Wie heiß ist das denn?

(K)ein Liebes-Roman
 
 
Aufbau Taschenbuch (Verlag)
  • 3. Auflage
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  • erschienen am 15. Juni 2018
 
  • Buch
  • |
  • Softcover
  • |
  • 341 Seiten
978-3-7466-3407-4 (ISBN)
 

Früher war mehr Liebe? Von wegen!

Mitte vierzig ist ein komisches Alter, findet Bea. Mal fühlt sie sich jung und knackig wie eh und je, dann wieder melden sich Hitzewellen und Stimmungsschwankungen. Dass sich der Versöhnungssex mit ihrem Freund als Abschiedssex herausstellt, hebt ihre Laune auch nicht gerade. Warum gerät sie immer an die Falschen? Der Frust ist komplett, als Mutter Rosi, 64, und Tochter Mona, 19, mit neuen Liebhabern auftauchen - beide in Beas Alter. Geht gar nicht! Bea beschließt, erst mal männerlos glücklich zu werden. Aber dann steht mit Theo ein Mann vor ihr, der zwar definitiv der Falsche ist, ihr jedoch einen Hitzetsunami nach dem anderen beschert.

Drei Frauen aus drei Generationen suchen die Liebe - und finden sie dort, wo sie sie am wenigsten vermuten.


3. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • Klappenbroschur
  • Höhe: 205 mm
  • |
  • Breite: 132 mm
  • |
  • Dicke: 30 mm
  • 349 gr
978-3-7466-3407-4 (9783746634074)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Ellen Berg, geboren 1969, studierte Germanistik und arbeitete als Reiseleiterin und in der Gastronomie. Heute schreibt und lebt sie mit ihrer Tochter auf einem kleinen Bauernhof im Allgäu. Ihre Romane „Du mich auch. (K)ein Rache Roman", „Das bisschen Kuchen. (K)ein Diät-Roman", „Den lass ich gleich an. (K)ein Single-Roman", „Ich koch dich tot. (K)ein Liebes-Roman", „Gib's mir, Schatz! (K)ein Fessel-Roman", „Zur Hölle mit Seniorentellern! (K)ein Rentner-Roman", „Ich will es doch auch! (K)ein Beziehungs-Roman", „Alles Tofu, oder was? (K)ein Koch-Roman", „Blonder wird's nicht. (K)ein Friseur-Roman", „Ich schenk dir die Hölle auf Erden. (K)ein Trennungs-Roman, „Manche mögen's steil. (K)ein Liebes-Roman" und „Wie heiß ist das denn? (K)ein Liebes-Roman" liegen im Aufbau Taschenbuch vor und sind große Erfolge.

 

Kapitel 1

 

Drei Monate später

»Entschuldigung«, ertönte eine wohlklingende Männerstimme, »bin ich hier richtig bei Bea Lindemann?«

Ach du liebes bisschen. Ein Kunde? Um diese späte Uhrzeit?

Bea schaute von den Seidenkissen auf, die sie auf einer pfirsichfarbenen Ledercouch hin und her geschoben hatte. Sie konnte es einfach nicht lassen. Nicht mal heute, am Vorabend ihres Geburtstags. Obwohl die Uhr bereits kurz nach acht zeigte und Bea das Buffet für die morgige Party vorbereiten musste, war sie noch schnell in ihren Laden geschlüpft, um das Arrangement im Schaufenster zu überprüfen. Ohnehin neigte sie zum Perfektionismus, außerdem hatte sich für den folgenden Morgen ein potenzieller Auftraggeber angesagt. Da musste alles tipptopp aussehen. Dummerweise hatte sie vergessen, die gläserne Eingangstür abzuschließen.

»Frau Lindemann?«

»Ja, ich .«, flüchtig musterte sie den Eindringling, einen hochgewachsenen Herrn mit Hornbrille, »das heißt, nein, der Laden ist schon geschlossen, und ich habe leider noch zu tun. Deshalb muss ich Sie auf morgen vertrösten. Ab zehn Uhr stehe ich wieder zu Ihrer vollen Verfügung, wenn's recht ist.«

»Verstehe.«

Er sah sich interessiert um. Beas Laden in der Fontanestraße sieben war ja auch absolut sehenswert. Zwei Räume, einer hellgrün, einer dunkelviolett gestrichen, angefüllt mit originellen Designermöbeln: Beistelltische aus verwittertem Treibholz, pyramidenförmige Schränke mit pastellfarbenen Schleiflackflächen, bunte Kunstleder-Sitzsäcke, Lampen aus recycelten Industrieblechen. Im Durchgang zwischen den Räumen stand ein Strauß weißer Gladiolen in einem achteckigen Schirmständer aus gehämmertem Aluminium.

