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Michael Horeni

Die Brüder Boateng

Drei deutsche Karrieren

Autor: Michael Horeni
Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart
Zusatzinfo: 1. Aufl.; 272 Seiten.; mit Tafelteil
ISBN13: 9783608503081
ISBN10: 3608503080
Erschienen: 23.04.2012
Medientyp: Buch
Einbandart: Gebunden
Land: Deutschland
Sprache: Deutsch
Maße: Höhe 216 mm, Breite 135 mm, Gewicht 430 gr
Lieferbar
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»Horeni erzählt die wahre Geschichte hinter der Fassade von Meinungen und Vorurteilen.«
Thortsen Giersch, Handelsblatt, 18.05.2012

Drei Brüder, zwei Mütter, ein Vater, ein Ziel: Fußballprofi zu werden. George, der älteste, hat es nicht geschafft. Heute züchtet er Hunde und macht Musik. Kevin hat bei der WM 2010 für Ghana gespielt und trumpft nun bei AC Mailand auf. Bei Jérôme, so scheint es, lief alles nach Plan. Er verteidigt für den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.

Das Buch erzählt vom Aufwachsen in zwei grundverschiedenen Stadtteilen, von Unterstützung und Vernachlässigung in Familie, Schule und Fußballverein, vom Aufstieg im Profifußball bis hin zu den Spitzenklubs und von Integration und Ausgrenzung.

Die Geschichte beginnt im Berliner Wedding in einem Fußballkäfig am Panke-Kanal. Hier sind George (geboren 1982) und Kevin (geboren 1987) aufgewachsen, hier hat auch ihr Halbbruder Jérôme aus Berlin-Wilmersdorf (geboren 1988) das Fußballspielen gelernt. Doch es geht in diesem Buch um mehr als um Fußball und das Spiel mit und ohne Ball. Es geht um Väter und Söhne, um den abwesenden Vater, den afrikanischen Vater und deutschen Rassismus. Es geht um Schule und Ausbildung, um Familie und Vernachlässigung, um Lehrer und Trainer, um männliche Bezugspersonen. Es geht um Ehrgeiz und den Willen zum Erfolg, ums Kämpfen und Aufgeben, ums Hinfallen und Wiederaufstehen und um ein berühmtes Foul.
Michael Horeni geboren 1965, hat in Frankfurt Politologie studiert. Seit 1989 ist er in der Sportredaktion der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, seit 2008 als Sport-Korrespondent in Berlin. Wie wenige andere blickt er hinter die Kulissen der deutschen Fußballwelt und ihrer Strippenzieher.
»Manchmal, gar nicht so selten, sind Sachbücher mehr als Literatur. Nicht besser, klüger oder interessanter, sondern mehr. Sie sind dann mehere Bücher in einem. "Die Brüder Boateng" von Michael Horeni ist so ein Buch. Es ist, klar, deshalb erscheint es kurz vor der EM, ein Sportbuch. Es ist zudem eine sehr gut recherchierte Biografie dreier Brüder. Dreier Brüder? Wer ist denn der dritte, fragt man sich, und da wird das Buch schon zu einem Familienroman und damit zu einem Berlin-Roman, einem Epos über den Wedding und über Wilmersdorf und über die Welten, die dazwischen liegen. "Die Brüder Boateng" ist aber auch ein Drama. Und auch Lyrik, oder jedenfalls ein Hip-Hop-Song, einer wie "Schwarz zu blau" von Peter Fox: "Diese Stadt ist vielleicht gar nicht so hart, wie du denkst."«
Richard Kämmerlings, Welt am Sonntag, 27.05.2012

»Ein Buch über Berlin und die Kraft der Familienbande, über Bildungschancen und Integrationspolitik, über Meinungsmachermechanismen und die Geschichte der Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball.«
Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung, 28.06.2012

»Horeni hat ein stimmiges Bild der drei Brüder und ihrer auseinanderlaufenden Lebensläufe gezeichnet. Es wird deutlich, welche riesige Rolle strukturelle Defizite der deutschen Bildungs- und Integrationspolitik spielen, wenn es um Förderung oder eben Verschwendung von Talenten geht.«
Omid Nouripour, sonntaz, 23./24.06.2012

