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Wie Kapitalismus neu gedacht werden muss
Es ist eine Zeit, in der Weichen gestellt werden. Nun können wir die Chance ergreifen, die hochbrisante Wohlstandsmaschine des Kapitalismus neu einzustellen. Aber vieles wird anders sein müssen als zuvor. Wir benötigen mehr Verantwortung im Umgang mit Kapital und Kredit. Langfristiges, nachhaltiges Denken muss kurzfristiges, egoistisches Profitstreben ersetzen. Die Lenker von Banken und Unternehmen müssen von der Gesellschaft stärker in die Pflicht genommen werden. Auch Sparer und Anleger müssen ihr eigenes Verhalten hinterfragen und bereit sein, als Investoren Verantwortung zu übernehmen für Wohlstand und Arbeitsplätze, statt Börsen als Spielkasino zu missbrauchen.
Die Staaten und die Notenbanken haben als Retter in der Not eingreifen müssen. Aber mit Geld allein lässt sich eine stabilere Ordnung nicht schaffen. Es bedarf einer weitsichtigen Regulierung der Finanzmärkte. Finanziell benötigen die Staaten einen Rückzugsplan. Verschuldung muss wieder eingegrenzt und die umlaufende Geldmenge eingedämmt werden, um nicht von einem Übel ins nächste zu geraten.
Michael Best erklärt, worauf es jetzt ankommt, damit aus dem Debakel des Kapitalismus kein Dauerleiden wird.
Michael Best leitet seit 2007 das ARD-Börsenstudio und moderiert die Sendung "Börse im Ersten" vor der Tagesschau. Er hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit vielen Jahren als Fernsehjournalist.
Matrix des Kapitalismus Michael Best schlägt Reformen vor, aber keine Revolution
"Reloaded" sagt man im neudeutschen Sprachgebrauch, wenn man etwas neu starten will, ein Programm neu lädt. Und was haben wir nicht schon alles neu geladen: die gespenstische Matrix, die Comedy-Sendung "Switch", sogar von der Achtziger-Jahre-Plage Modern Talking gibt es einen Reload. Und jetzt, jetzt machen wir auch einen Reload, einen Neustart vom Kapitalismus. Dabei hat die Vorstellung eines Neustarts so etwas Befreiendes, ähnlich wie beim heimischen Personalcomputer: Wenn gar nichts mehr geht, zieht man den Stecker und fährt den Rechner neu hoch. Man "reloaded" eben. Braucht der Kapitalismus einen Neustart, ein reinigendes Purgatorium? Der Fernsehjournalist Michael Best nennt zwar sein Buch so, doch seine Änderungswünsche am marktwirtschaftlichen System sprechen eher für einen laufenden Reparaturbetrieb, den dynamische Systeme stets benötigen. Man könne auch von einer laufenden Anpassung und einem ständigen Wartungsbetrieb sprechen. Bests Forderungen klingen moderater, als es der Titel des Buches vermuten lässt: Nachhaltiges Wachstum stärken, eine gerechtere Verteilung anstreben, keine Abkehr von der Globalisierung, Vermögensbildung fördern, mehr Einfluss für Aktionäre, mehr Maß halten und weniger Egoismus - nichts, wovor man auch als Marktwirtschaftler Angst haben müsste. Allein auf die Dosierung wird es beim laufenden Reparaturbetrieb ankommen, damit aus dem "Reload" nicht ein "Overload", ein Überladen, wird. Dieses Überladen will auch Best nicht, wie er selbst schreibt: "Weil Freiheit unteilbar ist und auf der Achtung der Menschenwürde beruht, verbindet sich die Freiheit der Märkte in idealer Weise mit der bürgerlichen und politischen Freiheit", schreibt er. Dieser Satz benötigt mit Sicherheit keinen "Reload".
(F.A.Z., 23.11.2009) "Michael Best, Leiter des Börsenstudios der ARD, hat sich mit "Kapitalismus reloaded" vorgenommen, seinen Lesern viele Details und Hintergründe zur Finanzkrise zu liefern, die über das Fernsehen so ausführlich nicht zu vermitteln sind. Das gelingt ihm auch vorzüglich.
Sein Buch ist eine sehr genaue Beschreibung der Krise. Wer in der aktuellen Entwicklung nicht jede wichtige Nachricht mitbekommen hat, kann hier seine Lücken füllen. Wer in 20 Jahren noch einmal wissen will, wie es damals war, wird alles finden, was er braucht. Und selbst Leser, die sich schon intensiv mit dem Thema befasst haben, werden interessante Details finden oder können das Buch nutzen, um darin nachzuschlagen."
(Handelsblatt - Wirtschafts- und Finanzzeitung, 11.09.2009)
Angenehm und dem Thema angemessen findet Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, dass der Autor "die Emotionalität der Debatte über Kapitalismus, die zum Veriss des Kapitalismus führt, nicht nachmacht, [.] sondern mit ruhigem und sachlichem Verstand" die Debatte weiterführt. "Sehr, sehr hilfreich ist auch Bests Schlussfolgerung, die der Anleger [.] aus den vergangenen ein, zwei Jahren ziehen sollte."
(Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im Interview mit dem HR)
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