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Lange Zeit galt der Mensch als egoistisches Einzelwesen. Ein falsches Verständnis der Evolutionstheorie und jüngere Theorien wie die vom 'egoistischen Gen' stützten diese Auffassung. Doch die neueste Forschung aus vielen Bereichen der Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild. In der Entstehung des Menschen war das Leben in der Gruppe das entscheidende Element. Der Mensch wurde klug, weil er lernen musste, sich in seiner Umwelt, nämlich der anderer Menschen, zurechtzufinden. Werner Siefer stellt zum ersten Mal alle aktuellen Theorien zusammen, die zeigen, dass der Mensch ein Gemeinschaftswesen voller Mitgefühl für andere ist. Er verknüpft biologische, neurowissenschaftliche, psychologische, soziologische und philosophische Erkenntnisse zu einem neuen großen Bild vom Menschen.
Werner Siefer, Diplom-Biologe, arbeitet seit mehreren Jahren als Redakteur im Ressort Forschung und Technik des Nachrichtenmagazins Focus. Seine Spezialgebiete sind Hirnforschung, Life Sciences, Evolution, Anthropologie und Archäologie. Bei Campus erschien von ihm 'Ich. Wie wir uns selbst erfinden' (2006, gemeinsam mit Christian Weber). Auszug aus dem Inhalt: Kapitel 7 Ein Lob der Fairness (S. 226-227)
Reiche haben es nicht leicht. Welches Auto soll man kaufen, wenn man schon einige besitzt und das neue Modell nach zwei Wochen schon wieder langweilt? Wohin reisen, wenn man doch jeden schicken Ort dieser Welt zu kennen meint? Und welche Segeljacht erwerben, um die man sich dann nur wieder kümmern muss? Eine Sonnenbrille, die das halbe Gesicht bedeckt, kostet schließlich gerade mal einen monatlichen Hartz-IV-Satz. Hinzu kommt die ewige Last mit dem Geld, dem legalen wie dem illegalen. Wo ist es vor Entdeckung sicher und vor Verfall geschützt?
Wohin es schichten, damit es sich am Ende vermehrt – um anschließend doch nichts anderes zu tun, als die gleiche Frage zu stellen: Wohin damit? Das Bild von den Reichen, derer »da oben«, wie es im Volksmund heißt, mag nicht immer der Realität entsprechen. Aber die »da unten« denken so. Sympathien und Mitgefühl sind den Wohlhabenden in der Bevölkerung alles andere als sicher, speziell in den Zeiten der größten Finanzkrise der Nachkriegszeit und diverser Steuerskandale in Deutschland.
Das weiß auch der Berliner Philosoph Bruno Haas. Er ist selbst wohlhabend, seitdem er Anteile an einem Chemieunternehmen erbte, die so viel abwerfen, dass er nicht mehr für Geld arbeiten muss. Und deswegen ist ihm nicht fremd, wie er seinen Stand am besten anspricht: Wer hat, der sollte nicht nur durch ein Leben in Luxus und Abgrenzung von sich reden machen, sondern sein schlechtes Image korrigieren, indem er etwas abgibt. Visionäre des Weltbewusstseins Zusammen mit anderen Wohlhabenden startete Haas im Frühjahr 2009 die Initiative »Vermögende für eine Vermögensabgabe«.
Jeder, der 500 000 Euro oder mehr an Vermögen besitze, so ihre Anregung, solle zunächst zwei Jahre 5 Prozent von seinem Besitz hergeben. Im Anschluss solle dauerhaft eine Vermögenssteuer von mindestens 1 Prozent jährlich in Kraft treten. Die Reichen wollen den Reichen an den Geldbeutel – und das auch noch freiwillig. Haas’ Schätzungen zufolge ließen sich durch eine solche Abgabe jährlich bis zu 50 Milliarden Euro erlösen – und entsprechend Gutes tun mit Geld, das die Eigentümer nicht mehr benötigen. Der Ertrag könne etwa dazu dienen, die Wirtschaft ökologisch umzubauen, die Sätze für BAföG und Hartz IV zu erhöhen und die Länder der sogenannten Dritten Welt zu unterstützen.
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