»Nummer zwei der elf besten Bücher zur Fußball-EM.«
Felix Bayer, Spiegel Online, 30.05.2012

»Sehr einfühlsam dokumentiert Michael Horeni in diesem Buch drei ungleiche Schicksale im Bann des Profifußballs und wirft einen differenzierten Blick auf das Integrationsversprechen des Leistungssports.«
Nils Markwardt, Literaturen, Mai 2012

»Die Geschichte der Boatengbrüder ist eine durchaus exemplarische für ein Land, das zwar schon lange ein Einwanderungsland ist, genau das aber erst seit ein paar Jahren überhaupt zur Kenntnis nimmt.«
Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel, 01.06.2012

»Horeni erzählt die wahre Geschichte hinter der Fassade von Meinungen und Vorurteilen, die sich die Deutschen vor allem über Kevin Prince gebildet hatten . Aber es ist eben auch eine Geschichte über Deutschland und seinen Umgang mit den Migranten, von Chancengerechtigkeit, von Glück und Unglück sowie dem Umgang mit Fehlern. Also ein Buch nicht nur, aber vor allem für Fußballliebhaber.«
Thortsen Giersch, Handelsblatt, 18.05.2012

»"Die Brüder Boateng" ist eines jener Bücher über Sportler, das einen behutsamen, aber auch kritischen Blick hinter die Kulissen der Glitzerwelt des Profifußballs wirft. Es liest sich gut und leicht. Und am Ende möchte man gerne wissen, wie der Weg von George, Kevin und Jérôme Boateng wohl weiter verlaufen wird.«
Thomas Wheeler, Deutschlandradio, 06.05.2012

»Ein sehr gut zu lesendes, gut recherchiertes Buch, das Biographie, Sportbuch und Roman in einem vereint.«
Ceyhan Genc, zdf.de, 13.9.2012

»Es ist die gelungene Symbiose aus Sportlerbiographie und Gesellschaftsstudie, die das Buch lesenswert macht. Horeni dokumentiert Schlüsselmomente im Leben der drei Brüder und löst damit den Schleier um die einzelnen Lebensläufe.«
Marc Strotmann, Titel Magazin, 21.09.2012

»Horenis Buch ist ein Buch über Integration, Bildung, Familie, Fußball-Nachwuchsarbeit, über fremdenfeindliche Reflexe, seelische Verletzungen, die Macht von Medien und Vorurteilen. Es ist erhellend und anrührend, interessant und niemals langweilig. Vor allem aber ist es ein Buch darüber, dass außergewöhnliches Talent ein Geschenk ist, und zugleich eine Last sein kann. Die drei Brüder haben sich freigespielt, jeder auf seine Art.«
Anna Kemper, fussball-kultur.org, 26.09.2012

»Eines der herausragenden Fußballbücher dieses Jahres.«
Reno Voss, fussball-fuxx.de, 23.10.2012

»Ein brillant und sehr spannend geschriebenes Buch.«
Thomas Kliemann, General Anzeiger Bonn, 29.05.2012

»Überzeugend, packend, angenehm ruhig und mit klugem Blick auf Weichenstellungen außerha
Wo alles begann: Der Käfig an der Panke 7

I. Ein Foul und die Folgen
Der Tritt 25
Duell in Soccer City 47
Ein afrikanisches Sommermärchen 66
Die deutsche Internationalmannschaft 75

II. Wedding und Wilmersdorf
Der Prince aus Sunyani 103
Berlin-Wedding, Abschnitt 36 114
Trennungsschmerz 132
Freunde und Helfer 150
Die wilden Jungs von Hertha 169
Im Schatten des Prinzen 182

III. Glitzerwelten, Sackgassen, Neuanfänge
Trennung der Ghetto-Kids 197
Verkehrte Welt 210
Distanz und Nähe 240
Die drei Familien Boateng 250

Dank 263
Anmerkung zu den Quellen und Zitatnachweis 265
Wo alles begann: Der Käfig an der Panke

Langsam nähert sich der schwarze Mercedes dem Ende der Sackgasse. So ein Wagen verirrt sich nicht oft in diese Gegend. Als Kind hatte George Boateng immer von so einem Schlitten geträumt, aber noch viel mehr davon, irgendwie aus diesem verfluchten Viertel rauszukommen. Er hätte alles dafür gegeben, und in gewisser Weise hat er das auch getan.

