Andreas Heinz

Einwanderung - Bedrohung oder Zukunft?

Mythen und Fakten zur Integration

Herausgeber: Andreas HeinzUlrike Kluge
Verlag: Campus, Frankfurt am Main
Zusatzinfo: Auflage 1; 331 Seiten; KART
ISBN13: 9783593397597
ISBN10: 3593397595
Erschienen: 08.11.2012
Medientyp: Buch
Einbandart: Kartoniert
Land Deutschland
Sprache Deutsch
Maße: Höhe 213 mm, Gewicht 410 gr, Dicke 23 mm, Breite 140 mm
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Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese schlichte Aussage war vor ca. 10 Jahren, als die Volkswagen Stiftung die Vorbereitungen für die erste Förderwelle von Projekten zu Migration und Integration vorbereitete, durchaus noch umstritten. Heute wissen wir, dass Deutschland jährlich ebenso viele oder sogar mehr Menschen durch Auswanderung verliert als es durch Einwanderung hinzugewinnt.

Aber was ist aus diesen schlichten Tatsachen zu folgern? Das Problem tabuisierter Themen wie derjenigen, ob Einwanderung in Deutschland zur Normalität gehört oder nicht, ist, dass das Verdrängte als Unheimliches wiederkehrt - vertraut und doch in fremder, bedrohlicher Gestalt. Heimlich vertraut sind die Debatten um das deutsche Wesen, um die Frage, was es eigentlich heißt, >ein Deutscher< bzw. >eine deutsche Staatsbürgerin< zu sein oder zu den >Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland< zu gehören. Während es in den Vereinigten Staaten von Amerika normal ist, dass ein dort geborenes Kind die nationale Staatsbürgerschaft erhält, ist dies in Deutschland keineswegs der Fall. Wer auf deutsche Vorfahren verweisen kann, hat es leichter, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, auch wenn die Familien Jahrhunderte lang in anderen Teilen der Welt lebten, als ein Kind ohne entsprechende Vorfahren, das im Territorium der Bundesrepublik Deutschland geboren wurde. Was hier debattiert und verhandelt wird ist die Identität der verspäteten Nation Deutschland?? und ihrer Bewohner. Joachim Fischer schreibt unter Rückgriff auf Plessner: "Deutschland sei die geschichtlich späte und deshalb >entsicherte< Nation des um seine Welt- und Wertstellung ringenden Europas." Plessner erklärt, dass Deutschland zum Zeitpunkt seiner Reichsgründung im Vergleich zu anderen europäischen Staatsvölkern vergleichsweise traditionslos gewesen sei.

Auf die Phase der Verleugnung, in der trotz des bekannten, drastischen Alterungsprozesses der Bevölkerung niemand so recht wahrhaben wollte, dass unsere Gesellschaft einem so dramatischen demografischen Wandel unterliegt, dass sie ohne Migration nicht zu "retten" ist, folgte die Phase des erwachenden Realitätsprinzips, aber auch der politischen Korrektheit, so dass vorsichtig über Migration und Integration debattiert werden konnte. In den letzten Jahren hat sich die Debatte nochmals gewandelt; einer schrittweisen Anerkennung der Realität, dass Menschen in Deutschland zugewandert sind und ihre kulturellen Praxen und Lebensformen in sehr unterschiedlicher Ausprägung beibehalten wollen und werden, folgte eine Phase der inszenierten Dramatisierung der existierenden Situation, die sich in Debatten und Fragen entlud, ob beispielsweise die Türken intellektuell zur Integration unfähig seien, weil sie zu viel Cousinenhochzeiten aufweisen.