»Sehr aparte Sachen haben Sie hier«, sagte der Mann anerkennend.

Sein Lob tat Bea gut. Sie war stolz auf ihr ungewöhnliches Sortiment - auch wenn die Wohn(t)räume immer noch bedenklich vor sich hin dümpelten. Die meisten Leute rannten eben lieber in seelenlose Möbelhäuser, wo man weder Qualität noch Einzigartiges bekam, aber billig shoppen konnte. Ex und hopp, hieß die verbreitete Devise. Irgendwelche Schnäppchen ergattern, die nach wenigen Jahren auf dem Sperrmüll landeten, und dann wieder was Neues.

Selbst die Großkunden setzten mittlerweile auf Massenware. Gerade war Bea ein wichtiger Auftrag durch die Lappen gegangen, die Neugestaltung des Hotels Residenz. Buchstäblich im letzten Moment war der Geschäftsführer abgesprungen. Nun saß sie auf fünfzig weißen Stoffrollos, die sie bereits bestellt hatte und weder zurückgeben noch bezahlen konnte. Nur abstottern. Ohne ihre Mutter, die ihr dann und wann finanziell unter die Arme griff, wären Bea und ihr Laden längst erledigt gewesen.

»Danke schön«, sie räusperte sich, »freut mich, dass es Ihnen gefällt.«

Der Mann nickte, während seine rechte Hand über eine Tischplatte aus bemalten Jugendstilkacheln strich. Sympathischer Typ eigentlich, dachte Bea, die ihn jetzt erst richtig wahrnahm. Groß, kultivierte Ausstrahlung, markantes Gesicht, dem die Hornbrille einen intellektuellen Touch verleiht. Nicht übel. So sehen Kunden aus, die das Individuelle zu schätzen wissen. Außerdem verströmte sein heller, leicht verknitterter Leinenanzug genau jene nachlässige Eleganz, die sie bei Männern mochte.

Sein Blick verweilte kurz auf ihr, um dann wieder über die Möbel zu schweifen. »Wirklich sehr apart.«

Eine heiße Welle überlief Bea. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er sie durch seine Brillengläser hindurch angefunkelt, mit Augen, unergründlich blaugrau wie das aufgewühlte Meer bei Gewitter. Oha. Sie legte einen Handrücken auf ihre Stirn. Entweder war dies der wärmste September seit Menschengedenken, oder sie hatte Spontanfieber. War doch nicht normal, dass ihr der Schweiß ausbrach. Einfach so, aus heiterem Himmel.

Tja, Bea-Schatz, der interessiert sich nicht nur für deine Möbel, wisperte ihre innere Stimme.

»Wie gesagt, äh, morgen früh . also, ich habe jetzt absolut keine, hm, Zeit«, stammelte sie.

Ungerührt setzte sich der Mann in einen nierenförmigen Sessel, der mit schwarz-rosa gefärbtem Kuhfell bespannt war. Auch so ein extravagantes Teil, nichts für den Durchschnittsgeschmack.

»Gefällt mir außerordentlich«, verkündete er und schlug die Beine übereinander. »Eigenwillig, aber überraschend bequem.«

Sympathisch, aber überraschend hartnäckig, korrigierte Bea ihren ersten Eindruck. Hatte sie denn nicht laut und deutlich gesagt, sie habe keine Zeit? Wieso konnten Männer Autos reparieren, Herzen verpflanzen und zum Mond fliegen, aber nie, wirklich nie zuhören? Sie musste noch Berge von Gemüse schnippeln, die Garnelen anbraten, den Nudelteig für selbstgemachte Ravioli fabrizieren und die Dekoration für ihre Geburtstagstafel zusammenstellen.

Dennoch zögerte sie. Wann verirrte sich schon mal ein attraktiver Mann in ihre Wohn(t)räume? Denn attraktiv war er, so viel stand fest.

Blödsinn, ermahnte sie sich. Schon vergessen? Das Thema Männer hast du doch auf Eis gelegt. Nach Fred ist erst mal Sendepause, so hast du es beschlossen, so hast du es allen gesagt: Leute, kein Mitleid, keine Kuppelversuche, keine Dates, ich bin vorerst bedient. Gebt mir Luft zum Atmen. Mindestens ein, zwei Jahre lang werde ich wie eine Nonne leben, um herauszufinden, wer ich bin und was ich will. Ohne Mann.