Der Mercedes schluckt die letzten Schläge des Kopfsteinpflasters, dann hält er zwischen einer Werkstatt, in der kein Auto repariert wird, und einem Spielplatz, auf dem kein Kind spielt. Hinter Kletterpflanzen verborgen liegt ein verlassener Fußballkäfig. George Boateng steigt aus und befreit seine Tochter von dem Sicherheitsgurt des Kindersitzes. Er nimmt das zweijährige Mädchen an die Hand und hilft ihm die Treppe zur Rutsche hoch. Doch bevor Rojda rutschen darf, kontrolliert George schnell noch den Spielplatz.

»Junkie-Spieplatz«, sagt er. Aber er findet nichts, was seine Tochter gefährden könnte. Dann darf Rojda rutschen.
Es ist ein kühler Mittag im Sommer 2011, als George mit seiner Tochter in den Berliner Wedding zurückkehrt, zum Fußballkäfig an der Panke. Vor dem Käfig wartet er auf seinen jüngsten Bruder. Jérôme kommt wieder von der anderen Seite, so wie früher, als er an der Pankstraße aus der U-Bahn stieg, die Badstraße entlangrannte, durch das eiserne Tor in den kleinen Park einbog, um dort dann mit seinen beiden Brüdern und einem Ball hinter den Gitterstäben zu verschwinden. In der Enge des Käfigs gerieten die drei aneinander wie alle in diesem Viertel, aber noch mehr fanden sie zueinander. Der Käfig, das spürten sie, machte sie wirklich zu Brüdern. So wurde der Platz hinter den Gitterstäben groß genug, um darin eine Jugend zu verbringen. Doch die drei Brüder liebten diesen Käfig auch, weil die Welt um sie herum nicht durch die Gitter zu ihnen drang.
Um so lange wie möglich zusammenzubleiben, haben die Brüder manchmal von den Baustellen in der Nähe große Lampen rangeschleppt und sie in die Ecken gestellt. Mit dem geklauten Flutlicht konnten sie auch nach Anbruch der Dunkelheit spielen, oft blieben sie bis nach Mitternacht zusammen. Niemand konnte sie aus dem Käfig vertreiben, auch nicht der Regen. Wenn es so schüttete, dass der Platz unter Wasser stand und der vollgesogene, bleischwere Ball in den Pfützen liegen blieb, holten sie aus der Werkstatt einen Besen und kehrten die Pfützen weg.
»Wir wollten im Käfig immer so lange bleiben, wie es ging«, sagt George Boateng, »wir wollten nicht nach Hause.«
Im Käfig spürten George, Kevin und Jérôme wie nirgendwo sonst, dass sie Brüder sind - von einem gemeinsamen Vater, aber von zwei verschiedenen Müttern. George und Kevin lebten mit ihrer Mutter um die Ecke im Wedding, Jérôme bei seiner Mutter in Wilmersdorf, und das heißt: Sie lebten in verschiedenen Welten. Das tun sie auch heute - in Berlin, Mailand und München. Doch manchmal ist es so, als werfe der verlassene Käfig im Wedding lange Schatten, ganz so wie die Gitterstäbe in der Abendsonne an der Panke, wenn es dort am schönsten war.
Der Käfig war ihr gemeinsames Leben, einem Bindemittel gleich, das stärker schien als alle Unterschiede, die sie mit auf diesen harten Platz brachten, stärker auch als alle Schwierigkeiten, die sie schon als Kinder mit sich herumschleppten. Kevin und Jérôme hat der Käfig zu Fußballmillionären gemacht und zu internationalen Spitzenklubs geführt, dem AC Mailand und dem deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Auf diesem Weg ist für alle Brüder etwas abgefallen, auch für George, der es nicht geschafft hat, sein ebenso großes Talent aus dem Käfig in die Welt hinauszutragen, der sich nie aus dem Wedding freigespielt hat und ohne Schulabschluss und Perspektive einfach hängen blieb in dieser Sackgasse, wie so viele Jungs hier. Er landete schließlich im Gefängnis, verstand das als letzte Warnung und entschloss sich dann, Hunde zu züchten. Denn sonst ging nicht mehr viel.

George läuft im Park einem alten
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