Ist die Intelligenz also tatsächlich - wie in den aufgeregten Debatten der letzten Jahre erstmals seit Jahrzehnten wieder artikulierbar - erblich, und sollte ein Land wie Deutschland von daher regulieren, ob es Menschen nur aus Gegenden der Welt zuwandern lässt, in denen eine ethnisch oder gar >rassisch< bedingte, hohe kognitive Funktionsfähigkeit gegeben ist? Muss die Bundesrepublik Deutschland ein neues >Mutterkreuz< für Akademikerinnen erfinden? Ist es politische Unterdrückung und spricht es gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, wenn die eben genannten Fragen als Wie­dererweckung eines altbekannten eugenischen Diskurses bezeichnet wer­den? Dabei muss man daran erinnern, dass die Eugenik hier in Deutschland mit den bekannten mörderischen Folgen direkt verknüpft war - in anderen Regionen der westlichen Welt, beispielsweise in Großbritannien, zentrierte sich die eugenische Debatte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts eher um die Förderung des Nachwuchses von Akademikerinnen und Akademikern, die Fortpflanzung sogenannter >wertvoller< Familien, als auf die Ausmerze der vermeintlich Minderwertigen. So nannte Mary Stopes, eine britische Botanikerin und Frauenrechtlerin, di
Einwanderung als Bedrohung? Thilo Sarrazin hat mit seinen Thesen zur erblichen Intelligenz ethnischer Gruppen alte Weltbilder in die gesellschaftliche Diskussion zurückgeholt, so auch die Angst vor dem Fremden. Die Debatte darüber nehmen die Autorinnen und Autoren zum Anlass, neben der Frage der Genetik auch die Mythen zu Kriminalität, Integrationsbereitschaft, Schul- und Wirtschaftsleistung von Migrantinnen und Migranten kritisch zu beleuchten. Sie zeigen, dass das eigentliche Integrationsproblem nicht die Migranten selbst sind, sondern der eindimensionale Standpunkt der Gesellschaft.
Inhalt

Einwanderung - Bedrohung oder Zukunft?
Mythen und Fakten zur Integration7
Andreas Heinz, Ulrike Kluge

MigrantInnen als Bedrohung -
Die neue Diskursfähigkeit einst abgelegter Weltbilder16
Ulrike Kluge, Seyran Bostanci

Geschichte der >Rassen< und Rasse-Geschichten - Zur Historie
und biologischen Plausibilität umstrittener Begriffe36
Andreas Heinz, Ulrike Kluge

Intelligenz versus Integration? Die gefährliche Konstruktion
der >gefährlichen Klassen<54
Andreas Heinz

Warum Haut- und Haarfarbe nichts mit genetisch bedingten
Intelligenzunterschieden zu tun haben80
Elsbeth Stern, Roland H. Grabner, Aljoscha Neubauer

Gemeinsame Intentionalität94
Michael Tomasello, Malinda Carpenter

Die Vermessung der Intelligenz im Kontext
sozialpolitischer Fragen107
Stefan Gutwinski, Michael Rapp, Andreas Heinz

Migration und Bildung in Deutschland125
Jürgen Baumert, Kai Maaz

Positive Entwicklung trotz besonderer Herausforderungen -
Das wenig beachtete große Potenzial von Kindern aus
zugewanderten Familien
Birgit Leyendecker156

Vom Mythos der Stagnation - Fakten zur Bildungsbeteiligung
von Personen mit türkischem Migrationshintergrund
in Deutschland174
Naika Foroutan, Coskun Canan

Lebenswelten von Menschen mit Migrationshintergrund
in Deutschland - Die Sinus-Migrantenmilieus197
Marc Calmbach, Bodo Flaig

Migration und Integration in Deutschland - Lebenslügen,
Stereotype und wissenschaftliche Befunde213
Ludger Pries

"Rassismus"? Die Debatte zu Aussagen von Thilo Sarrazin hat
verdeutlicht, wie eng der Begriff in Deutschland verstanden wird233
Hendrik Cremer

Migration wirkt positiv, aber nicht für alle!250
Thomas Straubhaar

Zuwanderung, Demografie und Arbeitsmarkt -
Fakten statt Vorbehalte263
Holger Hinte, Ulf Rinne, Klaus F. Zimmermann

Gewalt und gescheiterte Lebensläufe? Konstruktionen,
Bilder und Zerrbilder von Migrantenjugendlichen279
Haci-Halil Uslucan

>Ausländerkriminalität< - Ihre Instrumentalisierung durch
Politik, Medien und ihre >Klienten<297
Fritz Sack

Autorinnen und Autoren321
Prof. Dr. Andreas Heinz ist Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité. Ulrike Kluge ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin.
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