Das dreibändige Werk beinhaltet die wichtigsten Themen der Volkswirtschaftlehre im Rahmen eines Bachelorstudiums. Grundlage des Inhalts ist der Rahmenplan, den das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg für das Bachelorstudium an den Berufsakademien vorgegeben hat. Konzept und Aufbau entsprechen auch den Rahmenplänen an Hochschulen und Universitäten. Die drei Bände bieten somit eine fundierte Grundlage,um ein Grundstudium der Volkswirtschaftslehre erfolgreich bestreiten zu können. Jeder Band entspricht einem Studienjahr bzw. zwei Modulen. Die Bände bauen zwar thematisch aufeinander auf, sind aber unabhängig voneinander gestaltet, so dass jeder Band für sich gelesen werden kann.
Der Autor
Dr. Lothar Wildmann ist Professor für Volkswirtschafts lehre an der Berufsakademie Villingen-Schwenningen (Duale Hochschule) und leitet den Studiengang Betriebswirtschaftslehre und Mittelständische Wirtschaft.
Auszug aus dem Inhalt:3 Preisniveaustabilität und Inflation (S. 45-46)
Im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit wird Inflation von vielen als eher unbedeutendes und harmloses Problem empfunden. Die jetzige Generation ist in einer Zeit aufgewachsen, die Inflation beziehungsweise Geldentwertung kaum kennt, geschweige denn Hyperinflation. Im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit, von der man selbst betroffen sein könnte oder ist, scheint das mögliche Unheil einer Inflation weit weg, sofern es als solches überhaupt bekannt ist. Inflation als Gefahr ist (medial) nicht präsent.
Ob und inwieweit Inflation und gegebenenfalls auch das Gegenteil von Inflation, nämlich die Deflation, tatsächlich eine Gefahr für die Zukunft darstellen, wird zu klären sein. Dass es Gefahren und Probleme durch Inflation schon immer gegeben hat, zeigt ein Blick in die wirtschaftspolitische Geschichte.
3.1 Inflation im Spannungsfeld von Deflation und Hyperinflation
Als Einstieg in das Thema Inflation sind drei Fälle ausgewählt, die die unterschiedlichen Facetten von Inflation zum Ausdruck bringen. Fall 1 beschreibt die Situation Ende des neunzehnten Jahrhunderts in den USA, in der Inflation mit umgekehrtem Vorzeichen als Deflation auftrat. Spektakulär und verheerend, was die Auswirkungen anbelangt, kommt Fall 2 daher, nämlich die Hyperinflation in Deutschland in den zwanziger Jahren. Nicht spektakulär, aber interessant und aufschlussreich sind auch die „normalen" Zeiten. Fall 3 beschreibt Inflation als „Feind und Freund" in den siebziger Jahren.
3.1.1 Fall 1: Deflation und der Zauberer von Oz
Die USA hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Gegenteil einer Inflation, das heißt mit einer Deflation auseinanderzusetzen. Nach einemmassiven Preisverfall lag das Preisniveau von 1896 23 Prozent unter dem Niveau von 1880. Dies führte zu erheblichen Vermögensumverteilungen. Die meisten Bauern im Westen waren Schuldner. Deren Gläubiger waren Bankiers im Osten. Das Absinken des Preisniveaus führte dazu, dass der Realwert der Schulden zu Lasten der Bauern und zu Gunsten der Banken als Gläubiger anstieg.
Um das Problem zu lindern, wurde – politisch heftig! – diskutiert, den Goldstandard durch einen Bimetallstandard zu ersetzen und neben Goldmünzen auch Silbermünzen zu prägen. Durch den damit verbundenen Anstieg des Geldangebots und des Preisniveaus hätte sich auch wieder der Realwert der Schulden der Bauern verringert. Ein Befürworter des Bimetallstandards war William Jennings Bryan, der demokratische Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Jahre 1896. Wahlgewinner war jedoch der Republikaner William McKinley und die USA behielten den Goldstandard bei.
Die Beschreibung dieses wirtschaftlichen und politischen Szenarios der damaligen Zeit ist dem Buch „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre" von Gregory Mankiw entnommen.23 Mankiw weist auch darauf hin, dass die geldpolitischen Gegebenheiten der damaligen Zeit in einem Kinderbuch und in dem auf diesem Buch beruhenden Film verarbeitet wurden. Buch und Film dürften uns allen bekannt sein. Es handelt sich um „Der Zauberer von Oz"! ‚Diese Geschichte von L. Frank Baum aus dem Jahre 1900 und deren Verfilmung 1939 kann somit als Allegorie der amerikanischen Geldpolitik im späten neunzehnten Jahrhundert gedeutet werden.