ein begnadeter Koch, er war auch der geniale Geist, der das Geheimnis des gelée de création kannte. Das war ein magischer Stoff, aus dem die Wan Tau alle nur erdenklichen Formen erschaffen konnten: Teller und Löffel, sogar Werkzeuge und Fensterrahmen.
"Du hast mir Salatblätter mitgebracht, Leto. Das war genau jene Zutat, die mir für die Zubereitung des heutigen Abendmahls noch gefehlt hat", freute sich der Koch.
"Gern geschehen, Gordo", entgegnete Leto.
"Ist alles glatt gelaufen?", fragte Gordo Vego. "Du siehst etwas abgehetzt aus."
"Nein, nein, es war ganz leicht", grinste Leto keck. Gordo Vego schaute Leto eindringlich an und musste dann lachen.
"Na, wenn du meinst. Mach dich fertig. Bald gibt es Abendessen!"

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