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zur Printausgabe

Kurt Weis

Zeitstrategien in Innovationsprozessen

Autor: Kurt Weis
Verlag: DUV Deutscher Universitäts-Verlag
Band: 0
Zusatzinfo: 1. Ausgabe, 237 Seiten.
ISBN13: 9783835091610
ISBN10: 3835091611
Erschienen: 2007
Medientyp: E-Book
Einbandart: ebook
Sprache: Deutsch
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3835091611 (4939 KB)

Spätestens mit dem Klimawandel hat das Thema ?Nachhaltigkeit? existenzielle Bedeutung gewonnen und wird auch in der breiten Öffentlichkeit intensiv diskutiert: Alle Akteure sind angehalten, bereits heute und nicht erst in ferner Zukunft zu handeln. Die Autoren dieses Sammelbandes untersuchen zunächst theoretisch die Zeitlandschaften und die vielfach unterstellten Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie. Auf der Basis von Interviews und Workshops mit Experten aus Industrie, Forschung und öffentlicher Verwaltung analysieren sie anschließend (individuelle) Zeitorientierungen und stellen Visionen einer umweltgerechten Mobilität vor. Eine zeitstrategische Studie konkreter Innovationsprojekte zeigt auf, welche Barrieren regelmäßig zum Scheitern von Innovationen führen und wie sie überwunden werden können. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung lassen sich Schlussfolgerungen zur Gestaltung des gesellschaftlichen Innovationsprojektes ?Nachhaltige Mobilität? ableiten.
 
Auszug aus dem Inhalt:
Zur Einführung: Nachhaltigkeit und Zeit ? ein gesellschaftliches Innovationsprojekt am Beispiel ?Mobilität" (S. 1)

Michael Schneider

1 Vom Schicksal großer Ideen

?Wenn ein bedeutender Mann eine Idee in die Welt setzt, so wird sie sogleich von einem Verteilungsvorgang ergriffen, der aus Zuneigung und Abneigung besteht, zunächst reißen die Bewunderer große Fetzen heraus, so wie sie ihnen passen, und verzerren ihren Meister wie die Füchse das Aas, dann vernichten die Gegner die schwachen Stellen, und über kurz bleibt von keiner Leistung mehr übrig als ein Aphorismenvorrat, aus dem sich Freund und Feind, wie es ihnen paßt, bedienen. Die Folge ist eine allgemeine Vieldeutigkeit. Es gibt kein Ja, an dem nicht ein Nein hinge."

Robert Musil: ?Der Mann ohne Eigenschaften", aus: ?85. General Stumms Bemühung, Ordnung in den Zivilverstand zu bringen"

Eine solche Idee ist ?Nachhaltigkeit". Lässt sich unsere Mobilität nachhaltig gestalten? Den Anfang des Nachhaltigkeits-Konzeptes markiert der 1987 erschienene Brundtland-Bericht, der für eine neue Art steht, globale Probleme zu sehen und auch praktisch anzugehen: Ökologische, aber auch die weltweit wachsenden Armutsprobleme werden als ?Teil einer einzigen Krise" (Hauff, 1987, S. 4) wahrgenommen, und das Nachhaltigkeitsprinzip sollte nicht länger als bloße ?regulative Idee" oder moralphilosophische Debatte eine Rolle spielen.

Vielmehr stellt Nachhaltigkeit eine optimistische Antwort auf diese Krise dar ? eine Antwort, die verspricht, Probleme der intra- und intergenerationalen Gerechtigkeit zu lösen: Durch ?nachhaltiges Wirtschaften" lassen sich unsere natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft sichern und befriedigende Lebensbedingungen für alle Menschen schaffen.

Eine Idee, die beansprucht, solches zu leisten, muss auch im Sinne Robert Musils als wahrhaft groß verstanden werden. Entsprechend ist auch mit obigem ?Verteilungsvorgang" und mit ?allgemeiner Vieldeutigkeit" zu rechnen. In der Tat besteht seit nunmehr fast 20 Jahren mit Blick auf so generelle Prinzipien wie ?intergenerationale Gerechtigkeit" zwar ein relativ breiter Konsens, und es gibt wohl kaum einen gesellschaftlichen oder politischen Akteur, der sich nicht einen ?großen Fetzen" davon herausgerissen hätte.

Über alle konkreteren und stärker auf die Umsetzung bezogenen Schlussfolgerungen aus dem ?nachhaltigen Wirtschaften" herrscht aber das Prinzip ?Zuneigung und Abneigung", womit sich zahlreiche Konfliktfelder öffnen und die zu lösenden Probleme sich im Grunde bis heute haben trefflich vertagen oder aussitzen lassen.

Konzilianter ausgedrückt: ?Diese Konzepte [einer nachhaltigen Wirtschaftsweise] formulieren sehr anspruchsvolle Forderungen und Ambitionen, die gesellschaftliche und politische Akteure vor neuartige Herausforderungen stellen." (Beschorner et al., 2005, S. 20)

Bei der Umsetzung komme es nämlich in besonderer Weise ebenso auf neue Formen der Partizipation an, wie auch neue Konsum- und Produktionsmuster seitens der Verbraucher bzw. der Privatwirtschaft unverzichtbar seien, schließlich sei Nachhaltigkeit ?in hohem Maße auf Innovationen und gesellschaftliche Lernprozesse in den verschiedensten Bereichen angewiesen" (a.a.O., S. 21, Hervorh. im Orig.)

Mit mehr ?Innovation" und ?Partizipation", mit neuen ?integrierten" und ?effizienteren" Produktionsprozessen und veränderten Verbrauchsgewohnheiten sind bereits zentrale Strategien der Umsetzung von Nachhaltigkeit benannt ? Strategien, bei denen sich im Übrigen auch trefflich zwischen ?Freund und Feind" unterscheiden lässt.
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