So weit der Plan. Doch seit Fred sie verlassen hatte, weil er sich lieber mit Frauen vergnügte, die halb so alt wie Bea waren, kam sie sich ganz schön abgehängt vor. Da konnte sie froh sein, wenn sie wenigstens ein Kompliment für ihren Laden einheimste. Von einem attraktiven Mann wohlgemerkt, noch dazu im richtigen Alter. Sie schätzte ihn auf Anfang, Mitte vierzig. Im selben Moment wurde ihr bewusst, dass sie ausgerechnet jetzt ihre ausgebeulte Latzhose trug, die nur bei langbeinigen Siebzehnjährigen mit Hammerfigur als vorteilhaft durchging.

»Der Tisch dort - der sieht aus, als sei er aus Schiffsplanken gezimmert«, sprach der hartnäckige Kunde weiter und deutete auf einen wuchtigen Esstisch. »Sehr ungewöhnlich, sehr eindrucksvoll. Offenbar sind Sie eine bemerkenswert stilbewusste Frau.«

Lächelnd schaute er sie nun direkt an. Wow. Sein Blick, prüfend und eine Spur amüsiert, ging ihr durch und durch, was nicht ohne Wirkung auf ihre ohnehin erhöhte Körpertemperatur blieb. Sie sah auf die Uhr. Das Buffet machte sich nicht von selbst, daher wusste sie, was zu tun war - sie würde diesen ungebetenen Besucher eins, zwei, drei hinauskomplimentieren.

»Ich muss Sie jetzt wirklich bitten zu gehen.« Bea erwiderte sein Lächeln nur schwach. »Wie bereits erwähnt, habe ich zu tun.«

Unverwandt schaute er sie an, dann holte er tief Luft.

»Damit du mich erhörst, machen sich meine Worte manchmal so zart wie die Spuren der Möwen auf dem Strand 

Wie war das? Verzückt hielt Bea inne, auch ein wenig verwirrt. Soeben hatte er eine empfindsame Saite in ihr angezupft, ließ sie sacht erzittern, brachte sie zum Klingen.

». und ich sehe sie fern von mir, meine Worte. Deine sind sie mehr als meine. Sie klettern an meinem alten Schmerz empor wie Efeu«, vollendete sie die Zeile.

Dann starrte sie in seine blaugrauen Augen, in denen auf einmal eine deutlich spürbare Wärme lag. Dieser Mann war eine zwölf auf einer Skala bis zehn. Wenn Bea nicht jedem Flirt abgeschworen hätte, wäre es einer jener magischen Momente gewesen, in denen zwei Menschen einander anschauten und sich schon ewig zu kennen meinten. Gott sei Dank war sie immun gegen solche Momente.

»Sie kennen die Liebesgedichte von Pablo Neruda?« Der Kunde strahlte. »Das nenne ich eine Fügung!«

Ja, Bea kannte diese Gedichte und liebte sie so sehr wie Opern. Weil sich darin eine bessere Welt auftat, eine Welt der innigen Gefühle, weit weg von der trostlosen Wirklichkeit irgendwelcher Beziehungen.

»Na ja, noch seltener kommt vor, dass Männer Gedichte kennen.«

»Die Liebe zum Wunderbaren gehöre dem Poeten, meinte der olle Goethe, und ich stimme ihm zu«, erklärte er. »Lieben Sie auch das Wunderbare, Frau Lindemann?«

»Also, ich .«

Sie verstummte, denn in diesem Moment flog die Eingangstür auf, und wie ein frischer Wirbelwind kam ihre Tochter Mona hereingestürmt. Ihr bezauberndes kleines Mädchen, das mittlerweile zu einer bezaubernden jungen Frau herangewachsen war. Beas Herz vollführte einen Hüpfer. Sobald Mona zu Hause reinschneite, war die starke Supermami, die Unabhängigkeit predigte, einfach abgemeldet. Dann wollte Bea nur noch ihren kleinen Liebling an sich drücken und nie wieder loslassen.

»Mein Hase, wie schön, dass du da bist!«, rief sie überschwänglich und breitete die Arme aus.

Auch ihre Tochter breitete die Arme aus. Zu Beas größter Verblüffung steuerte Mona jedoch nicht sie, sondern den Kunden an, der sich vom Sessel erhoben hatte. Vertraulich hängte sich ihr Töchterchen an den wildfremden Mann und hauchte ihm nun auch noch einen - Himmel, nein! - einen Kuss auf die Wange?

»Hey, hey, wie ich sehe, haben sich meine beiden Lieblingsmenschen schon geadded, also, miteinander bekannt gemacht!« Monas herzförmiges Gesicht strahlte, übermütig schüttelte sie ihr langes dunkles Haar im spiegelglatten Sleek-Look. »Mami, das ist Julian. Ist er nicht mega?«

Wie ein begossener Pudel stand Bea da. Ach, so lief das also. Seit...


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